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Vermischtes.
* D i e Gefahren des O h r l ä p p ch e n st e ch e n s. Die Lippenpflöcke der Botokuden, die Nasenringe afrikanischer Naturvölker scheinen uns Kulturmenschen als eine primitive Absonderlichkeit. Aber daß die Ohrringe der modernen Europäerin dieselbe Einschätzung verdienen, Mill niemandem in den Sinn. Zwar ist eine langsame Abnahme dieser Sitte zweifellos festzustellen (oder aber vielleicht ist diese Wendung auch nur das Produkt der launisch-wandelbaren Mode). Jedenfalls sinkt bei den bessersituierten Klassen das Tragen von Ohrringen erheblich, während die Minderbemittelten noch fest an der Tradition halten und bis zu 100 Prozent Ohrlöcher tragen; auch denn, wenn sie nie in der Lage sind, sie mit Ohrgehängen zu schmücken. Nun ist es ein durchaus überflüssiges Bemühen, den Sittenrichter zu spielen und aus ethischen Rücksichten einen Kreuzzug gegen die Ohrringe zu predigen. Allein die Angelegenheit hat eine durchaus ernste Seite, auf die Prof. Epstein in Prag in der „Zeitschrift für Kinderheilkunde" das Verdienst hat, hinzuweisen. An die in frühestem Säuglingsalter vorgenommenen Durchstechungen der Ohren schließen sich häufig, da sie von unkundigen Personen, die jeder chirurgischen Sauberkeit entbehren, Infektionen der Ohrmuscheln, die zu schlecht heilenden Eiterungen und verunstaltenden Narben Anlaß geben. Bei Kindern entwickeln sich int Anschluß an die Ohrwunde oft nässende Ausschläge, die sich über den ganzen Körper verbreiten können. Das Wichtigste aber ist, daß auch die Tuberkulose auf diese Weise übertragen werden kann. Pros. Epstein berschtet über eine nicht geringe Zahl solcher Infektionen, bei denen die Tuberkulose durch das Ohrläppchenstechen geradezu überimpft worden ist. Besonders zur Vorsicht aber mahnen Fälle, in denen die Ansteckung von Ohrringen ausging, die aus der Hinterlassenschaft verstorbener Schwindsüchtiger stammten. Da nicht selten Schmuckstücke jeder Art zur Vererbitng gelangen — eine derartige Gefahr geht ja nicht allein von Ohrringen aus — sei der Erbe vorsichtig und sorge in jedem Falle vor der Benutzung für eine gründliche Desinfektion des Schmuckes. Was ob et das Ohrringstechen anbelangt, so überlege man, ob die Gefahr, die man eingeht, in einein Verhältnis zu der gewüitschten
kein Zweifel, daß der Mann seinen Ruf wühl vernommen, aber seine Bedeutung nicht verstanden hatte. Dreimal noch wteder- holte sich das nämliche grausame Spiel — dann verschwand Die Silhouette des rüstig ausschreitenden Wanderers allgemach tit Jycr idente. —■ — —■
Unter seine Schneewächte gekauert, bereitete sich Rudolf Giardina auf die zweite Nacht und auf seinen Tod. Denn letzt wußte er 'daß er aus dieser Felseinsamkeit niemals zurückkehren wurde in' das fröhliche, rauschende Leben. Und wieder waren alle leine Gedanken bei Eva, — Gedanken voll bitterer Selbstanklage und brennender Reue. Was er gestern beim Anblick ihrer vom Hellen Mondlicht umflossenen, gramgebeugten Gestalt nur flüchtig und unbestimmt empfunden hatte, heute — während der vermeintliche Retter in der Ferne verschwunden war, ihn gleichgültig zurücklassend in seiner Not — heute erst hatte er ihr ja mit vollen:1 Verstehen nachgefühlt, was sie gestern um ihn gelitten. Und fett diesem Augenblick nahm er sein unabwendbares Schicksals hin als die wohlverdiente Strafe einer Grausamkeit, die seinen überreizten Nerven jetzt im Lichte -einer ungeheuren Schlechtigkeit erschien.
Er hegte keine Hoffnung auf Rettung mehr —- nicht die allergeringste. Woher hätte sie ihm denn auch kommen sollen, da Niemand auf den Gedanken verfallen konnte, ihn zu suchen! Außer zu Eva hatte er zu niemandem von der beabsichtigten Hochtour gesprochen. Sein Berchtesgadener Wirt glaubte ihn, auf dem Wege nach München, und niemand erwartete drunten seine Wiederkehr. Eine ganze Reihe von Tagen konnte vergehen, ehe seine Ungehörigen durch das Ausbleiben eines Lebenszeichens beunruhigt wurden. Dann mochte man ja möglicherweise anfangen, nach seinem Verbleib zu forschen, und schließlich würde man hier oben auf einem Vorsprung der Archenwand die Ueber- reste eines kläglich Verhungerten finden — vorausgesetzt, daß er es nicht doch vielleicht vorzog, durch einen Sprung in dje Tiefe die grauenhafte Qual zu verkürzen.
„Lebe wohl, arme kleine Eva !" sagte er vor sich hin. „Gut, daß du nicht weißt, wie grausam das Schicksal sich alt mir gerächt hat!"
Dann fiel er in den tiefen traumlosen Schlaf der Erschöpfung. ----
Mit dem ersten Morgendämmern war die von der alpinen Rettungsstation Berchtesgaden ausgesandte Expedition von vier erprobten Führern ausgebrochen, und nm die Mittagszeit wurde einer der Männer des Bewußtlosen auf dem Felshange über dem Alpetal ansichtig. Abends brachten sie ihn glücklich zu Tal — schwach, aber unversehrt nnd gesund. Schon aus dem Wege hatte er erfahren, daß man lediglich auf das dringende Verlangen eines durch sein Ausbleiben beunruhigten jungen Mädchens nach ihm gesucht hatte. Und als wieder die Sonne über den Bergmauern des schönen Berchtesgadener Tales emporstieg, war dies junge Mädchen seine verlobte Braut.
Wie hätte er auch nach solchem Erlebnis einen Glauben zu Schanden werden lassen können, dem er sein Leben verdankte!
Wirkung steht. Jedenfalls unterlasse man es, Neugeborene und kleine Kinder dieser „kosmetischen" Operation zu unterwerfe»/ sondern warte damit bis auf spätere Tage. Wem es im Schwabenalter noch gelüstet, mit einem Neukaledonier in Wettbewerb zu treten, dem möge dies unbenommen bleiben.
* Der indische Hcrkn les. Indien betrauert das Hin- scheiden des „indischen Herkules" Rama Murti Naidu. Dieser indische Herkules ivar ein Kraftmensch, der so leicht nicht seinesgleichen finden dürfte. Unter den Kraftleistungen, die er vorführte, nennt die „Indian Review" besonders folgende: Er ließ einen Elefanten von beiläufig 40 Zentnern Gewicht über seinen Bauch gehen': ein zwölfpferdiges Automobil konnte über seine Schultern und seinen Rücken fahren, ohne ihn zu verletzen; zwei schwere, mit Menschen vollbepackte Lastwagen fuhren ihm über Schultern und Hüften; mit Brust und Rücken trug er einen Stein im Gewichte von 3000 englischen Pfund (über 1350 Kg.), und schließlich ließ er sich auf der Brust große Felsbrocken mit einem1 Schmiedehammer zerschlagen! Er war in Indien so volkstümlich/ daß man ihm überall, wo er auftreten sollte, einen fürstlichen Empfang bereitete. Seltsam war es, wie dieser außergewöhnliche Kraftmensch sich ernährte. Er lebte nicht nur rein vegetarisch/ sondern nahm auch die merkwürdigsten Gerichte zu sich Jeden Abend, ein paar Stunden nach seinen Kraftvorführungen, pflegte er ein leichtes Mahl aus Reis und anderen Pflanzen, alles in allem etwa. 20 Gramm, zu sich zu nehmen. Sein einziges Getränk war Wasser; außerdem pflegte er in größeren Mengen ein merkwürdiges Gericht zu sich zu nehmen, das aus Mandeln, Kümmelkörnern und schwarzem Pfeffer, die alle über Nacht im Masset eingeweicht, dann zu Brei zerrieben und durchgesiebt wurden, zu sich zu nehmen. Die pflanzlichen Bestandteile dieses Gerichtes wogen etwa 2 Pfund. Diesem Brei, der als erstes Frühstück genommen wurde, folgte ein zweites, nur aus einem Viertelpfund frischer Butter bestehend. Die Hauptmahlzeit bestand aus den1 gleichen Dingen, wie die Abendmahlzeit. Außerdem pflegte der Athlet Puddings zu sich zu nehmen, die aus saurer Sahne, Honig/ Butter und Zucker gekocht wurden.
* Ein japanisches Heiratsgesuch. Im Gegensatz zu der nüchternen Prosa, in der unsere Heiratsgcsuche gemeinhin abgefaßt sind, befleißigen sich die jungen Mädchen in Japan/ wenn sie auf dem auch dort nicht mehr ungewöhnlichen Wege des Zeitungsinserats einen Gatten suchen, einer-Anmut der Sprache und einer Poesie des Ausdrucks, die überaus reizvoll wirken. Das erhellt aus der nachstehenden Annonce, die kürzlich in einer großen Zeitung Tokios erschien: „Ich bin.ein junges, sehr hübsches. Mädchen, meine Haare zeigen die Wellenlinie der Wolken, mein Teint hat der Glanz und die -Sammetweiche der Blume, mein Gesicht ist beweglich wie das Blatt der Trauerweide, meine braunen Augen gleichen den beiden Sicheln des zunehmenden Mondes/ ich habe genug an Geld und Gut, um mit meinem Gatten glücklich und Hand in Hand durchs Leben -zu gehen und mich mit ihm bei Tag und Nacht des Anblicks der -Blumen zu erfreuen. Wenn diese Anzeige einem jungen, intelligenten, liebenswürdigen Mann von schöner Figur zu Gesicht kommt, >o diene ihm die Nachricht, daß ich mich mit ihm vereinen und mit ihm dereinst m einem Grabe von rotem Marmor ruhen will." - Es muß wahrlich schon ein ganz verhärteter Hagestolz sein, dessen.Grundsätze wlch verlockendem Anerbieten gegenüber nicht ins Wanken geraten.
Schachaufgabe.
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a b c d e I g h
Weiß. ;
Weiß setzt mit dem vierten Zuge Matt, .Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer r Hase — Ochse — Oeres — Hero — Wod)e — A(jr — sechs schwer — Ero§ — Eawa. — Hochwasser.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


