Samstag, den |9. Vktsber
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Die Dame im Pelz.
.Roman von G. W. Appleton.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 13. Kapitel.
Charleh Mortimer hatte mich schon eine Zeitlang er- Kartet. Ich drückte ihm schtveigend die Hand und gab ihm den Brief.
Ich sah, wie sich beim Lesen seine Stirn immer mehr in düstere 'Falten legte. Als er fertig war, schaute er mich an und sagte:
Das sieht schlimm aus, alter Junge. Kennst du ihre Handschrift?
Die kannte ich- nicht und sagte ihm das.
Glaubst du, daß Marcella diesen Brief selbst geschrieben hat?
Nein, und tausendmal nein! beteuerte ich. Und doch, fügte ich 'hinzu, als mir die Aussagen des Straßenbahn- schaffners plötzlich wieder einfielen, rind doch — hier hielt ich inne.
Nun, was?
Mir ist's eilt Rätsel, versetzte ich. Löse du mir's, wenn du's kannst. Darauf erzählte ich ihm, was mir der Kondukteur gesagt hatte.
Er pfiff leise vor sich hin und ging ein paar Minuten schweigend int Zimmer auf und ab.
Ich weiß wahrhaftig nicht, was ich von der Sacha denken soll, sagte er endlich. Komm, laß uns hinausgehen und einen Spaziergang machen. Vielleicht fegt die frische Luft den Schleier von unseren Augen weg. Eine so verzwickte Sache ist mir im Leben noch nicht vorgekommen.
Mer was für Augen machte er erst, als ich ihm die Geschichte der Flucht unseres Dienstmädchens erzählte!
Hör' um Gottes willen auf! ries er, es ist ja zum Tollwerden! Ich wollte ins Freie gehen, um klarer zu werden, und nun ist der Schleier vor meinem Gehirn dichter als je zuvor.
Darauf schritten wir eine Zeitlang in Gedanken versunken nebeneinander her. Endlich ergriff er wieder das Mort.
Ich möchte Vorschlägen, sagte er, die Zeit bis drei Uhr zu benutzen, um erst mal den Inspektor Beale aufzusuchen. Vielleicht ist man dem Mädchen unterdessen doch noch auf die Spur gekommen.
Da auch ich noch keinerlei Lust zum Essen verspürte und mir sein Vorschlag ganz nützliche erschien, stimmte ich ihm sofort zu.
Ohne uns besonders zu beeilen, da uns die frische Luft sehr wohl tat, wanderten wir ruhig weiter, bis wir uns tntt einem Male vor dem Hotel Cecil befanden. Es war ein ziemlich warmer sonniger Tag,, und viele Leute früh-
stückteu unter der über den Anlagen befindlichen Glasveranda.
Unwillkürlich blickte ich hinauf, und wen sah ich? Das unvergeßliche Gesicht von Eißens, und ihm gegenüber saß — ohne allen Zweifel — Marcella.
Ich stieß Mortimer hastig an.
Sieh mal dort oben! Kennst du das Paar? sagte ich.
Gerechter Gott! erwiderte er. Können wir unseren eigenen Augen noch Krauen? Das ist ja der Baron mit Marcella! Aber fall nicht um auf diesem öffentlichen Platze und wirf auch nicht mit Steinen die Fenster ein. Bedenke, daß wir schon mal das Opfer einer optischen Täuschung geworden sind, auf der Chaussee nach Kew Bridge damals. Faß dich also, vielleicht ist es wieder eine.
Damit wollten wir weitergehen, als meinem Freund ein neuer Gedanke kam. Wie wäre es, sagte er, wenn wir mal hineingingen und Nachfrage hielten?
Das können wir tun, antwortete ich.
Der Direktor erkannte uns gleich wieder.
Ah ! sagte er. Sie kommen gewiß, um sich nach her Dame zu erkundigen. Vorgestern abend ist sie wieder in unser Haus zurückgekehrt.
Allein? fragte Mortimer.
Jawohl — aber jetzt ist ihr Gemahl auch- hier.
Darf ich vielleicht fragen, unter welchem Namen sie sich eingetragen haben?
Gewiß! Als Baron und Baronin von Eißen.
Sind Sie sich auch ganH sicher, daß es dieselbe Dame ist?
Aber ganz entschieden, mein Herr.
Ich fragte nur, sagte Mortimer scheinbar gleichgültig, weil sie, wie Sie uns damals selbst mitteilten, sich vorher als Marcella eingeschrieben hatte.
Der Manager zuckte die Schultern und lächelte. Das ginge ihn nichts an. Wir dankten ihm und verabschiedeten uns.
In Scotland Pard fragten wir gleich nach dem Inspektor Beale. Glücklicherweise war er gerade anwesend, und wir wurden unverzüglich in sein Bureau geführt.
Guten Morgen, meine Herren! rief er uns wohlgemut entgegen. Sie kommen mir gerade recht. Ich habe Ihnen eine erfreuliche Mitteilung zu machen. Ihr Mädchen, Herr Doktor, hat meinem Mann 'n netten Streich gespielt. Der arme Kerl! Er war anfangs ganz verzweifelt darüber. Mer er hat die Scharte nachher gründlich ausgewetzt. Durch den Betrug war er nämlich erst recht scharf geworden auf das Mädchen, und dann ist er nicht zu halten, bis er sein Ziel doch erreicht hat. Wie Sie sich denken können, mußte der große Schlapphut, den sie sich tief ins Gesicht gedrückt hatte, und ihr sonderbarer Gang — sie machte doch wahrscheinlich ihren ersten Ausflug in Hosen — schließlich irgend jemandem aufgefallen sein — und so gelang es ihMe


