Ausgabe 
20.7.1912
 
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Die von Gründingen.

Roman von Freiherr von Schlicht, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

'Der Baron hatte sich erhoben:Ja, auch ich bin der Ansicht, Fran Gräfin, daß wir jetzt zu Ende kommen müssen. Ich werde gehen und Claire holen, sie wird glücklich sein, nun ans Ihrem Munde zu hören, daß Sie eingesehen haben, daß es nicht anders geht, daß Sie von Anfang an gewußt haben, daß Claire gar nicht meine Brant, sondern die Ihres Sohnes Hans ist, daß ich sie nur deshalb hier so cinführte, nm Ihre Bedenken gegen eine bürgerliche Schwiegertochter zu zerstreuen. Hätte ich ahnen können, daß Sie von Anfang an den -nähren Zu­sammenhang errieten, daß ich Sie und Ihre Menschenkennt­nis doch nicht zu täuschen vermochte, dann hätte ich mir und vor allen Dingen Claire dieses immerhin doch etwas unwürdige Spiel erspart, das wir im Einverständnis mit dem Grasen und Komtesse Alexa aufführten. Wir alle sahen aber keinen anderen Ausweg, um Ihren Widerstand zu brechen, Frau Gräfin denn Sie schwören ja nun einmal derartig auf den Adel, daß mit Worten nichts dagegen auszurichten ist. Claires Liebenswürdigkeit sollte Sie entwaffnen und daß diese es tat, bewies mir die Zärtlichkeit, mit der Sie Claire gestern abend schon in die Arme schlossen und küßten. Und das freut mich auch für Sie, Fran Gräfin; denn ich bin ermächtigt. Ihnen zu sagen, daß Ihr Sohn Hans, solange Sie leben, nie wieder mit einem Schritt hierhergekommen wäre, wenn Sie auch nur ein einziges unfreundliches Wort zu seiner Braut ge­sprochen hätten. Die Gefahr ist nun glücklich beseitigt und Ihr Sohn wird nicht anfhören, Ihnen dafür zu danken, daß Sie Claire lieben, obgleich Sie schon gestern abend alles durchschauten und dennoch gegen seine Verbin­dung keinen Widerspruch erhoben, im Gegenteil, daß Sie Claire so herzlich bewillkommneten! Und nun gehe ich und hole Ihnen Ihre neue Tochter."

Er wandte sich zur Tür. Aber auf der Schwelle sah er sich noch einmal nach der Gräfin um: die saß da, starr Und unbeweglich die Augen entsetzt aus den Baron gerichtet. Sie hatte nicht die Kraft gehabt, ihn während seiner langen Rede auch nur mit einem einzigen Wort zu unterbrechen; sie brach förmlich zusammen unter dem, was sie da zu hören bekam, und doch durfte sie das nicht zeigen, nie verraten, daß sie von alledem nichts geahnt! Sie hatte ja selbst erklärt: Herr Baron, ich weiß alles. Sollte sie sich jetzt selbst Lügen strafen, nachdem sie erst gestern abend stolz ihrem Mann erklärt hatte: für eine Lüge gäbe es keine Verzeihung, und sie, die Gräfin täte Uichts, was ihrer unwürdig sei =: und nun hatte sie doch gelogen.

. Sie sah es ein: sie mußte die Folgen tragen. Sie

konnte nicht alles zurücknehmen, was sie in der kurzen Unterhaltung mit dem Baron gesagt hatte. Wie würde sie dann dastehen?

Vor allem durste sie nie und nimmer zugeben, daß sie sich hatte täuschen lassen: sie hatte erklärt, alles durchschaut zu haben; das mußte sie aufrecht erhalten, sonst war ihre Stellung erschüttert, sonst machte man sich über sie lustig, man neckte sie dann mit ihrerMenschenkenntnis" und mit ihremScharfblick", und auf beides war sie so stolz!

Der Baron stand immer noch in der Tür, den Blick fest aus sie gerichtet. Er spürte doch etwas wie Mitleid mit ihr leicht war der Kampf für sie nicht, es galt, in wenigen Minuten für immer mit alten Anschauungen, alten Standesvorurteilen, zu brechen! Leicht würde es ihr nicht werden, eine Bürgerliche an ihr Herz zu ziehen.

Und Hans hat wirklich erklärt, nie wieder hierher­zukommen, wenn ich Claire nicht freundlich aufnähme?" fragte sie endlich mit fast tonloser Stimme.

Die Liebe zu dem Sohn mochte doch wohl stärker sein, als die Angst, den Stammbauni zu entweihen: denn aus ihren Worten klang wirkliche, echte, warme Mutterliebe heraus.

Ich wiederholte Ihnen nur, was Hans mir auf­trug."

Holen Sie mir Claire, Baron," bat die Gräfin end­lich,sie ist mir von Herzen willkommen. Ich wußte es ja schon lange, Baron, viel länger, als Sie glauben, daß Claire gar nicht Ihre Braut war, sondern die von Hans, und ich begreife nicht, wie er mir durch Sie so Hartes sagen lassen konnte, er weiß doch, wie ich ihn liebe, und daß sein Lebensglück mir höher steht, als alles andere."

Der Baron ging, und unterwegs stieß er mit dem Grafen zusammen.

Was haben Sie denn nur?"^fragte der neugierig. Sie sind ja so erregt?"

Ich komme eben von der Frau Gräfin. Sie weiß alles."

Um Gottes willen!"

Der Graf suchte tastend mit der Hand nach einer Stütze, wo er sich anlehnen könnte.

Fürchten Sie nichts die Frau Gräfin heißt Claire herzlich willkommen! Aber eins muß ich Ihnen offen gestehen, Herr Graf: wir haben Ihre Gattin beide unter­schätzt sie ist klüger, als wir beide zusammen sie hat von Anfang an unser Spiel durchschaut und sich das nur nicht merken lassen, um Uns unsere Freude nicht zu rauben!"

Der Graf machte ein Gesicht, das weit davon entfernt wär, intelligent zu sein.

Ja, ja, die Weiber," sagte er endlich,die haben es in sich! Aber wissen Sie, was Sie mir da eben sagen, das hätte ich denn doch nicht für möglich gehalten! Für klug habe ich ja meine Frau immer gehalten aber für so klug doch nicht! Nur ein wahres Glück, daß ich mein freier Herr bin und tun und lassen kann, was ich will, -4