Ausgabe 
23.10.1912
 
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66b

andern beyle fifein, feetjnte blibin der stad tzu Hude. were ouch daz dy, dy uz feihen, niderlegin aber geschediget wurdin von den fiandin, des god nit en wolle, so sollin dy, dy hehme bliben, den schadin mit yn dragin nach bescheidinlichen und rnuge- lichen dingen und nach igliches maunes aber Personen macht. Ouch hon wir underschehdin: were yman under den, dy uz

tzihen, der shme burgermeyster aber wem -i$ besolin were, Wolde

nit gehorsam siu und Wolde sich selbir versumen, wurde der schadehast, der sal den schadin alleyne dragin. ouch ist gereditj^ gesche daz, daz eyme deyle gehörte lange uz tzu sine, so sal

daz andere deyl Wan sich daz geborit, als dicke nach ein ander-

uz tzihen, biz sich daz geliche. daz dise ding siede und feste werdin gehaldin, des hon wir unser groze ingesigel an dysin brif gehangin. datum anuo domini nt0 -ccc° xlvi in die Beate Marie Magdalene.

Kandel und Gewerbe.

In Kriegszeiten mußte der Handel schweren Schaden erleiden. Tas zeigen uns die Zolleinnahmen. Der Landgras hatte in jeder Stadt seinen Zoll, der von allen eingeführten Waren, außer bei­den freien Jahrmärkten, erhoben wurde. Zeitweise, wie.1383 ff., wurde der Zoll an die Stadt verpfändet.

Ueber 9 Jahre Zolleinnahme haben wir dadurch die Rechnung: da prägen sich die Kriegsnöte deutlich in den Zahlen aus : während. 13841387 die Einnahmen 112, 120, 100, 110 Pfd. betragen, sinken sie in den schweren Kämpfen Landgraf Hermanns herunter auf 60, 60, 70, 65, 75 von 13881392.

Handel und Handwerk waren zuufimäßig verfaßt. So erhielt die vornehmste Zunft der Stadt bereits 1355 von Landgraf Heinrich II. einen Jnnungsbrief : es war die Zunft der Gewand- .schneider und Kaufleute. Eigenartig ist darin die Bestimmung: niman in dirre brudirschaft sal stelle misten adir mist ladin, unde wer daran brichit, also dicke alse he brichit und des beseht wirt, alse dicke sol he geben fünf schillinge phenninge."

Sonst wissen wir von den Zünften aus dieser Zeit wenig! mehr, als daß sie bestanden.

1355. Aug. 11. Ordnung für die Gewands chueider- und Gewandmacherinnung zu Alsfeld.

(Original auf Pergament. Reitersiegel hangt beschädigt an.)

Wir Heinrich von godis gnadin lantgrebe Hessinlandis bekennen uffinliche in disem briv-e vor unS, unde unsere erbin, daz wir fean gegebin, gebin unde bestedigin in diseme, sei bin brive den koufludin, die in unsir stad Alsfeld gesessin syn, eyne brudirschaft unde eyne eynuuge, der sie selbir übirkumen unde eyntrechtig ivordin syn durch eynen gemeynen nutz, als hir nach geschribin sted:

Zum erftin male, daz niman sal in die brudirschaf tunten, he enteufe sich bau drin unt'e brie ntarg pheninge gengir werunge unde brie phund wassis. were ouch in die brudirschaft tunten,1 sal, der sal syn eyn nnbesprochin chiderbe man und ensal anbirSi keynerley handwerg habin bau gewant snybin.

Züm anbirn male, baz niman sal gewant snybin bynnei, adir büßen nnsir vorgenant stad, batt bie kouflnde in ber brnbir- ftfjaf, iz enwerin bau genteljite jnrniargt; uf den mag eyn iglichir gewant snybin als gewonlich ist uub wer barane vor- Bridjiit, ber sal gebin als bicke als fee brichit unbe des belegt Wirt, eyne ntarg pheninge und eyn phuud wassis.

Zum dritten male, daz niman unbir den koufludin, die gewaNt snybin, sal gewanb machin abir gewand lasin machin eme selbir, syme gesinde abir anbirS yrnanne. und wer bar ane virbrichit, alse bicke alse he virbrichit unbe dez beseht wirt, alse bicke sal fee gebin eyn phunb pheninge unb eyn Phuud wassis. bar uz ist gescheibin, baz eyn iglich burgman Als- felb gesessin unbe eyn schesfiu gesessin ba selbis, ber nicht gewant snybit, mit orlobe ber meistere, -bie bar ubir besäst syn, tnugin machin eyn funttr gewant unbe eyn wynter gewant ane lystin ernte selbis nütze unb andirs nicht, ben orlob ba sal man en nicht vorscyn ben zwen gezybin.

Zitm virdin male, baz niman in ber brubirschaf sal kenstn garn, wollin abir keynerley btng mit ber schozwagin; niman sal ouch feufin wedir schudelinge abir Hude, und wer dar ane brichit, als dicke alse fee brichit unde dez beseht wirt, alse dtcke sal he gebin ehtt phuud phenniitge unbe eyn Phunb wassis.

Zum fümftin male, daz- niman in birre brubirschaf sal stelle mistiu abir mist labin . unbe wer bar ane brichit, alse btcke alse fee brichit unbe bez beseht wirt, alse bicke sal he gebin fünf schillinge phenninge. .

Wir bekennen ouch iit bisem felbm brttie, baz wtr ben gewantmachirn, bie in unsir borgenant stad tuoninbe syn, ouch hau gegebin, gebin und bestedigin in bifeine selbin brtbe eyne brubirschaf, alse hir nach geschribin stet:

Zum erftin male, baz niman sal gewanb machtu ymanNe bynnen abir bußin unsir borgenant stad, iz sie wilchirley iz sie, ume Ion, bau ben meistirn, die in der brubirschaf syn . unbe wer barane birbrichit, alse bicke alse fee virbrichit unbe bez beseht Wirt, alse bicke sal fee gebin eyn phuud pheninge unbe zwey phuud wassis.

Zum anbirn male, baz niman sal btsttlsal machin, tz cnpe bau, baz he abir syne kyude ben bistilsat selbir wolle tragin . unbe wer barane brichit, alse bicke alse fee brichit unbe bes

erhielten,21 unb die meist auch einen Burgsitz, ein Haus in ber Stadt featten. Tie Rittergasse führt noch heute den Namen von diesen Wohnungen der Burgmänner. Im späteren Mittelalter begegnen uns unter den Burgmännern intimer Glieder der Als­felder Familie Schaufuß. Aber neben diesen adligen Soldaten hatte die Bürgerschaft selbst für den Schutz der Vaterstadt auszu­kommen. Ter Wehrhafterhaltung der Bürger diente das Schützen- Wesen, und Stadt und Landesfürst sorgten treulich dafür, daß die Schützen Lust und Freude am Waffenspiel behielten.

Aber nicht immer blieb es Spiel. Im 14. und 15. Jaht- Kundert waren ja die Friedenszeiten nur Ausnahmen. Immer wieder mußten die Bürger ausziehen und dem- Ruf des Fürsten Folge leisten. Tas fiel dem Einzelnen zu schwer; auch war ja Nicht immer eine so große Streit erschau vonnöten, und die ver­lassene Stadt entbehrte der Hut. So teilten im Jahre 1346 Bürgermeister, Schöffen und Rat die Stadt in zwei gleiche Teile. Tie Bewohner der einen Hälfte sollten, wenn geboten wird, zu reifen oder auszuziehen,sitzen", die anderen ausziehen. Ver­luste der Ausziehenden sollten die zu Hause Gebliebenen mittragen die Verluste bestanden ja damals fast mehr in Lösungsgeld bet Gefangennahme, als in Blut und Leben. Allzn lange Züge 'eines Teiles sollten bei anderer Gelegenheit wieder ausgeglichen werden.

Wohl durch -diese Zweiteilung der Stadt, von der allerdings später nie wieder die Rede ist, ist -es möglich 'gewesen, daß, auch einer für den anderen in den Krieg zog. Denn 1471 Januar 22. (tercia post Agnetis) bekennt Hen Zugriffe Bürschnern eine Schuld von zwei Pfund,vor bas fee vor en hu idem feere ist gewest". Tie großen Hofgüter waren bei solchen Zügen zu Fuhren verpflichtet, besonders um die Harnische und das Gez-enge den Kriegsleuten nach- zufahren. Freilich suchten die .Alsfelder Höfe des Klosters Haina und des deutschen Ordens, sowie die des Spitals sich immer wieder dieser Last zu entziehen und mußten immer wieder von neuem daran erinnert werden?)

Nicht immer gelang es, den Krieg in Feindesland zu tragen. Ter Feind kam auch vor bie Stadt und suchte sich ihrer zu be­mächtigen» Tarum war die Stadt stark befestigt. Ringsum zog sich die Mauer; in gefährlichen Zeiten wurden Steine hinauf­geschafft, um sie auf die anbräugenben Feinbe zu werfen?) Ta verstärkte man wohl auch, wie 1384 ff., die Befestigung, indem' man die Tore noch durch besondereSchläge" auf den Brücken­sperrte. Ferner biente dem Schutze ber Stabt eine starke Außen­befestigung. So hören wir schon 1365 bei ber Gründung der Kapelle unb des Friedhofs auf bem Frauenberg von einerWarte" auf diesem Berg» Tie Grundmauern eines mächtigen Turmes wurden dort im vorigen Jahre auf gedeckt. Aber noch weiter hinaus wurden die Befestigungen vorgeschoben. 1385 wurden nicht weniger als 14 solcher Schläge rings um bie Stabt aus­gebessert; Zäune unb ein Erdwerk, bieLanbwehr", vollendeten bie Außenbefestigung.

War ein Feind gefangen, so kam er in ben Turm ober auch in ein Privathaus und mußte dort warten, bis er ausgelöst würbe, unb wir dürfen uns fein Los nicht zu traurig vor stellen; geben! doch unsere Rechnungen Zeugnis von einer ganz reichlichen Ver­pflegung?) -Freilich, hatte ber Gefangene im Felde eine Wunde erhalten, so wartete seiner im Gefängnis der Tod, denn Heilung war bei den Gesundfeeitsverhältniffen jener Zeit kaum zu er­warten?! >

1346, Juli 22. Ordnung der Stabt Alsfeldüber bie Einteilung ber Stabt in Kriegszeiten.

(Original auf Pergament, Siegel abgefallen.)

Wir dy burgermeyster, by scheffin unb ber rayb tzu Als- felt bekennen in dyseme Krise, daz wir mit vorgehabtem rabe eyndrechtigliche durch unser und unser gemeynde beftin willen dH vorgenant unser stad hon gebeylit unbe underscheibin gelich an feto ei beil, unb hon gesazt, tzu toilcher fehl uns geborit aber uns gebobin wirt tzu reysene unb,uz tzu tzihen-e, baz Ye dye by in eyme fealbin beyle sitzen aber ba tzu geschribin sin, sollin uz feifeen unde reystn, Wilchern beyle daz geborit, aber toi bicke geborit eyn deyl vor, baz -ander nach . und sollin dy in dem!

2) So erhielten 1384 ff. aus den von bem Sanbgraf-en ber Stabt überlassenen Gefällen (vergl. Eb-el I, 72) Syman von Slitze von Husilstam und sein Bruder Fritsche je 7i/2 Pfund Heller, Syman von Slitze genannt von Hoenb-erg 12 Pfund Heller zu Burgelehen.

3) Ebel II, 68. 69. Nachtrag 62, 64.

*) Rechnung 1384 f.: 4 sol. von ber lanttoere Widder uszu- toerfen, du bie fienbe uf bem Hoge woren gewest.'

°) Ebenda: Conczen Schulteißen 11 schill. hell.; ber furte Worfsteine, bie man uff die mure brug.

6) Ebel I. 34. i

) Rechnung 1384 ff.: Heller unb fine gesellen vorzeret in Üen derne ane brode und ane fleisch 5 -g. ane bire 5 sol. die Gefangen in des schultheißen feuw verzerten ane fleische, ane fe-erunge, ane brode, ane bire 23 sol. der in den dorne verz-eret 2 tal 6 h. vor brot und bire, vor Heringe und fleisch 7 g.

8) Ebenda: 4 gröschen verzerte Stecke in dem dorne,-2H2 Sch. 2 h. zu graben Stecken und ber in des schultheißen feuse starb. Dem Seckeln unb Husoldir 2i/2 S-ch. 2 fei, bie gruben ben, ber in dem dorne starb, unb- beme, ber in des fchulteißen fetife starb.