Ausgabe 
22.8.1912
 
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Donnerstag, den 22. August

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Lommerleutnsnls.

Roman von Walter Bloem, Copyright 1910 by Grethlein & Co. ^Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

--- Die Tischordnung hatte den Kasinovorstand' zwei

schlaflose Nächte gekostet. Wahrhaftig keine Kleinigkeit, all die Muschirs und Paschas fein säuberlich nach der Zahl der Roßschweife zu verstauen . . . Und noch peinlicher war die Plazierung ihrer holden Ehehälften und Töchter: daun dabei diese Unzahl von Wünschen der Kameraden und schließlich galt es doch auch noch, gewisse Regungen des eigenen Herzens zu berücksichtigen.

Dieser Reserveonkel. . . dieser Malfritze... der hatte drei Wochen lang fast jeden zweiten Nachmittag ein paar Stunden mit der schönsten Frau im Regiment allein sein dürfen . . . Skandal! Na, der hätte sich's natürlich nicht entgehen lassen, solch eine Gelegenheit nach allen Kräften auszunutzen . . . Was mochte er erreicht haben?! Heut abend würde man zweifellos allerlei beobachten können .!

So hatte er der Frau von Brandeis den Witwer Major Blasberg als Tischherrn gegeben und sich selbst an ihre rechte Seite gesetzt b- Wamberg gegenüber an die andere Huf- chsenseit-e.

Bon den Reserveoffizieren hatte nur der harmlose,.dicke Oberleutnant Brassert eine Tischdame bekommen, ein ält­liches Stiftsfräulein, eine arme Verwandte des Majors Blasberg, die den um zehn Jähre jüngern Vetter seit dem Tode seiner Frau die Haushaltung führte. . . Mit dieser anmutigen Nachbarin saß Brassert, wie üblich, am Stabs- tisch.

Frau Cäcilie unterhielt ein krampfhaftes Gespräch mit Wem schweigsamen Tischherrn und mied es geflissentlich, ihrem Nachbarn zur Rechten auch nur ein Wort zu schenken.

Gräßlich . . . fühlen zu müssen, daß er keinen Blick von den Bewegungen ihrer entblößten Arme . . . von dem Spitzensaum ihres Halsausschnitts verwandte. . .

Er knirschte über diese Wernachlässigung. Na, warte nur ein bißchen mehr als Luft bin ich doch--Das sollst

du merken, schöne Frau!

Als wiederum in der stockenden Unterhaltung ferner Nachbarin eine Pause eingetreten war, neigte er sich zu ihr, die sich beharrlich! von ihm abgewändt hielt:Gnädige Frau scheinen mich schlecht behandeln zu wollen?!"

Ich ... Sie? ich behandle Sie überhaupt nicht!"

Na ja, ich bin in Ungnade bei Ihnen das weiß ich ja!"

So das haben Sie also gemerkt!? Dann wun- dert's mich, daß Sie als Arrangeur der Tafel feilte untere haltsamere Nachbgrschaft für sich gewußt haben als mich!"'

Aber, gnädige Frau r. verstehen Sie das denn nicht?

Ich hoffte Gelegenheit zu haben, mich Ihnen gegenüber in ein besseres Licht zu setzen!"

-Ja, sehen Sie dann haben Sie sich also ge­täuscht!"

Das merk ich allerdings! Schade! Mir fehlen leider Rottes die Qualitäten, mit denen man sich bei Ihnen beliebt machen kann. Schlichter Soldat wie ich, verstehe nichts von Musik, malen kann ich auch nicht. . . kurz, nicht für fünf Pfenn'ge Chance. . .!"

Nun also . . . Warum haben Sie sich denn mit aller Gewalt den schönen Abend durch meine Nachbarschaft ver­derben wollen?!"

Gnädige Frau was tut man nicht für das Glück, einen Abend neben der schönsten Frau im Regiment sitzen zu dürfen. So was kommt so bald nicht wieder, daß es von einem selbst abhängt. Der Vorzug, in Ihrem Hause zu Gaste geladen zu. sein der hat mir Bid' jetzt ja nicht geblüht, wenn ich auch ebensogut wie alle andern Herren Ihnen meine Aufwartung gemacht habe--"

Herr Oberleutnant, Sie wissen so gut wie ich', daß Sie sich das Recht auf Gastfreundschaft in meinem Hause ver­scherzt haben!"

Ah das ist also noch immer nicht vergessen?! Tja ich verstehe es eben nicht so gut wie mancher andere,, meine Empfindungen im Zaume zu halten

Pah! Empfindungen--Sie und Empfindungen?!

Sie wissen überhaupt nicht, was Empfindungen sind--!"

Ich weiß nicht, was?! Haha . . . man möchte wahr­haftig anfangen, mit Gegenbeweisen zu renommieren . . .!"

Unnötige Mühe! Ihr Renommee ist stadtkundig!"

Tja . . . was bleibt unsereinem übrig . . . die Frauen, die man inöchte, sind bereits anderweitig vergeben . . . und überdies so unangenehm tugendhaft. . . wenigstens unser­einem gegenüber! . . . Tja wenn man ein Ritter der Feder wäre, wie dieser Tapergreis, der Frobenius . . . Sehn Sie nur, gnädige Frau: Nelly von Sassenbach plaudert mit ihm über die ganze Tafel hinüber, und .Herr von Schoenawa, ihr Tischherr, ist kaltgestellt... Ja ja, die Herren von der Reserve ... die Herren von der Intelligenz .'. . das ist mal was anderes für die Damen ... da können wir einfachen Soldaten nicht konkurrieren. . . Und wenn man nun gar ein berühmter Maler ist, wie ein gewisser **

Bitte, sprechen Sie sich nur ruhig aus, Herr Ober-» leutnant!" t .

O ich ! 'Sie werden begreifen, dag es mir nicht ganz gleichgültig sein kann, wenn man selbst von einer Dame so deutliche Zeichen ihrer Abneigung bekommen hat . und irgend so ein Herr, der mal auf acht Wochen hier hineinschnüsfelt . . . der darf dann mit dieser selben Dame allein sein . . . Wochen hindurch. . . stundenlang . . . Ich begreife Herrn von Brandeis nicht wahrhaftig!"

Herr Menshausen, Sie sind denn doch von einer M-