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Un’b plötzlich fing sie an, den Baron zu necken. Sie sah, wie dieser nur an seinem Glase nippte und es dann wieder hinsetzte.
„Waren Sie immer so solide, Baron? Sie sind wirklich ein Muster an Enthaltsamkeit! Ich 'bin Gott sei Dank, schon beim vierten Glas — und Sie noch bei dem zweiten."
„Sogar noch bei dem ersten." '
Sie schlug die Hände zusammen: „Das geht nicht, da sapime ich mich, Sie müssen gleich austrinken; denn sonst kann rch mir nicht wieder einschenk'en lassen. Nein, wirklich, Hans, warten Sie noch etwas — erst der Baron, dann ich, als junges Mädchen muß ich daraus halten, nicht in den Ruf einer Trinkerin zu geraten."
Der Baron suchte nach einer Ausrede: „Ich muß mit dem alten Champagner vorsichtig sein, gnädiges Fräulein: rch habe in meiner Leutnantszeit zu viel davon getrunken, mein Magen ist nicht mehr der stärkste."
„Und dann rauchen Sie, dann gualmen Sie den ganzen Tag mit dem Grafen zusammen nm die Wette? Na, Sie sollten mein Mann sein, da wollte ich Ihnen das schon ab- gewöhnen."
„Aber Sie rauchen doch selbst eine Zigarette nach der anderen?"
„Ich bin aber auch gesund. Unser Arzt grüßt mich schon gar nicht mehr, weil ich ihm in den letzten fünfundzwanzig Jahren nicht einen einzigen Pfennig zu verdienen gegeben habe."
„Aber Marianne," rief Hans, „reden Sie doch keinen Unsinn! Sie sind doch noch gar nicht fünfundzwanzig."
„Kommt bei Ihnen mal wieder der geistreiche Leut- nant zum Vorschein ?" neckte sie ihn, und den Leutnantston nachahmend, sagte sie: „Gnädiges Fräulein sind doch über- yaupt noch gar nicht geboren, so jung sehen Sie aus."
„Tun Sie auch. Nicht wahr, Herr Baron?" „Wenigstens beinahe," stimmte der ihm bei.
„Beinahe ist gut! Aber wenn ihr glaubt, daß ihr mich ärgern könnt, dann irrt ihr euch sehr. Unverheiratet« Manner sind für mich dasselbe, wie Backfische: ich nehme sie nicht ernst." ’
$ar°n' ein ^^fisch! Prost, Baron, ich gratuliere
Ein stürmisches Gelächter folgte den Worten des Grafen.
CiS.?a^ 3U bier gesagt hatte; aber w"rde sie nicht verlegen, sondern rief übermütig:
>,Der Baron zahlt natürlich nicht mit, der bildet eine Ausnahme; aber Schuld hat er selbst, wenn ich ihn mit Hans in demselben ^opf werfe: Warum heiratet er nichts"
,,^a, warum heiratet er nicht?" wiederholte der Graf
Die Reformation und Gegenreformation in Herbstein und den ehemals landgräflichen und ritterschastlicken Grten des östlichen und südöstlichen Vogelsbergs.
Von Pfarrer Zinn in Herbstein. (Fortsetzung.)
5. Die Reformation im Schlitzerland.
v tarnen Schlitzerland bezeichnet man das Gebiet
der letzigen Staudesherrschaft des Grasen von Schlitz, genannt SM iE?tz b Ortschaften des Schlitztälchens von nnJg S8 Butzdorf und des breiteren, fruchtbaren Fnlda- opirnNmtbach. Vorort ist das interessante,
l { Bergstadtchen Schlitz mit seinen gräflichen Burgen ÄsK°u im Jahre 812 vom baulustigen Abt ^acharius von pulda begründeten und durch den Erzbischof Richolf
8?(*n Kirche, die freilich im Lauf der Jahr-
Og.u^lfch umgebaut und erweitert Ivurde. Zweitälteste ^/cha lst die von Fraurombach, begründet an dem Orte, Nachtquartier fand, als er sich verdickt^ Zf dem damals durch Sümpfe und Waldes-
um dem Mmi^"^bu Tuldatal weiter nach Süden vorzudringem tut 5- Meisters Bonifatius entsprechend einen
sUl„c. k = eines Klosters geeigneten Platz zu suchen Erst christlicher W i>en beiden Bahnbrechern
christlicher Kultur endlich der gesuchte Zugang zu der oberen
Und plötzlich riefen alle, der Baron an der Spitze' Ja warum heiratet er nicht?!" v 9 ,rx5 '
Nuu Dagmar schwieg. Sie hatte sich eine neue Zigarette genommen und zündete diese umständlich an, als wolle sie damit zeigen, daß sie jetzt zum Sprechen keine Zeit habe ^6nsmab'r Zwang auch sie sich zu einem Lachen. Sie wußte, daß Marianne jetzt nicht so schnell wieder von diesem Thema abgehen würde. Was sie schon vor einigen Tagen be- als Weidemanns bei ihnen zu Tisck/waren, trat jetzt etn: die Freundin würde versuchen, ihre Wette zu ?o?zubepeitMNigsteps^ne Entscheidung zu ihren Gunsten
Die Gräfin saß, wie stets, auf ihrem Platz neben dem Kamin. Den hatte sie im Sommer und im Winter inne, einerlei, ob sie allein war oder Besuch hatte.
Die anderen hatten ihre Sessel zu einem Kreis zusammengeschoben, und Marianne führte das große Wort. Obgleich sie eigentlich nie etwas erlebte, obgleich ihr die Tage — einander zum Verwechselii ähnlich — ruhig Und gleichmäßig dahingingen, wußte sie immer etwas zu erzählen, und in ihrer Lebhaftigkeit sprang sie jeden Augenblick auf ein anderes Thema über. Bald erzählte sie von ihren Hühnern, bald von einem Briese, den sie erhalten, bald von ihren Blumen. . Zwischendurch neckte sie Haus, der in Zivil — besonders im Frack — nach ihrer Meinung viel besser aussah, als in Uniform, und selbst die harmlosesten Und gleichgültigsten Dinge bekamen durch ihre Schilderung, durch die lebhafte Art ihres Vortrages etwas unendlich Komisches.
Und sie irrte sich darin nicht.
„Ich meine es ganz ernsthaft, Herr Baron. Sie sollten heiraten. Ich bitte Sie: ein Mann ohne Frau ist genau dasselbe — —"
wie eine Frau ohne Mann," rief der Baron.
„Unsinn!" verteidigte Marianne sich. „Wir können die Männer entbehren, aber die uns nicht. Wenn wir einen kranken Magen haben, kochen wir uns selbst die Haferschleimsuppe, aber Sie — können Sie kochen, Herr Baron?"
Der bedauerte unendlich.
„Na, da sehen Sie's ja! Und auch sonst fehlen wir den Männern an allen Ecken und Kanten. Wir können uns eine Wohnung nett und behaglich einrichten. Aber haben Sie schon einmal gehört oder gelesen, daß jemand, wenn er eine Häuslichkeit schildert, da sagt: man merkt, es fehlt doch die ordnende Hand eines Mannes? Nichts wie Unordnung können die Herren der Schöpfung anrichten. Das eine werfen sie dahin, das andere dorthjn. Und davon ganz abgesehen: ein Mann langweilt sich zu Hause allein immer, eine Fran nie."
„Oho!" widersprachen die Herren.
Aber Marianne ließ sich nicht Beirren: „Wenn sie sich nicht langweilen, hat das lediglich, seinen Grund darin daß sie nie zu Haus sind, sondern höchstens, um gleich wieder wegzugehen. Baron — gestehen Sie die Wahrheit: wie viel Abende in der Woche sind Sie in Ihrer Wohnung?"
„Von den sieben wenigstens fünf."
„Ja, wer's glaubt, der wird selig!" trällerte der Graf vor sich hin. • 1
iä) wahrhaftig, meine Herrschaften; es ist so, wie
„Da sind Sie ja noch solider als ich," rief Hans.
. -"Smen Sie still," bat Marianne. „Leutnants zählen in der Hinsicht überhaupt nicht mit. Aber was der Baron da sagt, bestärkt mich in meiner Vermutung, die ich gleich am ersten Tage hatte: er ist der geborene Ehemann! Und ob Sie wollen ober nicht, Herr Baron, Ihnen hilft kein Gott, — ich verheirate Sie. Und ich weiß auch schon, mit wem."
..Dagmar fühlte, wie ihr jeder Blutstropfen aus dem Gesichts wich, Marianne war zu allem fähig. Sollte die jetzt wirklich ihren Namen nennen? —
„Heraus mit der Sprache!" rief der Graf. „Wer ist die Glückliche? Da bin ich wirklich begierig."
„Ich auch," rief Alexa. „Sag', bitte, wer ist es?" . „Ich werd mich hüten! lieber solche Sachen soll man nicht sprechen, bevor sie perfekt sind, sonst bringt es Unglück. — Aber wenn Sie nächstens einmal bei uns vvrbei- reiten, Herr Baron, dann kehren Sie bei uns ein, und Sie kommen bald, nicht wahr, das versprechen Sie mir? Dann will ich Ihnen eine Photographie Ihrer zukünftigen Frau zeigen. Wenn die Ihnen gefällt, überlassen Sie das andere mir. Wann fommen Sie?"
(Fortsetzung folgt.


