Ausgabe 
20.7.1912
 
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GMgeriPlpen. Erinnerst du dich noch des Hewett Baumes m Rothschilds Garten, den wir zwischen zwei Lachern erblickten? Es war das einzige Grün, das wir sehen konnten, ^ruhiayr nahmen wir am Knospen der Heinen Pappel teil, und wir zahlten die Blatter die im Herbst von den Baumen frelen. Und mit diesem Baume und einem Eckchen nebeligen Himmels, Mit diesem Walde ausgehäufter Häuser, über die uitfet. Blick wie über eine Ebene alitt schufst du dir Traumbilder, die dich oft in deiner Maftrei über die WirHichkeit der Naturgeschehnisse täuschten . Unsere Mansarden erschienen uns.trübe trotz ihres herrlichen Mobiliars, das für unsere Bedürfnisse ausreichte. Ein ver­brauchtes Bett, einige Renaissance-Lehnstühle aus Eichenhotz mit Sammetfetzen, ein Tischchen mit gewundenem Fuß,eine Kerze, die in einer japanisck)en Vase schwankte, ew Kaffeekeftel, staubige Bücher und schöne Skizzen alter Meister an der Täfelung! Das war recht armselig, aber weniger 'häßlich als eine sogenannte! gute Stube."

Mit dieser ahnungsvollen Frühzeit der modernen Malerei ging freilich auch die Blütezeit der Dachateliers dahm Ate Freiluft- und Freilichtkunst macht die weite Natur selbst zur Werkstätte. Die Impressionisten sind dann unter die Dächer zurückgekehrt; besonders Pissarro und Sisley, die von ihren m den höchsten Stockwerken gelegenen Ateliers aus wundervolle Bilder des Pariser Straßenlebens und der Pariser Stadtschönheit schufen. In ihrem Durst nach Licht und Luft bauten sich die jungen Künstler Dachateliers ganz von Glas, so daß sie wie in großen Käfigen aus lauter Fenstern saßen und den weitesten Umblick und Ausblick genossen. _____________

Vermischtes.

* Der heilige Antonius von Padua Ober ft leutnant a. D. In allen katholischen Ländern sehr populär, ist der heilige Antonius, dem in Padua ein ganzer Tom errichtet ist; nirgends aber erachtete man ihn so großer äußerer Ehren für würdig wie in seinem Heimatland Portugal und in Brasilien, stammt er doch aus einem alt-portugiesiichen Rittergeschlecht, das in Lissabon seinen Sitz hatte. Seit Jahrhunderten schon war dem Heiligen in der Armee seines Heimatlandes Rang und Sold zu- gestanden gewesen. Diese Ehren sind sogar aus Brasilien aus­gedehnt worden: König Joa VI. verlieh durch ein Patent vom 4. Februar 1811 und durch ein weiteres vom 22. Oktober 1816 dem heiligen Antonius den Rang eines Oberstleutnants der brasi­lianischen Armee mit dem Jahressolde von 600 Milreis. J£en Rang nahm er in einem Jnianterieregiment ein und den Sold hatte, da der Heilige selbst sich nicht dazu herbeiließ, Geld in Empfang zu nehmen, der Guardian des Franziskanerklosters zu Bahia für den Himmel einzukassieren. Weitere Rangerhöhungen haben merkwürdigerweise nicht stattgesunden, obwohl das Dienst­alter des Heiligen dazu längst Veranlassung geboten hätte. Auch der Sold ist dem veränderten Geldwert entsprechend nicht ver­mehrt worden; immerhin eriolgte seine Auszahlung ein Jahrhundert lang. Noch 1890 versagte der überzeugte Positivist Marschall Flo­rians Peixoto als Kriegsminister:Solange nicht durch besonderen Akt das königliche Dekret annulliert wird, das der Statue des Heiligen Antonius zu Rio de Janeiro den Rang eines Oberst­leutnants der Jnsanterie verleiht, hat die Weiterzahlung des Soldes an denjenigen zu eriolgen, der zur Erhebung berechtigt ist und sie bisher vorgenommen hat." Im Vorjahre nun stellte die Delegatur des Bundesschatzamtes in Bahia die Zahlung ein Ter Guardian des Klosters zu Bahia erhob Beschwerde beim Jinanzminister, der jedoch jetzt das Vorgehen der Telegatur gebilligt und die Beschwerde abgewlesen hat. Wenn die Auszahlung der 600 Milreis der Bundes­kasse auch nicht weh tat und wenn die Beibehaltung des alten Brauches aus naiveren Epochen auch niemand schadete, so billigt die öffentliche Meinung in Brasilien doch die Entscheidung des Ministers, der dieser Sache ein Ende machte, nachdem die Frage einmal angeschnitten war. Und was den Wundertäter von Padua betrifft, so genießt er an vielen Orten solch hohe Ehren, daß er aus die militärischen nicht allzu schweren Herzens verzichten kann.

Lk. Freiwohnungen s ü r Säuglinge. In aller Er­innerung werden wohl noch die von dem Pariser Mietersyndikat unter Führung desberühmten" Herrn Cochon veranstalteten Protestkundgebungen gegen jene Hausbesitzer sein, die iiir kinderreiche Familien kein Herz haben. Als eine glückliche Lösung des Problems derkinderreichen Mieter" muß die angesehen werde», die man in Vincennes, der bekannten östlichen Borstadt von Paris, gesunden hat. Dort sind nämlich vier große Blocks von Arbeiterivohn- häusern erbaut worden, die aus Zwei-, Drei- und Vierzimmer­wohnungen bestehen, die zu jährlichen Preisen von 200, 260 und 320 Alk. vermietet werden. Diese Häuserwohnungen sind in erster Linie solchen Familien vorbehalten, die über großen Kinderreichtum verfügen, ober noch zu erwarten haben; denn für jedes Baby, das in der Wohnung das Licht der Welt erblickt, darf die Familie ein Vierteljahr frei Hausen. Das ganze ist eine Wohltätigkeits­anstalt und die Ueberschüsse dienen zur Unterhaltung einerKantine für stillende Mütter", wo diese umsonst ihre Mahlzeiten einnehmen können. Außerdem weist jeder Häuserblock eine Bibliothek auf und

in einer Apotheke werden die den Säuglingen verschriebenen Arzneien unentgeltlich verabfolgt.

* Verraten. Frau:Was würdest du tun, George, wenn ich dich als Witwer zurücklassen würde?" Mann:Nun, ich denke, dasselbe wie du, wenn ich dich als Witwe zurückließe." Frau:O du gemeiner Kerl! Und du hast mir immer gesagt, du könntest nie eine andere nehmen."

"Eine Autorität. Zwei Herren sind in einem eifrigen Gespräch über den Wert eines Buches. Endlich sagte der eine, der selbst Schriftsteller ist:Nein, John, du kannst das nicht beurteilen, du hast niemals selbst ein Buch geschrieben."Das ist richtig," antwortet John,aber ich habe auch nie ein Ei gelegt, und doch kann ich eine Omelette besser beurteilen, als irgendeine Henne im ganzen Staat."

Lahnlied.')

Von R. Lade, Obernhof.

Ich bin gewandert viel in deutschen Landen

Und hab' geruht in deutscher Eichen Dom, Auf Bergeshöhe hab' ich oft gestanden Und auch gesehen manchen deutschen Strom;

Doch, wo ich weile, stets zieht's mich heran

Zu meinem Heimatstrom, der schönen Lahn.

Durch Hessens und durch Nassaus schöne Gauen Zieht nieder sie zum Rhein, ein glänzend Band, Da kannst du Städte, reiche Dörfer schauen, Ein glücklich Volk wohnt hier am schönen Strand.

Wer hier geweilt, dem hat's auch angetan Mein lieber Heimatstrom, die schöne Lahn.

Von ferne winken uns des Taunus Höhen,

Wo reiches Leben blühet mannigialt,

Und drüben grüßt, wo rauh're Winde wehen,

Von bied'rem Volk bewohnt, der Westerwald;

Dazwischen hin zieht freundlich seine Bahn Mein lieber Heimatstrom, die schöne Lahn.

Durch grüne Auen und durch reiche Felder, Wo goid'ne Aehre» reift der Sonne Glut. Wie grüßen von den Bergen uns die Wälder, Air deren Hange wächst der Traube Blut!

Hier weil' ich gern, hier lacht mich alles au, An meinem Heimatstrom, der schönen Lahn.

Wo frisches Leben überall mir schauen,

Wo uns tut Becher winkt der Rebe Gold,

Und wo das Auge grüßet schöner Frauen, Ja, da ist wahrlich uns das Leben hold.

Drunr füllt das Glas, ihr Brüder, stoßt mit an Auf unfern Heinratstrom, die schöne Lahn.

Geweihter Boden ist's, geweiht wie selten

Durch der Geschichte Gang zu aller Zeit;

Denkt eines Wilhelm nur, des greifen Helden, Denkt auch der alten deutschen Herrlichkeil!

Wer deutsch sich fühlt, den weht's auch heimisch au An unferm Heimatstrom der schönen Lahn.

*) Vor zehn Jahren hat der Gießener Anzeiger ein Lied desselben Verfassers, des Pfarrers a. D. R. Lade, veröffentlicht, das Gruß an die Lahn benannt war und seitdem viel ge­sungen wird. Das hier veröffentlichte Gedicht hat noch keine« Komponisten gesunden.

Slat-Aufgade.

Hinterhand spielt Grand aus folgende Karten:

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Das Spiel wird mit 62 Augen gewonnen. Karten und wie ist gespielt worden?

Auslösung in nächster Nummer.

Wie sitzen dis

Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer"

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Redaktion: St. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, ©teitifc