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r,Weißt," meinte Franzel nach einer Bause, >,das hier ist iem verzweifelt ödes Loch. Sein Madel in der Gegend, kaum eine, Kneipe., Zum Teufel, wenn wenigstens die Pascher hier ein wenig Schneid hätten, das brächte doch Abwechslung. Ordentlich sehnen tut man sich danach."
„Ra, verschrei's nur nicht, so amüsant ist das nicht."
»,Ach was, ein Gaudi wär's, und daß sie nicht entwischten, dafür ist der Franzel gut. Einen Mordsspaß müßte das geben, wenn man die Kerle festnimmt, und wenn nachher unter dem falschen Bart And unter dem Ruß der Weber Sepp aus 'Doli- dorf oder der Hardt Andres aus Eudkirch steckt."
t .Lenz schüttelte den Kopf. „Stellst dir's anders vor, als es ist: Du wirst mir's glauben, fürchten tu ich mich nicht, aber Spaß hab ich nie viel dabei gefunden. Und Bekannte wirft 'schwerlich erwischen, die machen so was nicht in ihrer Gegend, die gehen Wo anders hin, denn Gauner sind sie natürlich alle."
Frankel verzog ein wenig spöttisch die Mundwinkel, er hatte keine große Meinung von Lenz, obwohl der schon acht Jahre Grenzdienst hinter sich hatte.
' Lenz sah jetzt nach der.Uhr. 7,Halb zehn? Wirst auf deinen Mosten müssen, Franzel, 's ist weit bis zum Einödbruch."
Der Angeredete erhob sich, gähnte, nahm fein Gewehr, nickte einen Gruß und schickte sich zum Gehen an.
„In zwei Stunden gibst das Signal zum grauen Stein, dort hin ich um die Zeit, ich bleib bis elf Uhr hier," sagte Lenz.
Franzel nickte wieder. In der Tür wandte er sich noch einmal um.
„Wie hat Man die Signalleitung eigentlich fertig gebracht, ohne daß die Herren Pascher etwas davon gewahr geworden sind? Denn wo sie liegt, scheinen sie ja auch noch heute nicht zu wissen." ; Lenz lachte behaglich. „Nein, das haben sie noch nicht raus- aefunden, sonst würden wir schon was von ihnen gehört hüben. Wie die Leitung entstanden ist? Ja, weißt, die Prager Pioniere haben hier im Frühjahr Sprengübungen abgehalten, wobei der Wald gesperrt wurde. Bei der Gelegenheit kann's sein, daß die Anlage zurückgeblieben ist."
Franzel tat einen anerkennenden Pfiff und verschwand bann, indem er den neuesten Wiener Gassenhauer trällerte.
. Lenz blieb allein, holte sich aus seiner Kommode die Memoiren des Scharfrichters Gruselig und machte in Bildung.
Die Uhr ging auf elf.- Lenz hatte soeben mit wohligem-Entsetzen der Hinrichtung des Vatermörders Schlimbukki beigewohnt, als er draußen Tritte vernahm. Er ließ seine Literatur eiligst in der Schublade versinken und stand auf. Gleich darauf erschien in der Tür ein Grenzsoldat, .den Lenz nicht kannte.
„Servus, Kollege," grüßte der Ankömmling und reichte Lenz die Hand. „Komme vom Bezirkskommaudo in Klausburg. Da hat man Nachricht bekommen, daß diese Nacht ein Tabakschmuggel durch den gelben Grund versucht werden soll und vielleicht gleichzeitig übe ' ie Einöd. Ich soll euch helfen."
ire . . ." brummte Lenz erstaunt, „sollten sie's doch J(au6’§ kaum. Oder schier, sie müßten denken, wir passen hier nicht mehr auf." Eine Weile schwieg er, dann fuhr er nachdenklich fort: „Zum Franzel auf der Einöd kommst nicht mehr, der wird auch allein fertig, wenn was los ist, denk ich. Der Paß ist dort eng. Im gelben Grund ist's schwieriger. Kommst Mit mir?" !
>,Freilich, freilich, so ist auch Mein Befehl."
-,Na schön. Wie heißt eigentlich?"
1 „Xaver Unterberger. Und du bist wohl der Lenz Gwandner, fielt?"
Lenz nickte. Darauf gaben sich beide Männer nochmals die Hand, und dann gingen sie. Es war eine mondhelle Nacht, als die Grenzer ihrem Bestimmungsorte zuschritten.
Lader, der in Eger, der Heimatstadt seines Kollegen, beim Geniekorps gedient hatte, wußte viele schnurrige Anekdoten von dort zu erzählen, und beide unterhielten sich aufs beste; schier hatten sie den ernsten Zweck ihres Ganges bergessen.
Plötzlich hielt Xaver inne. , . -,Marandjosef, wir müssen ja noch bereden, wie wir uns im gelben Grund aufstellen wollen lind uns verständigen."
Lenz kratzte sich am Kopfe. „Hast recht," murmelte er, „wir haben nicht viel Zeit, der Mond ist am Verschwinden." Einen Augenblick überlegte er. „Ja, so wird's am besten sein," meinte er dann. „Du stellst dich drüben an der toten Buche auf und ich am grauen Stein, dann kriegen wir die Pascher zwischen uns, wenn sie es wirklich riskieren sollten. Und nun schnell weiter. Das nötige Aber unsere Signalleitung sage ich dir unterwegs." I Als Xaver einigermaßen orientiert war, wurde noch die Frage besprochen, was mit eventuellen Gefangenen werden sollte, und auf Xavers Vorschlag kamen die beiden überein, daß Xaver, falls die Verhaftung aller beteiligten Schmuggler gelang, die Pascher in den Keller von Lenz und Franzels Stationshaus bringen sollte. Für dies Geschäft eignete sich Xaver besser,. als ein mit der Gegend völlig Vertranter an Ort und Stelle bleiben mußte, da vielleicht eine Verfolgung weiterer Pascher geboten sein konnte.
Xape-r lachte plötzlich hell auf. >,Das heißt, das Fell des Bären verkaufen, ehe man ihn hat," i
Lenz lachte mit. „Ein guter Grenzer muß mit allen Möglichkeiten rechnen," meinte er.
Als sie am Bestimmungsort angelangt toareit, begab sich jeder auf seinen Posten.
Der gelbe Grund war ein verschwiegenes Tal, das sich zwischen zwei fast unpassierbaren Höhenzügen hindurchwand und außer der eine Stunde entfernten Heerstraße so ziemlich die einzige Verkehrsmöglichkeit über diesen Teil des -Äöhmerwaldes nach Bayern zu bot. Allenfalls kam noch der enge Einöd-Grund in Frage.
Lenz .sah von seinem Standpunkte aus nur die rechte Seite des Grundes und Xaver nur die linke. Beide befanden sich in unmittelbarer Nähe der am grauen Stein wie an der toten Buche unauffällig nach oben mündenden Signalleitung. Beim Herannahen der Schmuggler sollte das Zeichen nach bestimmter Methode gegeben werden.
Zn verabredeten Zeiten vermochten die Grenzwächter sich auf diese _ Weise zu verständigen, auch besaßen die Stationen einen primitiven Empfängerapparat, der einige Zeichen zu schreiben vermochte, die allerdings völlig genügten. Zumeist befanden sich diese Stationen an entlegenen, wenig besuchten Punkten, zu denen auch der graue Stein und die gegenüber liegende tote Buche gehörte.
Lenz legte sich auf den Bauch hinter den Schlehenbusch und untersuchte zuerst den Apparat. „Nichts vom Franzel," brummte er ärgerlich. „Wenn der Pflichteifer so groß wäre, wie das Wort, das er führt, könnte was aus ihm werden, denn mit den Schmugglern hat er sicher noch nichts gehabt, die kommen nicht vor Dunkelheit." Hiermit gab Lenz nach dem Einödbruch die Mitteilung, daß er hier auf der Sauer liege, und daß auch Franzel auf der Hut fein müsse.
s Kaum war er hiermit fertig, als er ein lebhaftes Weckzeichen vernahm. „Das ist der Xaver," dachte er und spähte aus feiner gedeckten Stellung, das Gewehr schußbereit, auf den Pfad in der Schlucht. Noch sah er nichts. Aber da, jetzt, eins, zwei schwer bepackte Männer, und noch einer, auch noch ein viertes und fünfter.
; „Verflucht, fünf gegen zwei," schoß es Lenz durch den Sinn. Doch, wenn er auch besorgt war, furchtsam war er nicht. Langsam erhob er sich und schlich, soweit er konnte, an den Weg hinan, wobei er deutlich gewahrte, daß Xaver auf der anderen Seite ein gleiches tat. Zufrieden nickte er. „Der paßt auf. Hurra, die Sache geht, wenn die Kerle auch ihve Büchsen in der Hand haben, sie können nicht so schnell hoch damit wegen der Last."
Die Pascher sahen sich vorsichtig nach allen Seiten um und unter der Bürde keuchend, gingen sie langsam, Schritt für Schritt, vorwärts. Als sie zwanzig Schritte vom Versteck der Grenzen entfernt waren, sprang Xaver mit schußbereitem Gewehr vor, „Die Büchsen fort!" schrie er.
Verdutzt blieben die Pascher stehen und rührten sich nicht. Doch als auch die gewaltige Figur Lenz' ans der Dunkelheit trat,- die Flinte im Anschlag, da ließen die fünf resigniert ihre Wassew zn Boden sinken und ergaben sich in das Unvermeidliche.
Während Lenz das Gewehr im Anschlag behielt, zog Xaver Handschellen aus der Tasche und ließ sich auch noch- ein paar von Lenz geben. Hiermit ging er auf die Schmuggler zu und sah ihnen in die rußgeschwärzten Gesichter. „Euch werden wir die Maske schon abreißen, Ihr Halunken," schimpfte er, und indem er den Männern die Fesseln anlegte, versetzte er ihnen Püffe und Stöße, so daß.es schließlich dem Lenz zn viel wurde. Er zog den Xaver nach vollendeter Fesselung auf die Seite und sagte: ।
„Weiht, Menschen slnds halt doch auch. Ich hab dich bis dahin für einen guten Kerl gehalten, und ich befehle dir jetzt als der Rangälteste: Malträtiere die Leute nicht unterwegs!"
-„Schon gut, Lenz," antwortete Xaver, „ein bißchen grob schadet bei dem Pack schon nichts. Behüt dich Gott, Lenz. Macht weiter, ihr da."
Gehorsam trabten die ertappten Pascher -mit ihrer Last davon'. Xaver folgte in geringem Abstand, Gewehr im Arm und beladen mit den Flinten der fünf Pascher.
Lenz begab sich auf seinen Posten zurück. „Zu viel Gemüt taugt nicht für den Grenzer," so sprach er zu sich selbst, „aber so ganz ohne möchte ich nicht fein. Doch so einer wie der Xaver bringts zu was."
Stunde um Stunde lag Lenz auf der Sauer. „Habs mir gedacht. Die nachfolgen wollten, haben Unheil gerochen, oder es waren keine da," meinte er. „Aber dem Franzel muß ich doch mal dienstlich den Kopf waschen. Kein Zeichen hat er geschickt, oder sollte ihm was passiert sein?"
Je mehr es auf den Morgen zuging, desto unruhiger wurde Lenz, und als die Sonne ihre ersten Strahlen ausschickte, machte er sich auf den Heimweg.
Beim Wachhaus angelangt, konnte er die Tür incht öffnen; er hatte dem Xaver die Schlüssel mitgegeben. „Was ist benn das?" buchte er, „schließen die .sich ein?" Und er machte Lärm und pochte, doch niemand öffnete ihm. Auch die Kellertür war verschlossen und durch die Gitterstäbe spähend gewahrte Lenz int Innern des Raumes: niemanden.
Verständnislos faßte sich der Grenzer an die Stirn. „Der wird doch nicht mit den Kerlen die vier Stunden nach Klausburg gewandert fein?"


