Ausgabe 
23.3.1912
 
Einzelbild herunterladen

188

qeimpft und sie in einem gut gedeckten Gefäß stehen gelassen, so vollzieht sich ein rasches Wachstum der

man kann binnen einiger Stunden eine ^flockige Gerinnung und rasch zunehmende Säuerung wahrnehmen, ein Zeichen, vag der Yoghurt gebrauchsfertig ist. Yoghurt besitzt einen hohe diätetischen Wert sowohl für Menschen wie auch für Tiere. Dieser beruht auf der Eigenschaft der Yoghurtbakterien, die im Darm- kanal ansässigen, für die Gesundheit nachteiligen, zuweilen sogar gefährlichen, sogenannten Colibakterien zu überwuchern und zu verdrängen. So tritt denn bei Menschen nach längerem Genuß von Yoghurt eine deutliche, angenehme Beeinflussung des Woh- befindens ein, das namentlich durch guten Stoffwechsel herbei- ^b^We^nicht nur für Menschen wird Yoghurt als ein gutes Getränk ärztlich empfohlen, sondern man verabreicht es auch mit Erfolg den Tieren, insbesondere Kalbern. Neuere Versuche haben nun gezeigt, daß, wenn Yoghurtbakterien täglich immer von neuem in abgekochter Milch 45C fortgeimpft werden, die Lebensfunktionen so hoch getrieben werden, daß die Gerinnung der Milch schon nach zwei Stunden eintritt, wahrend der Vor­gang bei Anwendung älterer Kulturen 4 bis 6 Stunden in Anspruch nimmt. Ferner hat man die Beobachtung gemacht, daß die Milchsäurebildung nicht in jedem Lebensalter der Bak­terien mit gleicher Intensität erfolgt, vielmehr tritt, wenn man die Bakterien in die für ihre Entwicklung günstigsten Beding gungett bringt, zunächst eine massenhafte Vermehrung em und erst, ivenn die Bakterien ein gewisses Alter erreicht haben, be- ginnt die Milchsäurebildung. Mit hochwirksamen Kulturen aw­gesetzte Milch zeigt nach ein bis zwei Stunden einen faden, fast widerlichen Geschmack: erst in der dritten Stunde tritt plötzlich die Gerinnung ein und es steigt der Saurv- grad ständig. Unter diesen Umständen pflegt man die Yoghurt- bakterien gerade dann dem zu schützenden Tiere einzuflößen, wenn sie sich auf der Höhe ihrer Lebensfunktionen befinden. Eine derartige Kur ist einfach und bequem. Der praktische Tierarzt verfährt folgendermaßen: Vs Liter abgekochte und auf 40 bis '45° C abgekühlte Milch wird mit einem kleinen Kaffeelöffel hoch- wirksamer Yoghurtkultur in einer verschlossenen Flasche gemischt Und diese in einen größeren Topf mit Wasser von 46 bis 48° C gestellt. Das ganze wird dann mit einem wollenen Tuch gut eingehüllt und bleibt 1 bis 2 Stunden stehen, worauf die noch nicht geronnene Milch warm dem betreffenden Tier, wie erwähnt, vor allem Kälbern bei Ruhr, verabreicht wird. Man sieht, die Wissenschaft bleibt nie stehen und sucht immer nach neuen Mitteln zur Förderung der Gesundheit.von Mensch und Tier.

* Warum verderben Nahrungsmittel durch Gewitter? Man weiß seit langem, daß gewisse Nahrungsmittel wie Milch, Fleisch, Wildbret, Fleischbrühe unmittelbar nach einem Gewitter sich ungleich schneller zersetzen als bei normaler Tempera­tur, ja selbst bei verhältnismäßig großer Hitze. Unmittelbar nach einem Gewitter gemolkene Milch ober Milch, die bei dem Trans­port von einem Gewitter heimgesucht wird, kommt fast immer in nicht ganz einwandfreiem Zustande am Bestimmungsorte an, ist sauer ober jebenfalls so säuerlich, baß die Zersetzung nur noch eine Frage sehr kurzer Zeit ist. Man hat bisher diese merkwürdige Erscheinung auf elektrische Einwirkungen und vor allem auf das Ozon zurückführeii wollen. Nun hat der französische Forscher Trillat vom Institut Pasteur umfassende neue Untersuch­ungen vorgenommen, die diese alte Annahme zerstören und eine interessante neue Erklärung bringen. Schon in einer früheren Arbeit konnte bet Gelehrte nachweisen, daß selbst winzige Mengen von fauligen Gasen genügen, um den Zersetzungsprozeß der Milch Unverhältnismäßig stark zu beschleunigen. Man weiß, daß die atmosphärischen Entladungen des Gewitters die in der Erde und in den Gegenständen enthaltenen Gase in ihrer Entwicklung för­dern: dadurch erklärt es sich auch, daß unmittelbar nach einem Gewitter die. Gerüche stärker wahrnehmbar sind als vorher. Es konnte wahrscheinlich angenommen werden, daß diese verstärkte Gasausdünstung mit dem beschleunigten Zersetzungsprozeß der Milch und anderer Nahrungsmittel in einem ursächlichen Zusammenhänge steht. Um den Wert dieser Hypothese zu prüfen, hat der Gelehrte jetzt praktische Versuche unternommen. Et ver­glich dabei unter verschiedenen Verhältnissen den Zersetzungsprvzeß der Milch, indem er am gleichen Ort und unter gleichen Um­ständen gleich alte Milch der Einwirkung der Gasausdünstungen bei ruhiger Witterung und unmittelbar nach einem Gewitter aus- setzte. Dabei konnte der Zusammenhang zwischen dem , Tempo des Zersetzungsprozesses und dem atmosphärischen Druck einwand­frei nachgewiesen werden. Die Veränderungen, die man unmittel­bar nach dem Gewitter bei anderen organischen Substanzen wie bei Fleisch, Wildbret und gewissen zersetzungsfähigen Flüssigkeiten beobachte^ lassen sich ohne Schwierigkeit auf die gleiche Art

* Ein Hut für 4000 Mark. In der Londoner Regent- Street wird seit einigen Tagen ein Hut bewundert, der großes Aus­sehen macht, denn diese Kopfbedeckung kostet nicht weniger als 4000 Mk. Doch dieser Hut ist nicht etwa aus Gold gewirkt ober

mit Edelsteinen beseht: e8 ist ein ganz einfacher Strohhut, beste« einziger Schmuck ein paar herrliche Straußenfedern bildet. Dieses Muster einfachen Geschmackes ist Eigentum einer indischen Prin­zessin, der Prinzessin Preliva, der Schwester des Maharadscha von Eooch Behar. Und diese Zndierin, die glückliche Besitzerin deS 4000 Mk. - Hutes, wird künftig den europäischen Modisten noch manches zu verdienen geben, denn sie ist die Braut eines großen englischen Industriellen, Lionel Mander.

kf. Ein neues Riesenleuchtfeuer beiNewyork. Vom 15. April ab werden die Schiffe, die in den Halen von New­port einfahren wollen, ein neues Riesenleuchtfeuer erblicken, das das zweitslärkste Un allen amerikanischen Küsten ist. Die Station verfügt über ein weißes Standleuer von 300 000 Kerzen Stärke. Das Licht wird auf eine ®nt!ernung von 21 Meilen, also rund 45 Kilometer, sichtbar fein. Die Amerikaner haben nur noch ein Leuchtfeuer, das weiter sichtbar ist, nämlich das sogenannteNaoe- sink-Feuer", dessen Licht noch eine Meile weiter, also ungelähr 46,5 Km. weit, sichtbar ist. Tas Navesink-Feuer ist aber fein lefteS Licht, sondern ein Blinkfeuer, das mit Pausen von 5 Sekunden ar­beitet. Das neue Leuchtieuer ist auf einem kleinen Hügel in Richmond auf ©taten Island erbaut. Der Turm hat eine Höhe von 70 Meter. Ein Schiffsführer, der das neue ßeucbtfeuer und den West Bank Leuchtturm vor sich hat, weiß, daß er unmittelbar aul den Anibroß-Kanal zusteuert und vier Meilen weiter seinen Kurs beibehalten kann.

kf. Wie man in China druckt. China, die Wiege der Buchdruckerkunst, hat sich vom Wendlanbe hierin überflügeln! lassen müssen. Das ist wohl nicht zum mindesten der ungeheuren Anzahl derhimmlischen" Lettern zuzuschreiben. 41000 Buch­staben zählt das vollständige chinesische Alphabet, wie es das Lexikon Kang Hsis angibt. Der chinesische Buchdrucker hat zwar dieses Alphabet bedeutend eingeschränkt, aber der Arme muß sich doch noch mit etwa 7000 Lettern herumschlagen. Trotz der riesigen Anzahl von Schriftzeichen mangelt es ihm doch bis­weilen an fertigen Lettern, und ba hilft er sich, inbem er die ungewöhnlichen Zeichen kurzerhand durch einen Gravierer schnei­den läßt. Holz, und zwar besonders Birnen- und Pflanmen- baumholz, wird dazu benutzt. Zur weiteren Entwicklung der Schriftzeichen dient ein chemischer Prozeß, der tm wesentlichen darauf beruht, daß der Buchstabe zuerst in Holz als Gußform ausgeschnitten, dann in einen Trog mit Kupserlösung hinein­getan wird. Nach einigen Tagen hat sich ein Niederschlag ge­bildet, der dick genug ist, um losgelöst werden zu können und imrd in den Metallrahmen hineingespannt. Die Settern, die man auf feitfe Weise erhält, besitzen jene kaligraphische Schönheit, die den Chinesen so lieb und wert ist: sie übertreffen hierin bei weitem unsere gewöhnlicheti Schriftzeichen. Obwohl alle chine­sischen Zeitungen und Bücher, die auf modernen Grundlagen aufgebaut sind, jetzt mittels beweglicher Metallettern hergestellt werden, wird alles, was auf das alte China Bezug bat, noch in der alten von der Zeit geheiligten Methode 'gedruckt, sind noch ein Umstand spricht mit, daß die chinesischen Klassiker nicht auf die moderne Art und Weise gedruckt werden. Die alte Drucker­schwärze besitzt nämlich jenen für europäische Nasen allerdings recht unangenehmen Geruch, der für den chinesischen Geist einen guten Wert anhaften muß. Auch die Photolithographie hat Ein­gang in China gefunden: mit ihrer Hilfe ist es möglich, gute Wiedergaben bet Schriften herzustellen, bie von den berühmten chinesischen Literaten früherer Zeiten so sorgfältig aufgezeichnet worden sind.

* Bescheidenheit am rechten Ort. In der Neü- york Tribüne erzählt Reginald de Kopen zum Lobe der Bescheidenheit eine lustige kleine Geschichte: Eine Gruppe von Touristen besuchte das Beethovenhaus iU Bonn. Ein ,unges Mädchen, etwa zwanzigjährig, setzt sich unbekümmert an Beet­hovens Instrument und spielt seine Mondscheinsonate. Beeb, Hovens eigenes Werk in Beethovens Zimmer auf Beethovens In­strument ! Die junge Dame spielt miserabel. Als sie fertig ist, erkundigt sie sich bei dem alten Hüter des Hauses:Ich ver­mute, daß viele berühmte Musiker hier waren und auf diesem! Instrument gespielt haben." Worauf der wackere Alte die selbst­bewußte junge Dame ruhig anblickt und schließlich erwidert: /.Ge­wiß, Fräulein, im vergangenen Jahr war Paderewski hier, und seine Freunde bestürmten ihn, auf dem Instrument zu spielew Aber er schüttelte nur den Kopf und sagte:Nein, dessen bin sch nicht würdig. .

Rätsel.

Zu einem Tischgerät, das jeder kennt, Sei nochr i" am rechten Ort geschrieben; Dies ist ein Rächer, den die Bibel nennt, Er hat zwei arge Sünder einst vertrieben.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Arührnogriphs in voriger Nummer;

Mai Alanen Delle Kain Hi Neg Barna Emma Yen; Mac Kinley.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Untoerstiäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lang», ©leien?