Ausgabe 
24.4.1912
 
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nachts ein Uhr, Dafür sah man alle Straßeü mit ihrem Unrat beschmutzt."

Es zog ein trefflicher Artillerie-Park hier durch, der auf dem Land gelegen hatte, mit schönen Pferden, meist orientalischer Rasse."

Nachmittags wurde auf dem Kolleg Senatssitzung gehalten, .um über die ungleiche, .äußerst drückende Verteilung der Ein­quartierung, , wobei alle Kollegstuben der Professoren selbst die Schulstuben im Pädagog belegt waren, Maßregeln zu ergreifen."

Ein preußischer Volontär beim brandenburgischen Husaren- regiment Karl v. Spdow, der in der Neustadt in des Schuhmacher Gerings Haus am Nervenfieber gestorben war, wurde begraben."

21. November.Eine starke Lieferung wurde ausgeschrieben für das Hauptguartier der Blücherscheu Armee nach Königstein: 10000 Portionen Brot, Fleisch und Schnaps, sodann 4000 Ra­tionen täglich. Regierungsrat Mager wurde wegen Moderation ins Hauptguartier abgeschickt."

, v/Starb Margarethe, des Metzgers und Kirchenseniors Vogt im grünen Baum Ehefrau, geb. Weidig, am Nervenfieber." n 22 November.Der kaiserlich russisch und deutsch gedruckte Armeebefehl laugte an, nach welchem die großherzoglichen Lande als befreundet betrachtet werden sollten. Aber man sieht schon, daß dieses bei der rohen Nation keine Wirkung hat und daß kern Offizier steuert. Unser Kommandant p. Nagel tut zivar, was er kann, aber die Russen kehreir sich an nichts. Einigemal wurden Räuber von Pferden oder Rindvieh zur Wache geschleppt und gepeitscht."

Die Kollegien sollten anfangen, aber wenige fingen an, da noch die meisten Kollegstuben von Soldaten besetzt waren."

21. November.Ein sog. Marschregiment, äußerst rohes, zügelloses Bolt lag hier."

27 November.Dio dent Zeughaus zunächst wohnenden Einwohner, die Professoren Jaup, Schmidt und Sell, sodann Hof­rat v. Schmalkalder, wurden durch ein Schreiben der Lazarett- kommisiion gewarnt, auf ihrer Hut zu sein und sich einstweilen nach anderen Wohnungen umzutun, iveil Gefahr der Ansteckung des Lazarettfiebers vorhanden sei."

Starb Susanne, des Metzgers Weidig Tochter (unweit des

28. November.Gegen 1500 Mann Russen blieben in der ti-tabt.

20. November.Die! vorhin genannten Gäste zogen gegen Friedberg weiter, nachdem sie abscheulich gefressen und die Wirte mißhandelt hatten."

30. November.Gchen 2000 Mann russische Musketiers Und Rekruten tarnen an.

, , 1- Dezember.Ein preußischer Feldapotheker in des Advo­katen Faber Haus" letzt Kircheirplatz 5am Nervenfieber gestorben.

dem Saal int Einhorn gab Madame Schütz (auch als .^tad. Handel bekannt), ihre pantomistischen Darstellungen mit Beifall. Im Löwen war eine Gesellschaft Indianer aus Botany Bat) zu fehen. Zu dem Elend des Landes ist nun auch die Rmdviehsenche gekommen, .woran hier imb ba in den Dörfern mwu Vieh gefallen ist. Das Mitschleppen nnd Abtreiben des Viehs war die Veranlassung. Auch wurde krankes Vieh von den Soldaten mit Gewalt zu gesundem in die Ställe gestellt."

2. Dezember.Es lagen an dem heutigen Morgen sieben Tote zu beerdigen. Die meisten Studenten haben die Stadt aus Furcht vor Ansteckung verlassen."

,,Mad. Schütz gab.int Saal des Einhorn ein Deklamatorium gemeinschaftlich mit ihreni Manne. Die Einnahme, welche nach Abzug der Unkosten 118 Mk. betrug, war für die hiesigen Lazarette bestimmt. Auch war eine Subskription für die Ver­pflegung, der kranken Offiziere, die bis jetzt in Privathäusern lagen. Bei allen Honorationen und Quartiergebern herumgegangen damit dieselben in Wirtshäusern verpflegt werden könnten. Diese brachte 4Ö0 fl. ein."

8. Dezember.Morgens marschierte ein neuerrichtetes Ba­taillon unserer Truppen nach Darmstadt ab. Wegen des Laza­retts entstand große Unzufriedenheit unter den hiesigen Ein­wohnern."

Das umgebaute Frechsche Haus vor dem' Neustädter Tore lvurde zur Aufnahme kranker Offiziere bestimmt, und vorläufig dazu eingerichtet. Da aber heute aufs neue 50 Kranke von Wetzlar ankamen, so wurden diese dort untergebracht."

9. Dezember.Es starben 4 Personen in der Stadt am Lazarettfieber."

10. Dezember.2000 Mann russische Ergänzungsmannschaften über Nacht hier."

11. Dezember.Heute lagen ebenfalls 1000 Mann Russen in der Stadt. Preußische Chirurgen übernahmen von heute an das Lazarett."

12. Dezember.Starb der Kandidat med. Gerold, Schivager des hiesigen Professors Milbrand, ein sehr geschickter junger Mann. Er toar am Lazarett im Entbindungshause tätig gewesen, wo er von dem ansteckenden Typhus ergriffen ward. Desgleichen Konrad Kappes, zum Aufseher daselbst kommandiert. Desgleichen Bal­thasar Plank, Küfer, zuletzt Verwalter am Lazarett. Desgleichen .Daniel Kratzenberger, Krankenwärter ebendaselbst."

13, Dezember.Abends späh feinten noch 1200 Wann Russen

an. Sie lärmten erstaunlich itnb traten gegen die Türen, weil niemand da war, der sie in die Quartiere wies."

14. Dezember.Heute lagen in der Stadt "sechs Leute tot, unter diesen der Totengräber selbst. 'Er, 'F-riedr. Reiber, hatte seinen Sohn nnd seinen Schwiegersohn, die ihm beigegebert waren, vor sich wegsterb«', sehen. Bei dem Einwerfen der nackten toten Franzosen aus dem Lazarett, die in eine Grube auf dem soge­nannten Arrestantenfriedhof geworfen wurden, kam ihm ein Grauen an und er bekam davon das Lazarettfieber."

15. Dezember.Da der allgemeine Abort des! Lazaretts im Zeughause geräumt werden mußte und sich niemand dazu ver­stehen wollte, so lvurden die Gefangenen aus dem Stockhans" Bachgasse, jetzt Asyl für Obdachlosedie ihr Leben verwirkt hatten, dazu genommen. Diese Verstanden sich auch willig zu jener Arbeit, bekamen auch reichlich Branntwein dabei zu trinken. Auch mußten sie di« Strohsäcke der Betten leeren und neu füllen."

16. Dezember.Die hiesige Universität erlitt heute einen Abgang von 5060 Studenten, sämtlich Nassauer, welche sich unter die freiwilligen Jäger ihres Vaterlandes sistierten."

17. Dezember.600 Menschen und 1600 Pferde hielten! heute hier Rasttag."

18. Dezember.Heute starben 5 Personen 'in der Stadt am Nerveufieber. Die Epidemie herrscht nicht nur in der Stadt, sondern in der ganzen Gegend. Sie wurde uns durch die elen­den, kranken Franzosen gebracht. Der Verdruß über die starken kostspieligen Einquartierungen, über die Ausschweifungen und Miß­handlungen der Russen machten manchen für die Ansteckung emp­fänglich. Vorzüglich aber wirkte das Lazarett int Zeughaus, dessen niedrige Behälter zu sehr überfüllt waren und bei welchen man anfangs für die Erneuerung der Lust nicht gehörig gesorgt! hatte, verpestend. Fast alle, die den Fuß hineinsetzten, selbst Soldaten, die hier Schildwache standen, wurden von der tötlichen Seuche ergriffen. Ja, es war nicht selten, daß bei der ärmeren! Volksklasse Vater, Mutter und mehrere Kinder darniederlagen, und meist starben.

31. Dez.In der Landzeitung erfolgte der Aufruf für frei­willige Jäger aus den vorher vom Militär befreiten Klassen. Viele angestellte Diener im Kollegium sind willens, sich ein­schreiben zu lassen. Zur Aufnahme einiger kranker Offiziere sind einige Gartenhäuser in Requisition gesetzt worden."

Im Lause des Jahres 1813 sind in hiesiger Stadt geboren worden: bei der Stadtkirche 129 worunter 5 uneheliche, Burg- kirche 45, kath. Kirche 8, worunter ein uneheliches, im ganzen 182.

Beerdigte: bei der Stadtkirche 187, Burgkirche 77, kath. Kirche 24, im ganzen 288.

Kopuliert wurden: bei der Stadtkirche 30, Bürgkirche 12, kath. Kirche 2 Paare."

Die Burgkirche stand nahe' bei der Sonnenstraße, auf einem Platze, der jetzt zum botanischen Garten gehört.

In dem Hess. Lazarett sind gestorben, wovon fast keine ins Kirchenbuch eingetragen sind, 47. In dem preuß. Lazarett sind täglich 4, 6 8 gestorben."

1814. 1. Januar.Die Nenjahrsnacht war gegen andere ruhig. Der eiserne Truck der Einquartierung und Kriegslasten, die Trauerfälle in vielen Familien hatten dazu mehr gewirkt, als das Polizeiverbot. An Tanzen dachte niemand."

Unsere Universität hat durch die Aufrufe zu den Waffen erstaunlich abgenommen. Zu Anfang des Semesters hatten wir 130 Studenten, jetzt kaum 30. In Heidelberg sollen 50, in Marburg kaum 15 sein."

11. Jan.Weil unsere Garnison jetzt schon schwach ist, so zogen heute! das erstemal die Burger ans und besetzten das Neustädter- und Neuenwegertor."

13. Jan.In der Walkmühle, woselbst die beschmutzten Teppiche aus dem Lazarett gewalkt worden waren, haben nach und nach alle Leut« krank gelegen. Gestorben sind 3 Müller- knechte, der Walkmüller Hinkel und seine Frau."

Das Armeekorps des preuß. Generalleutnant v. Kleist zog- nach der Einnahme von Erfurt nach dem Rhein. Es ritt vortreff­liche Kavallerie durch die Stadt. In der hiesigen Gegend lagen heute 5000 Mann, jn der Stadt 500."

14. Jan.Vom Kleist'schen Korps war heute wieder ein be­trächtlicher Teil in der Gegend. Generalleutnant v. Ziethen lag int Posthause. Er war abends mit einem beträchtlichen Gefolge von Offizieren zum Tee in des Buchhändlers Heyers Hanse" jetzt Weidengasse 1.

Da das Lazarett unserer Hess. Truppen sehr stark angefiillt war (die Zahl der Kranken betrug heute 89) und kein neues passendes Lokal gefunden werden konnte, so wurden die Krätzigen (14) auf die Arrestantenstiche am Selterstor gebracht."

15. Jan.In der Stadt war es durch Soldaten allerlei Korps, durch Fuhrwerk Und 'Artillerie vom Kleist'schen Korps', das auf 20000 Mann angegeben wird, den ganzen Tag sehr lebhaft. Mles geht über Wetzlar nach Koblenz. Der General v. Kleist kam !von Marburg mit Extrapost hier durch. Alle Ortschaften sind ebenfalls stark belegt. Man war mit dem Be­tragen der Leute wohl zufrieden."

Das ganze Personal der preuß. 'Merzte, welche bisher das Lazarett im Zeughaus und Eutbindungshaus besorgt hatten, ging heute ab." (Schluß folgt.)