Ausgabe 
19.10.1912
 
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S Machen will," verseW er.Haben Sie verstanden. Sie? !en Sie mir Ihr Ehrenwort geben?"

,Jch gebe Ihnen gar nichts," antwortete ich.

Oberst Gerard!" rief Sophie und lächelte mir frenndlW zu,Sie werden mir Ihr Wort geben, wollen Sie nicht?"

,Ihnen, gnädiges Fräulein, kann ich nichts abschlagen. Ich will Ihnen mit .Vergnügen mein Wort geben."

Hören Sie, Herr Major!" rief Sophie triumphierend,das wird Ihnen doch sicher genügen. Sie haben's gehört, daß er mir sein Wort gegeben hat. Ich will die Verantwortung übernehmen."

Mein russischer Bär brummte sehr ungnädig seine Einwil­ligung. Ich wurde also ins Haus geführt, hinter mir folgten der ungehaltene Vater und der große schwarzbärtige Dragoner. Im Souterrain war ein großer Raum, wo im Winter Holz auf» bewahrt wurde. Dorthinein wurde ich gebracht, und es wurde mir begreiflich gemacht, daß das mein Nachtquartier sei. An der einen Seite dieses frostigen Raumes war bis an die Decke ge­spaltenes Holz und Reisig ausgestapelt. Der übrige Teil war mit Steinen gepflastert ,und hatte kahle Wände mit einem ein­zigen tiefliegenden Fenster in der Mauer, welches jedoch mit Eisenstäben vergittert war. Als Beleuchtung hatte ich eine große Stallaterne, die an der Dlecke an einem Balken aufgehängt war. Major Serschin lächelte, als er sie runternahm und sie in der Hand schwang, damit ich die ganze Jämmerlichkeit meines Schlaf­gemachs richtig sehen sollte.

Wie gefallen Ihnen unsere russischen Hotels, Monsieur?" fragte er mich hohnlachend.Sie sind nicht sehrgrands", aber es sind die besten, die wir Ihnen anbieten können. Das nächste- Mal, wenn ihr Franzosen euch wieder beikommen lassen solltet, auf Reisen zu gehen, werdet ihr ein gastlicheres Land wählen, wo mans euch bequemer macht." Er grinste mich mit seinen weißen Zahnen an, die durch den Bart durchschimmerten. Damr ging er 'naus, und ich Hörte, wie er den großen Schlüssel im Schloß 'rumdrehte.

(Fortsetzung folgt.)

Vernrrschtes.

kf. Einer, der 48 Stunden lang singt. Ein Dauer­konzert haben vor einigen Tagen die Insassen und die Beamten des Provinzialgekängnisses in Ayrshire gehabt, und zwar erscholl zwei Tage und zwei Nächte lang ans der Kehle eines ausgewachsenen, kräftigen männlichen Gefangenen ein Gesang, der Steine eriveichen konnte. Ohne Unterlaß ertönten die Lieder ans des Sängers Brust; nicht einmal Zeit zu Speise und Trank ließ er sich, und selbst die Androhung der schwerste» Strafen vermochten ihn nicht zu be­wegen, seinen Singsang einzustellen. Der musikalische Geist kam über ihn, als er in diegrüne Minna" stieg, und ivährend der ganzen Fahrt unterhielt er seine Genossen mit einem stimmungs­vollen Freikonzert. Da gab es Couplets, patriotische Gesänge, aber auch innige Weisen wie schottische Lieder, kurz, es fehlte nicht an Abwechselung. In der Zelle angekomnren, ließ er seine Stimme noch immerfort erschallen; die Stunden der Alahlzeiten verstrichen, ohne daß er eine Pause machte. Als er am Abend des ersten Tages noch immer sang, kain er in ärztliche Obhut. Da der Arzt für die Nerven der anderen Gefangenen fürchtete, mürbe der tapfere Sänger in die Gununizelle gesteckt. Aber auch dort entquollen unaufhörlich die verlockendsten Töne seiner Kehle. Nach 4bstündigem Singen wurde er schließlich bewußtlos, nachdem seine Stimme vorher schon immer schwächer und schwächer geworden war. Zioölf Stunden lang erfreute er sich dann eines gesunden Schlafes, und als er erwachte, vermochte er sich an nichts mehr zu erinnern. Es schien ihm völlig unbegreiflich, daß er 48 Stunden lang Lieder hinausgeschmettert haben sollte.

* Amerikas D i a m a n t e n k ö n i g i n. In der Allgemein- heit ist es kaum bekannt, daß in den letzten Jahren in einigen Gegenden von Arkansas echte Diamanten gefunden worden sind, daß im bescheidenen Maßstabe Gesellschaften diese Fundstätten be­reits ausbeuten und in den nächsten Jahren mit Hilfe großer moderner Maschinen diese Diamantstätten wohl der Mittelpunkt einer ganzen Mtneinndustrie geworden sein werden. Aber eine dieser Hauptfundstätten wird auch dann noch nichtausgebeutet" werden, das Besitztum der Mrs. Eleanore Hope aus Kansas City. Sie ist dieDiamantenkönigin* Amerikas, besitzt eine Fülle von Steinen, die ein Vermögen von vielen, vielen Millionen bedeuten, aber sie kann sich dazu noch rühmen, daß alle diese kostbaren Juwelen auf ihrem eigenen Grund und Boden gefunden ivorden sind. Und dieser Reichtum an ausgezeichneten Diamanten ist nur durch einen Zufall entdeckt worden. Ihr Gatte, Mr. Georges D. Hope, einer der größten Holzhändler Amerikas imb vielfacher Millionär, hatte schon vor vielen Jahren jene Landstrecken angekaust, die beute durch Ge­schenk das Eigentum seiner Gemahlin sind. Mrs. Hope kam auf den Gedanken, ihr neues Besitztum einmal kennen zu lernen, viel­leicht könnte man dort ein Sommerheim errichten. Sie besuchte das Land und fand dort die Kinder mit hellbraunen Steinen spielen, die wie Quarzstücke oder Kristalle ailssahen. Frau Hope nahm sich einen dieser Steine als Erinnerung an ihren neuen Grundbesitz mit nach Hause, wollte sich den Stein fassen lassen, und nun zeigte es sich, daß es ein roher Diamant war. Seitdem ließ sich die Be­

sitzerin non ihrem Verwalter diese Steine sammeln und von Zeit zu Zeit schicken, und heute besitzt sie wohl den größten Diamant- schmuck Amerikas. Aber den Gedanken, den Reichtunt ihres ßattb- besitze? systematisch auszunutzen, hat sie von sich gewiesen.Mein Alaun und ich haben so viel Geld als ivir brauche», tvir besitzen keine Kinder und niemand, für den wir ein Vermögen anhäufen sollte». Und beim Selbe gibt es einen gewissen Punkt, von dein an die Freude nicht ntehr tvachsen kamt." So sucht noch heute der Verwalter jenekleinen Helle» Quarzsteine" und schickt sie gewissen­haft seiner Gebieterin. Tie Untersuchung durch Sachverständige hat ergeben, daß alle diese Steine linzweifelhast echte, gute Dia­manten sind und den Vergleich mit dem afrikanischen Diamanten anfnehinen können. Alrs. Hope aber, die Diamantenkönigin, legt nur selten ihre Juwelen an, und ihre größte Freude ist es, in ihre» Musestunden mit den blitzenden Reichtümern zu spielen und sie durch die Finger gleiten zu lassen mit dem Gedanken:All dies entstammt meinem eigenen Grund und Boden."

* Wer zuerst Ifonimt . . . Richter:Warum Haben Sie dem: bent Klager die OHrfeige gegeben?", Angeklagter:Aus Zuvorkommenheit." Richter:Wieso?" Angeklagter:Weil er mir sonst eine gegeben hätte."

* Rückschluß. Junger Kaufmann:Herr Krouer, .ich bitte um die Hand Ihrer ältesten Tochter."Meiner ältesten? Sehen Sie mal an; ich hätte nie gedacht, daß es so faul mit

JHnen steht!" _

* Schwierige Situation. Der ältere Herr:Das

eine merken Sie sich, junger Mann! , Lassen Sie sich nie von

anderen helfen, selbst ist der Mann! . Wenn Sie etwas gut ge­macht haben wollen, tun Sie es selbst!" Der freche junge Mann:Na, und angenommen, Sie müssen die Haare geschnitten Haben?" >

Siir ttüche und haus.

Anleit ungzumTötenderTiereohne Grausamkeit Tie Werkzeuge zum Schlachten (Messer, Hackemesser, Beil) dürfen nicht stumpf ober schartig, sondern müssen scharf sein.

Verschaffe, wenn du ein guter Mensch sein willst, jedem Schlachttiere einen leichten Tod. Betäube es vor dem Schlachten durch kräftige Schläge auf den Kopf, damit es,in Bewußtlosigkeit stirbt. Sorge auch stets dafür, daß der Kopf nach bent Schnitt ober; Stich nicht herunterhängt, bamtt das Tier, falls bie Betäubung etwa wegen zu schwacher Schläge nicht ganz nachhaltig wirkte, keine Schmerzen verspürt. Bei aufgerichtetem Kopfe, mit der. Schnittfläche nach unten, stirbt das Tier schneller. Merke dir, daß der Genickstich grausam ist, da er das Tier nur regungslos Macht, während die Empfindimg fortbesteht.

Geflügel. Wenn es der Kopfbau zuläßt, betäubt Titan das Tier durch wuchtigen Schlag auf den Kinterkopf; bann erst durchschneibet man den Hals ober burchsttcht ben obersten Hals­wirbel hinter bem Kopfe. Unbetäubtem Geflügel schlägt man mit scharfem Hackemesser ober Beil ben Kopf vom Rumpfe. Am abgeschlagenen Kopfe sieht man die Augen schneller starr werben, wenn man den Kopf hochhalt; das Bewußtsein erlischt also bann früher. Bloßes Hineinstechen in ben Schnabel verursacht lange Todesqual. Ebenso grausam ist. der bloße Gmickstich ohne vor­herige Betäubung. .

Fisch e. Man betäubt sie durch starke Schläge auf ben Kopf und schneidet dann mit kräftigem Schnitt den Kopf ganz ab. Wenn der Fisch mit dem Kopf auf die Tafel soll, so durchschneibet man nach ber Betäubung ine Wirbelsäule hinter dem Kopf. Dann erst schuppt man ben Fisch ab, wobei man .kochenbes .Wasser übergießt.

Aale greift Man mit trocken ent Tuche und schlägt mit bem Hammer stark auf ihren Kopf. Dann sofortiges Enthaupten.. Lebende Aale in Salz ober Essig zu legen ober ihnen lebend die Haut abzuziehen, ist grauenhast.

Krebse,HuMmerund Krabben wirft Man in siedendes! Salzwasser und taucht sie darin dauernd unter, nimMt.aber nicht zu viele auf einmal, da sich das Wasser.sonst abkühlt, und die Tiere schwer sterben. Niemals darf man die Tiere in kaltem Wasser aussetzen und sie langsam zu Tode kochen. Erst wenn sie tot sind, reiße man ihnen den Darm aus usw.

Kaninchen richtet man mit dem Kopse nach rechts, faßt sie linker Hand ins Fell über den Vorderfüßen und gibt ihnen mit ber rechten Hand mittels eines Holzstückes einen derb en Schlag hinter die Ohren. Dann erst durchschneibet. man den Hals.. .

vexier-Natsel.

Nimm einen Teil von der Birne imb bann noch ein bischen Wachholder;

Hast du dies beides vereint, winkt dir labender Trank- Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummerr Tagblatt, Rennpferd, Angelhaken, Vhrglas, Tannenbaum, Ebelrotlb, Nadelwald, Armbmtb, Ülanenregiment;

Trautenau.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-B"ch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,