Ausgabe 
20.4.1912
 
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wie die Lranzöfin elnkaust.

Noch immer qitt die Partferin als die unbestrittene Meisterin in der Kunst der Kleidung, aber sie verdankt diesen Triumph, so erzählt E. S. Thomas tn einer anregende» Plauderei, kemeswegs einer unbedingten Ueberlegenheit ihres Geschmackes über de» Karben» und Formensinn anderer Völker. In Wirklichkeit ver­dankt sie ihren Ruhm als bestgekleidete Frau der Welt nur der Tatsache, daß für sie die Auswahl der Kleidung nur ein Problem »st, dessen Lösung sie willig Zeit, Gedanken und Arbeit opfert.

Auch die eleganten Frauen anderer Nation.» haben den Wunsch und den Ehrgeiz, vorbildlich schön gekleidet zu gehen, aber weder die Engländerin noch die Amerikanerin bringt für die Er­langung dieses Zieles so viel Willenskraft, Konzentration und Aus­dauer aus wie die Pariserin, der eine neue Robe, ivenn auch viel­leicht nur für einige Tage, restlos Lebensinhalt sein kann. Alan muh die Französin beim Einkäufen beobachten, wenn man ver­stehen will, durch welche Mittel sie ihre Siege erficht. Tann wird man überrascht sein, wie methodisch überlegt und konsequent die scheinbar so spielerische und inkonsequente Pariserin vorgeht, ivenn es sich um ihre Kleidung handelt. Keine wohlhabende Französin von gesellschaftlichem Rang unternimmt je am Borinittage Be­sorgungen. Doch ist ihr Morgen vollkomme» mit der Sorge um ihre Kleidung ausgeiüUt; nach der Toilette beginnt jene bunte Prozession der Wäscheschneiderinnen, der Korsettmacherinnen, der Handschuhverkäufer, die die neuesten Früchte ihrer Arbeit dem kritisch wägenden Blick der schönen Frau unterbreiten. Ter Friseur kommt, um ihr über die neuesten Haartrachten Bericht zu erstatten und ihr beim Arrangement der Frisur mit Rat und Tat zur Seite ,u stehen; zu gleicher Zeit erscl eint ei» Abgesandter einer Stick- werkstalt, um der verehrten Kundin die neueiten Monogramin- entivürfe für Taschentuchstickereien zu »eigen. Rasch fliegen die Stunden dahin; gegen elf unternimmt man vielleicht eine kiirze Autoinobiliahrt ober man erfüllt die heilige Pflicht, daS Lieblings» hiindchen höchst persönlich spazieren zu führen, wobei der klein« Pius, er selbstverständlich einen Hundeüberzieher modernsten Schnittes trägt, in dem auch die Tasche nicht fehlt, die daS kleine Taschentuch deS Hundes birgt. Ader die wirklich ernste Arbeit des Tages beginnt erst nach dem Frühstück. Bon zwei Uhr ab stehen in den großen Schneiderwerkstätten die Mannequins den Kundinnen zur Verfügung.

Tie Französin wird fast nie zur Bestellung einer neuen Robe allein erscheinen, sie kommt mit einer Freundin oder mit einer vertrauten Kammerzofe, die anfmerksam die Vorführung der 'Mo­delle mit beobachtet. Und rasch fällt einem auf, wie sqstemat sch die Pariserin i ei ihrem Einkauf zu Werke geht. Zunächst beurteilt sie das vom Mannequin vorgeführte Modell nur auf seinenEffekt", auf seine» Gesamteindruck, prüft de» Fall des Rockes und die A!a- terialwirkung des Stoffes. Sie studiert das Entscheidende: die Linie. Erst wenn hier die knhlwägende Prüfung befriedigt, er­laubt sie ihrem Blick, die Einzelheiten des Kostüms auszunehmen. Dabei entgeht ihren forschenden Augen auch nicht die geringste Kleinigkeit; alles muß harmonisch zusammenklingen, fern fremder Akzent darf das Gesamidild stören. Tabei wird m den vorneh neu Sawns Tee gereicht, und während Aladame knabbert, sucht sie ge­lassen wägend bei widerspruchsvollen Kleidern das Gleichgewicht herzustelle». Und kommt sie endlich zu einer Entscheidung, so müssen noch viele Emzelheiten erledigt und vereinbart werden, ehe der Auftrag erteilt wird. Die Güte des Materials wird eingehend erörtert und unzweideutig festgelegt. Ja, in de» meisten Fällen besteht die Pariserin auf einer schriftlichen Vereinbarung, auf einem regelrechten Vertrag mit der Schneiderin; in diesen, Tokuinent ist der Preis festgesetst, ist bestimmt, daß das fertige Kleid eine genaue Kopte des gezeigten Alodelles sein muß und Stoffproben werde» dem Abkommen beigefügt. Das Datum der ersten An­probe wird sorgsani aufgeschrieben. Und merkwürdig: all dies vollzieht sich mit der größten Ruhe, mit lleberlegung, ohne Hast; ganz int Gegensatz zu den Einkäufen der reichen Amerikanerinnen, die stets nervös und unruhig sind, weil sie eine Verabredung haben, weil ihnen die Zeit fehlt und weil sie vor lauter über» haiietem AnSwählen zu feiner endgültigen Wahl kommen können. Die Pariserin ist sich schon vorher darüber klar, welcher Art ihr neues Kleid sein soll; ivenn sie de» Salon betritt, läßt sie sich nur die Modelle vorführen, die der Richtung entsprechen, die sie bei ihrer Kleidung einzuschlagen gedenkt. Tie Engländerin, die Amerikanerin nnd die Deutsche dagegen schwimmen in einem grenzenlosen Meere vager Vorstellungen. Sie brauchen «irgend etwas Hübsches" und sind entschlossen, sich zunächst einmal alles anzusehen. Vielleicht haben sie dunkel das Gefühl, daß sie eigentlich ein elegantes Schneiderkleid haben wollen. Aber bestellen sie es? Durchaus nicht. Die kluge Schneiderin weiß den Blick durch irgend etwas ztt blenden; wenn die Fremde dann wieder auf der Straße ist, entdeckt sie, daß sie ganz etivas anderes bestellt hat als sie eigentlich haben wollte und braucht. Tie Uartferm aber hat eigentlich schon zu Hause geivählt midvorallem: sie hat Zeit. Der Nachmittag bei der Schneiderin darf nie durch Verabredungen gefährdet werden. Nur wenn man weiß,uran hatZeit, hat man auch die nötige Ruhe, um wirklich zu urteilen und zu wägen.

Und darum bleibt die Pariserin auch heute noch die best- gekleidete Frau der Welt: weil sie mit Ruhe, Uebertegung und

mit einer schon vorher geklärten Absicht einkauft, während di« Fremden sich noch immer durch de» Augenblick und den ersten Eindruck eines neuen Modells überwältigen lassen-

Vie Zimmerpflanzen und ihre pflege, v.

Ter Agapanthus steht hell, kühl und sonnig! Wenn er sein Kübel zu sprengen droht, so verpflanze man ihn in ein größeres, doch schone man die fleischigen Wurzeln! Ter Ritter st ern (Amaryllis), den man nicht mit der Vallota! verwechseln soll weder im Namen noch in der Kultur> wird nach der Blüte etwas kühler gestellt, doch hell und mit nur wenig verminderten Wassergaben. Die japanische A r aliq (Fatsia) wird ausgesät in leichte Erde; der Samen wird mit Heideerde leicht bedeckt; später bekommen die Pflänzchen kräftigeren Boden. Die schöne duftende bleiche Asklepias, auch Hoya, Wachs- und Porzellanblume genannt, liebt in ihren Ampeln Lauberde, Moor- und Mistbeeterde, dazu Sand und ziemlich reichliche Bewässerung; ihre lianeuhaften Ranken lassen sich in alle beliebigen Formen herauf und herunter ziehen.. Die ab­geblühten Blütenstände kneift man nicht aus, weil sich oft die zweite Blüte aus ihnerr entwickelt. Die winterblühenden Aza­leen werden nach der Blüte alle 23 Jahre verpflanzt; Moor-, Heide- und Lauberde, wenig größere Töpfe, sehr guten Wasser- abzug! Tie bunte einjährige Kletter-Winde (Convolvolus) wird ausgesät und von der Kronwicke (Coronilla) werden Stecklinge geschnitten (doch kann man dies auch später besorgen). Tie Cyclamen-Sämlinge (Alpenveilchen) stehen, nach­dem sie eingepslanzt, halbschattig, werden vorsichtig, doch regel­mäßig begossen und im Laufe des Sommers mehrmals ver­pflanzt. Ter Seidelbast (Daphne) liebt Laub- und Rasenerde und halbschattigen, luftigen Stand aus dem Balkon. Ter Stechapfel (Datura), der gewiß wert ist, der unverdienten Vergessenheit entzogen zu werden, erhält beim Um­pflanzen geräumige Kübel mit kräftiger Mist-, Laub- und Torferde, dazu Sand, und nachher reichlich Wasser, Düngung und sonnigen Stand. Ter Granatbaum kommt ins Freie; wenn er aber etwa schon ausgetrieben hat, so wartet man damit bis in den Mai, damit die Triebe nicht zerfrieren; dasselbe gilt von den Lorbeer- und Kirschlor beerbä umen, sowie von den übrigen härteren Kalthauspslanzen, nur braucht man bei ihnen nicht so vorsichtig zu sein, vielmehr schneidet man bei ihnen die Zweige bis auf die nicht ausgetriebenen Augen zurück. Zurückgeschnitten wird auch das Heliotrop und zwar vor dem Austrieb (wenn es nicht im warmen Zimmer schon mit Absicht angetrieben wurde); nach dem Austrieb wtrd .es ver- pflanzt in Saufe und Mistbeete. Die Tydäa ward ver­pflanzt (lockere Lauberde und Sand) und wird, danach warm ge­halten. Tie vielbeliebten chinesischen Primeln, Pnmula« sinenses, sät man jetzt auS. Dünne Aussaat, Warm- und Feucht­halten der Saatschalen (unter Glas!) und lockere, sandige Heide, oder Lauberde ist Bedingung; die Pflänzchen werden möglichst bald verstopft und bann einzeln in Töpfe gesetzt, wobei man der Saufe oder Heideerde noch Mistbeeterde zusetzt; sie werden immer schattig, doch hell gehalten und 23 Mal in immer nur etwas größere Töpfe verpflanzt. Zeit ist es jetzt, für alle Blumen bett richtigen Standplatz auf dem Blumentisch, im Wintergarten, auf den Fensterbänken nsw. auszuwählen, damit alle die sonne- bedürftigen wie die Schattenpflanzen ihr Seben entsprechend ihren Bedürfnissen freudig entfalten können. Und bei dieser (w legenheit weisen wir noch einmal auf die Pflanzen hm, die noch so wenig gewürdigt werden, und die doch wegen ihres Schattefe bedürfnisses und wegen ihrer entzückenden Erscheinung, so sehr zum Schmucke des Zimmers geeignet sind: auf die fast endlose Fülle der Zimmerfarne.

humoristisches.

* Anzüglich. Dame (aus deut Kupee):Sie, Gepäck­träger, sind Sie denn auch sicher, daß sich alle meine Gepäckstück« im Zuge befinden?" Gepäckträger:Ja, gnä' Frau!"f Dame:Ist auch wirklich nichts zurückgeblieben?" Gepäck­träger :Nichts. Nicht einmal ein Trinkgeld!"

Logogriph.

Kennst du das scharfe Gerät nutf" und mit .e" an dem Ende? Tausche Je" gegenf", ist es nur scharf als Gewürz.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Diamant-Rätsels' in voriger Nummer r R1« d Pirna

Karpfen Hafer Reh n

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch» und Sleindrnckerei, R. Lange, GteZen.