Montag den 22. Januar
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Glückslasten.
No man von Hanns von Zobelti & (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Er hatte ihr sehr gehuldigt. Vielleicht zu auffallend. Die Fürstin hatte einige Male eine ihrer malitiösen Be- merkunczen darüber gemacht. Nun ja. Aber dieser Flirt hatte mchts auf sich. War — herüber und hinüber — im Grunde doch nur ein Mittel gewesen, pour Passer le temps.
Dann war er ihr nachgereist. Richtiger, hatte sich im gleichen Zuge verborgen, und war erst in Mailand wie zufällig, daun in Frankfurt a. M. wieder aufgetaucht. Hatte mit hundert, ziemlich törichten Entschuldigungen um einen Platz in ihrem Kupee gebeten. Hatte sich für seine Verhältnisse redlich angestrengt, sie angenehm zu unterhalte». Nun ja. Daß er in allen Schranken blieb, dafür hatte sie schon gesorgt. Uebrigens. . . unbescheiden oder gar zudringlich war er nie gewesen. Wäre ihm auch übet bekommen/
Und das war alles. Eine Reisebekanntschaft ■— ein Reiseflirt. Mait lernt sich kennen, man freundet sich sozusagen an — saute de mieux —, man macht die Kur oder läßt sich das gefallen. Und inan trennt sich wieder.
Das hatte nichts auf sich.
Höchstens war da eine leichte Neugier: ob er wohl koininen uud dich begrüßen wird...
Daun rauschte der Vorhang auf, und selbst die leichte Neugier taiichte unter, so völlig fesselte Signe das Bühnenwerk.
Im nüchsteit Zwischenakt sah sie doch wieder nach der Proszeniumsloge hinüber: der Prinz war verschwunden.
„Vielleicht ist er auf dem Wege zu uns?" dachte Signe. >,Vielleicht sucht er im Hause nach einem gemeinsamen Bekannten, der ihn den Eltern vorstellen könnte?" — Sie wartete, und das Warten machte sie ein wenig nervös, denn es verdroß sie, daß sie wartete. Dieser dumme, kleine Prinz! Bloß gerade, daß er ein Prinz war.
Mit halbem Ohr nur hörte sie, daß Vater und die Brüder eine Verabredung für nachher trafen. Auch Mama tourde befragt. Kons, Adlon oder Kontinental? Mama fragte, wo dre beste Gesellschaft wäre? Eberhard meinte: „Ueberall und nirgend!" Friedel lachte ironisch, Vater schlug Borchardt vor; da wüßte man wenigstens, daß der Wein gut und das Essen vorzüglich wäre. Aber Hardi erklärte, es sei bei Borchardt zum Sterben langweilig. „Dafür bin ich nicht — weder fürs Sterben noch für dre Langeweile," warf Dodv dazwischen.
Der Prinz kam wirklich nicht. „Dann also nrcht!
„Er hat's also grad so aufgefaßt, wie du: eine Reisebekanntschaft, ein Reiseflirt. Was wunderst du drch denn?" Uber sie wundert« sich doch, Und es, verdarb ihr dre
Stimmung. Als Mutter plötzlich sagte: „Da drüben sitzt ja auch Frau von Elsterburg —" und sich ausführlich über das bevorstehende Wvhltätigkeitsfest bei Kroll zu verbreiten begann, das die gute Dame patrouisierte, wurde sie ungeduldig, gab ganz knappe Antwort. Mutter war erstaunt: was fiel denn der Signe ein? Dieses Fest. . . äußerst wichtig konnte dieses Fest werden! Mit ihm hatte man vielleicht das, was man brauchte: das Sprungbrett, um leichter und schneller in die Geselligkeit hineinzu-j kommen.
Dann war endlich, endlich die Aufführung zu Ende. Für den letzten Akt hatte auch Signe nur halbe Aufmerksamkeit gehabt. Sie wollte es sich nicht gestehen, aber ihre Eitelkeit war schwer verletzt. Und wenn der dumme Prinz meinte: eine Reisebekanntschaft, die zu nichts herpflichtet — zu einer gewissen Höflichkeit verpflichtete sie dennoch! Er hätte kommen müssen!---
Bei Kons war es drückend voll. Mit Mühe und Not hatte Eberhard, der vorausgecilt war, einen kleinen Ecktisch erobert, um den man ziemlich gedrängt saß. Vater hatte recht: bei Borchardt wäre es behaglicher gewesen. Ein süßer Duft von Zigarettenrauch lag über dem Saal. „Ist das nun vornehm?" fragte Dodo naiv.
Nein, vornehm war es nicht, wenn man ehrlich sein wollte. Die beste Gesellschaft und eine recht schlechte, bunt durcheinander. „Riesig elegant" freilich, wie Mama fand. Die Damen in großer Toilette, die Herren im Frack; sehr vereinzelte Uniformen dazwischen.
Mama wollte ein bissel orientiert sein, und die Brüder hielten flüsternd, sich abwechselnd, Vortrag. Den, die kannte Hardi; den, die kannte Friedel. Gräfin So und so und so mit ihren Männern; ein paar hübsche junge Frauen aus der Hautefinance; ein paar Gutsbesitzerfamilien; ein paar Tische mit Offizieren. Dazwischen übersprangen die Brüder bald die eine, bald die andere kleine Gruppe mit vielsagendem Lächeln: immer die elegantesten Damen mit den schicksten Hüten und den meisten Brillanten. Signe fühlte es instinktiv: kleine Schauspielerinnen, Tänzerinnen aus der zweiten Quadrille und tutti quanti. Wie man ihnen überall begegnet, in Paris, in Rom, ein der Riviera. Nur verhielten sie sich hier vielleicht ein wenig reservierter.
Nein, vornehm war es nicht. Selbst Mutter empfand das schließlich: „Ist das jetzt überall so, in diesen Restaurants?" fragte sie und ließ das Lorgnon sinken. „So ziemlich — mit Nuancen," gab Eberhard zurück.
Mama kam sich wirklich etwas deplaciert vor. Scho» der Töchter wegen. Aber sie machte gute Miene zum bösen Spiel. Und dann war das Gesamtspiel doch sehr hübsch, und die Musik fand Mama bezaubernd. Diese leichte, einschmeichelnde Zigeunermusik, die gerade Signes empfind- lickes Gehör so unmittelbar nach Wagner verletzte, beleidigte.
Beleidigte, wie ihr Auge beleidigt wurde durch das Unstarren, dem sie ausgesetzt war. Schon in der Garderobe,


