Ausgabe 
22.5.1912
 
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Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Kieje»

Logogriph.

Vokale gab man einen mir, Von Konsonanten auch nur vier, ^rotzdem bin ich nicht unzufrieden, Denn Höh'res gibt's nicht viel hinieden.

Nimmst du ein Stück und änderst du ein Zeichen, So muß das Hohe von mir weichen.

Mein Los ist nun nicht schön zu nennen, Man pflegt mich häufig zu verbrennen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Zitatenrätfpls in voriger Nummer r Das ist das Los des Schönen ans der Erde.

graphische Films vorgeführt, die zeigen, rote ein Zimmer zu fegen ist, ivie man ein Baby waschen muß, wie die Ratten Seuchen­verbreiter find, was das unfiltrierte Wasser alles enthält. Und zuletzt gibt es einen Film, der dem jungen Manne zuerst die falsche Hausfrau und dann die richtige zeigt.

Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

* Drei Jahre sind oder ist es her? Heißt es:Noch nicht viele Jahre sind es her, daß . . .", oder:Noch nicht viele Jahre ist es her, daß . . ."? Dassind" ist fehlerhaft; denn aus die Frage: wie lange ist es her? steht der vierte Fall:es ist einen Monat her, daß er zu mir kam", es ist einen Tag her", »es ist kaum einen Augenblick her". Erträglicher wäre es, wenn es ohneher" hieße:Noch nicht viele Jahre sind es, daß . . Aber das klingt mehr französisch als deutsch.

Seegeltung. Und welche Vorteile erwarten auf diesem Schiff, auf dem die Kabinen bequeme Zimmer mit allen Wohnbehaglich- Jeiten des Festlandes sind, den Reisenden! Die Säle sind von ent­sprechender Größe; der Speisesaal für die Passagiere erster Klasse versammelt 600 Personen zur Mahlzeit. Den übrigen Speisesälen gliedern sich au: Rauchsalons, Damensalous, ein Wintergarten, eine Kaffeelaübe, eine Turnhalle, .ein Schwimmbad, Fahrstühle, jn selbst Läden. Alle chiese Vorteile bedingen die Größe des Darnp- sers, die jetzt so vielen Bedenken begegnet. Wie nüchtern klingt die Angabe: 268 Meter lang. Aber statt des Kölner Doms könnte man auch ein .volles Dutzend vierstöckiger Großstadthäuser! neben demImperator" aufstellen und sie würden neben ihm ver­schwinden. Sein Bauch könnte 6hs Millionen Liter Wasser fassen. Aber das ist int Andenken derTitanic" ein unbehaglicher Ver­gleich. Fügen wir deshalb nochmals hinzu, daß dessen Schicksal den Meistern desImperator" zur Warnung dienen wird, wie später auch seinen Führern. Auch ohne diese Warnung hat man alle Vorsichtsmaßregeln schon beim Bau gewissenhaft beobachtet. Das- derImperator" richtig konstruiert ist, darf man den In­genieuren desVulkan" schon zutrauen. Er ist aus allerbestem! Material erbaut. Er wird als erstes Handelsschiff der Welt mit einem Kreiselkompaß ausgerüstet, ein äußerst kostspieliges In­strument, das von den Gesetzen des Magnetismus unabhängig ist. Auch die erstmalige Ausstattung dieses deutschen Turbinenschiffes mit vier Schrauben hat einen Nebenwert für seine Sicherheit. Die Frahmschen Schlingertanke diese guten Geister der nicht seefesten Passagiere werden denImperator" vor seitlichen Schlingerbewegungen bewahren. Neben dem allen werden auch die Rettungsvorrichtungen Mr den kaum denkbaren Fall einer Katastrophe in weitestreichender Weise bedacht werden.

Schwimmt derImperator" erst auf dem Wasser, wird seine erdrückende Ungeheuerlichkeit Majestät geworden fein. Und Hamburg wird durch ihn unter den Welkhäsen erhöhte Bedeutung gewinnen.

vermischtes.

1800 Jahre alte Frisuren. Sehr sorgfältig ge- flochtene, gut erhaltene Frisuren, wie sie vor 180Ö Jahren die Gallierinnen getragen haben, wurden bei einem intereffonten Gräberfunde ans Licht gebracht, über den der französische Archäologe Audollentin der Pariser Akademie der Inschriften Und schönen Künste berichtete. Es handelt sich um seckK Gräber, die vor einiger Zeit in Martre-de-Vehres (Puy-de-Däme) aus- gedeckt wurden. Die Gegenstände, die aus dem zweiten nach­christlichen Jahrhundert stammen, sind äußerst zahlreich und treff­lich erhalten: sie lassen sich nach Audollents Einteilung in drei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe besteht aus Touwaren, rötlichen, ziemlich grob geformten Töpfen, und dann aus Gläsern, hie von außerordentlicher Feinheit und Zartheit sind. Die zweite Gruppe setzt sich aus bett zahlreichen Beigaben zusammen, die mit den Särgen in die Erde gelegt Wurden; da gibt es elegant« hölzerne Büchsen und allerhand Schmuckgegenstände; besonders interessant sind aus Meide geflochtene Körbchen, die mit Früchten gestillt sind, um dem Toten auf seiner Reise ins unterirdische Reich die nötige Nahrung zu geben. Diese Weintrauben, Nüsse, Aepfel, ja auch Äu kleiner Fruchtkuchen, sind gut konserviert. Das gleiche ist mit den merkwürdigen Frisuren der Fall, die die dritte Gruppe bilden. Sie stammen aus den fünf Gräbern, in denen Frauen beerdigt waren, und sind sogfältig geflochtene, in Locken gelegte Frisuren aus natürlichem Haar. Außerdem wurden noch leinene Gewänder, Tuniken, Gürtel, lederne Schuhe »sw. zu Tage gefördert. Der Gelehrte hat die Ursachen studiert, durch die diese ungewöhnlich gute Erhaltung der Gegenstände hervorgebracht sein mag. Daß die Körper einbalsamiert waren, ist ausgeschlossen, denn sie zerfielen, als sie an die frische Lust gebracht wurden. Die Konservierung mußte durch besondere ©gen» Mmlichkeiten dieser Gräber bewirkt sein; Audollent hat dies« in den Kohlensäuregasen gefunden, die sich in der Erde ent­wickelt hatten und bei den Ausgrabungen recht unangenehm aus­gefallen wären. Sie mögen wohl die Konservierung hervor- gerusen hasten.

bk. Die Gejundheitsivoche in England. Ganz Eng­land steht augenblicklich im Zeichen der Gesundheitsivoche, und überall wird von der Kanzel herunter, ivie in den Schulen, Fabriken und Warenhäusern ein erbitterter Kampf gegen die Un­wissenheit, Nachlässigkeit und Fahrlässigkeit aui dem Gebiete der Sygieue geführt. Es sind ganz erschreckende Zahlen, die da den ngländern vor Augen geführt werden, damit sie sich aufraffen zttin Kampfe gegen die Gebrechen. Zehn von hundert Kindern in englischen Volksschulen sehen schlecht, 40 haben ein schlechtes Gehör, 70 leiden an Wucherungen der Nase oder des Rachens, 40 haben schlechte Zähne und ebenfalls mehr als 40 lewen unter körperlicher Unreinlichkeit. Alle Vereine Englands haben sich zusauunengetan und wollen nun in der Gesunvheits- rooche durch praktische Beispiele sowohl als auch Vorträge derBe- volferung diese Tatsachen schildern. Sehr häufig wird die Be­lehrung mit der Unterhaltung verbunden. So werden kinemalo-

Die Zimmerpflanzen und ihre pflege.

Woche vom 21.27. Mai.

Das Einräumen der Pflanzen auf den Balkon Und in heft Vorgarten wird fortgesetzt. Zuletzt kommen die empfindlichsten! Blumen an die Reihe, wie z. B. die Kakteen mit ihren un­empfindlicheren Arten: Cereus, Echinoeereus, E ch i n um kaktus, Echinopsis, Mamillaria. Die anderen Kaktus­arten lassen wir besser im Zimmer oder Wintergarten. Auch die Kronwicke (Coronilla) wird draußen aufgestellt; sandig-lehmig« Erde, vermischt mit Misterde, und geräumige Töpfe! Wenn die honigduftende Blüte vorbei ist, kann man durch Beschneiden nette kleine Kronenbäumchen ziehen. Sonnigen Stand ver­langen auch die strauchigen Pantoffelblumen (Caleso- laria-rugosa); während merkwürdigermeise die krautige Pan­toffelblume (Calceolaria herbeohybrtda) viel besser im Halb­schatten gedeiht; beide aber müssen reichlich Wasser haben.< Sonnig wird auch der schöne Rvsen-Eistisch (Hibiseus) aus­gestellt oder ausgepflanzt; auch er bekommt reichlich Wasser und Düngung. Besonders reiches Begießen erfordert die Ärali« (Aralia oder Fatsia japonica), von denen man nur junge Pflanzest kaufen sollte, die man in kräftiger Lehm-, Mistbeet- und Lanst- erde groß zieht. Sonnig stellt man auch den Schlangen- bart (Ophiopogon), ebenso die Hermannie (Lauberde mit Sand und Lehm und reichlich Wasser). Wenn man Hermauniest durch, Aussaat züchten will, so mag irtan es jetzt versuchen. Aus- saatzeit ist ferner gekommen für den Hornklee (Lotus), dest man auch sonnig draußen aufstellt und nach der Blüte durch Teilung und Stecklinge vermehrt (sandige Laust- und Misterste.;. mäßig begießen).

Der Rhododendron wird nach der Blüte auch sonnig und lustig gestellt und vor Ballentrockenheit bewahrt; ebenso die Hortensien, welche angetrieben waren; diejenigen aber, die, wie es ihre Natur ist, im Spätsommer blühen, setzt man biss dahin nicht den grellen Mittagssonnenstrahlen aus. Die Calla wird jetzt ausgeblüht haben; wenn möglich. Pflanzt man sie aus und hält sie sonnig und sehr feucht. Wer versuchen will, die! Eine rar ie (Greiskraut, Senecio) selbst heranzuziehen, der fäe sie jetzt aus (ganz dünn, in sandige Heide- oder Lauberde; bald verstopfen, schattig, mäßig aber gleichmäßig feucht und lustig« wegen der sonst unfehlbar auftretenden .Lause halten). Di« erstarkten Sämlinge werden mehrmals in immer nur wenig größer« Töpfe umgesetzt, und zwar in Laub- und Mistbeeterde mit Sandig und ebenso wie die alten Pflanzen int Sommer halbschattig,- feucht und lustig gehalten und oft überspritzt. Stecklinge macht man jetzt von der abgeblühten S chl e i f e n b l u m e (Iberis gibral- tarica und semperflorens), die irtan auch jetzt aussäen kann.s Die Stecklinge des roten Salbei (Salvia splendens), die int vorigen August geschnitten Würben, werden bald in voller BW« stehen; sie werden, wenn es geht, ausgepflanzt in Kästen oder! ins Freie, sonst aber noch einmal, ohne bett Ballen zu stören, Seropst in mittelgroß« Töpfe (Erbmischung jeberart). Von n, die matt im Herbst wegwirft, werden bann im! August wieder Stecklinge geschnitten; und so hat man eine IV-jährig« Kultur, die man, sofern ein Glashaus, Kaltbeet oder bergt, zur BerMuna steht, auch bei Geranien (und Pelargonie it) mit .Erfolg betreiben kann.