Mittwoch den 24. Januar
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Glückslasten.
Neman von Hanns von Z 0 beltiA (Nachdruck verboten.).
(Fortsetzung.)
6.
Frau Ida kam von einer Komiteefttzung heim, zu der Frau von Elsterburg geladen: Komitee,iHung zur Vorbereitung des Festes für Hauspflege. Die Sitzung hatte ziemlich lange gedauert, und Frau Ida war recht angegriffen, auch ein toenig enttäuscht. Nicht ganz rosiger Stimmung wenigstens. Aber als der Diener ihr in der Halle den Pelz abgenommen hatte, und ihr dann auf silbernem Deller eine Anzahl Visitenkarten präsentierte, die abgegeben worden waren, hellte sich ihr Gesicht auf. Vier, fünf Kameraden von Eberhards altem und von seinem neuen Regiineilt, ein paar Assessoren aus dem Auswärtigen Amt hatten Besuch gemacht; obenauf aber lag auf dem Berge die Karte von Prinz Hoburg. Ganz weiches Papier, ganz kleine gestochene Schrift.
Sie hatte ruhen wollen; es gab auch mancherlei wegen des Festes zu überlegen, rnanche Eindrücke zu überwinden. Doch nun ging sie zu Signe.
Signe faß'am Flügel. Seit sie wieder Unterricht nahm, übte sie regelmäßig. Nicht gerade mit großer Hingebung, nicht gerade Mit großer Ausdauer. Aber sie hatte so viel Zeit und doch auch einen gewissen Ehrgeiz, vorwärts zu kommen. Als Mutter «nitrat, schloß fte den Flügel. Zuhörer liebte sie beim Heben nicht; höchstens Dodo durfte mit einem Buche in einer Ecke kauern. Oft wie jetzt, kauern im wörtlichsten Sinne. Auf dem Bärenfell nämlich, das vor dem Kamin lag.
Das schnelle Treppensteigen chatte Frau Jda etivas knrz- atmig gemacht. Sie stand ein paar Augenblicke Jttll an der Tür und schöpfte tief Luft. Es ging ihr jetzt öfter so. Vater wollte es, wenn sie einmal klagte, immer nicht ernst nehmen und neckte sie mit dem „eisernen Heinrich".
Nun war's überwunden, und sie sagte lebhaft: „Ratet mal, Kinder, wer Desuch gemacht hat?" Dabei hielt sie die umgekehrte Karte vor sich hin.
„Der Kaiser von China!" rief Dodo aus ihrer Ecke, tvährenv <Ägne schweigend die Achseln hochzog.
„Nein. 'Wer Prinz Wilhelm Hoburg."
Das gab wieder eine Enttäuschung. Der Eindruck blieb ganz aus. „Ach •— so —" meinte die Jüngste nnd steckte das Näsch-en aufs neue in ihr Buch, während Signe langsam au Wand und nun fragte: „Willst du nicht Platz nehmen, Mama?"
Sie nickte und setzte sich auf die Chaiselongue. , „Ja aber . . . es ist hoch sehr ausmerksam von dem Prinzen. Sehr liebenswürdig," sagte sw erstaunt-
„Wenn du willst *— ja, Mama." Signe hatte den Klaviersessel mehr herumgedreht, so daß sie der Mutter das Gesicht zukehrte. „Wir werden ja auch so liebens-« würdig sein, Durchlaucht einmal — gelegentlich — em- zuladen. Darnit ist aber die Sache wohl abgetan." Sre schwieg ein paar Atemzüge, nm dann fortzufahren, immer tn ihrem ruhigen, ein wenig überlegenen Ton: „Verzeih, Mama — aber du würdest dir und uns eine kleine Liebe erweisen, wenn du von dem Prinzen nicht so viel Wesens machtest. Vielleicht hast du doch nicht die ganz richtige Vorstellung,, was solch kleiner Prinz heut bedeutet. Herzlich wenig nämlich. Wenn ein großes Vermögen hinter solchem Namen steht, dann geht cs noch an. Das ist aber hier nicht der Fall. Hoburg hat — ich weiß es von seiner Tante — gerade ein standesgemäßes Auskommen. Gleibt im besten Fall der Berwandtschaftsrrets,.der tn einige regierende Häuser hineinreicht — auch eine Verwandtschaft durch sieben' Scheffel Erbsen, über immerhin nicht übel. Das' ist alles."
„Das ist alles, Mama. Gothäer Almanach, dritte Abteilung!" ergänzte Dodo. „Imponiert mir gar nicht."
Mutter drehte die Karte zwischen den Händen. Sie empfand Signes Worte als eine Art ungehöriger Zurechtweisung. Aber sie war unsicher, ob und tote sie der Nettesten widersprechen sollte. So erklärte sie.nach einigem Zögern nur: „Ich will euch einmal etwas sagen, ihr Kinder. Ich bin noch in et nein starken Loyalitätsempfinden erzogen. In meiner Jugend war ein Prinz etwas. Und ich glaube, ihr unterschätzt das auch für heute. Gesellschaftlich selbstverständlich!"
„Darüber will ich nicht streiten, Mama. Schließlich kommt es auch immer auf die Persönlichkeit an."
„Ein gutes Dekorationsstück!" warf Dodo ein. „So denk ich mir das. Ein Salon-DeDrationsstück mit Dekorationen, denn ein paar Orden werden die hohen Vettern und Onkels unserem Prinzen wohl angebammelt haben."
„Du bist die reine Sozialdemokratin, Dodo. Jedenfalls sand ich den Prinzen sehr artig. Du nicht auch, Signe?"
„Ich habe wirklich darüber nicht nachgedachjt,." gab Signe zurück, und dann sagte sie, wie um das Gespräch aus ein anderes Thema zu bringen: „M>er dn kamst von Frau von Elsterburg. Ist nun endlich das erhabene Programm festgelegt? Wie war's denn überhaupt?"
„Sehr nett. Das heißt — nun, man muß sich da auch erst etwas hineinfinden. Wir hatten ja in Körlin auch unsere Basarsitzungen. Ich war ja immer im Vorstand. Aber, wißt ihr, hier ist natürlich alles viel großartiger und viel schwieriger. Ich muß Frau von Elsterburg be-i tonnbern, wie sie das alles übersteht. Ja — also bei Kroll ist das Fest. Es ist aber auch ein Konzert. Und da solltest du singen, Signe."
Die Aelteste sah auf. „Ich? Nein, Manta, unter keinert Umständen. Das lehne nur gleich ab,"


