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III.

Seit drei Tagen weilte Baron von Scheidegg jetzt auf Schloß Gründingen« und heute sollte die erste Reit- stunde sein. Natürlich war man gleich am ersten Nach- mittag in die Ställe gegangen, und der Graf hatte mit berechtigtem Stolz seine schönen Wagenpferde gezeigt, und dann hatten die Komtessen ihn zn ihren Pferden in die Box geführt.

Der Baron hatte mit lauten Ausdrücken aufrichtigster Bewunderung nicht zurückgehalten, und das hatte ' den Grafen sichtlich erfreut. Denn daß der Baron wirklich sehr viel von Pferden verstand, verriet jedes Wort, das er sprach, und der Kutscher Friedrich hatte es sich nicht nehmen lassen, seinem gräflichen Herrn zu erzählen, daß per Herr Baronein ganz Heller" sein müsse, der von Gäulen mehr verstände als der Herr Pfarrer von den Menschen.

Der Baron hatte gleich am nächsten Tag mit dem Unterricht beginnen wollen, aber der Graf hatte wider­sprochen, und das entsprang seinem feinfühligen Empfin­den. Der Baron war doch nicht nur als Reitlehrer ge­kommen, sondern auch als Gast. Da mußte er sich erst einleben, sich wirklich wohl und behaglich hier fühlen, mit der allernächsten Umgebung des Schlosses bekannt sein, vor allen Dingen aber mit dessen Bewohnern selbst, in erster Linie natürlich mit seinen Schülerinnen, um deren Charaktere zu studieren und darnach den Unterricht indi­viduell leiten zu können.

Das letztere hatte der Baron zwar für überflüssig erklärt, aber der Graf hatte darauf bestanden und bei der Gelegenheit von seiner Dienstzeit erzählt. Ein all- zu großer Reitlehrer mußte er nach den theoretischen Au­

er sogar eine Unart des Rappen dnrchgehen ließ, ohne diesen gleich dafiir zu bestrafen. Er wollte der Komtesse nicht den Anblick geben, daß er die Peitsche zur. Hand nahm oder dem edlen Tier die scharfen Sporen in die Weichen drückte. Sie selbst hatte die Untiigenb des Pferdes vielleicht gar nicht bemerkt und würde ihn dann für kalt, roh und herzlos halten, und das wollte er um seiner selbst willen vermeiden.

Ich erinnere mich wirklich nicht, Herr Graf," sagte er jetzt rind strich sich mit der Hand über die hohe Stirn,- als wolle er die Gedanken sammeln:Mein Beruf bringt es ja mit sich, daß ich die Pferde sehr oft wechsele, da kann ich mich auf die einzelnen 'wirklich nicht besinnen. Und gerade dieser Rappe ist meinem Gedächtnis völlig entfallen."

Aber wie ist das nur möglich, Baron? Ich will ja nicht gerade sagen, daß ich einen ausgeprägten Pferde­verstand besitze, aber etwas verstehe ich doch, und ich muß offen gestehen: einen solchen Gaul habe ich in meinem' ganzen Leben noch nicht gesehen! Erinnerst du dich nicht auch noch, Dagmar, ich glaube, ich habe dir stundenlang von dem Gaul 'was vorgeschwärmt."

Anscheinend ganz gleichgültig und doch so forschend und durchbohrend, daß Dagmar sich Mühe geben mußte, seinen Blick auszuhalten, sah der Baron sie jetzt mit seinen großen, grauen Augen au, gleichsam, als wolle er sie dadurch zwingen, jetzt die Wahrheit zu gestehen.

Für eine Sekunde wurde Dagmar verwirrt, ohne daß sie es nach außen hin irgendwie gezeigt Hätte, dann sagte sie ganz ruhig:Du mußt dich irren, Papa, oder du hast mit jemand anderem über das Pferd gesprochen ich entsinne mich dessen in keiner Weise, ebensowenig wie ich mich darauf besinnen kann, den Baron je früher gesehen zu haben."

Ein leises, spöttisches Lächeln, das, von den Anderen unbemerkt, für einen Augenblick seinen Münd umspielte, zeigte ihr, daß sie zu viel gesagt und sich dadurch ver­raten hatte. Ihn selbst zu erwähnen, lag gar keine Ver­anlassung vor, nur von dem Pferd war die Rede gewesen. Daß sie auch den Reiter erwähnte, hatte klug sein sollen r-i und jetzt sah sie zu spät ein, daß es töricht gewesen war. Sie hätte sich selbst schlagen mögen. Und auch ihn, der da so ruhig und unbefangen dasaß, der mit ihr spielen zu wollen schien! Leise knirschte sie mit den Zähnen, und ihre Rechte ballte sich zusammen. Wenn er den Kampf wollte dann gut! Sie fürchtete sich nicht. Und als er jetzt den Blick wieder zu ihr erhob, hielt sie dem so ruhig und gelassen stand, daß er von neuem an ihr irre wurde .

sch auungen, die er jetzt entwickelte, für seine Leute nicht gewesen sein, aber er war auf die Prinzipien, die er ver­folgt Hatte, sehr stolz, und ausführlich berichtete er, wie jener Vorgesetzte ihm beigestimmt und dieser ih-m wider­sprochen hatte. !

Das ist ja das Unglück für unser Militär," meinte er halb ernsthaft, halb scherzend',daß nicht zwei Vorgesetzte dieselbe E Ansicht haben unb- daß jeder von diesen Beiden! sofort die Ansicht des Anderen annimmt, sobald ein dritter kommt, der dem Einen widerspricht und dem Anderen! zustimmt."

Der Graf war froh, daß er nicht mehr Soldat to'ar^ und gerade deshalb sprach er so gerne von dieser Zeit.) Dann erschien ihm die Gegenwart noch viel schöner, als sie sowieso schon war. Je dunkler der Hintergrund, umso strahlender hebt sich ja das Licht ab.

Aber warum sind Sie denn eigentlich Offizier ge­worden, Herr Graf?"

Der lachte:Es ist komisch, aber doch wahr: ich war testamentarisch dazu verpflichtet. Mein Onkel, von dem! ich das Gut erbte, hatte mich nur für den Fall in seinem! Testament zum Erben eingesetzt, daß ich ebenso wie er sieben Jahre bei seinen heißgeliebten Ulanen dienen sollte, Na, und da habe ich es denn nolens volens sieben Fahre ertragen, daß ich einDouglas" war. Manchmal war es ja auch sehr schön, besonders abends, wenn der Dienst fertig war und man so durch Berlin bummelte. Und man kann in Berlin bummeln."

Ach ja."

Der Seufzer verriet viel, Erinnerungen an schöntz Zeiten, Klagen, daß sie vorüber waren, heiße Sehnsucht^ daß sie bald wiederkommen möchten.

Der Graf verstand ihn und blickte ihn voller Teil­nahme an:Sie auch, Herr Baron? Ja ja, wir waren ja alle 'mal jung, Sie sind es heute noch, wie alt sind Sie, wenn ich fragen darf?"

Fünfunddreißig, Herr Graf."

Der blickte erstaunt auf; er hatte seinen Gast für älter! gehalten. Von großer, schlanker Figur, elegant in seinem! Aeußeren und in all seinen Bewegungen, wenn auch mit dem wenig hübschen Gang eines Menschen, der den-größten Teil des Tages im Sattel zubringt, hatte der Baron ein stark ausgeprägtes Gesicht mit energischen Zügen, einer vielleicht etwas zu langen, aber sehr charakteristischen Nase, mit großen grauen Mgen und dichten, etwas buschigen Augenbrauen. Sein ganzes Wesen verriet eine starke Ent­schlossenheit, und man sah ihür an, daß er allerlei erlebt,) und daß mancher Sturm über sein Haupt dahin­gegangen war.

(Fortsetzung folgt.)

Zur Verhütung der Sommersterblichkeit der Säuglinge.

Das Kaiserin Augusta Viktoria-Haus zur Bekämpfnn.g der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reiche hat ein Hitzmerkblatk herausgegeben, das im Verlag von Georg Stilke, Berlin NW. 7 erschienen ist. Im Interesse einer möglichst weiten Verbreitung ist das Flugblatt zu einem sehr niedrigen Preise zu beziehen und zwar 100 Stück für 2,50 Mk, 1000 Stück für 20 Mk. Witz geben das Merkblatt int folgenden wörtlich wieder. Die Schriftltg.

Daß eine so große Zahl von Säugliugeit int Sommer besonders an Brechdurchfall Und Krämpfen krank wird Md zugrunde geht, ist eine Folge der Hitze. Die Gefahr der Hitze fÜfr den Säugling Hat eine Reihe von unmittelbaren und mittelbaren Ursachen. Er bekommt leicht erhöhte Körperwärme. Seine Verdanungskrästd vermindern sich. Seine Widerstandsfähigkeit gegen Erkrankungen nimmt ab. Alle Nahrungsmittel, die er bekommt außer der Muttermilch, verderben leichter.

I n den meisten Wohnungen ist die Hitze nach­weislich noch größer als im Freien. Je mehr der Säugling deut schädlichen Einfluß der Wohnungshitze entzogen wird, umso eher wird er die Gefahr der heißen Zeit überwinden. Sorg­same Ernährung und Pflege lassen eine Schädi­gung durch Hitze gar nicht aufkomMen. Natürlich genährteKinder sind vor Erk rank Un g im heißen Sommer fast geschützt, künstlich genährte Kinder stehen stets in großer Gefahr, zu erkranken.

Zur Verhütung der Sommersterblichkeit muß daher dafür ge­sorgt werden, daß während der heißen Zeit

1. die Säuglinge zweckmäßig ernährt werden,

2. durch richtige Pflege, insbesondere Bekleidung, die Ueb'ep- hitzpng (Wärmestauung) der Säuglinge vermieden wird,

3. die Wohnung möglichst Ml gehalten wird.