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„Na ja, das wird gut werden Ptlinae vor sich hin, als sie L
Wenn es auf zahllosen Proben eiustudiert worden wäre, hätte bie§ fragende „Nun?" nicht gleichzeitiger aus dem Munde seiner Damen kommen können, und als er nicht gleich antwortete, sondern sich seine Zigarre, die er mit Rücksicht auf seinen Gast in dessen Zimmer nicht weiter- geraucht hatte, von neuem anzündete, fragte seine Frau noch einmal: „Nun?"
Der Graf w>ar von dem Baron entzückt, trotzdem aber sagte er jetzt nur: „Soweit ich das beurteilen kann, nachdem ich kaum fünf Worte mit ihm wechselte, haben wir, glaube ich, alle Ursache, mit ihm zufrieden zu sein."
Das sollte ganz harmlos klingen, aber die Gräfin erriet, daß der Baron ihm viel besser gefiel, als er zugeben wollte. Und so sagte sie denn plötzlich ohne jeden Uebergang:
„Er spielt leidenschaftlich Ecarto —"
Aber so leicht war der Graf nicht zu fangen. Mit dem erstauntesten Gesicht vor: der Welt sah« er seine Frau an: „Woher weißt du das?"
„Das merke ich dir an — du hast ihn bereits gefragt."
„Aber Konstanze!"
Es klang ein solcher Vorwurf aus diesen beiden Worten heraus, daß die Gräfin ganz irre wurde.
„Aber Konstanze — wir sind uns doch neulich darüber einig geworden, daß wir den Baron trotz seines Namens und trotzdem er als Gast betrachtet wird, in erster Linie als den Reitlehrer unserer Töchter ansehen wollen. Da werde ich ihn doch nicht gleich in der ersten Minute zum Kartenspielen aufsordern — oder ihn auch nur nach, solchen Dingen fragen."
Was er selbst für ganz unmöglich gehalten hatte, geschah dennoch: die Gräfin war überzeugt, daß sie dieses Mal ihrem Manne ausnahmsweise unrecht getan hatte, und so sagte sie beim:
„Um so besser, wenn du schwiegst. Es ist auch richtiger, wenn du vorläufig überhaupt nicht danach, fragst, denn schließlich spielt ihr doch um Geld — und du kannst ihm doch nicht im Kartenspiel abuehmen, was du ihm monatlich an Gage zahlst."
Der Graf knickte ganz in sich zusammen — daran hatte er noch nie gedacht! Nein, das ging natürlich nicht, das war ja ganz unmöglich.
In seinen Freudenbecher fielen Wermutstropfen----
„Was macht man denn da?" sprach er mehr zu sich,, als zu den Seinen.
Alexa sah« die große Enttäuschung, die aus deni Gesicht ihres Vaters sprach, und halb scherzend, halb ernsthaft meinte sie: „Laß ihn doch gewinnen, Papa — du spielst doch nur, um zu spielen, nicht des Geldes wegen."
„Ich kann doch aber nicht schlecht oder gar falsch spielen, nur damit der andere gewrnnt. Spiel ist Spiel —: das verstehst du nicht."
„Vielleicht doch!" verteidigte sich Alexa. „Aber nun erzähl', wie sieht der Baron aus? Ist er hübsch, jung, alt, klein, groß —"
„---blond, schwarz, brünett, — hat er schöne Au
gen?" unterbrach der Graf etwas ärgerlich seine Tochter. „Was geht das mich an? Daraufhin habe ich ihn wirklich noch nicht angesehen. Das könnt ihr allein besorgen. Er wird nicht mehr lange auf sich warten lassen."
(Fortsetzung folgt.)
erlaubt. „Die halbe Treppe darfst du ihm entgegengehen," hatte sie entschieden, „mehr wäre zuviel, und weniger wäre Unhöflich. Du weißt: ich bin in solchen Dingen Autorität." Uud der Graf hatte sich gefügt, wie er sich immer fügte.
Mit großer Herzlichkeit begrüßte der Graf jetzt seinen Gast:
„Da sind Sie ja endlich selbst! Ein wahres Glück, daß. die Korrespondenz zwischen uns ein Ende hat und daß 'wir uns nun von Angesicht zu Angesicht kennen lernen. Uebrigens ist mir so, als wäre ich Ihnen schon einmal irgendwo begegnet — Sie kommen mir so bekannt vor."
Das sängt ja nett an! dachte der Baron erschrocken, dann sagte er: „Ich glaube, Sie irren sich, Herr Graf — ich habe in der letzten Zeit gar keine Gesellschaften mitgemacht — auch im Klub verkehre ich nicht mehr. Vielleicht haben lvir uns einmal zufällig auf der Straße getroffen, — vielleicht haben Sie mich da um Feuer für Ihre Zigarre gebeten —"
„Das wird es gewesen sein, oder wenigstens so etwas Uehüliches, denn ich kann mich auch sonst im Augenblick wirklich nicht besinnen."
Der Baron schämte sich fast, dem Grafen nicht die Wahrheit zu sagen. Aus dessen blauen Augen und aus messen gutmütigem Gesicht sprach so viel Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, daß es jedem schwer fallen mußte, ihn zu belügen. Natürlich hatte auch er den Grafen sofort wieder- erkannt, dessen breite, kräftige Gestalt mit dem Ansatz zum Embonpoint, den der beste Schneider nicht mehr fortbringen konnte. Das Joviale und Gemütliche seiner Erscheinung war ihm schon in Berlin aufgefallen, wenn der Graf dort in der Reitbahn mit seinen Töchtern plauderte.
Der Graf ließ es sich nicht nehtnen, seinen Gast selbst in die für ihn bestimmten Zimmer zu führen.
„Ich hoffe, daß Sie sich bei uns Wohl fühlen werden, Herr Baron. Wenn Sie irgend einen Wunsch haben, klin- geln Sie bitte dreimal. Dann erscheint nach berühmtem Muster zwar nicht der Hausknecht, wohl aber der Boy, der angewiesen ist, ausschließlich für Sie zu sorgen. Und wenn &te sonst irgend etwas anders haben wollen, als wir es für Sie einrichteten, dann brauchen Sie es nur zu sagen t— es wird sofort gemacht werden."
„Sie beschämen mich wirklich durch Ihre Liebenswürdigkeit, Herr Graf." Und das war keine leere Redensart. Schon jetzt fühlte sich der Gast in den schönen Räumen wohl, und 'die Herzlichkeit des Schloßherrn ließ wenigstens in dessen Gesellschaft viele heitere, gemütliche Stunden erwarten.
„Mich freut's, wenn's Ihnen wirklich gefallen sollte. Na, und wenn wir erst einmal beim Ecarto zusammen sitzen — Sie spielen doch Ecarto?"
„Mit Leidenschaft, Herr Graf. Ich habe sogar zu leidenschaftlich gespielt."
Es hätte nicht viel gefehlt, und der Graf hätte ihn Wirklich an sein Herz gezogen, aber er hielt es doch nicht für schicklich, seiner Freude zu lauten Ausdruck zu geben, sonst kam der Gast vielleicht auf den Gedanken, daß er in erster Linie gewissermaßen als Gesellschafter engagiert war. Und das ging nicht, das ging unter keinen Umständen, das hatte die Gräfin ihm neulich ausführlich auseinandergesetzt, und er hatte ihr beigestimmt. Er hätte ja auch widersprechen können, aber warum sollte er es tun? Er war ja sein freier Herr und konnte „ja" und „nein" sagen, ganz wie er wollte.
Aber die Hand schüttelte er seinem Gaste doch: „Das ist ja famos — da wollen wir gleich heute abend eine Partie spielen."
Der Baron stimmte zu, und in der Freude seines Herzens, einen Partner zu haben, merkte der Graf gar Nicht das Zögern, mit dem der Gast sich fügte, und er verstand auch den tieferen Sinn nicht, als der Baron jetzt sagte: „Ich weiß nicht, ob ich Ihnen gut genug spielen werde, Herr Graf, — ich habe in den letzten Jahren keine Karte mehr in die Hand genommen."
„Ach was, Unsinn, so was verlernt man nicht. Aber wenn Sie sich nun den Reisestaub abschütteln, um nicht zu sagen, abwaschen wollen, dann lasse ich Sie allein. Sie brauchen nur zu klingeln, und der Boy führt Sie dann auf die Terrasse zu meinen Damen, die natürlich sehr begierig sind, unseren neuen Gast kennen zu lernen." —--
„Nun?"
„Sie ganz besonders mache ich darauf aufmerksam, daß. Exzellenz keine Dummheiten liebt. Also bitte, fallen Sie nicht auf! Guten Morgen meine Herren!"
„Na ja, das wird gut werden!" brummten die Majore Und Häuptlinge vor sich hin, als sie den Kasernenhof verließen, Mut sich in ihre Wohnung oder ins Kasino zu begeben. Nur die Herren Leutnants schauten unbekümmert drein, bis auf den Oberleutnant v. Stetten.
Die wattierte Hose.
Militarhümoreske von Fritz Arens (Bremen).
„So, meine Herren, nun habe ich« Ihnen ja wohl alles ge- at," schloß der Oberst steine Ansprache, zu der er soeben sämtliche stziere seines Regiments um sich« versammelt hatte.
Die Offiziere verzogen ihre Gesichter zu entern Ernst, als! wenn es morgen tatsächlich vor den Feind gehen sollte. Im Stillen raisonnierten sie über den „AlteU", der, wenn er einmal ins, Reden komme, so leicht nicht wieder aüfhöre.
„Herr Oberleutnant von Stetten!" :
„Herr Oberst!"


