Mittwoch den 2\. Februar
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worden, das den Weg zum Hafen nicht mehr -fand, und Vater hatte jetzt so wenig das Zeug zum-Lotsen, am w nigsten für ihre Nöte. ,,
„Es ist wohl nichts wie Uebermudung," gab fte matt entlief
Aber er schüttelte den Kopf. „Das will ich gar nicht hören, das ist eine faule Ausrede. Mädel, sei mal ehrlich. Sei mal wieder meine alte Signe! Bist du verliebt?"
Sie lachte auf. Kein fröhlich verneinendes Lachen. Zitternd klang es, schmerzlich und bitter. Und bitter klang ihre Antwort: „Verliebt — ich? Ich bitt dich, Papa!"
Er brummte: „Na, ich weiß nicht. Manchmal kommt's mir doch so vor. Zugeben wollt ihr so was nie.. Und dann stand er langsam und schwer auf — er war lange nicht mehr so beweglich, wie noch vor einem ^ahre — und setzte sich dicht neben die Tochter, legte feinen Arm um sie, wie er es früher oft getan hatte, und sagte zärtlich: „Also, Signe, sei mal 'n bissel lieb zu deinem Vater! Gesteh mal, wo dich der Schuh drückt. Wie ist's denn da. . . mit deinem Herzen?" . ,
Ihr war das Weinen nahe. Aber sie versuchte doch noch, mit einem halben Scherz auszuweichen. „Am Ende hab ich gar kein Herz, Papa."
Na — na! Aber nun mal Spaß beiseite, Signe . .» verändert bist du, seit du Viktor bei Neumanns wieder- gesehen hast. Rede nicht — es ist so. Eigentlich, nno das ist kurios, seid ihr beiden Mädels seit dem L.age anders. Na, Signe, laß uns mal ein deutsches Wort miteinander reden: "wenn du dir's überlegt hast, wenn du deine Aw- sichten geändert hast, mir kommt's nicht darauf an, mich
i auf die Bahn zu setzen und nach Westfalmgen zu dampfen. Ich bin dem Viktor auch immer gut gewesen, und er hat auch was von mir gehalten — ich krieg die Sache wohl doch -noch in Dreh..." , „ , , „ . .,,
Beide Hände streckte sie aus. „Nein! Nem.
Vater sah sie scharf an, ein weiiig enttäuscht. „Kenn einer die Signe aus, dachte er wieder einmal. Eure Weile schwieg er. Dann sagte er langsam: „Bist du em wunderliches Mädel . . " und dann, wie mit emem Gedankensprung: „Und was ist denn mit unserer Dodo los? Die Ut so still und ernst geworden, und dabei lächelt sie manchmal wieder stillvergnügt. Kannst du nur da nichts ver-
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„Nein, Papa, du mußt Dodo schon selber fragen.
„So! Damit gibst du halbwegs zu, daß ich nicht ganz auf dem Holzwege bin." Er schmunzelte „Die kleine I Kröt — seh mal einer an — die hat also schon ihr Herz I entdeckt."
„Ich hab nichts gesagt.
„Beileibe. Ist auch gar nicht notig
Er sann eine Weile nach. Signe saß ganz still. Va- | fers Arm lag noch immer um ihre Schultern, und sie
Glückslasten.
Ronicyr von Hanns von ZovtzltiA (Nachdruck verbotkLl (Fortsetzung.)
11.
Aschermittwoch — „ !
„Vorbei ist Spiel und Tanz," sagte der Vater, „Ge- I sungen sei's und gepfiffen." , , . I
Er saß in dem tiefen Sessel vor dem Kamm und sah über das Zeitungsblatt weg auf Signe. Sie war allem I mit ihm im Zimmer, lehnte, durch ein paar Stuhle ge- I trennt, in dem anderen Klubsessel und sah, die Hande im 1 Schoß auf ihrem Buch, in das leise zuckende Feuer.
„Ein Sogen, daß nun Ruhe einkehrt. Es war jarnaiich- I mal ganz nett — zugegeben. Manchmal hab ich mich wirk- I lich amüsiert. Na, und der Punsch im Schloß gestern abend, I allerhand Achtung. Das kriegt doch sonst keiner so raus. Die nehmen da freilich die alten Kabinettweine hinein, I weißt du, die sie im Keller haben, die edlen Herren vom | Rhein. Wenn sie so au der Altersgrenze stehen. Das gibt dann das köstliche Aroma. Daran hab ich muh schon tu I der Jugend erbaut, und das Rezept scheint ganz dasselbe gebliebeii zu sein. Auch Tradition, wie bei uns noch so I
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Er sprach und sprach, und eigentlich war's doch nur Vorwand. Sollte nur dazu dienen, daß Signe endlich einmal I
Dann unterbrach er sich plötzlich und sagte in ganz verändertem Tonfall: „Mädel, was ist eigentlich mit dir los?"
„Mit mir?" Sie sah noch immer nicht auf, mir die schmalen, durchsichtig weißen Hände schlossen sich fester um j das Buch. Wie Blutstropfen schimmerte der dunkelrote Einband zwischen den Fingern hindurch.
„Ja, mit dir!" wiederholte er, ein wenig besorgt, ein wenig gereizt. „All die letzte Zeit. Hol Mich dieser und jener: du bist ganz anders geworden. Ich hab doci) auch meine Augen int Kopf. Erst hab ich gedacht: Ueber- anstrengintg. Ein Wunder wär's ja nicht. Atag ßU|iWllJF’ kommen. Aber solch miserable Nerven hattest du sonst nicht. Ne, Kind — diese matte Gleichgültigkeit, um nicht Dlaslert- heit zu sagen. . . ich meine, das muß doch noch feine besonderen Gründe haben."
Früher hatte Signe gerade zu Vater immer Vertrauen gehabt. Er war ihr Vertrauter und ihr Berater gewesen. Nun war er das längst nicht mehr. - Er selbst war wohl auch anders geworden; es kam nur selten vor, daß er die alten lieben Töne anschlug, Seit Monaten war s zum ersten Male. Aber-wenn sie,ihm heut hatte Rede und Antwort stehen wollen tote einst, sie hätte nicht gewußt, ivas sie ihm sagen sollte. Sie toctr ja solch armes Schiffleui ge-


