Ausgabe 
23.5.1912
 
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es dabei Vorkommen, daß unversehens ein starker LerbMost den Steiigelteil der TahlieiManzen bis hinab auf die eigentliche Knolle vernichtet. Solche Pflanzen treiben bann im nächsten Jahre trotz sorgfältiger Uebernnnterung ttn trockenen Keller nicht wieder aus. Auch Stecklingpflanzen setzt man aus denselben

^Man S bte Wanzen nur bis MiM Juli gelegentlich ein­mal mit verdünnter Jauche! düngen, mcht spater,. weil sonst die Blüte zu spät beginnen würde. Dagegen tragt eme schwache Düngung mit Superphvsphat im Juni (etwa 20 Gramm um! jede Pflanze herum gestreut und untergehackt) sowie bei upprger Entwickelung des Krauts das rechtzWge Ausschneiden der schwachen Stengel zu reicher Blüte bet.. Wird dann noch das sorgfältige Aufbinden ber Stengel an einen kräftigen Blumen- -Pfahl nicht versäumt, so hat der Tahlienfteund alles getan, was seine Pfleglinge erfordern, um ihn mit reicher Blutenfulle zu erfreuen. ____________

Vermischtes. r

kf. Tolstoi als Ehefeind. Der Erzieher der Kindee Tolstois, Pros. Laznrski, veröffentlicht imCoenobiurn sein Lebenserinnerungen und teilt darin ein Gespräch über die Ehe mit, das er mit Tolstoi geführt haben will.Ter, Mann , so gibt er Tolstois Ansicht über die Ehe wieder, geht alleine seinen Weg. Wenn er sich eine Last von 100 Kilo aus die Schultern ladt, kann er noch glücklich sein, denn er ist allein; wenn er sich aber eine Frau ans Bein sesselt, schleppt er sie mit sich und sie hindert ihn bei jedem Schritt." Tolstoi erscheint nach diesem Ausspruche als arger Eheseind und so kann man sich nicht wundern, daß Pros. Lazurski die Frage stellte, weswegen er denn geheiratet habe. Die Antwort und weitere Gespräch lauten so:All das wußte ich nicht vorher."Soll das heißen, daß man beständig seine An- sicht ändern darf?"Jeder Mensch muß nach Bervoll- kommnung streben. Ich selbst kann mich über die Ehe nicht be­klagen und ich kenne auch andere glückliche Ehen. Trotzdem ist das Heiraten kein Fest: zwei Wesen vereinen sich, um sich gegen­seitig im Wege zu sein." -Nach meiner Auffassung vereinen sie sich, um sich gegenseitig zu Helsen."Wie sollen sie sich Helsen? Wenn sie sich vereinen, sind sie einander fremd, und das bleiben sie das ganze Leben hiiidurch. Wer sich verheiraten will, mag es tun. Vielleicht findet er trotzdem Mittel, sein Leben glücklich zu gestalten; vorher soll er jedoch bedenken, daß er im Begriffe ist, einen Schritt abwärts zu tun, und dann alles daran setzen muß, seine Ehe glücklich zu machen, wenn das überhaupt mög­lich ist." _ . .

* Japanische Künstlerehre. Wie sich ent spanischer Künstler der alten Zeit benahm, wenn sein Kunststandpunkt an­gegriffen ward, zeigt eine in alten japanischen Büchern berichtete Anekdote. Der in Schanghai erscheinende Ostasiatische Lloyd, die vorzügliche Wochenschrift der Detttschen Ostasiens, gibt die Er­zählung, wie folgt, wieder: Es handelt sich um den Maler Dusen Hironoku aus der Hamacho-Kano-Schule. Als der Schogun Jyenari im Jähre 1816 dem König von Korea Geschenke senden wollte, erließ er ein Preisausschreiben an die Künstlerschaft Japans. Den ersten Preis erhielt der damals noch unbekannte, erst achtunddreißig Jahre alte Dusen. Das verdroß den all- mächtigen Minister Abe, der wohl unter den namhaften älteren Malern des Landes viele Freunde haben mochte. Er machte da­her privatim dem jungen Maler gegenüber nachträglich Aus­stellungen darüber, daß der Goldgrund, auf den die Baume und Tiere aufgetragen waren es handelte sich um eine Darstellung der berühmten acht Landschaften der Provinz Omi auf einem Faltschirm, für ein königliches Geschenk zu dünn sei. Der Maler betonte, er habe eigens, damit die zarten Töne seiner Land- schäften nicht durch den Glanz des Goldes verwischt und über­strahlt ivürden, den Goldstaub nicht dicker auftragen wollen. Der Minister aber, der Widerspruch nicht geivohnt war, antwortete, es sei ihm ganz einerlei, was der Maler darüber denke; aus einem sür einen befreundeten Herrscher bestimmten Geschenk dürfe man Gold nicht sparen; er gebe daher dem Künstler den strengen Be­fehl, die acht Tafeln umzumalen. Hierzu erklärte sich Dusen bereit, nahm den Faltschirm wieder zu sich und reiste damit nach der Heimat ab, um, wie er vorgab, dort die verlangte Aenderung vorznnehmen. Während der Reise jedoch verübte er, nachdem er das Bild vernichtet hatte, in der Reisesenite durch Bauchaufschlitzen (japanischSeppuku") Selbstmord. Diese passive Art, auf un­berechtigte Angriffe gegen seine Interessen zu reagieren, ist eine der charakteristischsten Eigentümlichkeiten der Japaner, wie der Ostasiaten überhaupt.

kt Ein Tier, das s e i n G e s ch l e ch t iv e ch s e l t. In einer der letzten Sitzungen der Londoner Royal Society wurde ein merkwürdiges, für England neues Tier besprochen und vor­gezeigt, das dieMarine Biological Association" gegenwärtig näher imtersucht. Diese Untersuchung verfolgt praktische Zwecke, denn das Tier, das vor einiger Zeit aus Amerika eingeschleppt worden ist, eine Schnecke, ist ein Schädling der Austern. Dieser ungern gesehene Gast führt ein recht interessantes Leben. Er lebt gewöhnlich auf dem Rücken von Austern, auf denen er auch ein­

geschleppt worden ist. Tritt die Schnecke in großen Mengen auf, werden die Austern erstickt, abgesehen davon, daß ihnen die Nah­rung gewissermaßen vor der Nase weggeschnappt ivird. ®ie Schnecke ist erst vor wenigen Jahren in die englischen Gewässer eingeschleppt worden, hat sich aber seitdem außerordentlich stark vermehrt. Während des ersten Lebensjahres gehört die ,Schnecke ausschließlich dem männlichen Geschlechte an. Während dieser Zeit schwimmt sie frei im Wasser umher. Im zweiten Jahre wird sie seßhaft und läßt sich irgendwo nieder. Merkwürdigerweise verlebt sie dann eine Zeit, in der sie, ober, da es doch ein männliches Wesen ist, besser: er, geschlechtslos ist, so daß fortan e§ gesagt werden muß. Dieses" läßt sich in großen Kolonien irgendwo, auf Muscheln, meistens auf Austern, nieder, bis daraus wieder eine sie, eine dem weiblichen Geschlechte angehörige Schnecke wird, die letzte Entwicklungsstufe des Tieres.

* 111/, Millionen Telephon-Stationen. Die größte Zahl Telephon-Stationen hat von allen Erdteilen Amerika mit 8 355 000. Davon gehören den Vereinigten Staaten allein etwas über 8 Millionen, während in Kanada 240 000, in Mexiko und Westindien 35 000, in Brasilien 50 000, in Argentinien 40 000, in Uruguay und Chile 20 000 existieren. Ganz Europa besitzt 2 848 000 Telephon-Stationen. Die Zahl der Stationen in Asien macht 170 000 aus; davon kommen auf Japan 128 500, auf China 8400, auf Niederländisch-Jndien 8800, auf Indien 12124 Stationen. Ganz Afrika zählt bereit beinah 40 000. Sübafrika mit etwa 15 000 uttb Aegypten mit 8000 haben hier die meisten Teilnehmer. Im Verhältnis zur Bevölkerung groß ist bie Anzahl ber australi­schen Stationen: 122 000.

Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

*Mein geliebtes Deutsch!" Mag auch Goethe, mit bett Schwierigkeiten ber einst so (proben beutschen Sprache ringenb, dies unb jenes mißmutige Wort über sie gesagt Haden, so ist es boch gewiß, baß er Faust fein eigenes Empfinben aussprechen läßt, wenn bieser, int Begriff bie Bibel zu übersetzen, bie Mutter­sprachemein geliebtes Deutsch" nennt, beim solche Worte schreibt kein Dichter ohne inneren Anteil. Aber wie viele Deutsche sprechen, rote viele beuten heute noch so? Wem ist bie Muttersprache ein hohes, heiliges Gut, bas er mit gleicher Liebe umfaßte wie Vater unb Mutter, roie Weib unb Kind, roie Amt unb Berus, wie Gelb und Gut? Wer denkt heute noch daran daß unzählige Geistes- Helden mit aller Siebe an ihr gearbeitet, sie auf immer höhere Stufen der Vollendung gehoben haben? Daß sie in Tagen, die glücklichertveise längst vergangen sind, unseres zerfallenden Volkes letztes Band war? Daß sie so manchen wackeren Deutschen in der Fremde das einzige Bollwerk gegen das Andringen fremden Geistes und fremder Art und Sitte ist? O daß uns boch bie Ge­wohnheit, ber sichere Besitz nicht gleichgültig machten gegen dies Heiligtum unseres Volkes, baß wir bie geistigen Werte nicht unge­nutzt ließen, bie in ber Muttersprache für jebeit bereit liegen! Daß wir alle mit dem Altmeister bie Muttersprache unsergeliebtes Deutsch" nennen könnten I R. Palleske (Lanbeshut in Schl.).

Büchertisch.

Marionetten der Liebe. Roman von Georg Saft (Verlag von C. A. Schwetschke & Sohn, Berlin.) Es ist der Liebesroman eines jungen Arztes, den der Verfasser, selbst ein Arzt, vor Augen führt. Kurt Torner ist ein Kind ber Groß­stadt, ein kühler Genußmensch, der zur Erreichung seines Zweckes berechnende, fast systematische Reflexionen anstellt. Tie Frauen verwöhnen ihn, und so taumelt er von einer Liebe zur anderen, ohne seiner .Seele jemals Befriedigung verschaffen zu können. Der Zufall läßt ihn den Weg einer Frau kreuzen, zu der M eine wirkliche Leidenschaft faßt, die in Scheidung mit ihrem Manne lebt. Daraus entwickelt der Verfasser dann eine gödie, die den Leser ergreift und das Buch lesenswert macht, das in seinem übrigen Teil an Längen und Abschweifungen leidet. ________________

wechselrätsel.

Mit i Teil des menschlichen Körpers, mit r Santon in der Schweiz. Mit d tut's Mancher zu viel, mit g wünscht es oft ber Landmann, Mit s ein Vogel, mit p Gebrauchsgegenstanb.

Mit b ist es fpitz unb fein, mit g dars's schon gröber sein.

Mit t Dichter Italiens, mit k Höflichkeitsausbruck.

Mit b lobenswerte Eigenschaft eines Menschen, mit s ein Tier. Mit u eine Zahl, mit i ein Verneinungswort.

Mit s ein Küchengerät, mit t tut's" jeber Gläubige.

Mit m eine Stabt, mit k erregt es Heiterkeit.

Mit a Nebenfluß ber Donau, mit u ein Verbrechen.

Mit b Ruhestätte, mit u eine Farbe.

Tie Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter ergeben den Namen einer preußischen Provinz.

Auflösung in nächster Nummer,

Auslösung des Logogriphs in voriger Nummer: Thron, Tran.

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universtiäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gieße»