ZZT

SJiui ii säöfcss

I«,

W! Sw/A|

Die Dame im Pelz.

Roman von G. W. Appleton.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Auf dem Wege nach meiner Wohnung drängte sich mir trotz aller anderen Kümmernisse wieder von neuem jene Frage auf, die schon häufiger in ruhigen Momenten an mich herangetreten war.

Eins beunruhigt mich noch, Charley, sagte ich zu meinem Freunde, die Geldfrage. Diese Geschichte kann mich noch sehr viel kosten, ehe ich sie zu Ende geführt habe, und gleichzeitig geht's mit meiner Praxis alle Tage bergab. Meine Patienten haben das Vertrauen zu mir verloren, und Gregory ist kein ausreichender Ersatz. Aber trotzdem habe ich das Gefühl, daß. ich lieber alles gehen lassen soll, wie's will, um Marcella zu gewinnen. Meinet­wegen, nenne es nun Schwäche, Verrücktheit oder wie du sonst willst.

Liebe, mein Junge Liebe, antwortete Mortimer.

Gewiß, natürlich, das ist's. Wenn ich Marcella nicht erobere, wird es für mich keinen Sonnenschein wieder geben. Ich werde ein gebrochener Mann sein Zeit meines Lebens.

Aber, sagte Mortimer, indem er mich herzlich auf den Rücken klopfte, die Sonne wird wieder scheinen, du wirst Marcella wiederfinden; du wirst doch nicht glauben, daß wir so einen prächtigen, lebenslustigen Kerl wie dich zu­sammenbrechen lassen. Das gibt's nicht, lieber Junge. Frischen Mut gefaßt und zum Teufel mit den Sorgen um den Kostenpunkt!

Immerhin, erwiderte ich gezwungen lächelnd, ist's nicht so leicht, den Kostenpunkt einfach dem Teufel zu überlassen, zumal ich nun auch von der Tante nichts mehr zu erwarten habe.- Ich weiß tatsächlich manchmal nicht, wie ich mich noch durchschlagen soll.

Du dummer alter Ted, versetzte mein Freund darauf endlich, hast du nicht einen alten, guten Kameraden namens Charley Mortimer? Und ist er nicht infolge derselben Leidenschaft, die dir jetzt Sorgen macht, dein zukünftiger Schwager? Und hat er nicht so 'n kleines Sümmchen von tausend Pfund müßig auf oer Bank liegen, das dir jeden Augenblick zur Verfügung steht? Weg mit diesen Grillen du alter Pessimist! Hier sind wir in Richmond. Nun ein heiteres Gesicht gemacht schon um Helens willen, zeig' ihr mal, daß sie 'nen Bruder hat, der sich! nicht unterkriegen läßt, und wenn der Himmel einfällt so lange die Geliebte noch zu gewinnen ist.

Es Mb wirklich kaum einen zweiten Mann, der einen so aufmuntern konnte wie Charley Mortimer; und ich trat an jenem Wend wahrhaftig mit fast freudestrahlendem Gesicht in unseren kleinen Salon.

Auch. Helen zeigte eine lächelnde Miene. Sie war nicht allein. Dicht neben ihr saß zu meinem größten Er- staunen Lucy Äelton.

Sie kam mir vor wie ein Engel, vom Himmel gesandt; denn durch sie konnten wir nun etwas wirklich Bestimmtes und Endgültiges über Marcella erfahren.

Nach dem, was uns dieses liebenswürdige und treu­herzige kleine Wesen erzählte, war Marcella tatsächlich die Tochter Emmanuel Garcias. Ihre Mutter war früh­zeitig gestorben, und ihr Vater hatte sich nicht wieder ver­heiratet. Daher war sie von einer verwitweten Schwester Garcias erzogen worden, einer distinguierten Frau, die eine hervorragende Rolle in der vornehmen Gesellschaft San Franziskos gespielt hatte. Ihr Vater hatte sich nur selten und vorübergehend in der Goldenen Stadt aufgehal- ten und den größten Teil seiner Zeit auf seinen Besitz­ungen in Mexiko und Nevada zugebracht. Während der San Franziskver Periode hatte sich zwischen Marcella und Lucy Belton, die ein paar Jahre älter war und aus einer angesehenen, wenn auch wenig begüterten Familie stammte, em echtes und festes Freundschaftsverhältnis heraus­gebildet.

Nach dem vor nicht allzu langer Zeit erfolgten Äb- leben ihrer Tante hatte Marcella auf dringenden Wunsch ihres Vaters nach Nevada übersiedeln müssen. Das an ein großstädtisches Leben gewöhnte Mädchen hatte sich jedoch in der rauhen Einsamkeit nicht wohlgefühlt und schon bald einen wehmütigen Brief an ihre Freundin geschrieben und sie mit Einwilligung ihres Vaters instän­dig gebeten, doch sofort zu ihr zu kommen.

Lucy Belton hatte schon in den ersten Tagen ihres Aufenthaltes in dem Garciaschen Hause den Eindruck be­kommen, daß da irgend eine geheimnisvolle Angst herr­schen müsse. Es wurde alles streng bewacht, und auch Garcia selbst schien nicht frei von Furcht und trüben Ahnungen gewesen zu sein. Eines Tages war dann eine Anzahl bewaffneter Männer eingetrofsen, mit denen Garcia eine erregte Unterredung in seinem Zimmer geführt hatte, wonach sie jedoch ganz friedlich wieder abgeritten waren. Nach dieser Episode war Herr Garcia wie umgewandelt gewesen. Er hatte sich gegen seine sonstige Gewohnheit beim Essen fast heiter mit den beiden Mädchen unterhalten und sie dann gebeten, mit ihm in sein Privatzimmer zu kommen, weil er ihnen einen interessanten Vorschlag zu_ machen habe. Ueberrascht waren sie ihm gefolgt und, nachdem er die Türe hinter ihnen geschlossen, hatte pr zu ihnen gesagt:

Würdet ihr beide bereit sein, in meinem Auftrag eine Reise nach England zu unternehmen? Es ist heutzutage gar nichts Ungewöhnliches mehr und ganL gefahrlos.

Marcella hatte bei der Aussicht, aus diesem unheim­lichen Orte wegzukommen, sofort freudig zugestimmt und Lucy nach ihr selbstverständlich auch. Darauf hatte er ihnen sofort nähere Anweisunaen gegeben und sie gebeten.