Samstag den 20. Januar

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Elückslasten.

Llöman von Hanns von Zobelti8^ (Nachdruck verboten,) (Fortsetzung.)

Er war so guter Laune wie selten in der letzten Zett. Auch bei Tische hielt seine Stimmung an.

Im Grunde ging es ihm zu feierlich oder doch zu zeremoniell bei Tisch zu, und manchmal dachte er harmlos-- sehnsüchtig an verflossene Tage zurück, wo es zwar nur ein Gericht gegeben hatte, er sich aber ohne besondere Förmlichkeit, auch ohne vorher Toilette zu machen, über seinen Teller Rindfleisch mit Brühkartoffeln oder Linsen mit Speck hatte hermachen dürfen. Jetzt hielt Frau Ida streng auf den rechten Zuschnitt, ja eigentlich ergab sich der von selbst. Alles forderte ihn: der weite schöne Raum mit der getäfelten Eichenholzdecke, aus deren Kassetten das elektrische Licht herableuchtete, die elegante Tafel mit dem Meißner Porzellan, dem schweren Silber, den Blumen-- arrangements in der Mitte; nicht zuletzt auch die Anweseu- heit der zwei Diener, die der Major im Innersten seines Herzens nur dieTagediebe" nannte. Er sah es selber em: es ging nicht anders. Er fügte sich und murrte nur ganz im stillen. Fügte er sich doch überhaupt überall und immer. Das war auch solch ein wunder Punkt: früher hatte zwar Frau Ida auch das Pantöffelchen geschwungen, aber doch nur iu den kleinen Dingen des täglichen Lebens; für die großen Entscheidungen hatten sie stets gemeinsam Rat ge­pflogen, und seine Stimme war immerhin die entscherdende geblieben. Ganz genau fühlte er den Unterschied. Ehe­dem hatte sie zuletzt stets gesagt:Das mußt du als Mann besser wissen, Otto." Jetzt sagte sie nur allzuoft: Alterchen, davon verstehst du wirklich nichts."

Aber heut dachte er an all das nicht. Er war wirk­lich in sonniger Laune. Er fühlte sich gleichsam festlich angeregt, es gefiel ihm im neuen Hause; er freute sich, wie stätiös Ida in ihrem lila Seidenkleid aussah, wie hübsch die Töchter waren und wie gut angezogen, ^a, ja. . . der Reichtum hatte doch auch seine guten Seiten. Davon hatte er heut vormittag noch einen besonderen Be­weis gehabt. Ein früherer Offizier von seinem Bataillon war zu ihm gekommen; etwas Besonderes war an dem kleinen Kerlchen nie drangewesen, schon damals hatte er als Luftikus gegolten und war haarscharf an dem schlichten Abschied vorübergeglittem Aber nun ging'S ihm schlecht. Mühsam schlug er sich als Agent durchs Leben. Da hatte Gudarcza denn einen tieferen Griff ins Portemonnaie ge­tan. Vielleicht zu tief, vielleicht war's schlecht angebracht. Uber wohl hatte es ihm doch getan. Riesig wohl.

Heut mittag hast du ja endlich wieder einmal geq sungeii, Signe. Ich'hörte es grade, als ich nach Haus kam.

Zum ersten Mal, seit du wieder bei uns bist. Hat mich sehr gefreut." , ,

Signe nickte nur. Aber Dodo sagte lebhaft: ,,Uno wie hat sie gesungen! Signe, tvenn ich deine Stimme hatte, mich hielte nichts ab ich ginge zur Bühne."

Närrin" warf Mutter ein.

. . . oder wenigstens als Konzertsängerin ließe ich mich ausbilden," fuhr Dodo fort.Solch eine Stimme gehört der ganzen Welt."

Na, Kleine, ich finde es viel schöner, wenn sie nur der Familie gehört. . . oder gar nur einem Einzigen, so­zusagen." Vater schmunzelte vor sich hin und ließ sich noch einmal Bordeaux einschenken. .

Signe schwieg noch immer. Dann sagte sie plötzlich: Ich will übrigens Unterricht nehmen Wenn auch nicht für den Konzertsaal. Aber darin hat Dodo recht: man soll das bißchen an «Gaben, was Natur einem mitgab, ausbilden. Ich fühlte heute recht, daß es meiner Stimme nottut, wieder in Uebung und Schulung zu kommen."

Frau Ida hatte grade ein Stückchen steyrischen Ka­paun vor. Das war ihr im Augenblick besonders wichtig, denn auf Geflügel verstand sie sich; eine kleine Probe roar'S sowohl für den Lieferanten wie für die neuePerfekte", die unten im Souterrain regierte. Eigentlich, fand sie, hat der Kapaun mindestens zehn Minuten zu lange gebraten, und der Gedanke beschäftigte sie, ob dieser Mangel bei einer Perfekten für hundert Mark monatlich erlaubt sei. So sagte sie nur leichthin:Dann mußt du wieder zur Lehmann gehn, Signe. Das ist wohl immer noch die erste Lehrkraft hier."

Ich werde erst einmal hören, Mama"

Vater schmeckte plötzlich der Bordeaux bitterlich. Er dachte unwillkürlich zurück: an jenen ersten Besuch bei der großen Künstlerin und daß man später das Honorar für die Stunden nicht hatte erschwingen können. Ja. . . aber dann auch an das letzte Mittagessen mit Onkel Rein­hard und welche peinlichen Erörterungen grade dabei ge­pflogen worden waren. Zu dumm, daß einem solche Er­innerungen immer die gute Stimmung verderben. Der reine Meltau sind sie.

Zum Glück schwatzte Dodo dazwischen, und dann wurde auch^schon der Rachnfch serviert, und Friedel kam, um mit in die Oper zu fahren. Er setzte sich noch ein paar Augen­blicke zwischen die Schwestern, musterte ihre Toiletten mit Kennerblick, erklärte Mutters Lila für etwas gar zu ält­lich und wandte sich dann an Vater:Sag mal, was ist denn das für ein Mensch, der heute früh bei mir aus dem Amt war, um sich nach deiner Adresse zu erkundigen. Ein Leutnant a. D. Breckel. Gar nicht abzuweisen toar der Mann, von einer Zudringlichkeit ich dachte immer, im nächsten Moment pumpt er dich an."

Friedel liebte es, für gewöhnlich mit etwas gesenkten Augenlidern zu sprechen. Aber bann und wann hatte er eine eigene Art, das Einalas einzuklemmen und durchs