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Mit einem Briefe Luckuers an Riede sei wollen wir die Nachrichten über ersterm schlichen. Ter Brief in seiner ursprünglichen Orthographie lautet:
„Mein lieber Hr. Obristlimtenant, bitte ihnen umb keine Vergebnüs zu sbrechen, wier seyn beyde Ehrliche Menschen, halten sie mich lieb, ich werde es Zeit Lebens seyn; ich hoffe ihnen diesse Nacht 2 Uhr benebst 300 pfert ohne Equipage hier zu sehen, das Weitere werde ich die Ehre haben, ihnen fehrner zu sagen, adieu mon eher ami.
Flörsheim, den 22. julh 1762 i ■ ■
abents 9 Uhr. N. Luckner.
Daß Deutschland im 30 jährigen Kriege gräßlich verwüstet Wurde, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist, daß manche Gegenden linfereS Vaterlandes im 7 jährigen Kriege ebenso schwer zu leiden hatten, wie andere im 30 jährigen Kriege. Besonders hart wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel mitgenommen, weil der Landgraf fest zu Friedrich dem Großen hielt und sich nicht bewegen ließ, von ihm äbzufallen. Er mußte aus dem Land« fliehen und hielt sich jahrelang in Hamburg auf. Wie es' in Hessen- Kassel nach dem Frieden von Hubertsburg aussah, geht aus folgender Schilderung hervor: Nach dem Kriege fanden sich große fruchtbare Laüdstrecken, wo die Spuren des früheren Ackerbaues kaum noch sichtbar waren, wie namentlich an der Weser, der Diemel und Fulda. Das arme Hessen hatte unsägliches Elend erfahren; seine Fluren waren in den: nördlichen Teile meist verödet, seine Dörfer verlassen. Ein Offizier schrieb, daß er in Hessen sieben Dörfer durchritten und darin nur einen einzigen Menschen, einen Prediger, gefunden habe. Im übrigen stockten bei der allgemeinen Erschöpfung Deutschlands Handel und Gewerbe, ja es fehlten überall die Hände zur Arbeit, da (nach Berechnung Friedrichs des Großen) der Krieg etwa 240 000 Mann auf Seiten der Preußen und Engländer, auf 'Seiten der Gegner weit über eine halbe Million gekostet hatte.
In den ausgeplünderten Hessendörfern sangen die Leute damals:
Bomm! bomm! Komm!
So schlägt die HessentromM, Wir nehmen Küh' und Kälber mit Und nehmen dich auch selber mit. Bomm! bomm! -bomm!
Tie jetzige Provinz Oberhessen — damals hatten noch viele Grafen und Herrn, die freie Stadt Frankfurt, das Erzbistum Mainz u. a. m. teil daran — wurde ebenfalls schwer heimgesucht. Die Kirchenbücher von Krofdorf, Großm-Buseck, Großm-Lindm, Grünberg, Ettingshausen, Laubach, Queckborn u. a. m. schildern in ergreifender Weise, welches Elend, welche Mißhandlungen und Qualen die Landbewohner zu erdulden hatten. Auch der Vogelsberg, der schwer zugänglich war, blieb damals, wie oben geschildert, nicht verschont. Bon Gießen bis Fulda und von Homberg a. d. Ohm Über Ulrichstein bis nach Freiensteinau im sog. „blauen Ländchen", gab es keinen Ort, auch wenn er noch so klein war, der nicht von Freunden und Feinden durchzogen und in Anspruch genommen wurde.
Ende Juli 1762, also wenige Monate vor Beginn der Friedens- Unterhandlungen und Einstellung der Feindseligkeiten wurde die Stadt Fulda noch einmal fürchterlich mitgenommen. Tie Franzosen hielten die Stadt besetzt, die von den Verbündeten: Preußen, Hessen, Hannoveranern usw. angegriffen wurde. Alsbald schlugen die Feinde Chamade, d. h. sie gaben mit der Trommel ein Zeichen, daß die Uebergabe erfolgen sollte und streckten auch das Gewehr. Auf der anderen Seite drangen die Husaren von Bauer in die Stadt, die der Meinung waren: Fulda sei mit Sturm genommen worden, weshalb sie unverzüglich mit dem Plündern der Häuser anfingen und grobe Ausschreitungen verübten. Um diese zu verhindern, wurden die Jäger von Hartwig in einzelnen kleinen Abteilungen in die Stadt gesaridt. Sie fanden eine Müsse Wein vor, berauschten sich, sahen, wie es die Husaren trieben und folgten ihrem Beispiel. Nach und nach liefen 700 besoffene Husaren, Grenadiere, Jäger und Knechte in der Stadt herum, die die Häuser erbrachen, die Möbel zerschlugen, die Betten zerschnitten und sonstige Schandtaten verübten. Diese wurden zuletzt dadurch ver- hcudert, daß frisch« Truppen in .die Stadt einmarschierten, dre dem Unheil ein Ende machten.
Abgesehen davon, mußte die Stadt 80 000 Gulden aufbringen, die Luckner — der inzwischen bis zunr Generalleutnant aufgerückt war — dem Fürst-Bischof von Fulda aus eilt Jahr geliehen hätte. Da der Schuldner aber nicht rechtzeitig zahlte, ließ sich Luckner, der schon fast ein ganzes Jahr auf sein Geld wartete, und ein guter Finanzier war, noch weitere 10 000 Gulden unter dem Namen „Chagrin-Gelder" *) bezahlen.
Nach dem Hubertsbürger Frieden hätte dev Vogelsberg ein Menschenalter Ruhe. An: 3. September 1796 wurden die Franzosen unter Jourdan bei Würzburg von Erzherzog Karl geschlagen. Eine französische Division floh durch den Vogelsberg. Das Städtchen Lißbcra faßte den unsinnigen Entschluß, den flüchtigen Franzosen den Weg zu verlegen, was sich blutig rächte: eine größere! Unzahl Lißberger wurde erschossen und das Städtchen geplündert, wobei sich eine ergreifende Szene ereignete.. Eine Mutter hatte
■*) Aerger-Verdrußgclde'r
ihr Kindchen zur Ruhe gebettet ; dä drang ein plündernder Franzose mit gefällten: Bajonnet ins Zimmer. Tie geängstigte M'uttep breitete ihre Hände über das Kind und betete einen frommen Spruchs !Der Soldat wurde dadurch so ergriffen, daß er zurücktrat und ich vor dem Hause als Schildwache aufstellte. Erst nachdem der letzte Feind abmarschiert war, verließ er seinen Posten; die Frau« ihr Kind und ihr Hab und Gut waren gerettet.
Im Jahr 1813 sah der Vogelsberg den Durchmarsch der Preußen, die unter dem Marschall Vorwärts Blücher — der auf Befehl des Generalissimus, des Fürsten Schwarzenberg, den Franzosen den Weg nach dem Niederrhein abschneiden sollte r-a die direkte Verfolgung aufgeben und dm Marsch durch das unwegsame, mit Schnee und Eis bedeckte Gebirg nach Gießen nehmen mußte. !Der einzige Mensch in der Gegend von Herbstein, der den Vogelsberg bis in die kleinsten Fußpfade, bis nach Gießen hinab, genau kannte, war Schneider Ruppel in Rixfeld. Er wurde geholt und vor den Feldmarschall gebracht. „Kennt Eh den Weg von hier über Ulrichstein nach Gießm?" fragte Blüchep den Schneider. „Jawohl, Herr Leutnant", antwortete Ruppel,- der neben Blücher hinmarschierte und ihm über vieles Auskunft gab. Stets antwortete Ruppel seierlichst mit dem Titel: Herr Leutnant! Ms man den braven Schneider später darüber belehrte, daß Blücher Feldmarschall sei, antwortete er: „Leutnant ist auch was Houches!" Die Sache ist authentisch! Mein Gewährsmann hat dm alten Ruppel persönlich getont und dir Geschichte aus seinem Munde gehört.
Hundert Jahre sind beinahe ins Meer der Ewigkeit hinabgeeilt, seit der Vogelsberg keine seindlichm Truppen mehr gesehen; hat; wenigstens ist es bedeutungsvoll, wenn allenfalls in dm Jahren 1848 oder 1866 sich einige kleine Abteilungen darin gezeigt haben sollten. Möchte den braven Gebirgsbewohnern und bent ganzen deutschen Vaterland« der Friede Pis in die fernsten Zeiten bewahrt bleiben!
Zum Schluffe noch eine Probe v!on der Ehrlichkeit der Hessen! Herzog Ferdinand von Braunschweig schlug die Franzosen pmj 24. Jun: 1762 bei Wilhelmsthal und eroberte am 31. Oktober Kassel wieder. Tie Franzosen retirierten nach Süden; unterwegs in der Nähe von Marburg blieb ein Esel zurück, der auf beiden Seiten je eine starke Ledertasche trug, die mit vollwichtigen französischen Louisdors gefüllt waren.. In dem Dörflein Sterzhausen, unweit Marburg, blieb der Esel stehm. Niemand künt- merte sich um ihn, so eilig war die Flucht. Ta hielten die Ein- wvhner von Sterzhausm Rat, was hier zu tun sei und der Schluß war: sie führten den goldbeladenen Esel nach Marburg, wo di« Franzosen noch einmal Widerstand leisteten. Mit Vergnügen nahmen sie den schon verloren geglaubten Esel in Empfang und den ehrlicher: Fiüdern gabm sie--nichts.
Moderne Beleuchtung.
Die Frage nach einer rationellen Beleuchtung ist für den« Geschäfts- sowie für den Privatmann von gleich hoher Bedeutung^ Was wird nicht alles von ihr verlangt! Sie soll billig sein- ein schönes Aussehen haben, geringer Wartung bedürfen und ein taghelles Licht verbreiten. Gas, Acetylen und Elektrizität machen sich gegenseitig dm Rang streitig und bald gelingt es dem einen; bald dem anderen Rivalen, durch eine Nmerfindung den momentanen Sieg an sich zu reißen. Es scheint fast, als ob das Klcetylen den Wettbewerb aufgegebm hat; sogar seine Domäne, die Auto- belmchtung, ist ihm neuerdings durch sinnreiche elektrische und Gas-Beleuchtungskörper streitig gemacht wordm und nur in Ortschaften, die sich ein« Gas- oder Elektrocmlage nicht leisten können^ erfreut es sich noch seiner Beliebtheit.
Momentan hat unstreitig die Elektrizität den Vorrang. Zunächst ist cs die viel einfachere Anlage, die sie vor dem Gas »empfiehlt Keine Erdarbeitm, keine Rohrlegung — ein einfaches 'Kabelnetz (genügt ■—, dann aber ist die schnelle Inbetriebsetzung ohne Hilfe eines Zündmittels und schließlich die geringere Gefährlichkeit eine groß« Empfehlung. Die ersten elektrischen Glüh- lampen waren allerdings von einer kläglichen Lmchtkraft, der Lichtkreis war ein beschränkter und der verstigbare Strom konnte nur zu einen: Bruchteil ausgenützt werden. Auch hmte genießen wir noch nicht die volle Stromstärke; immerhin ist eine Ausnutzung von 60 Prozent schon erreicht.
Als moderne Elektrobeleuchtung haben wir zunächst die Ouarz- bogenlampe, die sich überall da vorzüglich eignet, wo eine Beleuchtung großen Stils erfolgen soll, also zur Außenbeleuchtung von Geschäften, als Reklamationen, die in großer Hohe cm- gebracht werden und deshalb ans peinliche Wartung verzechten müssen. Die in geschmolzenem Quarz eingeschlossenen Quemüber- Elektroden, die den Lichtbogen bilden, erneuern s:ch toitjelblt?: daher ist hier eine hohe Brenndauer garantiert bei geringein Stromverbrauch. Während gewöhnliches Bvgenlicht zum gletchzeckrgcn Gebrauch zweier Lampen zwingt, ist di« Quarzbogenlampe auch mit Einzelschaltung verwendbar.
Handelt es sich 'um die Beleuchtung Von Arbeitsräun:en, ohne Mcksicht auf Schönheit, so sind die Sparbogenlampen eilt an® fehlenswertes Beleuchtungsmittel. An diesen sind unterhalb des Lichtbogens Mattglasschalen «ngehiiacht, die das L:cht nach obeif


