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Vergessenheit aller Dinge, die sie selbst betrafen, noch we I Niger begreifen konnte als am Vormittag. Nach dem Essen I setzte sie sich ans Piano und erregte durch ihr ^usgezeichst I netes Spiel die Bewunderung Helens, ime ^deutlich sehen konnte. Dann bemerkte ich jedoch Zeichen physischer Abspannung in ihren Zügen, so daß ich höflich, aber fest s | aufforderte, zu Bett zu gehen, rn der Hoffnung, daß am nächsten Morgen wieder alles in Ordnung fern wurde. I
' -rch hatte vielleicht eine Stunde allein am Kamrn ge-- I fassen und die merkwürdigen und aufregenden Vorkommnisse des Tages au mir vorüb erzieh en lassen, als srch die I Tür auftat und meine Schwester Helen schreckensbleich zu I mir zurückkehrte. I
Ich weiß nicht mehr, was ich denken soll, sagte sie ei> regt, aber unser Besuch ist ganz eigentümlich. Augenblicklich ist sie zwar wieder etwas ruhiger, aber als ich das Haar I lösen half, fand ich Blutspuren drin. _ . „ I
Heiliger Himmel! rief ich. Dann muß ihr cm Un- I qlücksfall zugestoßen sein. Daran hab' ich me gedacht. Ich bin 'n schöner Doktor! Daraus erklärt sich auch ihre I Bewußtlosigkeit und der Verlust des Gedächtnisses 8toct== 1 sellos eine Gehirnerschütterung; und an so was gar nicht zu denken! Wird's nicht das beste sein, ich geh' gleich zu ihr 'nauf? t , |
Nein, gab sie zur Antwort, jetzt wurde ich sie lieber nicht stören. Laß sie schlafen. Aber ich muß dir noch was erzählen, und das hat mich hauptsächlich erschreckt. ,vm I ihrem Korsett fand sich dies hier. Damit überreichte mir Heleii einen dicken Brief, dessen Umschlag deutlich meinen Namen trug. Sie sagt, sie wisse nichts davon, fügte meine I Schwester hinzu, und sie könne sich absolut nicht erklären, wie er in ihren Besitz gekommen sei. Die Sache lonimt mir wirklich immer unheimlicher vor.
Ich sür meine Person war einfach sprachlos vor neuer Verwunderung, als ich das Kuvert ganz automatisch ans- machte. Dann müssen meine Augen entschieden fast aus ihren Höhlen gesprungen (eilt, als ich sah, daß cs voller I Banknoten steckte. ,, , ,
Ich nahm sie heraus und zählte sie tote m ement Traume aus den Tisch. Konnte es möglich fern? Ich zählte sie nochmals durch. Ich hatte mich nicht geirrt — sünfzigtausend Dollars! — zehntausend Pfund!
Alle Teufel! rief ich, was mag das nun wieder bedeuten? „ , , .,
Pst! sagte Helen ängstlich flüsternd; und als ich zu ihr aufblickte, merkte ich, daß sie wie ein Espenlaub zitterte. Pst! Dreh' dich nicht 'rum, bis ich dir's sage. Draußen por'm Fenster — ist ein Männergesicht. Jetzt! rasch! guck!
Als ich hinschaute, sah ich ziemlich deutlich, wie das Gesicht verschwand, aber ein Blick hatte mir genügt, um es als dasjenige des Mannes wiederzuerkennen, den rch bei der Verfolgung Emmanuel Garcias auf der Station Euston als letzten hatte in den Zug springen sehen.
3. Kapitel.
Der ganze Tag lvär schon überreich gewesen au aufregenden Vorfällen, aber diese letzte Entdeckung war sur meine Nerven doch etwas zu viel, und' ich stehe nicht an, zuzugeben, daß. mxäy noch nie im Leben ein unheimlicheres Gefühl überkommen hat als damals. Helen war aschfahl, während mir dicke Schweißtropfen auf der Stirn standen, als wir uns schweigend und bestürzt ansahen. Bor uns auf dem Tische lag ein Vermögen ausgebreitet — ein Vermögen, das an meine Adresse gerichtet war, und von dem nur der Himmel wußte, woher es kam; und dieser ungeheuerlichen Entdeckung folgte so rasch wie der Donner dem Blitz das unheilverkündende mir wohlbekannte Gesicht am Fenster. ,
Helen brach zuerst das fürchterliche Schwetgen.
Ted, sagte sie, es überläuft mich! kalt. Mas sollen wir tun? ,, m
Das mag der Himmel wissen, erwiderte rch. Bor allen Dingen heißt's: Mut gefaßt. Damit ging ich ans Büfett, schenkte mir ein halbes Wasserglas voll reinen Whiskys em und trank ihn aus. Ich. will mir nicht etwa bannt Mut antrinken, sagte ich, aber meine Nerven bedürfen einer Anregung, sollen sie nicht den Dienst versagen. Ich habe noch nie so 'n Schwächegesühl gehabt wie jetzt. _ Nun, vorerst müssen wir das Geld an einen sicheren Ort bringen, und dann will ich 'nausgehen und nachsehen, was aus dem KM geworden ist..
Nm Gottes willen nicht, tu das nicht! rief meine geängstigte Schwester. Das arme Mädchen oben hat schott 'nen Schlag bekommen, der ihr beinahe das Leben gekoster hätte, denn nun durchschau' ich den ganzen Hergang., Es hat jemand gewußt, daß sie Geld bei sich hatte, ist hinter ihr hergeschlichen und hat sie draußen niedergeschlagen und nur, weil Leute hinzukamen, seinen Raub , nicht ausführen können. Siehst du das nicht ein? Mir ist alles, sonnenklar. Begib dich nicht in Gefahr, Ted, bitte, um meinetwillen tu's nicht! .
Doch der Whisky hatte ment Blut m Wallung gebracht. Ich war ja schon mal mit dem Kunden fertig! geworden, und so sollte er auch jetzt Nicht ungestraft auf Raub ausgehen. Ich steckte das Geld wieder m den Umschlag und diesen in meine Brusttasche.
Hab' mir keine Angst, armes Kind, sagte idj dann. Der . Bursche weiß, daß er gesehen worden ist, und wird sich entschieden davongemacht haben. Außerdem liegt ja Schnee, so daß ich seine Spur leicht verfolgen und feststellen kann, ob er noch in der Nähe ist. Dreh' die Gasflammen hoch, damit ich besser sehen kann. Mit diesen Worten setzte ich den Hut auf und ging hinaus. .
Das Eßzimmer lag nach hinten, und ich hatte bald eine Spur gefunden, die nach und von dem Fenster führte, und konnte bei dem Leuchten des Schnees auch ohne schwierig-, ketten erkennen, daß sie wieder zur Gartentür zurucksuhrte.
Augenblicklich ist die Luft jedenfalls rein, sagte ich zu mir selbst. Aber der Kerl muß wahrhaftig starke Nerven haben - so kühn um diese Nachtzeit hier 'reinzuspazieren.
Ich teilte das Ergebnis meiner Nachforschung gleich Helen mit, aber es beruhigte sie nicht im geringsten.
° Er kann aber wiederkommen, erklärte sie. Ich werde keinen Augenblick schlafen können mit all dem Geld im Haus. Was willst du eigentlich damit anfangen?
Gut verwahren, vorläufig, antwortete ich. Was ich dann morgen damit beginne, mag der Himmel wissen. Heute nacht wird es unter meinem Kissen jedenfalls am besten aufgehoben sein.
Aber ich. kann bei alledetn meine Unruhe nicht los werden. Ich möchte, Gregory schliefe heute hier.
Dann bin ich dir also kein ausreichender Beschützer?, f^ag^as^nicht, Ted. Aber, ich kann mir nicht helfen, ich bin schrecklich nervös und aufgeregt! Kannst du nicht den 3™'B,Sbtb„t,rÄlE ÄU Mu»» fr »« haben? Wie soll ich mich denn darüber ausweifen? Das sag' mir mal! , , ..
Natürlich kannst du das nicht, antwortete sie ^n meinem Kopf geht alles wirr durcheinander. Es hat sich
I so viel zugetragen in den letzten paar Stunden, daß ich | allmählich ganz abgespannt bin. Und ich habe so böse | Ahnungen. Der Mann am Fenster war fern gewöhnlicher I Dieb. '
Ich sah sie erstaunt an. Du bist ein wunderbares I Mädchen, Helen, sagte ich nach einer Weile; er ist derselbe Mann, von dem ich dir voriges Jahr erzählte — oder | wenigstens einer von seiner Sippe. EHarley Mortimer und ich haben ihm damals, nach dem berühmten Essen un Cafe Royal, aber doch ein Schnippchen geschlagen.
Daran hab' ich gleich gedacht, sagte sie; wenn ich auch I nicht weiß, wie ich darauf gekommen bin. Und ebenso Habs I ich ßas Gefühl, daß er auch mit unserem Besuch droben I irgendwie in Beziehung steht — als Feind, nicht als i »VreitTtb
I Das glaub' ich ganz sicher, antwortete ich. Aber solange I sie hier ist, befindet sie sich unter meinem Schutz, und es I soll ihr, bei Gott!, niemand ein Leid antun — das schwör' I ich dir! ,
| Das ist ganz in der Ordnung, versetzte sie, und gehört I sich so — aber in einem mußt du mir heute nacht nachgebeih | das mußt du mir versprechen. . . < ...
Erst will ich mal hören, worin das bestellt.
Ich wünsche, daß du das Geld irgendwo anders versteckst I als in deinem Schlafzimmer; man verbirgt eine Sache immer da am sichersten, wo sie am wenigsten vermutet tourbt Du beabsichtigst aber, das Geld unter dein Kopfkissen. M
I legen — hin? ,
I Und was meinst ,bu beim, Helen? .!,
Gib mir das Machen, antwyrtete sie,
I Ach tat ihr pen W,illM * * <-*


