Ausgabe 
23.12.1912
 
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Auf diese Weise ist an -ein Freiwerden pl denken, und ich konstatiere hiermit.

drohte!

Einer ries:Der Herr hat recht, an den Beamten liegt's." , .

Ein anderer:Es sind nicht Ar beeter genug; warum gewahrte man nicht den heute früh wieder sortgegangenen Seuffli eine Mehrforderung?"

Wo steckt das Militär?" rief eine neue stimme.Hohe

»n legen, von dein sie mit ihren inlteu Knochen sich unmöglich | je wieder erheben könne. Nachdem sie, trotz deren Proteste^, I Mann und Sohn zu-gedeckt hatte, trat sie auch zu der mngen Frau, uni ihr den gleichen Dienst zu erweisen. Schnell richtete sich diese jedoch auf, drückt^ einen Kuß auf die Hand der alten Frau und flüsterte:

Wie danke ich Ihnen, es sind viele Jahre vergangen, seitdem zuletzt jemand so freundlich für mich gesorgt h .

Der Sohn hatte die Worte vernommen, und ihm schwott das Herz. Welch Ungeheuer vou Mann mußte das pinge Weib gehabt haben! Der Trauni malte ihm den Unhold aus, und es wäre sicher zu einem Duell zwischen ihnen gekommen, wenn nicht ein neuer Tag die Traume vergagt hätte. Air irgend welche Toilette war unter den o-bwal- tenderi Verhältnissen nicht zu denken. Das stroh wurde in I einer Ecke aufgeschichtet, Tische und Stuhle wieder an ihre I früheren Plätze gestellt, und das Schlafgemach war nochmals zum Salon umgewandelt, in dem nun der Kaffee eingenom- I

.Ich gratuliere Euch zu meinem heutigen Geburts­tage," sagte lächelnd der Sohn Caroc zu seinen Eltern während des Frühstücks. . . .. ,

.Wahrhaftig!" rief der Vater,wir haben, schon den zweiundzwanzigsten Dezember, und am zwanzigsten sind wir ja wohl abgereist?! Unerhörte Angelegenheit!

Und ich konnte deinen Geburtstag vergessen, Ferdi­nand!" setzte die Mutter schier vorwurfsvoll hinzu.

Daß 'sich der Wunsch des alten Geheimrats erfülle, leere ich diese Tasse Bliemchenmokka," nreiiite nun der alte Herr.Zeit wird's, mein Junge," und, erhob ferne Tasse.

Auch ich wünsche Ihnen Glück," rief die junge Fran und reichte ihm ihre Hand. Die Hände der andern Fremdeii streckten sich ebenfalls aus; er aber ergriff mir die eine und hielt sie fest, indem er, zu seinem Vater ge­wendet, sagte:

Ich hoffe, unser alter Freund behält recht, und die Witwe stimmt zu; denn es sind doch nun einmal immer die verheirateten Frauen, welche mir gefallen," dabei beugte er sich auf die Hand und küßte sie. Die junge Fran er­rötete bis an das Ohrläppchen unter dem wirren, bloii- beit Haar und fragte:

Was haben Ihnen denn die armen Mädchen getan, daß sie Ihnen nicht gefallen? Gehören sie etwa auch zu den Männern, die in jeder unverheirateten jungen Dame eine Angreiferin auf ihre köstliche, persönliche Freiheit sehen? Und zogen Sie deshalb den Verkehr mit den Frauen vor?"Gewiß," setzte sie triumphiereiid hinzu, eine mit dieser Furcht gemischte Eitelkeck ist's, welche Sie die Mädchen meiden ließ!" Doch ehe er antworten konnte, drängten sich nun auch andere an ihn heran, und die Unterhaltung wurde eine allgemeinere.

Steuern müssen wir dafür zahlen und in solcher Notlage läßt es uns im Stich!" ,

Sie haben keine Schaufeln, sie konnten nicht durch! schrie es durcheinander.

Die Beamteir traten zusammen, um ihrerseits einen Vertrauensmann nach der bezeichneten Stelle zu schicken, der bezeugen könnte, daß jeder von ihnen seine Pflicht er­füllt habe. .

In diesem Dilemma meldete gegen vier Uhr eut .Tele­gramm, daß Maschinen von Pristewitz und Riesa abgegan­gen wären, um die Passagiere abzuholen.

Neue Hoffnung beruhigte die Gemüter. Die alte Frau Caroc konnte nicht schnell genug in ihren Mantel schlüpfen, und saß dann mit ihrem grauen Koffercheii auf dem Schoß, umgeben von sämtlichem Handgepäck, erwartungsvoll da.

Aber es verging Stunde aus Stunde, keine Lowmotivs kam. Endlich, gegen sieben Uhr abends, rief der Beamte:

Die Lokomotive von Riesa hat sich durchg arbeitet sie muß gleich hier sein. Die Passagiere nach Berlin mögen ich bereit halten!" Als wenn es dessen iioch bedurft halte. Und wirklich, weithin ertönte der so sehr er'-ehnte und lange, entbehrte Pfiff der Maschine. Der Zugführer, int großen Pelz, Eiszapfen an Haar und Bart, trat ins Hans imb ruf:

Meine Herrschaften, ich bin mit Lebensgefahr hcran- aekomnien, aber ich rate Ihnen allen, ob Sie nach Berlin oder Dresden wollen, kommen Sie mit mir nach Riefa. Dort sind sie wenigstens in einer Stadt mit einem größeren Bahnhof. Freilich kann ich keine Garantie übernehmen, ob Sie vor dem Feste von da noch weiter kommen, aber die Möglichkeit ist dort eher vorhanden, als von hier."

Wäre die junge Fran nicht gewesen, welche nut freund­lichen, überzeugenden Worten der alten Dame znr. d te, dem Rat dieses ersten, gebildeten, anscheinend gut unterrichteten Beamten zu folgen, so würde es Vater und Sohn wohl nicht gelungen sein, die Mutter von der Richtig.c.t in so kurzer Zeit zu überzeugen. Das natürliche, ruhige Wefen der jüngern Frau gab der alten, durch die Sorge um die Ihrigen ganz verwirrten Dame den mangelnden Halt, und willig ließ sie sich von dem Sohne nach dem eiskalteii und dunklen Coupe geleiten. _ _ . t .,

| Der flackernde Laternenschein ließ die Wagen wie w.ig übertüncht erscheinen von dem daran hastenden Schnee, und I die daran hängenden Eiszapfen bi.beten eilte seltsame, glitzernde Garnierung. ,

'Ist das graue Köfferchen auch da?" fragte die n.tc Dame, als alle im Coupe untergebracht waren. ,,^ch hatte es soeben noch in der Hand."

Der Sohn zündete ein Wachskerzchen an, ein zweites, ein drittes, der Koffer war nicht zu finden.

Wir können ohne ihn nicht abreif eit, wir müssen hier bleiben," rief die geängstigte alte Dame. Doch das Signal ertönte, und der Zug bewegte sich schneckenhaft in die Nacht hinaus. Alle Trostgründe waren vergebens. Vollständig in ihr Schicksal ergeben, den Tod ihres Mannes vor Augen I sehend, lehnte die Mutter in ihrer Ecke und ließ sich sogar trott dem Sohne zudecken, ohne auch nur die Hand zu heben, | um das abznwehren.

(Schluß folgt.»

heilige Nacht.

Von Er n st Georgy.

, Haben Sie Dank, Emma Karlowna, heißen Dank für alles,' was Sie in diesen fünf Jahren an uns und unseren Kindern getan haben! Und merken Sie sich das eine, wenn es Ihnen in Deutschland nicht mehr beha-gt, wenn Sie kein gutes Engagement mehr finden, dann kommen Sie zu uns zurück! Wir werden Sie jederzeit mit offenen Armen wie eine liebe Tochter aufnehmen! Rußland sei Ihr zweites Vaterland, unser Balianowka Ihre zweite Heimat vergess n Sie das nie!" Sergius Nikolajewitsch Wonsakin hatte das Mädchen nach diesen Worten fest in die Arme ge­schlossen. Sie weinte herzzerreißend. Der Abschied von der gütigen kranken Frau Wonsakin, von den vier prächtigen Kindern, von dem behaglichen alten Gutshause mit seiner alten, treuen Dienerschaft hatte sie im tiefsten Innern aufgewühlt. Nur schwer, beinahe mit Gewalt, hatte der Hausherr die Scheidende von den weinenden, jammernden Seinen losgerissen, auf den Schlitten gehoben und war mit ihr davongesaust.

Jetzt standen sie in der baufälligen, schmutzstgrrenden.

Während des Vormittags schien das Schneewetter ein wenig nachzulassen; es gab sogar einige sangnimsche Leute, welche das Erscheinen der Sonne prophezeiten. Der Amerikaner hatte sich hinausgewagt, um das Fort schreiten her Arbeit an der verwehten Stelle zu kontrollieren. Er­brachte schlechten Bericht.

Mit den fünfzig Arbeitern, bei richtiger Verteilung und -Aufsicht, getraue ich mir die ganze, dreihundert Schritt ange, verwehte Strecke des Geleises in fünf Tagesstunden rei zu schaufeln. Aber die Leute arbeiten ohne Eintei- un-g, ohne Aufsicht; alle fünf Minuten heben sie die Schan- el, dann sprechen sie wieder der im Schnee steckenden Schnapsflasche zu. Auf diese Weise ist an ein Freiwerden des Geleises nicht zu denken, und ich konstatiere hiermit, meine Damen und Herren, daß es an den Beamten dieser Blockstation gelegen hat, welche ihrer Pflicht nicht ge­wachsen waren, wenn wir hier das Weihnachtsfest znbringen müssen, und die Bahn einen großen pekuniären Verlust erleidet. Ich aber werde die Sache anhängig machen, und sollte ich bis zu Seiner Majestät dem Kaiser gehen!"

Diese kleine Rede, welche er mit volltönender Stimme ist bas gemischte Publikum hinein gerufen, erto trifte einen Sturm, der fast größer als der draußen tobende zu werden