Ausgabe 
24.4.1912
 
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Vermischtes.

» Die Birke. Bo« alle« Bäumen, ivelche an derZ«sam«>en- setzuna des Waldes teilnehmen, gewährt uns die Birke onreh ihre Icbötte, zarte, weiße Rinde zu jeder Jahreszeit einen anqeiiebmen, guten und wohltuenden Anblick. Wie sie m kleineren Orupven am Waldessaum von weitem schon de« Wanderer im Winter durch die hübsche tveiüe Farce ihres Stammes »Jo stimmt st - u's freudig, wenn im erstell Beginne des Frühlings das lieblich schimmernde (Sri'm ihrer jungen Blätter den erlien Grub des er­wachenden Waldes uns zuwiiikt. Während bei den mellten anderen Bäumen die Blüten wohl verwahrt vor der Kalte in den Kospen- Hütte« schlummer«, luge« die Blütenkätzchen der Birke frei am Zweige den ganzen Winter hindurch nach dem Frühlinge aus. <te männlichen Blütenkätzchen, die schon rm August zu zivel bis drei (tu den Spitzen der Zweige erscheinen, entloben mH fdwn mi zeitigen Frühjahre, hängen dann in langen, gelbbunten Troddeln herab und schütten im Mai ihren Blütenstand auf die purpurroten Griffel der aufrecht stehenden weiblichen Blätzchen herab. ^Wemi die kleinen Frnchtzapfen dann zu Anfang des Monats Levtember reifen, so weht der Wind die geslügelien Samen fort, so das; mir die leere Spindel zurück bleibt. Im Sommer verleiden die schwachen, niederhängende>r Aefte und Zweige der lichte« Syoue der schlanken Birke mit ihren dreieckigen, beständig nn Winde spielenden, lispelnden Blättern dem Baum einen gewißen stdwer- mutigen Charakter, und int verölte ift es die Birke, ivelche durch die frühzeitige, lebha't gelbe Färbung ihrer B.ätter uilS zuerst r aian mahnt, daß das Leben des Waldes zur Ruhe geht. Tie Botaniker zählen gegen 40 Arte« der Birke, unter denen wir die menten «egen Norden gehenden Holzarten antreffen. Sie ist m de« nörd­lichen Gegenden Europas und Astens heimisch iuid kommt in unserem Baterlaude in ungemischten Benände« nur in de« nördlichen vor, während ste in Süd- und Mitteldeutschland nur vereinzelt oder in gemischten Beständen erscheint und am meiste« die sandige Ebene liebt, ivo sie oft 1-5 bis 20 Dieter Hoch und bis XA Dieter am ktammende biet wird. Die Str auch türke und die Zivergbirke finden ftch bis zur Grenze des Bauiiiivuckses in de« bayrischen Alve«, >n Finnland und auf der skandinavischen valbinsel. Tie wohlriechende Ruchbirke ober Haarbirke, die in Rustlcmd, Schweden und Nor­wegen einen Hauptbestandteil der Forsten bildet, findet sich in Teiiischlaiid nur in feuchten Lagen, namentlich in Frauke« und tu Thüringen, untermischt nut der gemeinen oder Besenbirke, auch Weißbirke (Betula alba) genannt. Die Rinde der Birke wird in viele« Ländern des nördlichen Europa schon seit uralten Zeilen zum Gerben verwandt, ebenso zur Gewinnung von Blrkei>teer und Birkenöl. Tas Iuchtenleder verdankt seinen Geruch und feine Geschmeidigkeit dem Birkenteer. Wenn man im iirühjahr den Etamin der Birke anschneidet ober anbohrt, fo flieht em feiner, süßer Saft aus der Wunde, der zu Birkenhouia, Birkenmet und Birkenbalsam Verivendung ftndet. Das Holz der Birke gehört seinem Brenniverte nach zu den besten Holzarten; eS findet gute Verwendung als Werkholz für Tischler und Wagner, sowie zu Reife«, Leiterbäumen, Felgen, Geivehrschaften, P evenköpien und Wlöbefn, zu Tosen, Schachtel«, Sieben und volzmaßeii. Tie Ber- wenduug der jungen Ziveige zu Besen ist bekannt.

Wie tief dringt das Licht ins Meer ein? Die Entdeckung der höchst eigenartigen Lebeivelt bet groben Meeres- tie>cit war eine der seltsamsten Ueberraichungen, bie die aufblühende Naturwifienschaft des 19. Fahr hunderts der Dlenfchljeit brachte. Dian hatte es überhauüt nicht für möglich gehalten, daß in Tiefen von 5000 Meter und mehr noch lebende Weien hausen konnten, denn man glaubte, bau Licht und Luft in jenen Abgründe« voll­kommen fehlten. Nu« hat sich aber osrausgeitettt, baß bie eigent­liche Lebensluit der Tiere, der Sauerstoff, bis auf ben Meeresboden herabd ingi, so baff Tiere in allen Tiefen zu atmen vermögen. Tab in jenen Schlündeii auch Lieht vorhandeii ist, lägt sich ledoch kaum annehmen. Es fehlt atterbings nicht vöttig an Lidnerschem- migen, die werden aber lediglich von den Tieffeetieren felbst durch allerhand Leiichlorgane lschon wehr Leuchtavvaraie) hervorgebracht. TaS Sonnenlicht vermag, so lese« wir int neueste« vest des Zugend- KosmosIn meinen Diusestunoen" (Stuttgart, Franckh'sche Berlaqs- hanblung), in solche Tiefen nicht zu gelangeii. Tte Physik hat nun aber ein Interesse daran, feuzustelle». wie weit Licht von gegebener Stärke in eine Wasjerschicht eiiizubrmgen vermag. Auf der letzten Fahrt desDlidjael Sars", ein s kleinen norwegischeii Forschungs­schiffes, hat daher Tr. H. Hansen Beobachtungen über diese Frage angestellt. Er land, daß die Gesamtheit der Sonnenttrahlen bis zu einer Tiefe von 100 Meter einbrinqt. dabei aber schon abgefchwächt wird, tutb zwar die roten Strahlen stärker als die blauen. In 600 Meter Tiefe ist von den roten Sonnenstrahlen nichts mehr ivahriunehmen. Tie violekten und ultravioletten Strahlen werden dagegen durch photographische Platten in 1000 Nieter Tiefe noch nachgewiesen. Sie scheinen erst bei 1700 Nieter völlig zu ver­schwinden.

Ick. Engi an ds Ruß re gen. AuS der schwarzen Luft Englands fallen jahraus jahrein geradezu erftaunlid) große Mengen Kohlenruß zu Boden. Tie verschiedenen englischen Rauch- bekämpfuiigsbesellschaften, die sich zu einem Bunde zusammengetan haben, um bie Rauchplage zu bekämpfen, haben hierüber jüngst

ihre Nntersiichungeii veröffentlicht. In Leeds beträgt z. B. die Rußmenge, bie jährlich auf eine englische Quadrat « eile fallt, 25 Tonnen Ruß innerhalb des gawien Weichbildes der Stabt, und in der Diitte der Stadt ist dieRußmeuge mehr als -0 mal so groß, nämlich 539 Tonnen. Die englische Quadratmeile hat in runden Zahlen eine Größe von 2,5 qkm. Demnach fällt in ganz Leeds jährlich 1 Gramm Kohlenruß auf jeden Quadratmeter, während in der Diitte der Sta't über 21 Gramm Rohleniuß auf ben Quadrat­meter niederfallen l Für London hat der Bund der Rauch- bekämpfuugsqesellschaften sehr wechselnde Zahlen erhalte». In einzelnen Stadtteilen 'allen etwa 58 Tonnen jährlich auf bie eng­lische Quabratmeile, in anderen wieder über 400. Noch bedenk­licher ist die Riißvlage in Glasgow und seiner Umgebung. In dem kleinen Dörfchen Bones an der Lee fallennur" 72 '-tonnen Kohlenruß auf den engl. Quadratmeter während in Glasgow selbst 8-0 Tonnen Kohlenruß zu Boden fallen. Tas sind nicht ganz 33 Gramm Kohlenruß auf den Quadratmeter! Tte drei etabte Leeds, London mid Glasgow empfangen zusammen lahrlich Ruß­mengen von 50 000 Tonnen, und für die ganzen vereinigten König- reiche wird die Dienge auf ungefähr 3u0 00 ) Tonnen Ruß im Jahre berechnet. An der Richtigkeit der Zahlen zu zweifeln, liegt kein Grund vor. Tie Zahlen sind in verschiedenen Arten auf wechselnde Weise erhalten. Dianchmal ist bie Rußmenge im Regen bestimmt, manchmal hat man den Ruß trocken gemessen, und bie Ergebnisse ber verschiedenen Lesarten stimmten immer gut überein. . ,, , .

* WieNapoleon I. in Aegyvten fort(ebt. Em interessantes Beispiel für die Erinnerung, die sich uni er den Aegyp­ten! noch an den berühmten Zug Napoleons nach Aegypten er­halten hat, gibt Arthur Weigall in einem Aufsatz von Blackwoods Diagazine", ben er ber phantastischen Unternehmung des grobe« Korse« widmet. Im Jahre 1907 machte eine Abteilung englischer Trupven einen Meirich durch das Nilbelta, und da man knapp mit Nahrungsmitteln war, machte man bei einem kleinen Torfe valt. um einige Hühner und Tauben zu kaufen. Ter Omdeh oder «chulze des Dorfes, der wohl glauben mochte, daß diele Tmge ohne 4 e- zahlung requiriert werden sollten, lief? sich auf gar keine Berhand- luiig ein, sondern suchte eifrig unter seinen Papieren, bis er schließ­lich em Dokument triumphierend emporhob, das sorgfältig m einet versiegelten Umhüllung awbewahrt war. Er überreidite das Schriftstück dem O'sizier ber Truppe und erklärte ihm, daß die Soldaten ans seinem Torfe nichts entnehmen dürften, wie in diesem Tokumeiit deutlich ausgesprodien sei. Ter erstaunte Ufiiter zog ei« vergilttes Papier heraus und iaiid einen von einem General Bonapartes unterzeichnete« Befehl, ber bas Torf zum Entgelt ur Dienste, bie es ber französischen Armee geleistet hatte, als von alle« wetteren Lasten beheb erklärte. Ter Engländer lachte un gab bas Dokument zurück.Das ist von einem Franzosen vor mehr als himbert Jahren geschrieben," sagte er zu bem cnibet) ,£as hat beut keine Gültigkeit." Der 'Aegypler zuckte bre «diultern. Franzose ober Engländer", antwortete er entrüstet, .netzt ober ba- mals - das ist für uns ganz dasselbe. Wir sind doch noch das­selbe Volk." ___________

* Des halb'.Das liebste am ganzen Tagist mit doch das Mittagschläschen." So? Ich mente, du schläfst gar nicht nach Tisch."Ich nicht; aber mente Fran!

Altägqptische Hieroglyphen.

Jedes Bild bezeichnet oen llliifangsimaiuabtii >e>nes Jiamens, j. io. Sonne b, Glas = g re. Tie Vokale sind zu ergänzen.)

Auflösung in nächster Nummer.

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S I I-*

Auflösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer» Abkürzriugen: tr Treff, p = '4-ique, e Coeur, car = Garreau trB = Treff-Bube, pA --- Pigne-, cD Goeur-Tame usi.

Vorhand erhielt: pA, pK, pD, p8, p7, c8, carD, car9, car8, car7, im Skat liegen: tr9 und c9; Rest für Hinterhand. Gang deS SpieleS: 1.. pA M.p8 H. pZ = (9- 21)

2. V. pK M. cB H- trS 4- 6

3. M. trB H. carB SB. c8 =4- 4

4. M. trA H. trD SB.car7 = 4- 14.

Die übrigen Stiche erhalten bie Gegner, da Hinterhand mit pB stecken kann und mit Coeur am Spiele bleibt.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steinbrutferei, R. Lang», ffiteiea.