Ausgabe 
19.10.1912
 
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M, und der

. Baron darauf zähneknirschend und mich! wütend", fast drohend crnblickend. Wenn Sie mich genauer kennten, würden Sie wohl kaum eine solche Sprache gegen mich riskieren.

(Fortsetzung folgt..

Abenteuer des Brigadier Gerard.

Kon C. Dop le.

(Fortsetzung.)

Es toar klar, daß ich Meine 1 Mannschaften in konnte ich tun? Es war klar, haß ich meine Mamrschasten in eine sorgfältig gestellte Falle geführt hatte. . Man hatte unsere! Mission in Erfahrung gebracht und sich aus unseren Empfang vor­bereitet. Und doch existierte diese Botschaft, infolge deren ich alle Vorsichtsmaßregeln außer acht gelassen hatte und schnurstracks in die Stadt hineingeritten war. Wie sollte ich das verstehen? Die Tränen liefen mir die Backen herunter, als ich die vernichtete Schwadron sah und an den Zustand meiner Kameraden von der großen Armee dachte, die auf die Nahrungs'zufuhr warteten, die ich ihnen bringen sollte. Ney hatte mir sein Vertrauen geschenkt, und ich hatte es nicht gerechtfertigt. Wie oft würde er über die Schneefelder nach dem Getreidetransport ausspähen, der niemals sein Gesicht ausheitern sollte! Mein eigenes Geschick war hart genug. Die Verbannung nach Sibirien war das geringste, was Mir bevorstand. Aber Sie können mir glauben, mes amis, daß nicht seinetwegen, sondern wegen seiner hungernden Kameraden, Etienne Gerard die Tränen die Wangen henmterliefen und gleich zu Eis erstarrten.

Was ist das?" sagte eine rauhe Stimme neben mir, und als ich mich umdrehte, erblickte ich den kolossalen, schwarzbärtigen Dragoner, der mich aus dem Sattel gezerrt hatte.Seht, wie der Franzose heult! Ich dachte, der Korse hätte tapfere Männer und keine Kinder."

Wenn wir uns beide allein Mann gegen Mann gegenüber­ständen, wollte ich Ihnen schon zeigen, wer mehr Mut hätte," erwiderte ich ihm.

Als Antwort versetzte mir das elende Vieh einen Faustschlag ins Gesicht. Ich sprang ihm an die Kehle, aber ein Dutzend Sol­daten rissen Mich pon ihm los, und er schlug von neuem auf mich ein, während sie meine Hände festhielten.

Gemeiner Hund!" schrie ich,behandelt man einen Offizier und Kavallier in dieser Weise?"

Wir haben Euch nie gerufen, nach Rußland zu kommen," sagte er.Wenn Ihr trotzdem gekommen seid, müßt Ihr eben mit der Behandlung vorlieb nehmen, die wir Euch an gedeihen lassen. Ich würde Sie am liebsten kurzerhand niederschießen, wenn ich könnte, wie ich wollte."

Das werden Sie eines Tages zu verantworten haben," schrie ich, während ich mir das Blut aus dem Schnurrbart wischte.

Wenn der Hetman Platoff meinen Sinn hat, werden Sie Morgen um diese Zeit nicht mehr leben," antwortete er mit einem teuflischen Blick. Er fügte für die Soldaten noch etwas auf Russisch hinzu, worauf sofort alle aufsaßen. Die arme Violetta, die ebenso jämmerlich dreinschaute wie ihr Herr, wurde herbeigeführt, und ich wurde aufgefordert, sie zu besteigen. Mein linker ArM wurde mit einem Riemen an den Steigbügel eines 'Dragonerwachtmeisters festgeschnallt. In dieser äußerst elenden Verfassung ritt ich mit dem Rest meiner Leute aus Minsk hinaus.

In meinem ganzen Leben ist mir kein so.brutaler Kerl vor­gekommen wie dieser Serschin, der die Eskorte führte.. Die Russen haben die besten und die schlechtesten Elemente in ihrer Arinee, aber ein schlechteres Individuum als den .Major Serschin von den Kiewer Dragonern habe ich in keiner Truppe feinten gelernt, wenn ich von den Guerillas auf der Pyrenäischen Halbinsel absehe. Er war von großer Statur mit einem wilden, roten Gesicht, und ein struppiger langer Bart fiel auf seinen .Küraß herab. Ich habe später erfahren, daß er wegen seiner Kraft und Tapfer­keit berühm t war, und ich muß zu geben, er hatte Bärentatzen; das Hatte ich gemerkt, als er mich vom Pferd gerissen Hatte. 'Er war in seiner Art auch witzig Md machte fortwährend auf Russisch Glossen über uns, die all seine Dragoner und Kosaken zum lachen brachten. Zweimal schlug er meine Kameraden mit der Reitgerte, und einmal kam er auch auf mich damit los, aber ich warf ihm daß er doch nicht zuzuschlagen gedemütigt, frostig und hungrig, weiten Schnoewüste1 dahin. Tie

derartige Blicke wagte. Elend ritten wir in -------- ,-------------- .

Sonne war untergegangen, aber bet der langen nordischen Däm­merung konnten wir imMer unseren öden Weg sehen, Starr vor Kälte und vor Schmerz, gequält von den Schlagen, die ich bekommen hatte, wurde ich von Violetta weitergetragen, ahne recht zu ^wissen, wo ich war, und wohin es ging. Tas arme Tier ließ den Kops Hängen, nur zeitweise hob sie ihn,'um! den sie umgebenden strupptgen 'Kosakenpferden verächtlich zuzufchnaufen.

Aber plötzlich wurde Halt gemacht,, und 'ich sah, daß wtr uns auf der Straße in einem kleinen russischen Dorf befanden. Auf her einen Seite war eine Kirche Md auf der anderen ein großes Mnernes Haus, dessen Umtijfe Mr bekannt 'vorkamen. Ich'

Saute mich in dem Zwielicht um und erkannte, daß wir nach

>brova zurücktransportiert waren, und daß das Haus, vor dessen Eingang wir warteten, kein anderes jtoar als unser Pfarr­haus, wo wir am Morgen eingekehrt waren, und wo meine char­mante Sophie in ihrer Unschuld die unglückselige Depesche über­setzt hatte, die auf irgend eine sonderbare Art und Weise unseren Untergang herbeigeführt hatte. Oh, wie hätte ich vor wenigen Stunden, als wir hoffnungsfroh waren und die besten Aussichten hatten, unsere Mission zu erfüllen, auch nur ahnen können, daß wir nach so kurzer Zeit hierher zurückkehren sollten, ein trauriger Ueberrest, geschlagen und gedemütigt und auf die Barmherzigkeit eines brutalen «Feindes angewiesen! Dach das ist Soldatenlos, mes chers amis heute Küsse, morgen Prügel, Tokayer im Palast, Grabenwasser in der Hütte, Pelze -oder Lumpen, volle Beutel und leere Taschen, immer von «einem Extrem zum andern, nur Mut und Ehre sind immer dieselben.

Tie Russen stiegen «ab, mtd meine armen Jungen mußten! das gleiche tun. Es war bereits spät geworden, und man hatte offenbar die Absicht, die Nacht über «dazubleiben. Tie Bauern hatten eine riesige Freude, als sie hörten, daß wir alle gefangen genommen worden waren, und stürzten mit brennenden Fackeln aus den Häusern, die Weiber brachten Tee und Branntwein für die Kosaken. Unter anderen tarn' auch «der alte Geistliche heraus den wir am Morgen gesehen hatten. Er war jetzt äußerst freundlich und hielt auf einem Präsentierteller (eine Terrine heißen Punsch, den ich Heute noch rieche. : Hinter ihrem Vater kam Sophie. Mit Schaudern sah ich, wie sie dem Major Serschin die Hand reichte und ihm etwas Russisch sagte, worauf er entrüstet die Stirn in Falten zog und mit dem Kopf schüttelte. Sie schien mit ihm zu rechten, sie stand mit ihm in dem Lichtschein, der durch die Haustüre siel. Ich betrachtete unausgesetzt die beiden Gesichter, das des hübschen Mädchens und das des dunkeln robusten Mannes, denn ich merkte instinktiv, daß sie über mein eigenes Schicksal verhandelten. Der Major schüttelte lange Zeit sein Haupt, endlich schien er vor ihren Bitten zu kapitulieren und naM zngeben. Er drehte sich nach der Seite um, wo ich und mein wachthabender Sergeant standen.

Diese guten Menschen bieten Ihnen ihr schützendes Dach für die Nacht an," rief er mir iju, indem er mit giftigen Blicken an mir auf- und niederschaute.Ich mags ihnen nicht abschlagen, aber ich kann Ihnen rund raus «sagen, daß ich meinesteils Sie lieber im Schnee hätte liegen sehen.' 'Das würde Ihre Hitze etwas abgekühlt haben, Sie schuftiger Franzose!" '

Ich sah ihn mit der ganzen Verachtung an, die er mir ein­flößte.Sie sind ein geborenes Scheusal und werdens auch bis ans Ende bleiben," erwiderte ich.

Meine Worte trafen ihn, denn er stieß einen Fluch ans und erhob die Reitpeitsche, als ob er mich schlagen wollte.

Halts Maul, elender Tropf!" schrie er.Wenns nach mir ging, würde dir die Unverschämtheit bis morgen früh teilweise ausgefroren fein." 'Er bemeisterte seinen Zornesausbrnch und wandte sich Sophie zu mit einer Bewegung, die er galant fand. Wenn Sie einen gut verschließbaren Keller Haben," sagte er zu ihr,so kann der Kerl heute drin übernachten, weil Sie ihm nun mal die Ehre erwiesen haben, -sich für seine Bequemlichkeit zu interessieren. Er muß mir jedoch fein Wort geben, daß er uns keine Zicken machen will, denn ich habe bis morgen, wo ich ihn dem Hetman Platoff einhändigen werde, die ,Verantworttmg für ihn."

Seine hochmütige Art war mehr, als ich ertragen konnte. Er Hatte absichtlich zu der jungen Dame französisch gesprochen, damit ich verstehen sollte, wie geringschätzig et von mir redete.

Auf Ihre Gnade verzichte ich," sagte ich zu ihm.Machen Sie, was Sie wollen, aber mein Ehrenwort gebe ich Ihnen niemals."

Er zuckte die mächtigen Schultern und' wandte sich weg, als ob die Sache für ihn abgetan wäre.

Also gut, Sie stolzer Herr, um,so schlimmer für Ihre Finger und Zehen. Wir werden sehen, wie Ihnen morgen früh zu Mut ist, wenn Sie eine Nacht im Schnee zugebracht haben."

Einen Augenblick, Herr Major," rief Sophie.Sie müssen nicht so hartherzig gegen diesen Gefangenen fein. Es liegen be­sondere Gründe vor, 1 Darum er Anspruch auf unsere Güte und Barmherzigkeit Hat."

Ter Russe blickte verdächtig bald sie an, bald mich.

Was sind das für besondere Gründe? ' Sie scheinen ja ein auffallendes Interesse an diesem Franzosen zu nehmen," sagte er.

Der Hauptgrund ist, daß er erst heute morgen aus eigenem Entschluß den Rittmeister Alexis Barakosf von den Grodnoer |&ragoitern freigelassen hat." 1

Tas ist wahr," sagte Barakosf, der aus dem Hanse gekommen war.Er hat mich heute früh gefangen genommen, und er hat Mich auf mein Wort auf freien Fuß gesetzt, anstatt mich zu der französischen Armee mitzuneHmen, wo ich Hungers gestorben wäre."

Nachdem Oberst Gerard so großmütig gehandelt hat, werden Sie uns doch gewiß erlauben, daß wir ihm nun, wo sich das Glück gewandt hat, in dieser bitterkalten Nacht in unserem Keller ein armseliges Obdach gewähren," sagte Sophie.Es ist nur eine geringe Belohnung seines Edelmuts."

Mer der Dragoner machte noch ein mürrisches Gesicht.

Er soll mir zuvor sein Wort geben, daß er keine Fluch'tver-