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Der König von Thule.

Roman von Paul Grabern.

(Nachdruck »erboten.)

(Fortsetzung.)

Sie schüttelte wehmütig den Kopf:

Was kann mir das Leben noch bringen?"

Vieles unendlich Schönes! Es hat ja so viel an Ihnen gut zu machen." Und als sie noch immer zweifelnd abwehrte, fuhr er eindringlicher fort, während seine Augen mit inniger Wärme auf ihr ruhten.Es wird Sie ent­schädigen glauben Sie mir in dem, wo es Sie so bitter enttäuschte. Sie werden die Stütze, die Sie brauchen, finden in der Person eines charaktervollen, großdenkenden Mannes, der die Wunden an Ihrem Herzen heilen wird, die ein Unwürdiger Ihnen schlug."

Ein hartes Auflachen wollte sich ihr entringen. Sie hatte den Glauben verloren, daß es solche Männer gab. Und wenn wirklich wen würde die Frau reizen mit dem Kinde eines anderen? Die Frau, die Jugend und Un­befangenheit verloren hatte, die im Leid bitter und hart, scharf und skeptisch geworden war? Nein, nein! Solch Hoffen betrog sie nicht mehr.

Amthor ahnte ihre Gedanken.

Sie müssen wieder vertrauen und hoffen lernen Sie müssen! Aber ehe Sie an alles andere denken Sie müssen erst Ihr Kind wiedergewinnen!"

Frau Eva machte eine müde, hoffnungslose Gebärde; aber er ließ sich nicht abschrecken. Warmherzig, überzeugt, sprach er auf sie ein:

Vorhin, wie Sie mir so alles erzählten, da drängte sich mir die Erkenntnis auf: es mußte ja eigentlich so kommen. Das arme Kind hat nie recht einen Vater gehabt, und was es von ihm sah, war ein schlechtes Vorbild. Dazn noch vererbte Anlagen kann es einen da wundern, wenn es sich schließlich so entwickelt hat?"

Mag sein gewiß! Das alles hab' ich mir selbst ja hundertmal gesagt, und darum hab' ich es ja auch immer wieder von vorn mit ihm versucht, bis ich eben am Rande mit meinen Kräften bis alles aus war."

Dies Wort darf eine Mutter nicht kennen," verwies er sie ernst, aber freundlich.Die Liebe höret nimmer auf! Das ist das wahre Mutterevangelium. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr mich das arme Kind dauert;! Sie dürfen sich ihm nicht entziehen Sie wissen ja nicht, was Sie ihm damit antun!" '

Mit steigender nervöser Erregtheit hatte sie ihn an­gehört, nun aber brach es gequält von ihren Lippen und mit bitterem Vorwurf:

Das Kind! Immer nur das Kind! Das dauert Sie, mit dem haben Sie Mitleid! Dem zuliebe soll ich mich von neuem aufreiben und zermartern! Aber denken Sie

doch auch einmal an mich! Ich war am Ende, ich schwöre es Ihnen! Wäre mein Arzt doch hier, der meinen elenden Zustand besser kannte! Er würde Ihnen bezeugen, wie weit es mit mir war. Oder halten Sie mich für herzlos, für eine kalte Egoistin? So wahr ich hier stehe, ich wäre bereit gewesen, mein Leben für mein Kind zu geben, könnte ich es damit retten ja noch heut tüt' ich es! Aber soll ich mich denn nutzlos aufreiben, meine Nerven zer­rütten, vielleicht unheilbarer Erkrankung verfallen, ohne daß ich ihm ein Atom damit helfen kann? Ja, soll ich das? Verlangen Sie das von mir?"

Mit weit ausgerissenen Augen starrte sie ihn an, im Tiefsten aufgewühlt. Da regte sich der Arzt in ihm. Er sah, daß er es hier wirklich mit einer nahezu erschöpften armen Frau zu tun hatte, an die er jetzt solche Anforderungen nicht stellen durfte. Beruhigend sprach er ihr da zu:

Nein, nein! Das nxire ja brutal und sinnlos zugleich. Ich ahnte ja nicht, daß es in der Tat so mit Ihnen steht. Wenn man Sie zu anderen Stunden so frisch und elastisch sicht" ;

Sie lachte herb auf.Selbstzucht, lieber Herr Doktor! Mir ist manchmal ganz anders zumute, als Sie alle glauben."

Er nickte.Ja, ja ich weiß: Frauen sind Heroen im Verbergen von Leiden." Mit innigem Mitleid über­flog er ihre schlanke, zarte Erscheinung.Ihr Arzt hatte ganz recht: Sie müßen jetzt erst einmal an sich selbst denken, selber erst gesund und stark werden, dann wird sich, Ihre Energie schon wieder von selbst melden. Dessen bin ich sicher."

Sie lächelte nur still zu seinen Worten.

Aber nun kommen Sie!" mahnte er.Sie müssen sich ablenken von allen traurigen Gedanken. Da vorn lockt die Musik. Stürzen wir uns in die Wogen der Ge­nüsse, und in einen frischen, fröhlichen Kampf mit Ihren Freunden"! Das wird Sie ausmuntern! Nicht?"

Da brach es wieder heller aus ihren Augen.

Nun sehen Sie!" scherzte er mit einem frohen Blick und schritt lebhaft mit ihr vorwärts.Die Erde hat Sie wieder."

IX.

Also, meine Herrschaften, seien Sie mir noch ein­mal schönstens zur Jnftruklionsstunde willkommen hier auf der Back, wo mir mein Herr Kollege von derHamburg'' heute freundlich das Kommando abgetreten hat. Ihr Wohl! Hurra Hurra Hurra!"

Aufspringend stimmten die anderen mit frohen Ge­sichtern mit ein in den Ruf, und die Sektkelche klirrten an das Glas des liebenswürdigen Gastgebers, des Kapitäns Neidhardt, der hier seine engere Tischgenossenschaft zu einer kleinen Sitzung eingeladen hatte.

Es war ein wundervoll milder Abend. Spiegelglatt lag die See, wie in ein Festgewand von schwerem, schillern­den Goldbrokat gehüllt, und das Schiff ging so ruhig, daß