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>X6er Signe!" Mutter war ganz erschrocken.Ich Ijtoe schon für dich angenommen. Es ist doch sehr ehrenvoll. .Warum denn nur nicht?"

Weil ich unbedingt erst dann an die Oeffentlichkeit treten werde, wenn Frau Lehmann mich dazu ftir reif erklärt. Ich will mich keiner schlechten Kritik aussetzen."

Sie sagte das so bestimmt, als ob damit jeder Wider­stand ausgeschlossen wäre. Doch dann fuhr sie liebens­würdig fort:Sei nicht böse, Mama, ich kann wirklich nicht. Was ivurde denn sonst für uns gnädigst zugebilligt?"

Dorothee wird Sekt verkaufen. Für dich ja, wenn bit nicht im Konzert mitwirken willst, dann ist für dich nichts Bestimmtes vorgesehen . . . aber. . ."

Laß es nur dabei. Mir ist meine Freiheit am liebsten."

Mutter ließ den Kopf hängen. Ihr siel wieder ein, wie heiß sie sich in der Sitzung darum beworben hatte, daß Signe im Konzert mittun sollte es kam ihr so be­schämend vor, den Rückzug antreten zu müssen. Und über­haupt . . . sie dachte eigentlich nicht gern an diese Komitee­sitzung zurück.

Es war still geworden. Bis dann plötzlich Dodo auf­sprang und herumzuwirtschaften begann, so daß Frau Ida aussehen mußte.Mer Mädel, was treibst du denn da?"

Dodo war in die Mitte des Zimmers getreten, hatte die Hacken zusammengenommen und reckte den Kopf bald nach rechts, bald nach links, hob und streckte die Arme, drehte und wand den schlanken Oberkörper. Und als Mutter fragte, rief sie lachend :Ich müllere" und sang:Das Müllern ist der Jungfrau Lust"

Es sah urdrollig aus. Selbst Signe mußte lachen.

Wer dann sagte Mutter plötzlich:Müllere oder wie du das nennst lieber in deinem Zimmer. Ich hab noch mit Signe zu sprechen."

Wobei ich unnötig bin? Meinetwegen ich ver­dufte."

Was wolltest du mir sagen, Mama?" fragte Signe, als die Tür sich hinter der Schwester geschlossen hatte.

Frau Ida war aufgestaudeu uud ein paar Male durch das Zimmer gegangen. Sie begann:Unsere Dodo wird immer burschikoser . . . dieser Wildfaug!" Dann:Wir hätten sie doch lieber in eine gute Pension schicken sollen, aber davon wollte Papa ja nichts wissen". Blieb eine Sekunde am Flügel stehen, trat ans Fenster, um in den verschneiten Garten hinauszusehen.

Signe wartete. Es war gewiß eine Nichtigkeit, die Mutter Vorbringen wollte. i

Dann kam Frau Ida endlich zurück.Ja so, Signe . . . denke dir, in unserer Sitzung traf ich Fran von Kal- tenegg. . ."

Sie hatte erwartet, daß ihre Mitteilung Eindruck auf die Tochter machen würde. Wer sie irrte. Wenigstens blieb Signes schönes Gesicht völlig ruhig.

. es war mir unsagbar peinlich. Aber Kind, das mußt du mir doch nachfühlen!"

Es tut mir leid, Mama, wenn dich diese Begegnung ko erregte. Aber ich sehe wirklich keine rechte Veranlassung vazu. Schließlich mußte man daraus vorbereitet sein! Kaltcneggs leben doch nicht außer der Welt. Und wir haben uns ihnen gegenüber nichts vorzuwerfen. Du am allerwenigsten. Wenn Frau von Kaltenegg gegen mich einen Vorwurf konstruieren will, so werde ich's zu tragen wissen. Aber du - du"

Signe, ich bin doch deine Mutter! Du hättest nur den stillen .Vorwurf in ihren Augen sehen sollen! Und wir waren so gute Freundinnen, von der Schulbank her. Gesagt hat sie natürlich nichts, dazu ist sie viel zu stolz. Nur nachher, als die Sitzung vorbei war es ließ sich nicht ändern kamen wir in ein kurzes Gespräch, und sie fragte, wie wir uns eingerichtet hätten. Nun ja, Signe, und da mußte ich doch auch fragen. Schon höflich­keitshalber . . . und man hat doch auch seine natürliche Teilnahme. Viktor geht es ja gottlob gut. Aber wenn sie es auch uicht aussprach, ich sah's ihr an: überwunden hat er's nicht. . ."

Die Tochter lehnte am Flügel. Spielend zog sie die Wisiteükarte, die Mutter dort liegen ließ, durch die schlan­ken Finger, und ohne aufzusehen sagte sie:Das tut mir leid. Wer er wird schon darüber hinwegkommen."

Ja. . . gewiß," fuhr Frau Ida eifrig fort.Das sage ich mir auch. Ich wäre die letzte gewesen, dir zuzu- reden Man muß doch den veränderten Verhältnissen

Rechnung tragen, und schließlich 'war's eben eine kleine Jugendeselei. . ."

Das nun doch wohl nicht, Mama"

Es war plötzlich ein Unterton in Signes Stimme, der der Mutter nicht entgehen konnte. Sie schüttelte den Kopf, Aus dir soll mal jemand klug werden."

Es gibt Wohl in jedem Leben Ereignisse, Erlebnisse, die ewig nachklingen, auch wenn man sie im Gedächtnis auslöschen möchte, weil man sich über sie hinausgewachsen dünkt. So war auch das für mich. Eine Jugendeselef möcht ich's nicht gern nennen hören."

Wie du willst, Signe. . . wie du willst. Wehtuuj wollte ich dir nicht. . . Uebrigens schickte ich das Kind nicht nur heraus, um dir von Frau von Kaltenegg zu er­zählen. Sie ist, nebenbei bemerkt, recht alt geworden, die gute Klara. Und, weißt du, . . . nun, Geschmack hatte sie wohl nie. . . einem Hut hatte sie. . . wahrhaftig einen! Hut wie aus dem vorigen Jahrhundert . . ."

Signe stand noch immer am Flügel, unbeweglich fast. Aber um ihre Lippen irrte ein trübes Lächeln: es tat ihr weh, Mutter so sprechen zu hören.

Du wolltest mir noch etwas anderes sagen?"

Richtig, ja wohl. Das heißt, eigentlich wollte ich dir davon erzählen, was Papa mir gesagt hat. Er hat mir nämlich so halb und halb einen Auftrag gegeben. Es he-, trifft den Prinzen Hoburg"

Was dieses Prinzlein euch alle beschäftigt!"

Aber ich bitt dich, Signe deine Eltern"

Die Tochter sah auf einen Moment hoch, warf den Kopf in den Nacken zurück.Du sagst das fast so . . . so als ob deine Mitteilung nicht nur den Prinzen, als oh sie zugleich mich betreffen sollte."

Frau Ida hatte sich wieder gesetzt. Sie war etwas! verlegen. Unwillkürlich strich sie, wie ehedem, als sie noch den ganz flachen Scheitel getragen hatte, rechts und links über ihre Haarwellen.Nun ja, liebe Signe," sagte sis zögernd,das ist doch auch ganz natürlich."

Ich wüßte wirklich nicht, Mama"

Aber Kind! Kind! Papa hat dich mit dem Prinzen auf dem Bahnhof getroffen, als du ankamst. Du bist mit ihm zusammen von Frankfurt aus hierher gereist. Und dann: Papa ist von einem alten Freunde aus Schlesien erzählt worden, daß der Prinz sehr viel . und sehr an­gelegentlich von dir gesprochen hat. Mm und unsert­wegen kam er neulich doch nicht an unfern Tisch. Unsert­wegen hat er heut nicht bei uns Besuch gemacht! Siehst du: kann es etwas Natürlicheres geben, als daß deins Mütter mit dir darüber spricht!"

Frau Ida hatte etwas von der herzlichen Wärme, die ihr früher zu eigen gewesen, wiedergefunden. Das fühlte Signe. Empfand es noch mehr, als Mutter sich jetzt hastig erhob, als sie den Arm um sie legte, bat:Hast du denn kein Vertrauen zu deiner alten ÜTOama?"

Mama" gab sie bittend, zärtlich zurück.

Aber es war nicht viel mehr als ein Augenblicksemp^ finden: ein anderes wehes Gefühl mischte sich sogleich dareinr Wie fremd sind wir uns geworden, Mutter und ich." Auch das dachte sie bitter:Em Prinz! Weil es zufällig ein Prinz ist." Und so sagte sie abwehrend:Eine Reisebekannt­schaft, Mama, ein wenig Kurmacherei, Ich versichere dich weiter nichts."

Wirklich nicht, Signe?"

Wirklich nicht!" Nun lachte sie.Ich glaube, daran wirst du dich noch gewöhnen müssen, Mama, daß wir beide umflattert werden."

(Fortsetzung folgt.)

Friedrich der Große als Kolonisator.*)

Zur 200. Wiederkehr seines Geburtstages.

1712 24. Januar 1912.

Von Dr. Heinrich Berg 6 r-Gießen.

Mit seiner Thronbesteigung hatte her Preußenkönig Fried­rich II. von seinen Vorfahren für die Weiterentwicklung seines Staates Ausgaben übernommen, die von ihnen bei der Kata­strophe des vorhergehenden Jahrhunderts nur teilweise hatte» gelöst werden können. Wohl hatten die Vorfahren Friedrichs II. schon recht beharrlich gearbeitet waren doch von 1640 bis

*) Auf Grund Urkundlicher Quellenstudien.