Ausgabe 
23.5.1912
 
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Ernährung in der Heiken Zeit'.

Die Ernäh r n n g an der Br ust ist der beste Schuß gegen den Sommerbrechdurchfall lunb .die Sommevkrämpse. Deswegen dürfen die Kinder nicht im Sommer abgestillt, sondern es muß ihnen Mange die Brust gereicht toerben, bis dis heißen Tage vorüber sind.

Die künstlich, b. h mit Tiermilch, genährten Kinder sind in der heißen Zeit besonders gefährdet. Diese Tatsache hat mehrere Gründe. Einer davon ist darin gelegen, daß die Nahrung in der heißen Zeit leicht verdirbt und der Genuß verdorbener (zersetzter) Milch Durchfall hkrvorvuft. Deshalb muß die sauber gemolkene Milch besonders gut behütet werden, damit sie sich nicht zersetzt. Ist Ws vorhanden, Muß die Milch auf Eis ober tn den stets gut verschlossenen ,Eisschrank gestellt werden. Im Eisschrank soll höchstens eine Temperatur von 12 Grad sein; die Milch soll erst hineingestellt werden, nachdem sie in fließendem Wasser gekühlt ist.

Ist Eis nicht Vorhänden, müssen die Flaschen in kaltes sauberes Wasser gestellt werden, das recht oft gewechselt wird. Stets muß die Milch gut bedeckt gehalten werben, damit Staub Und Fliegen sie nicht verunreinigen.

Milch, die noch vom Morgen des vorhergehenden Tages steht, darf nid) tmeh-r zur Ernährung verwandt werden, wenn sie nicht lauf Eis aufbewahrt wurde.

An h e i ße n s chwül e n Somm ert äg en s ol 1 w e n i g er Nahrung gegeben werden als cho n st. Jede einzelne Mahlzeit kann utn ein Viertel vermindert werden. Bekommt der Säugling z. B. 5 X 200 Gramm Halbinilch, so gibt man ihm, wenn es sehr warm ast, nur öX150 Gramm Halbmilch, b enrt die künstliche Nahrung wirkt an der heißen Zeit ost giftig.

Der Säugling hat in -der heißen Zeit Purst. Damit er üicht erkrankt, muß der Durst gestillt werden. Das geschieht durch Verabreichung von ab gekocht em kühlen Wasser oder dünnem Tee in den Nahrungspausen, besonders wenn die Kinder anfangen unruhig zu werden. Auch kann man nach jeder einzelnen Mahlzeit ein paar Löffel Wasser geben (sowohl bei den Brustkindern, als auch bei den künstlich genährten Kindern).

Pflege in her heißen Zeit.

Durch zweckmäßige Pflege des Säuglings rstuß die Gefahr der Ueberwärmung vermieden werden, t

Richtige Bettung Und Kleidung sind beson­ders wichtig. Weg mit den Federbetten, weg mit Watte und Steck bett. Muß! durchaus eine Gummiunterlage genommen werden, sei sie so klein als möglich! Zur Beklei­dung diene ein einfach es,Hemdchen! Noch besser ist es, das Kind nackt liegen zu lassen. Kühlt sich die Temperatur ab, muß das Kind ins,Freie gebracht werden, morgens itnb abends, besonders nach jedem Regenfall. - Auch im Freien sei das Kind- möglichst leicht bekleidet!

Sowohl in der Wohnung, .-als auch im Freien soll das Kind durch Bedeckung mit einem .engmaschigen Gazeschleier vor den Fliegen geschützt werden. Diese.quälen das Kind und machen es unruhig; sie sind gefährlich, .da sie schädliche Keime (Bakterien) übertragen.

In heißen Tagen muß das Kind einmal täglich gebadet, oder öfter mit kühlem Wasser gewaschen werden. Das Badewasser sei kühler als sonst und soll eine Wärme von ungefähr 28 Grad Eelsius besitzen.

Wahl des Wohn raum es in her heißen Zeit.

Ungünstige Wohnungsverhältnisse beeinflussen die Kindersterb­lichkeit in unheilvollster Weise besonders im heißen Sommer.

Mr das Gedeihen der Säuglinge ungeeignete Wo-H- UUngen sind foldje, welche

a) feucht, schlecht belichtet, ungenügend lüstbar und mangelhast eingerichtet sind. (Fehlen von Jalusien, keine Vorrichtungen ! zuni Kühlhalten der Milch, Mangel an Nebenräumen zum I' Waschen und Spülen.)

I b) im Verhältnis zur Zähl der Bewohner zU klein (übervölkert), c) verschmutzt sind.

Besonders gefährlich für den Säugling während der Sommer- Monate sind Wohnungen, die (gar nicht oder schwer durchlüftbar £tb ; das sind solche, in denen die Fenster nicht einander gegen- er, oder sogar nur nach einer Seite liegen. Bei schlechter Durchlüftung kühlt die Wohnung mangelhaft ab, und es tritt leicht eine Ueberwärmung des Säuglings ein, die zu Durchfall und Krämpfen führt. Man.lüftet am besten, indem man einander gegenüberliegende Fenster, oder wenn.diese sich nicht gegenüber­liegen, eine ins Freie.führende Tür und ein ihr gegenüberliegendes Fenster öffnet.

Der Säugling ntuß in der heißen Zeit in das kühlste Zimmer der Wohnung gestellt werden, in dem womöglich die Fenster nach zwei entgegengesetzten Richtungen liegen (z. B. nach Süden Und Norden oder nach Osten und Westen).

In dem Zimmer, in dem der Säugling liegt, darf möglichst nicht gekocht, nicht gewaschen, getrocknet und gebügelt tverden. Denn durch Kochen und Wäschen wird die Luft noch feuchter (schwüler) und die Hitze noch gefährlicher. Auch dürfen sich in dem Zimmer nicht viele Menschen aufhalten, besonders aber nicht schlafen; es müß, wenn äs draußen kühler wird, ausgiebig ge- Mftet werden; es schadet nicht, wenn ein richtigerZug" herrscht.

Ist die Wohnüügshitze durch nichts herabzumindern, wie z. B. tn nach engen Höfen zu gelegenen Parterrewohnungen oder in Räumen hoch oben unter hem Dach, Müß das Kind soviel wie Möglich ins Freie gebracht.werden!

Die Versorgung kranker Säuglinge in der heißen Zeit.

Jede, auch die anscheinend leichteste Krankheit, kann in der heißen Zeit binnen wenigen Stunden einen tödlichen Ausgang Uehmen und mUß daher.rechtzeitig vom Ärzte behandelt werden. Keine Krankheit darf bis in die heißen Tage -anstehen, maZ es sich nun um einen geringfügig erscheinenden Durchfall oder Verstopfung, Um einen Schnupfen, um Geschwüre auf der Haut handeln.

Jedes kleinste Krankheitszeichen, das in heißen Tagen eintritf,- erfordert Beachtung und Behandlung. Nicht erst, wenn der Brech­durchfall da ist, soll der A!rzt in Anspruch genommen werden; denn dann ist es häufig zu spät, sondern schon, wenn das Kind unruhig ist, wenn es blaß wird, auch wenn es dabei verstopft sein sollte, muß es zum Arzt, in die Säuglingsfürsorgestelle oder ins Spital gebracht werden. Tritt Durchfall äin, dann sind so­fort M il ch un d so nstig e .N ah r'ung wegzulassen, das Kind darf nur Tee Und Wasser bekommen, ist mög- tichst leicht zu bekleiden und sofort zum Arzt zu bringen.

Der Mutter, die in der heißen Zeit so oft als Möglich die Säuglingsfürsorgestelle oder ihren Arzt aufsucht, wird es am sichersten gelingen, ihp Kind gesund zu erhalten.

L-eldahlien im modernen Hausgarten.

Wenn der Lenz nach dem Abzug der drei Eismänner endgültig das Land beherrscht, dann ist's Zeit, den Garten zu rüsten, nicht nur für den Sommer, sondern auch für den Spätsommer und Herbst. Zu den herrlichsten Pflanzen, die in den Tagen, wenn der Sonnenbogen wieder kürzer wird, den Garten schmücken, gehört 'zweifellos die Edeldahlie, dieKönigin des Herbstes". In unseren neuzeitlichen Hausgärten, wo auf reichen Blumen- schmuck an Stelle der steifen sogenannten Teppichbe.ete mit Recht das größte Gewicht gelegt wird, sollte sie deshalb viel mehr Verwendung finden, als es bisher geschah. Tenn ihre Pflege macht durchaus keine Schwierigkeiten und ihre Blüten schmücken nicht nur den Garten, sondern sind auch für langstielige Vasew- sträuße vorzüglich geeignet, sofern nur der Gartenfreund solche Sorten anpflanzt, die ihrs Blumen hoch über dem üppigen Laub an langen, straffen, härter: Stielen tragen. Besonders die deut­schen Gärtner züchteten eine große Anzahl derartiger Sorten der Edeldahlie, während die aus England stammenden ihre Blüten meist unter den Blättern verstecken.

Eii: Tahlienzüchter, dem dieKönigin des Herbstes" ganz besonders ichr Huld schenkte, ist Wilhelm Baerecke in Alicken- dorf unweit Quedlinburg; ihm verdanken die deutschen Gärten wohl mehr als hundert Edeldahliensorten, lieber diese schreibt die bekannte GartenzeitschriftTer Lehrmeister im Garten und Klein- tierhof" in der die Baereckeschen Dahlien teilweise farbig ab­gebildet waren, folgendes: Wer die Entwickelung der Kaktus­oder Edeldahlien in beit letzten 1520 Jähren betrachtet und von der alten Stammform der sogenannten Kaktusdahlie aus­gehend bis zur Jetztzeit die verschiedenen Sorten nebeneinander stellt, wird am besten den gewaltigen Fortschritt beurteilen können-, welchen die Tatzlienkultur genommen hat. Tas Bestreben, der Mode auch in der Blumenzucht Rechnung zu tragen, hat die Tahlienzüchter nicht ruhen lassen, und jedes Jahr brachte und bringt noch neue Sorten in immer größerer Schönheit itnb Vollkommenheit. In: Nachstehenden möchte ich auf einige be­sonders wertvolle neue Baerecksche Edeldahlien Hinweisen, die sich durch Reichblütigkeit, gute Form und feine Farbentönung aus­zeichnen, um dadurch den Gartenfreund vor Mißgriffen zn be­wahren. Ta ist die SorteFront" mit tief scharlachroten, auf­recht frei Wär dem Laub stehenden Blumen, die für kleine und große Gruppen vorzüglich geeignet ist, dann die Sorte Treffer", die ihre reinweißen, edlen Blüten schon von Ende Juli an auf langen kräftigen Stielen entwickelt und herrliche Vasensträuße gibt. Nicht minder schön istStrandkind" mit leuchtend frisch­rosafarbigen Blumen wie die Wangen eines blonden .Friesen­mädchens.Alpenglühen" ist der Name einer anderen Sorte. Ihre rosakarminfarbenen Blumen erinnern uns an das geheim­nisvolle Leuchten, mit dem das Hochgebirge sich schmückt, wenn die Sonne sank. Silbrig rosafarbige Blumen von eigenartig knollig gebogener .Blumenblattform hat die SorteAskania". Ihr ähnlich istAnhalt", währendGlühwürmchen" ein reizender Zwerg von nur 80 cm Höhe ist, über und über mit scharlachroten edlen Blumen schon von Ende Juli ab geschmückt. Das ist nur eine kleine Blütenlese der Neuheiten, von denen es so viel Sorten nnd Farben gibt, daß wohl jeder Gartenfreund für seinen Geschmack etwas darunter findet. Es ist übrigens gleichgültig, ob man die Edeldahlien in Form von Knollen oder von jungen bewurzelten Stecklingen in den Garten pflanzt. Nur muß das obere Ende des Knolleubüschels etwa 20 cm tief in die Erde kommen. Bei zn flacher Pflanzung bilden die Knollen nur sehr wenige Stengel und die Blütenfülle läßt deshalb zu wünschen übrig. Auch kann