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Fulda,*) wo sie das bekannte Kloster 'Minden' konnten!. Es' darf als zweifellose geschichtliche Tatsache angesehen werden, daß das schöne, von bewaldeten Höhen begleitete Wiesental der Schlitz vom Fuße des hl. Bonifatius betreten wurde und daß sein Auge mit Wohlgefallen auf dem Berge ruhte, auf dem dann einer seiner Nachfolger eine Kirche baute als Mutterkirche für den ganzen östlichen und nordöstlichen Vogelsberg nebst dem Schlitz- und mittleren Fuldatale. Später ist dann der Schützer Kirchsprengel durch die Begründung der Kirchen zu Salzschlirf und Lauterbach bedeutend verengert worden. Die ehemals selbständige Pfarrkirche von Fraurombach ist heute Filialkirche der 1857 eingerichf- teten Pfarrei H u tz d o r f. Dagegen haben sich die schon in der vorreformatorischen Zeit zu selbständigen Pfarreien erhobenen ehemaligen Schlitzer Filialkirchen Queck und Hartershausen bis heute als solche behauptet, während die früher von Schlitz aus pastorierte, 1808 zur Pfarrei erhobene Kirche Willofs neuerdings nicht mehr besetzt wird mib der Riedeselschen Pfarrei Udenhausen zugeteilt worden ist. Tie ehemaligen Schlitzer Filial- gemeindcn Utzhausen, Niederstoll und Bernshausen sind als Pfarrei Kreuzersgrund in neuerer Zeit vereinigt und mit der zweiten Psarrstelle in Schlitz verbunden worden. Das ganze Gebiet ist uralter hersselder und fuldischer Besitz, Schon seit 1116 erscheinen die Herren von Schlitz. Im 14. Jahrhundert treten mehrere Familien dieses Namens mit dem Beinamen: „genannt von Blankenwald", „genannt von Hohenberg" und „genannt von Görtz" als fuldische Lchensleute auf. Zum Lohn für ihre Verdienste erhielten die von Görtz vom Stifte den Erbmarschalltitel und in Anerkennung ihrer Stiftung zweier Altäre (St. Barbarä und St. Mariä) in die Schlitzer Kirche das Präsentationsrecht für die Kaplanstelle an dieser Kirche. Im Uebrigen hat sich der Abt das Pväsentations- und Kollatur-(Besetzungs-)recht über die Kirchen-, Pfarr- und Schnlstellen Vorbehalten. Im 16. Jahrhundert schlossen sich die nach größerer Selbständigkeit strebenden Herren von Schlitz mit der gesamten fuldischeu Ritterschaft als buchonisches Quartier an den Kanton Rhön-Werra des fränkischen Ritterkreises an, um dadurch ihre Reichsunmittelbark'eit zu erlangen. In gewissem Sinne erreichten sie dieses Ziel auch dadurch, daß am 29. November 1563 Fürstabt Wolfgang von Fulda den Marschall und Rat des Stifts Eustachius von Schlitz wegen dessen dem Stifte geleisteten treuen und nützlichen Diensten für ihn intb seine männlichen Leibes- und Lehenserben mit der Kollatur der Pfarrkirchen Schlitz, Queck und Hartershausen belehnte?) Wenigstens betrachteten die Herren von Schlitz von da an sich als vollständig unabhängig Vom Stift Fulda und besetzten ungehindert von Fulda die vakant werdenden Pfarrstellen dem Wunsche der Bevölkerung gemäß mit evangelischen Geistlichen. Daß hier die Bevölkerung tatsächlich das treibende Element der Reformation war, kann man daraus entnehmen, daß die Familie der Herrn von Schlitz das ganze 16. Jahrhundert hindurch als katholisch galt und daß einzelne Glieder der Familie sich in Stellungen befanden, die die Zugehörigkeit zur alten katholischen Kirche zur Voraussetzung hatten. So bekleidete der genannte erste Kollator Eustachius von Schlitz (1527—1598) das Amt eines Statthalters zu Fulda, und seine beiden Söhne Wilhelm Balthasar und Johann Eustach waren Würzburger Domherren, der erstere bis 1589 und der letztere bis 1603. Dagegen finden wir um diese Zeit auch schon entschieden evangelisch gesinnte Glieder der Familie. In den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts waren ein Hans Wilhelm von Görtz, der Jüngere genannt, und ein Hans von Schlitz gen. von Görtz im Bunde mit der buchonischen Ritterschaft bemüht, im Kampfe gegen die Rekatholisierungsbestrebungen des Fürstabts Balthasar von Dernbach der Bevölkerung der Fürstabtei den evangelischen Glauben und den evangelischen Kultus zu erhalten?)
Der erste evangelische Herr von Schlitz scheint jener Werner von Schlitz, genannt von Görtz, gewesen zu sein, von dem 1546 erzählt wird, daß er sich von der römischen Religion ab und der Augsburgischen Konfession zuwandte und kurz vor seinem Tode den damaligen Pfarrherrn zu Schlitz, Herrn Heinrich Neun, welcher der Pfarre über '40 Jahre fürgestanden, auf seine Seiten und dahin gebracht, daß er die Pabstische Religion verlassen, die Meß, Pabstische Ceremonien und, was dem anhängig, aus der Kirche abgeschafft Habe?) Hotz gibt als Jahr dieser in Schlitz durchgeführten Reformation das Jahr 1568 an. Da jedoch 1628 Wilhelm Balthasar von Schlitz in einer Bittschrift an das Reichskammergericht betont, daß seine Voreltern schon vor dem Passauer Vertrag das Excercitium Religionis Augustanae Eonsessionis gefördert hätten, so mag 1548 richtiger sein. Es wäre das das Jnterimsjahr, in welchem die
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*) Der Weg ging des weiteren durch den waldfrcien sogen. Keupergraben über Salzschlirf, Landenhaufen, Groß- und Kleinlüder, die kalte Liider aufwärts, um den Himmelsberg ins Fliedental und von da nach Fulda, nachdem Sttirmius einen vergeblichen Versuch gemacht hatte, lüderabwärts durchzukommen, und bei Lüdermünd wieder umkehren mußte.
2) Nach Hotz, Die Gegenreformation im Schlitzerland usw, in Beiträge zur Hess. Kirchengesch. Bd. III H. 1 S. 43 f.
3) Vgl. Heppe, Die Restauration des Katholizismus usw. g. 46 u. 74.
*1 Nach Hotz cr, a. O. S. 44,
Fluten der evangelischen Bewegung in Hessen hochgingen. Auch bet nach Neuns Tod noch von Fulda (also vor 1563!) eingesetzte Pfarrer Martin Leister hat als Anhänger der Augsburgischen! Konfession „das Evangelium vermöge der Augsburgischen Konfession gelehrt und gepredigt"?) Von da an ist bald in allen! Kirchen be8 Schlitzerlandes evangelisch gepredigt und das hl. Abendmahl in beiderlei Gestalt gefeiert worden. Im Jahre 1581 erhob der lutherische Pfarrer Cyriacus Spangenberg zu Schlitz eine Kollekte für einen Kirchbau in Willofs, welches offenbar damals ebenfalls evangelisch war. Nachweislich hatte Fraurombach 1603 einen evangelischen Pfarrer, und in Queck und Hartershausen waren bis 1628 ebenfalls evangelische Pfarrer. Wie in diesem Jahre Fürstabt Philipp von Schweinsberg mit Benutzung der, günstigen Kriegslage alle evangelischen Pfarrer aus dem Schlitzerland wieder zu verdrängen, durch katholische zu ersetzen und das ganze Schlitzerland zum katholischen Klauben zurück zu bringen suchte, wollen wir später erzählen.
------ c (Fortsetzung folgt.)
5) Ebenda, ____________
Dar herrgottrkaferchen.
Einer großen Sympathie erfreut sich bei uns im Volke das niedliche kleine Marienkäferchen mit den wirkungsvollen schwarzen Punkten auf den roten oder gelben Flügeldecken. In alter Zeit trug dies wohlgelittene Insekt den drolligen Namen „Frigga- hönna" — „Friggahähnchen". Denn es war das heilige Käferchen der Freia-Holda, und int paradiesischen Reiche der mütterlichen Liebesgöttin, deren Segen die Fluren fruchtbar machte, hatte es ein hochwichtiges Amt zu erfüllen: Irgendwo, hinter blauen Himmelsfernen, so lehrte altgermanischer Götterglaube, lag auf eines Brunnens Grunde ein schimmernder Garten voll köstlicher Früchte, voll duftender Blumen und schmetternder Vögel. In diesem sonnigen Garten hütete Holda oder „Frau Holle" liebevoll die Seelen der Ungeborenen, die in heiter-unschuldsvollem Spiel die köstlichen Blüten umschwirrten, Honig sogen oder ruhend sich niederließen auf wiegendem Gezweig:
„Ringel, Ringel, Reihe, Sind der Kinder dreie, Sitzen auf 'dem Hollerbusch, Rufen alle: „Husch, husch, husch!"
So singt heute noch ein alter Kinderreim, der wohl an diese uralte, sinnige Vorstellung anknüpft . . . Wenn nun aber für solch ein fröhlich umherhuschendes Seelchen die Stunde gekommen war, die es ins rauhe Erdenleben abrief, dann eben nahm daI schwarz gepunkte Käferchen, das Friggahähnchen, Sonnenhühnchen oder Sonnenkühlein das Menschenseelchen auf seine roten Flügel und trug es 'mit des. Blitzes Schnelle aus himmlischen Gefilden in irdische hinüber . . . Ein „Kollege" des Storches, dessen alter Name Adebar oder Odebar nichts anderes bedeutet als Kinderbringer oder Seelenträger, war also das Friggahähnchen, — das in christlichen Zeiten sich zum Marienkäferchen, Herrgottsschäfchen oder Gotteskälbchen .wandelte. Außer diesem mit so wichtiger Mission betrauten, niedlichen Kerbtierchen kannten die alten Germanen anscheinend noch andere „heilige" Käfer. Dem Donar geweiht war der „Donnergugi", und Verehrung genoß auch der Roßkäfer, der schillernde „Goldkäfer", der, wie man glaubte/ goldene Schätze bewachte. Aber die erste Rolle im uralten Käferkult unserer Vorfahren hat zweifellos eben doch das Marienkäferchen gespielt. Und der letzte, sterbende Nachhall der Frigga- hönna-Verehruna ist noch immer nicht verklungen. Denn poch in den Tagen der Luftschiffahrt lehrt man die Kinder das .Liedchen: „Marienwürmchen, setze dich Auf meine Hand, auf meine Hand, Ich tu dir nichts zuleide.
Es Joll dir nichts zuleid geschehn, ' Will nur deine bunten Flügel .sehn. Bunte Flügel, meine Freude! ..."
Auch das bekannte „Maikäfer, flieg!" wird in Wirklichkeit sich wohl auf 'däs Marienkäferchen beziehen, denn mancherorts singt man noch: „Herrgottskäferlein, flieg!" Und' übrigens führt das Marienkäferchen auch den mundartlichen Namen „Maikatt" oder „Maikatze". In den Käferliedchen, die häufig in recht verballhornter Form' .gesungen werden, ist fast stets die Rede von einem brennenden Hause oder einem „abgebrannten" Lande. So heißt es in dem oben angeführten Lied:
„Marienwürmchen, fliege weg,
Dein Häuschen brennt, die Kinder schrein. So sehre, wie so sehre. . ."
Sinnlos erscheint das dem Laien. Aber der Forscher weist ihm den Weg zum Verständnis. Wenn wir uns' von den lichtvollen Ausführungen Mannhardts, der viele Käferliedchen in den verschiedensten Lesarten gesaminelt hat, überzeugen lassen wollen, dann erkennen wir in dem' brennenden Haus oder in dem „abgebrannten Hollerland" eine Anspielung auf den Untergang, den beim Weltbrande, beint Zusammenbruch der Asenwelt, auch Freia- Holdas himmlisches Reich, ihr lieblicher Garten voll schwärmender Kinderseelen, finden sollte. Interessanter, als .wir dachten/ sind also jene schlichten Reime und das Käferchen, dem sie gelten! Ja, das Tierchen — das. wir Praktischen von heute vor allem hoch-


