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Hieraus spendeten mir Heide ein wenig Lob; aber ich meine, sie hätten beide mehr, und doch noch nicht geyug sagen können. Endlich durste ich mich verabschieden und war herzlich stoh dar­über, denn das Hofleben war mir von jeher im Grund meiner Seele verhaßt. Nun ging's in größter Eile zu meinem alten Freunde Chaubert in der Rue Miromesnil, der mir seine Husaren­uniform lieh. Ich mußte mit ihm zu Wend speisen, und wir plauderten so vergnügt von alten Zeiten, daß ich bald alle meine Gefahren vergessen hatte. Aber auch Violetta wurde nicht ver­gessen, und das brave Tier hatte sich am nächsten Morgen so weit erholt, daß ich an den Rückweg denken konnte. Tenn ich war natürlich begierig, so schnell wie möglich wieder in das Hauptquartier des Kaisers zu gelangen, um1 aus seinem Munde mein Lob, aus seiner Hand meine Belohnung' zu empfangen.

Es ist wohl überflüssig, zu erwähnen, daß ich einen sicheren Weg zu meiner Rückreise wählte hatte ich doch von Husaren und Kosaken hinreichend genug gesehen. Ich ritt über Meaux und Chateau-Thierry und erreichte gegen Abend Rheims, wo Napoleon noch lag. Als ich am Schlachtfelde vorüberritt, sah ich, daß die gefallenen Franzosen und Russen bestattet worden waren; aber auch in dem Lager wat eine große Veränderung vor sich gegangen. Da war alles in bester Ordnung; die Soldaten sahen besser verpflegt aus, die Kavallerie hatte eine große An­zahl frischer Pferde bekommen. Ja, ja, ein tüchtiger General kann in wenig Tagen Wunder tun!

Man führte mich sogleich zu dem Kaiser. Vor sich eine große Karte, saß er au einem Schreibtische und trank Kaffee,, während Berthier und Macdonald über seine Schultern blickten und sich bemühten, etwas von den hastig hervorgestoßenen Worten aufzufangen.. Aber kaum war er meiner ansichtig geworden, so. warf er die Feder auf die Karte hin, sprang aus und maß mich mti einem. Blicke, den ich Zeit meines Lebens nicht vergessen werde.

Zum Kuckuck, was haben Sie hier zu suchen?" schrie er wich an, und seine erregte Stimme erinnerte stark an das Schreien eines Pfauhahns.

Sste, habe die Ehre zu rapportieren, daß ich Ihren Bries dem König von Spanien überbracht habe!"

Was?" zischte er, indem er seine Augen stechend auf mich richtete. Oh, diese furchtbaren Augen, sie schrecken mich heute noch zuweilen im Traume.

Wo ist Charpentier!" frag er. ,

Es ist gefangen genommen worden," bemerkte Macdonald.

Von wem?"

Russen."

Kosaken?"

Nein, einem einzigen Kosaken."

Er hat sich ergeben?"

Ohne jeden Widerstand."

Ein kluger Osstzier; er soll die Medaille haben!" , Jetzt mußte ich mir die Augen reiben, um miet; zu verge­wissern, daß ich auch wirklich wachte.

Sie aber," schrie mich der Kaiser an, indem er auf mich Nitrat, daß ich meinte, er wollte mich schlagen,Sie Dumm­kopf, Sie werden das Nachjschen haben! Konnten Sie sich denn nicht zusammenreimen, wozu ich Ihnen jenen Brief übergab? Haben Sie sich wirklich eingebildet, ich würde eine wichtige Mission so einem anvertrauen, wie Sie sind, und Sie damit durch Ortschaften schicken, welche vom Feinde besetzt sind? Mir ein Rätsel, wie Sie überhaupt durchgekommen sind; ein großes Glück, daß der Zweite mehr Verstand gehabt, als Sie, sonst wäre mein ganzer Feldzugsplan gescheitert. Ueberstieg wohl Ihren Horizont, ein- tzusehen, daß der Bries salsche Angaben enthielt, die den Feind rrreführen sollten, während ich meine Vorbereitungen zu einem ganz andern Plane traf?"

Ich dachte, ich würde den Verstand Verlieren, als ich diese grausamen Worte vernahm und in das zornige, weiße Gefickt mtr. umßte. Das Zimmer schien sich um mich zu drehen, ich mußte mich an der Lehne eines' Stuhles festhalten, um nicht umzusmken. Aber da fiel mir auch schon ein, daß ich doch etn Ehrenmann war, der sein ganzes Leben und alle seine Kräfte dem -xtenlte drests Mannes und seinem geliebten Laude geweiht hatte, und obgleich mir die Tränen immer noch aus den Augen strömten, faßte ich Mut und sprach:

..Sire, bei einem Manne von meinem Charakter täten Sie weiser, offen vorzugehen. Hätte ich gewußt, daß die Bries- schasten tür den Feind bestimmt waren, so hätte ich schon Sorge daiur getragen, daß sie auch dahin gelangten. Nach Ihren Worten aber nahm ich an,, daß ich sie sicher zu bestellen hatte und ich habe das mit Einwtzung meines Lebens getan. Mehr Beschwerden und Gefahren hat wohl kein Mann gesehen, als ich m der Ausführung Ihres Befehls erduldet habe."

Indes war, ich auch meiner Tränen Herr geworden und erstattete nun euren lebhaften Bericht von meinen Abenteuern Me drei, der Kaiser, Berthier und Macdonald, lauschten mit staunenden Mienen. Als ich geendet, schritt Napoleon auf mich zu und zog mich am Ohr.

Sieh, sieh! Nun, vergessen Sie, was ich gesagt haben mag! Sie haben recht, ich hatte mich Ihnen anvertrauen sollest. Sie können gehen!"

Ich machte Kehrt und hatte schon die Hand an der Türe, als er mich bleiben hieß. x

Sorgen Sie," sagte er zu dem Herzog hon Tarent,daß der Brigadier Gerard die große Ehrenmedaille bekommt; denn, wenn er auch den dicksten Schädel in der ganzen Armee hack so schlägt ihm- doch das tapferste Herz in der Brust!"

(Fortsetzung folgt.)

Vüchertlsch.

Neues Wilhelm-Busch-Al bum. In der Ver­lagsanstalt für Literatur und Kunst, Hermann Stemm, Berlin- Grünewald, ist ein ausgezeichnetes Ergänzungsstück zum Busch- scheuHumoristischen Hausschatz" erschienen. Die verstreuten Werke des verewigten Humoristen, die einst im Bassermannschen Ver­lage erschienen sind, sind hier in einem stattlichen, vornehm aus- gestatteteil Bande gesammelt, der an Wert und Inhalt demHu­moristischen Hausschatz" nicht nachsteht. Die köstlichen Zeich­nungen Buschs, die beqnente Anordnung des Textes, die inter­essanten Auszeichnungen der Neffen Wilhelm Buschs über ihren Onkel, die als. Beigabe hinzugefügt sind, werden den Busch-Ver­ehrern viel Freude und Vergnügen bereiten. Manche Dichtung Buschs wird hier zum erstenmal veröffentlicht, und die zahlreichen Handschriftenproben, die in dem Buche reproduziert sind, erhöhen gleichfalls dessen Bedeutung. Der Inhalt ist in vier Abteilungen eingeteilt: Die erste bringt einige klassische Produktionen, dar­unterHaus Huckebein, der Unglücksrabe",Der heilige Anto­nius",Das Pusterohr",Das Bad vom Samstag abeud" usw.; das 2. Buch bringt etwa 20Schnaken und Schwirren" und die famosen Busch-Bilderbogen; das 3. Buch enthältSchein und sein", jene anziehenden und tieferen Bekenntnisse des Humoristen und Philosopheii, und das 4. Buch besteht in den Berichten über Heiteres und Ernstes aus Buschs Lebenswerkstatt. Es ist ein Pracht­band für die deutsche Familie.

Das Lied der Parzen. Roman von Alfred Schi- rokauer. Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin. Der hochbegabte Universitätsprofessor Faber und Manja, die Gattin, des Regierungspräsidenten von Jugenheim, sind in einer Stunde vergessender Seligkeit ihrer Liebe unterlegen; aber sie haben den Weg zur Pflicht nirb Entsaguiig ziirückgefunden. Nun pocht nach vier Jahreir, in denen der Professor eine Familie begründet hat, das Schicksal mit der grausamen Mahnung, daß: es kein Ver­gessen und $ergeben geben dürfte, ehern an die Pforte. Ein Ab­gewiesener, der sich an Manja rächen möchte, läßt Professor Faber vor Gericht laden, zur Aussage, ob die Ehre «dieser Frau makellos ist. In welcher Weise nun das Schicksal hereinbricht, da der Mann als Erzieher der Jugend den rettenden Meineid nicht leisten kann, bis es gleich einer Lawine die beiden Einst-Schul- digen, hi, Wahrheit Läiigst-Eutsühnten, in den Abgrund reißt, das ist mit guter Darstellung wiedergegeben.

Pfarrer Sch r ö der", Roman von Eduard Stil­geb a u e r. Tresdeir, Carl Reißner. Ter Fall Traub hat dem Verfasser den Stoff gegeben, der gut unterhaltend vor dem Leser aufgeschichtet wird, aber vom inneren Leben der evangelischen Kirche doch wohl Feilt ganz zuverlässiges Bild gibt. Die Vorgänge und die Menschen muten manchmal zurechlgemacht an, und auch die Charakteristik des Helden, Pfarrers Schröder, geht nicht recht in die -tiefe. Manches klingt hart und tendenziös, aber das ist der Wert des Buches, daß es warmherzig Partei ergreift für inner­liches Christentum und daß es die geistig hochmütigen Frömmler tm geistlichen Gewände mit ehrlichem Zorne bloßstellt. Im ganzen wird man aus dem' Roman für die kirchlichen Notwendigteiten jedoch keine Schlüsse ziehen können; er ist nur zur Anregung und Unter­haltung geschaffen.

Bllhereätfel.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Uiuveriität Kollcnbori Vlotho Biupljrat tziegeiischiriu ÄSarmonium Ob io Freibank. Fteycinet;

Unverhofft E o in in t oft.

fReöaftion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lange, Biestes