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r>Fät Ihr auch Weizen?" fragte er den Oberamtmauu Fromm ^-7 „Ja, Elm Maiestat." — „Wieviel habt Ihr ausgesät?" — "^el.WisPel, zwölf Scheffel" — „Wieviel hat Euer Borfahr LAsgesat? — „Vier Scheffel." — „Wie geht das zu, hast Ihr K viel mehr sat als Euer Vorfahr?" — „Wie ich schou die gehabt (!) Ew. Majestät zu sagen, daß ich siebzig Stück Muhe mehr halte tote mein Vorfahr, mithin meinen Acker durch jungen beffer instand setzen und Weizen säen kann." — „Aber warum baut >zhr feinen Hans?" — „Er gerät hier nicht. Im mlten Klima gerat er besser. Unsere Seiler können den russischen Hanseln Lübeck wohlfeiler kaufen und besser, als ich ihn bauen
S&r denn dahin, ton Ihr sonst Hanf hin-
, "Hetzern — „Warum baut Ihr aber kein Färbe- rraut, keinen Krapp? — „Er will nicht fort, der Boden ist nicht gut genug — „Das sagt Ihr nur so: Ihr hätett sollen die Probe machenff — „Das habe ich getan, allein, sie ist mir fehl- geichlagen, und als Beamter kann ich nicht viele Proben macken: dem: wenn sie fehlschlageii, must doch die Pacht bezahlt fein." — „Was sät Ihr denn dahin, wo Ihr würdet Färbekraut hiu- briugen? — „Weizen!" — „Na, so bleibt bei dem Weizen."
-djt diesem Tone geht es weiter, stundenlang. Ter König will alles wissen. Wohin verkauft Ihr Eure Butter, Kapaunen und Puten? Macht Ihr Proben mit ausländischem Getreide? Ob es vorteilhafter, wäre, Pferde zu ziehen oder lieber mehr Kühe M halten? Ob man das Luch nach Havelberg zu austrocknen soll? Warum der Kleist auf Protzen, der Offizier war, seinen Abschied genommen hat? Wie das Wintergetreide und das Sommergetreide steht ? , Wie es diesem und jenem, den der König persönlich kennt, jet;t wirtschaftlich geht? Und tausend anderer Fragen. . ' ®01t kiner Witwe ist die Rede, die in Armut geraten sein toll,, ber Manu war Beamter gewesen. „Frauenwirtschaft!" sagt der König wegwerfend. — „Majestät verzeihen, sie wirtschaftet gut/ antwortet Fromm, „aber die vielen Unglücksfälle haben sie ito Grunde gerichtet, die tonnen den besten Wirt zurückfetzen. Ich selbst habe vor zwei Jahren das Viehsterbeu gehabt und keine Remission (Entschädigung) erhalten, ich kann auch nicht wieder vorwärts kommen." — „Mein Sohn," erwidert Friedrich, „heute hab ich «chaden am linken Ohr, ich kamt nicht gut hören . . T7 "',~a3n|t schon eben ein Unglück," brummt Fromm, „dast der Geheime Rat Michaelis (von den Finanzen) den Schaden auch hat!"
Ueberhaupt benutzt Fromm die Gelegenheit, dem König seine Schmerzen nnb Sorgen vorzutragen. Der König freut sich, daß cs den Bauern in der Gegend gut geht. „Bor drei Jahren," berichtet Fromm, „starb ein Bauer, der hatte 11000 Taler in der Bank." — „Wieviel?" fragt der König. „11000 Taler." — „So mögt Ihr sie auch immer erhalten!" sagt Friedrich zu- frtoben — „Ja, es ist recht gut, Ew. Majestät, dast der Uirter- lan Geld hat, aber er wird auch recht übermütig." — Und nun spricht sich der Oberamtmann ärgerlich, darüber aus, dast die Bauern ihn schou siebenmal beim König verklagt haben, um vom Hofdienst freizukommen. „Ew. Majestät gaben denselben immer recht, und der arme Beamte must unrecht haben!" — Aber der König lacht: „Ja, daß Ihr recht bekommt, mein Sohn, das glaub ich wohl, Ihr werdet Euren Departementsrat brav Butter, Kapaunen und Puten schicken!" Er kannte seine Leute.
Aus derselben Zeit, etwa eilt Monat später, datiert ein interessanter Erlast des Königs an die Hinterpommerscheu Landstände. Er betrifft beit Kaffee. __ Bekanntlich legte der König in seiner letzten Zeit auf den Kaffee große Steuern, und es entstand eine böse Schnüffelei int Lande, die ihn äußerst unbeliebt machte. Der Adel aber, für den Friedrich stets etwas übrig hatte, durfte jo viel Kaffee, als für die eigenen Familien gebraucht wurde, steuerfrei einführen. Natürlich bezogen die Herrschaften mehr und verkauften davon. Das. kam heraus, und der König war wütend über diesen „contrabanden Handel", der durchaus nicht gestattet werden konnte. „Höchstdieselben," läßt er schreiben, „haben die Absicht,- die „gräuliche Comsumtion" etwas einzuschränken. Es ist abscheulich," meint er, „wie weit es mit der Consumtion des Kaffees geht, und es reichen feine 600 000 Taler, die dafür jährlich aus dem Lande gehen, ohne was die anbern Sachen sind: das macht, ein jeder Bauer und gemeiner Mensch gewöhnt sich jetzt zum Kaffee, weil solcher auf dem Lande so leicht zu haben ist. Wird das ein bißchen eingeschränkt, so müssen die Leute sich luiebet an das Bier gewöhnen, und das ist ja zum Besten ihrer eigenen Brauereien. Das ist doch mit die Absicht, daß nicht,so viel Geld für Kaffee aus dem Lande gehe, und wenn es auch nur 60 000 Taler sind, so ist es immer schon genug. Uebrigens sind seine königliche Majestät höchstselbst in dero Jugend mit Biersuppe erzogen, mithin können die Leute dortselbst gut mit Biersuppe erzogen werden, das ist viel gesünder als Kaffee. . ." Daß freilich Friedrich selbst nicht nur Kaffee, sondern auch andere exotische Genüsse sehr liebte und ein Wses Beispiel gab, daran dachte er weniger.
Fünf Tage später kommt ein Schreiben an den Oberpräsident von Domhardt, das heute ein besonderes Interesse beanspruchen kann. Der König lobt, daß jener sich bemühe, mecklenburgische Familien nach dem neuerwvrbenen Westpreußen zu ziehen, „und müsset Ihr suchen, noch mehr dergleichen und auch aus Sachsen, So viel es nur angeht, zu kriegen und da anzusetzeu, damit dis ieute untereinander ein bisgen melieret werden und nicht lauter Wohlnisches Zeug allein dort ist, sondern auch mitunter gute
da wohnen: welches Ihr also besorgen werdet !" Dreser Wunsch ist allerdings ein Wunsch geblieben.
Originell und ein Knlturmoment int kleinen sind die Rand- bemerkungen, die der KöniF auf die Eingaben zu setzen pflegte, die ihm vorgelegt wurden. Hier tritt fein galliger Humor, fein billiger Sarkasmus, feine prompte Entschiedenheit in der gedrängtesten Form hervor. Die Sammlung dieser Glossen zeigt auch, mit wieviel Kleinigkeiten zu jener Zeit ein Landesvater sich abzugebeii hatte, um die er sich heute nicht mehr kümmert, auch nicht kümmern kann.
Da meldet sich ein gewisser Pierre Chalis, ein Fmnzosch l“n Hebamme gerne!en, und hat als solche eine staat- ffche Vergütung bezogen, nun ist sie tot, aber Monsieur möchte naiv die Pension weiter erhalten. Der König resolviert kurz: Er kann ja nicht accouchieren.
Ein Maurergeselle, Mnens Eichel, will sich in Berlin als Laster mederlaisen. 7vie Sache, die wohl der Zunft nicht in den Kram paßte, kommt vor den König, der entscheidet: „Wor (b. h. fall») nicht Meister genug sind, kann man ihm annehmen, wor er nicht faul, wie bie Berliner sind, ist." Friedrich war den Berlinern mcht >ehr grün. Im Siebenjährigen Kriege beklagte er sich einmal, daß es immer hapert, wenn er von dort etwas verlangt: „Die Leute sind dorten so dumm und einfältig, daß, wenn man sie nicht füttert, sie kapabel sein, Hungers zu sterben."
Ein Oberailditeur ist bei ber Beförderung übergangen worden, man hat ihm einen anderen vorgezogen. Auf die Beschwerde bc- merkt der König: „Ich habe einen Saufen alte Maulesel im Stalle, die lange den Dienst machen, aber nicht, daß sie Stallmeister werden."
Frau von Zake ist um die Genehmigung zu einer Lotterie eingekommen, sie will Seilten und Taft ausspielen lassen: „Ob sie meint, daß ich so einfältig bin, nicht zu merken, daß sieh Kaufleute mnterJIjr gestochen haben, um mit Taft die Konterbande ztr machen? eie möchte mir mit solchen unbesonnenen Bitten verschonen oder ich würde sehr üble Opinion von ihr haben!"
Ein Dominikaner-Vicarius kommt ein, daß ein paar Kandidaten zur Seelsorge Bei der Garnison von Neiße zugelassen werden. Friedrich, in Religionssachen stets tolerant, schreibt: „Bei der Garnison können sie gebraucht werden, aber verführen sie die Soldaten zur Desertation, must sich der Vicarius gefallen lassen, daß sie gehangen werden!"
Fürst Anton Sullowski in Tschirna hatte eine Schuld an einen preußischen Untertan nicht bezahlen wollen, und die Ober- amtsregierung in Glogau hatte ihn dazu gezwungen. Das war dem Fürsten in die Krone gefahren, und er bittet um „Satisfaktion",, weil sein hoher Rang nicht berücksichtigt wäre. Der König hat dafür kein Verständnis: „In diesem Lande sind Gesetze, und darnach wird alles regiert; es ist das Uiigelücke von Polen, daß solche allda nicht bekannt sind."
Zwei preußische Minister, Gras von Finkenstein und von Hertzberg, teilen mit, daß ihnen die württembergischen Stände eine Gratifikation von je 1500 Dukaten bewilligt haben; der König sollte wohl seine Erlaubnis zur Annahme des Geschenkes geben. Er schreibt recht pfeffrig: „Ich kann mir bett starken: Widerwillen denken, meine Herren, den Sie gegen Annahme dieses Geschenkes empfinden, setze jedoch voraus, daß Sie sch eine fünfte Gewalt antun werden."
Ter Akademiker Bitoubö ersucht um Urlaub. Er will eine Geschichte von Holland schreiben und dazu an Ort und Stelle Stiidieii machen. Der König sieht die Notwendigkeit nicht ein: „Er kann hier die Historie schreiben; was braucht'er deshalb herumzulau sen?"
Gegen Ansprüche aus ber Kriegszeit zeigte er sich meist zugeknöpft. Es trat wohl viel an ihn heran, unb die Gelder waren knapp. Dein Weinhändler Kiehn in Berlin haben die Russen zweiundachtzig Fässer Landwein weggeführt, er bittet um Entschädigung. „Warum nicht auch," schreibt Friedrich, „was eti bei bet Sündflut gelitten, wo seine Keller auch unter Wasser geftnnben!" Einen andern, beut es in Landsberg ähnlich ergangen ist, tröstet er: „Am jüngsten Tage kriegt eilt jeher alles wieder, was er in diesem Leben verloren hat."
Eine Firma Klüger u. Co. bittet um königliche ober staatliche Unterstützung, um in Berlin eine Rum- unb Arrakfabrik an- zu legen. Ter König winkt energisch ab: „Ich will's ben Teufel tun! Ich wünsche, baß das giftig, garstigs Zeng gar nicht da wäre und getrunken würde!"
Professor Sulzer, ber sich gesundheitshalber einen Winter nach Italien begeben will, erhält ben Bescheid: „Wenn Er nach Italien gehen will, kann er tun. Ich habe aber auch nicht gehört, baß einer in Italien gesund worden, ber in Deutschland krank gewesen."
Ter ehemalige neumärkische Kriegsrat Wiiickelmanit bittet mit Erlaubnis, sich nach Fran!reich zu begeben; ber dortige Finanzminister Necker sei ein Onkel von ihm und wolle ihn anstellen. Er erhalt die beste Antwort, die tief blicken läßt: „Hat er hier gestohlen, so kann er immer dahin gehen und auch stehlen."
Mit wie seltsameu Anliegen man dem König kam, dafür ist ein Beispiel der Brief eines höheren Staatsbeamten, dessen Bruder in Bordeaux wohnt; dieser Bruder treibt Sklavenhandel unb will dazu seine Schiffe unter preußischer Flagge fahren lassen! Friedrich schreibt: „Der Handel mit Negern tft mir stets als eine


