Ausgabe 
22.2.1912
 
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Wie Luckner urplötzlich auftauchte, beit Hund überraschte« Baute machte und daun wieder verschwand, beweist folgender Milt Ter Feldzug 1760 begann am 24. Mar, bn und m Butzbach, das eine Besatzung von 400 Wann Infanterie und 150 Dvaaonem und Husaren unter Oberstleutnant von Waldner hatte, "uckner marschierte auf Befehl des Herzogs von Maunschwetg mit 300 Mann Grenadieren und Jagern zu Fuß und 300 Mann Husaren und Jägern zu Pferd in der Nacht?om 23. zum 24. Mm von Amöneburg ab, nahm die Richtung über Großen-Bnseck und traf am Morgen des 24. Mai vor Butzbach ent. Nirgends zeigten sich feindliche Patrouillen. Sofort griff er Butzbach an. Bon Htch

UriegZereigmsie im Vogelsberg vor <50 Jahren. (Schluß.)

die ihre Hand begehrten? Neiit, nein! Das durfte nicht sein. T

Dann standen sie nebeneinander vor den Wandmate- reien in der Billa. Mutter spöttelte über die naive Kunst« spöttelte über die bröcklige Wand und dieFarbenllecife darauf. Mit einem Male warf Dodo dazwischen, fast trotzig r . . . und es ist doch schön."

Was denn eigentlich?" fragte Vater.Ich weist nicht ich bin wie Mama ich find's greulich."

Da schwieg Dodo zuerst. Aber dann sagte sie: ,,^a wissen! Wissen kann man das nicht recht. Das must man fühlen. Den feinen Zusammenklang in den Farben, der noch jetzt aufleuchtet, und den Fluß der Linien . . . ich kann das auch nicht erklären. Aber schön ist es« wunderschön." .

Es war zu sonderbar: vor zwei Stunden hatte em Wort, das gar keinen Bezug aus sie hatte, Signes Ge­danken in eine ganz bestimmte quälende Richtung hinem- gezwungen. Jetzt erlöste sie ein anderes Wort, das ebenso­wenig auf sie gemünzt war.

Schön wunderschön."

Was sie sich nur eingebildet hatte! Wenn der fungö Kunstgelehrte bewundernd zu ihr aufsah, galt der Blick ja gar nicht ihr. Er sah sie an, wie er wohl em schone^ Kunstwerk ansah. Ein Kunstwerk der Natur gleichviel ob das Signe Gudarcza, ob es ein Fischermädchen aus Lesbos war.

So war es! , .

Er dachte gar uicht an dies dumme Heiraten. Er dachte nur: dies Mädchen ist schön. Von der Schönheit« die deine alten Griechen liebten. Erfreue dein Auge Daran!

Plötzlich lachte sie laut auf. So erlöst kam sie sich

I vor, so froh.

(so unmotiviert lachte sie, daß Mutter erstaun« meinte:Nein, Signe, du bist doch zu komisch. Erst eur paar Stitnden wie ein Frosch, und nun lachst Du plötzlich.

I Und keiner weiß warum."

Muß man das denn immer wissen?" gab sie zurück I mit einem Aufleuchten ihrer Augen.Dodo hat ganz I recht, man muß uicht iinmer alles wissen. Auch nicht, | warum etwas schön ist. Mer Dodo hat auch darrn recht: j die Reste großer Kunst dort sind noch in den traurigen Ruiuen schön. Was brauch ich zu wissen, weshalb? , -sie

I wirken so auf mich. Ich denke daran, daß die Mutter der Cäsaren vor den Bildern hier stand, vor fast zwei Jahr­tausenden, und sich ihrer freute und den Meister lobte«

I der sie geschaffen."

Und darum lachst du?"

Nicht darum. Nehmt nur an, ich wisse selbst nicht, I warum ich lachte."

| Mutter war verletzt. Machte sich Signe etwa über sie und über ihre Urteile lustig? Aber sie sagte nichts.

| Gegen Signe war so schlecht etwas zu sagen. Nur zum! | Ausbruch drängte sie. Man hatte ja einen Gast zum Lunch ....Diesen" -Herrn von Braunstein

(Fortsetzung folgt.)

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gegeben. Mit ansehnlicher Beute und 100 Gefangenen marschierte Huckner noch bis nach Heuchelheim : dann am folgenden Tage Wer Wißmar und Fronhausen nach Amöneburg zurück Aehnlcche Fälle ließen sich noch Dutzende auffuhren. Daß Luckner auch Schlappen erlitt, ist begreiflich; stets wußte er st^ober^wwdei! emporzuarbeiten und da zu erscheinen, wo man ihn nicht vermutete«

©tc."

Sie hatte Braunstein gern gehabt, seit sie ihn kennen gelernt: sein ruhiges Wesen, die Fülle ferner Interessen die gescheite Art, wie er der Ausdruck gab. Es hatte ihr gefallen - gerade das! daß er sich aus den Geschäfts­zimmern seines Vaters aus die schöne Insel ferner künst­lerischen Neigungen gerettet, daß er ernst nnd tüchtig ar­beitete, nicht nur als Amateur, dem die reichsten Wittel zu einer Liebhaberei zu Gebote stehen, sondern als wirk­licher Forscher. Auch seine Persönlichkeit war ihr sym­pathisch. Aber heiraten heiraten

Der Vormittag galt einem kleinen Ausflug «ach der Campagna, lieber Ponte Molle ging es ans der alten Via Flaminia nach der Villa der Livia. ,

Die öde Campagna hatte sonst für Signe immer einen besonderen Reiz gehabt: sie träumte sich gern hmern rn

aus dem Hundertsten ins Tausendste, allerlei frohen Klein- kram aus dem römischen Leben, viel .ungezwungener, frischer und lebendiger, als es in Berlin seine Art gewesen^ sie hörte amüsiert zu und gab dann und wann Korn lein bei. Als sie vor dem Grand Hotel standen, wunderte sie sich wie kurz ihr der lange Weg vorgekommeu, ime schnell ihr die Zeit vergangen war. Er erklärte, am Nach­mittag den Eltern seinen Besuch machen zu wollen . ,,Kom 1 men Sie doch zum Lunch. Papa wird irch sehr freuen, I bat sie, und dann nahm fte eine der Rosen, aus ihrem I großen Strauß:Bitte, Herr von Braunstem, memen Dank für die liebenswürdige Begleitung. . |

Sie war sich bewußt, es ohne jede Spur Don Koketterie gesagt zu haben. Eine kleine Artigkeit sollte es sem nicht mehr. Um Himmels willen nicht mehr! Aber fle erschrak im gleichen Augenblick. Denn sie mußte die leise Feierlichkeit bemerken, mit der er wortlos die Rose nahm, gleich einem wertvollen, überraschenden Geschenk etwa Und sie sah wieder in seinen Augen den verschleierten Blick, der eine stumme Huldigung ausdrückte. I

Also auf Wiedersehen" sagte sie hastig. Nickte und eilte ins Hotel.

Sie hatte sich doch verspätet. Die Eltern und Dodo waren schon zum Ausgehen gerüstet, Mutter recht un­gnädig. Ihre Ansage Braunsteins fiel zuerst auf ziemlich unfreundlichen Boden.Ah-, dieser superkluge Hinkebern. meinte Frau Ida.Nun, man wird sich ja nicht mit ihm zu verheiraten brauchen." , ... .

Vater lachte:Verheiraten ist gut! Uebrigeus ist der Mann gar uicht so Übel. Wer weiß, ob er uns nicht hier und dort ein aus gezeichneter Führer werden kann. Und schließlich, Ida, er ist Friedels Schwager.'

Man wird sich ja nicht mit ihm zu verheiraten brauchen(I{g anders es gemeint war, klang

während des ganzen Vormittags in Signe nach. Sie hatte lachen mögen darüber, daß sie's auf sich persönlich au- wandte, und es erschreckte sie dennoch. Denn immer Mieder tauchte vor ihr der ernste Blick des Mannes auf mit der scheuen Zärtlichkeit, der stummen Schmeicyeiei tnt Ausdruck. SW hatte es ganz vergessen; nun erinnerte fle flch wieder Ivie er ihr einst gesagt, als er fle mit ernem Fischermädchen aus Lesbos verglich:Sie war schön, so schon so schon,

besonderen Reiz gehabt: sie träumte sich gern ymern in die stumme Verlassenheit der Ebene, hatte Verständnis für bereit eigene malerische Reize, für die wetten Bücke über das stumpfe Grün hier, über blumige Wiesen dort, auf die gewaltigen blauen Bergsilhouetten im Hintergründe. Heut sah sie das alles nicht, fühlte es nicht.

Mutter war sehr gesprächig. Sie schimpfte auf den Wagen, dessen Schlag allerdings bedenklich schief m ben Angeln hing, schimpfte auf den Kutscher, der die Peitsche unsinnig gebrauchte, schimpfte auf die verwahrloste Steppe. Vater lachte dann und wann dazu und wurde nur der- inricftlicß btift vVccnx «sbex fict) einen 2lu।entytilt bei ben _ ittnunurc u*»n »* _ c-scc* ?

Osterien vor Ponte Molle verbat, wo es doch so trefflichen her kam eine Kavalleriepatrouille, die nut Ausnahme de» Offiziers Gemanowein aeben sollte. Dodo saß still in ihrer Ecke, und eines Hnsaren - die Butzbach alarmierten - gefange wurde

Es schien fast, als sei sie heut in der rechten Stimmung für Luckner drang in dief ®tabt;; bte

bett Campagnazauber, ihre Augen blickten träumerisch m | Edberg verfolgt. Das in Butzbach befindliche

** W'tziEMieten die ®ebanlen. Met» I M««d> «de «S mit«,, geradezu. War Hartwig Braunstein wieder einer von betten, um die es ihr leid tun mußte? Einer von denen nicht nur, die sich vor ihren Triumphwagen spannten, die ihr huldigten das hätte sie nicht geschmerzt sondern einer der andern, die ernstlich warben? Einer von denen,