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Die von Gründingrn.
Roman von Freiherr von Schlicht.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Wollte sie durch ihr Benehmen ihrem Bruder beweisen, daß er sich vollständig irrte, wenn er glaubte, daß der Baron ihr gefiele? Oder war das kurze, wärmere Interesse, das sie neulich Wend an ihm genommen hatte, bei den Worten ihres Bruders wieder erloschen?
Ter Baron wußte eS nicht. Auf jeden Fall waren seins Chancen nicht günstiger geworden. Und so sehr er auch Hans liebgewonnen hatte, so freute er sich doch, daß dieser morgen wieder ab fuhr. Er mochte ein tüchtiger Soldat sein, und daß er sich seine Claire errungen, bewies ja auch, daß er für sich selbst beim weiblichen Geschlecht Erfolge hatte; aber als Brautwerber für dritte schien er doch absolut nicht die geeignete Persönlichkeit zu sein.
Und Hans selbst war auch glücklich, als der Urlaub Vorüber war und daß er morgen seine Claire Wiedersehen konnte. Nur ein Glück, daß er beit Baron für sich gewonnen hatte, sonst wären die Tage ganz verloren' gewesen. Jetzt wußte er, daß alles in den besten Händen lag.
Morgen sah er Claire wieder. Und der Gedanke machte ihn so froh, daß seine Ausgelassenheit keine Grenzen kannte.
Die Gräfin merkte es und würde betrübt. Sollte Graf Eduard doch recht haben, — besaß Hans vielleicht gar nicht das kindliche herz, das Sie bei ihm annahm? Sehnte er sich schon wieder zurück nach der Garnison, nach dem Spiel, den Kneipgelagen der Gesellschaft? Fast schien es so.
Und auch der Graf war traurig. Hans hatte immer noch nicht „gebeichtet", weder Schulden, noch Torheiten, und er schloß daraus, daß sein Hans ihn nicht mehr so liebe und nicht mehr solches Vertrauen zu ihm habe, wie früher. Er machte sich Vorwürfe, ihm neulich eine kleine Standrede gehalten zu haben. Das war ja nicht nur sein Recht, sondern seine Pflicht gewesen, aber trotzdem, wenn er gewußt hätte, daß dadurch eine kleine Entfremdung eintreten würde, dann hätte er sie wenigstens bis zum letzten Augenblick verschoben oder sie ihm später schriftlich in einem Briefe erteilt. Nützen tat sie nach seiner gewissenhaften Ueberzeugung ja doch nichts.
Auf den Gedanken, daß Hans nichts —■ wenigstens int Sinne seines Vaters — nichts zu beichten hatte, kam er gar nicht.
So nahm er denn nach dem Diner den Baron beiseite: r,Was wollte Hans vorhin denn so lange bei Ihnen? Er hat fast eine geschlagene Stunde bei Ihnen gesessen. Ich bin gewiß nicht mißtrauisch, aber daß der Junge Ihnen einen so langen offiziellen Abschiedsbesuch machte und daß iSie da nur über ganz gleichgültige Dinge sprachen, das will
mir absolut nicht in den Sinn. Hans verschweigt mir etwas, Sie wissen, Was es ist; bitte, sagen Sie es mir."
Der Baron kam etwas in Verlegenheit, aber er fand schnell einen Ausweg, und den Grafen fest ansehend, fragte er: „Würden Sie mich wirklich noch als Gast in Ihrem Haufe dulden, wenn ich ein Geständnis Ihres Herrn Sohnes Ihnen wiedererzählte, ohne dazu ausdrücklich die Erlaubnis zu haben? Würden Sie sich dann jemals wieder mit mir an denselben Tisch setzen und noch ein einziges Mal mit mir zusammen Ecarts spielen?"
„Nie — niemals, das schwöre ich Ihnen." Der Graf machte aus der Not eine Tugend und fügte sich mit Würde in das Unvermeidliche.
„Aber eins können Sie mir wenigstens sagen, Herr Baron: hat Hans irgend eine Dummheit gemacht, die böse Folgeu haben könnte?"
„Nein, Herr Graf. Und ich gebe Ihnen mein Wort, Sie haben alle Ursache, auf Ihren Sohn stolz zu sein."
„Dann bin ich beruhigt. Dann will ich mich auch nicht weiter mit unnützen Sorgen quälen. Nun kommen Sie, wir wollen den Wschiedsskat zusammen spielen."
Mer dem widersetzten sich alle Damen, in erster Linie Marianne.
„Glauben Sie, Herr Graf, daß ich deshalb eine Stunde und länger über Land gefahren bin, um zuzuhören, wie Sie sich gegenseitig fortwährend schelten, wenn Sie nicht richtig gespielt haben? Ich will mich mit Hans unterhalten, den ich nun so bald nicht wiedersehe. Und er ist nun doch einmal meine stille Liebe, schon deshalb, weil er Leutnqnt ist."
„Fangen Sie schon wieder an?" schalt §an§ lachend.
„Sie hätten Ihren Vater mitbringen sollen, Marianne, dann hätte ich Ihnen Hans abgetreten, und wir hätten trotzdem unseren Skat gehabt."
„Aber mein Vater ist doch heute den ganzen Tag in der Stadt, wo er zu tun hat. Ich glaube, das habe ich Ihnen nun schon dreimal erklärt."
Der Graf knurrte irgend etwas vor sich hin, dann klappte er unwillig den Kartentisch zusammen und ließ sich in einem Stuhl nieder. Die dichten Rauchwolken, die er gleich darauf in die Luft jagte, bewiesen, daß seine Laune nicht die allerbeste war.
„Zur Feier des Wschieds könntest du eigentlich noch ein paar Flaschen Sekt spendieren," bat Hans. Und die jungen Damen baten mit.
„Wenns euch Spaß macht, warum nicht?".
Er klingelte, gab dem Diner den Auftrag, und mit dem Wein schien auch über die anderen die übermütige Laune zu kommen. Selbst der Graf söhnte sich mit seinem kartenlosen Geschick aus, als er die ersten paar Kelchgläser schnell geleert hatte.
Wie immer, so wär der Baron auch heute der mäßigste im Trinken. Und auch das war Absicht.
War er auch Gast, so wollte er sein Gastrecht nicht mißbrauchen,


