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vbengenarmter FestsHrisk. Allgeindin dürste interessieren, daß man in dem Zwischen Chor und Turm gelegenen älteren Teile der heutigen Schützer Stadtkirche noch Pfeilerfuudamente gefunden hat Und im untere« Teile seiner dicken, mit Quadern von altertümlicher^ Struktur gefaßten Außenmauern noch Reste jener ältesten Basilika sehen zu dürfen glaubt. Ein ausführlicher Bericht über die Einweihnngsfeier der ältesten Schützer Kirche ist uns nicht Überliefert worden, doch stehit urkundlich fest, daß diese EinweihüNgs- feier am 20. September 812 stattfand und durch die Anwesenheit des Erbauers Ratgarius Und des Bischofs Richolfns von Mainz verherrlicht wurde. Es sistiert noch in dreifacher Form' eine genaue Grenzbeschreibung des Sprengels der alten Schlitzer Kirche, die m ihrer ältesten Form Wohl auf die Kirchweitze tiom1 Jahre 812 zurückzuführen ist. Sie ist die älteste geschichtliche Urkunde des Schlitzerlandes und nennt als Zeugen folgende Namen, die wir Wohl z. D. als Repräsentanten der damaligen Grund und Boden besitzenden Psarrkinder dieses Sprengels ansehen dürfen: Regin- hart, Otto, Hunger. OthelM', Majo, Gerlach, Thiottih, Ratbot, Brunhärt Othelm, Wonatljeri, Meginheri, Hadabrant, Asolf, Ot- tzrim, Lantolt, Thiottth, Herocolf, Adoltram, Egols, Waltbrat, Folcrith, Liuto, Rihtbraht, Jrminar und Adalman. Interessant sind auch die Namen, die als Grenzpunkte des ersten Schützer Kirchsprengels genannt werden. Sie betreffen teils Flurnamen Und Ortschaften, die heute noch vorhanden sind und in dieser Grenzbeschreibung zum ersten Male urkundlich genannt werden, teils bekannte, aber inzwischen wieder wüst gewordene Siedlungen und zum kleineren Teile Oertlichkeiten, deren Lage nicht mehr genauer festzustellen ist. In die erste Kategorie gehören die Grenzorte: Steinerne Brücke zwischen Angersbach und LandeNhuson (Angersbach und Landenhausen), Wighardes, Wigaudes, Luderenbach superior (Stadtteile des heutigen Lauterbach), Hevenoldeo, Ebenoldes (Heblos), Warta (Wartwiese zwischen Allmenrod und Meiches), Breidenbach, Breitunbach (Breidenbach bei Romrod), Luzzelaha (Leusel b. Alsfeld), Liderbach (b. Alsfeld), Jäzaha (Jossa), Rechberg (am rechten Fuldaufer), Sinteresburc (Sängersberg bei Salzschlirf), Owilah (Bach und Ort Aula), sowie die Flüsse Sualmana (Schwalm), Antrefa (Antrist) und Grintaffa (Grenf- bach nördlich des Herzberges). In die zweite Kategorie gehören die Namen: Sterrenrode (Wüstung zwischen Stockhausen, Rudlos Und Angersbach), Musles (Wüstung Mitzles, heute Meitz, zwischen Herbstein und Ilbeshausen), Hunoldes (Wüstung siürlich von Heblos), Fronerot (bei Oberbreidenbach) und Elbwinesrod (bei Romrod). Sucht Man sich die genannten Orte auf der Karte auf und verbindet sie, dann erhalt man eine Linie, hie bon der Fulda über Salzschlirf und Rudlos bis Herbstein reichte, von da über Lauterbach, Meiches, Breidenbach, Leusel, Schwarz nach dem Herzberg hinlief und weiter nach Norden hin ausholend die Fulda wieder erreichte. Tie Größe dieses Sprengels zeugt von der großen Bedeutung, die die Schlitzer Kirche einst als MUtterkirchje im östlichen Vogelsberg gehabt hat. Innerhalb' dieses Sprengels Wird bloß eine Kapelle noch genannt als zu Oberlauterbäch gelegen. Erst später ist dann dieses ausfallend große Gebiet .der Schlitzer Kirche durch Mgrenzung der Kirchsprengel zu Salzschlirf, Lauterbach und Lüder verengert worden. Während im östlichen Vogelsberg allmählich Lauterbach Vorort 'und Sitz eines Erzpriesters wurde, beschränkte sich mehr und mehr die Bedeutung der Schlitzer Kirche auf die Orte an der Schlitz und mittleren Fulda, das eigentliche Schlitzerland. 'Das ganze Gebiet ist altes Dominium' der Klöster Fulda und Hersseld. Tie heutigen selbständigen Kirchen des Schlitzerlandes, Hartershausen, Hutzdorf, Queck, Kreuzersgrund, WillÄs, sind ursprünglich Filialkirchen von Schlitz gewesen oder in ^Anlehnung an solche entstanden. 1
Seit Anfang des 12. Jahrhunderts erscheinen die Herren von Schlitz als Magnaten des Schlitzerlandes. Im 14. Jahrhundert treten mehrere FaMilien dieses Namens mit den Beinamen „genannt von Blankenwald", „genannt von Hohenberg" und „genannt von Görtz" als suldische Lehensleute auf. Zum Lohne für ihre Treue erhielten die von Görtz vom Fürstabt von Fulda den Titel eines Erbmarschalls und in Anerkennung ihrer. Stiftung zweier Altäre (St. Barbara u. St. Mariä) in die Schlitzer Kirche das Präsentationsrecht für die Kaplanstelle an dieser Kirche. Im übrigen behielt sich das Stift Fulda das Präseutations- und Kollaturrecht (Besetzuugsrccht) über die Kirchen-, Pfarr- und Schulstellen vor. Im 16. Jahrhundert schlossen sich die nach größerer Selbständigkeit strebenden Herren von Schütz mit der gesamten fuldischen Ritterschaft als buchonisches Quartier an den Kanton Rhön-Werra des fränkischen Ritterkreises an, um dadurch ihre Reichsunmittelbarkeit zu erlangen. Sie erreichten dieses Ziel auch z. T. dadurch, daß am 29. November 4563 Fürstabt Wolfgang von Fulda den Marschall und Rat des Stifts Eustachius von Schütz wegen seiner dem Süfte geleisteten Dienste für ghu und seine männlichen Leibes- und LelMserben mit der Kollatur der Pfarrkirchen Schlitz, Queck und Hartershausen belehnte. Das ganze Reformationsjahrhundert hindurch galt die Familie der Herren von Schlitz als katholisch; wenigstens befanden sich viele Glieder derselben in Stellungen, die die Zugehörigkeit zur alten katholischen Kirche zur Voraussetzung hatten. Doch finben sich in diesem Jahrhundert auch entschieden evangelisch gefilmte Glieder der Familie, und zwar zuerst jener Werner von Schütz, genannt von Görtz, der von 1546 an in Schlitz und int Schützerlande die Reformation einführte. Wfe später der Fürstabt Johan« Bern
hard von Schweinsbetg! mit' Venntzsimg der für die KaHvürett günstigen Kriegslage und der Tillyschen Dragoner das ganz« Schlitzerland wieder katholisch zu machen suchte, aber durch die Dazwischenkunft Gustav Adolfs gehindert wurde, erzählten wir schon in anderem Zusammenhänge (Siehe „Tie Reformation und Gegenreformation in Herbstei« und den ehemals landgräfliche« und ritterschaftüchen Orten des östliche« und südöstlichen Vogelsbergs, urkundlich dargestellt von Pfarrer Zinn in Herbstein" in den Familienblättern des Gieß. Anz. vom Juni und Juli d. I.; inzwischen auch im Selbstverlag des , Verfassers als Broschüre erschienen. 122 Seiten.) Auch sonst haben die Schützer im 30 jährigen Kriege viel z« leiden gehabt. Wer Genaueres darüber zu hören wünscht, lese die vorgenannte Festschrift von Deka« und Öberpfarrer Schmidt in Schlitz. Sie will nicht nur der Vorbereitung aus das Fest dienen, sondern die Bewohner des Schlitzerlandes auf Grund alter und neuer Forschungen mit ihrer eignen großen Vergangenheit bekannt und tiertraut machen und dadurch Liebe zur Heimat und zur Kirche erwecken. In jeder Hinsicht aber wünschen wir den Schützern gutes Gelingen und dazu vor allem steundliches Wetter und Sonnenschein am Jubelfeste, zu dem sie sich Mit viel Liebe und Freude gerüstet hahen.
Glen 3ri$.
M. G. New Dori,- im September.,
Ein bißchen Phantasie, meine Herrschaften ... es gilt eine Herbstreise ans „Ende der Welt"! Zum mindesten bis dahin, wo die Zivilisation aushört, und jenseits der menschlichen Schöpsungen,- Schmerzen und Verlogenheiten auch -heute noch (wie vor tausend Jahren) die wahre Schönheit unseres merkwürdigen Planeten anfängt. Es gibt Leute, die dafür Sinn haben. So der sehr hono- rable Minister William Pryor Letchworth, seines Zeichens Arzt und vielfacher Millionär. Natürlich Amerikaner. Ja, man wundere sich ein wenig über seine Idee von dem praktischen Gebrauch des sündhaften Mammons und gestehe, daß die „Leute von drüben" zum mindesten originelle Köpfe sind. —
Drei Tage Urwald . . . Drei Tage und drei wunderbar tiefe Nächte. . -.- Funkelsterne hängen in de« turmhohen Baum- Wipfeln, seltsame Jnsette« konzertieren im pechdunklen Laub ringsum, ab und zu ein Schrei von Raubtieren in di« friedliche Nachtmusik hinein. . . Mister Charles möchte das erloschene Lagerfeuer wieder anfachen — nein: lassen wir auch der Finsternis ihre eindringlich beredte Sprache. Morgen ftüh werden wir am Genesee River ankommen, wo einst die Rothäute ihre plump gebauten Cannes im hochsprossenden Schilfe Bargen, wo der gellende Kriegsruf von den breiten Stämmen der Urwaldriesen wiederhallte und wo die „Jäger der letzten Tage" Wild und kostbares Pelzwerk erbeuteten. Seitdem sind die kupferbraunen Waldgäste westwärts gezogen, und auf hundert Meilen ringsum hat die Natur in ungestörter Ruhe von ihrem alten Eigentum wieder Besitz ergriffen.
Bis eines Abends Mister Pryor Letchworth aus Buffalo ankam, just mitten hinein in die Herrlichkeit dieses Erdenwinkels,- sie sah, sich in sie verliebte (man denke: ein Danfee und Millionär!) und kurzerhand sagte: „Well, hier bleiben mir!" Dann begann •; ein merkwürdiges, energisches und kluges Arbeiten, und nach Jahr und Tag war Glen Iris, das schönste „Arboretum" der Welt, geschaffen.
Glen Iris hat dramatische Partien, einen Wasserfall, der feine hundert Meter tief im Donnerschall in eine Schlucht herabkömmt, ein üngezähmtes Naturungeheuer, stolz und prächtig. Keine Sorge: eine elektrische Turbine wird ihn nicht einfangen, den Sohu der Wildnis. Der Besitzer dieser Schätze hat Geschmack. Auch den wunderbar schöne« Felspartien ringsum droht keinerlei Gefahr. Steinbrüche, die den adligen Stil dieser zu schwindelnder Höhe aufsteigenden Porphyrmauern zerstören würden? Keine Gefahr — Diese Rocky Mountains en miniature werden uns und unser« Enkeln erhalten bleiben. In dem Stück Urwald aber, das Pryor Letchworth nach den Plänen des Botanikers George W. Clinton ■ uniformen ließ, ohne die originelle Schönheit des Terrains zu zerstören, haben wir ein lebendes „Baum-Museum" von einer Eigenart und Reichhaltigkeit, die selbst den anspruchsvollen Naturlieb- . Haber vollauf befriedigen müssen. Man findet in Glen Iris nahezu sämtliche Bäume, Sträucher, Wald- und Bergpflanzen, welche die Flora kennt. Die verschiedenen Höhenlagen des Arboretums und die Gunst des Klimas haben eine Vollständigkeit, die auf der Welt nicht ihresgleichen findet, ermöglicht. Im Jahre^1907 schenkte Letchworth seine Schöpfung dem amerikanischen Staate unter der Bedingung, daß Glen Iris in seiner Anlage erhalte« bleibe und — 'daß man ihn in diesem Paradies der Natur ruhig sterben lasse. Am 1. Dezember 1910 hat er das Zeitliche; gesegnet, und die „Gesellschaft zur Erhaltung der Naturdenkmäler" wurde mit der Ausführung des Vermächtnisses betraut. Bereits z« Lebzeiten des großmütigen Spenders hatte diese Gesellschaft ii« Verein mit ihm die wertvolle Domäne nach wissenschaftlichen Grundsätzen um gestaltet und die vorhandenen reichen Sammlungen; ein Gegenstück zu dem „lebenden Museum", vervollständigt. Bemerkenswert von diesen Sammlungen ist insbesondere das ethnographische Kabinett mit unschätzbaren Reliquien ans der Zeit der Rothäute. Weiter sind zu erwähnen die reichhaltige natiirwisfen-^


