Ausgabe 
19.9.1912
 
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Die Dame im Pelz.

Roman von G. W. Appleton. 1 ' 1 (Nachdruck verboten.) '

, , 1. Kapitel.

- 'Meine Mutter war Lei meiner Geburt gestorben, hnd von meinem Pater patte mir nur meine Tante Maria ge­legentlich mal erzählt, daß er ein Feuerkopf und anarchisti­scher Schwärmer gewesen sei, der sich an allen möglichen Aufständen beteiligt habe, in Gefangenschaft geraten, aber wieder entflohen sei und was ihr als das schlimmste Verbrechen erschien sein beträchtliches Vermögen seinen Ideen zurBefreiung der Menschheit" zum. Opfer gebracht habe. Infolge dieser jlmstände hatte meine Tante Maria Aonaldson auch ineine und meiner um ein Jahr älteren Dchwester Helen Erziehung leiten und alle Kosten bestreiten müssen. Es war daher kein Wunder, daß sie sich uns gegen­über Mutterrechte herausnahm, und auch wir Kinder fühlten uns ihr stark verpflichtet und unternahmen nichts von Bedeutung, ohne vorher jhren Rat und ihre Einwilligung eingeholt zu haben.

Ich stand in meinem medizinischen Staatsexamen und Arbeitete an meiner (setzten Station im St. Bartholomäus- Hospital, als eines Tages der Portier erschien den Sangen Georg" nannten (wir ihn wegen seiner hervorragen­den Körpergröße And mir eröffnete, daß unten int Flur ein Herr warte, der mich zu sprechen wünsche.Ich glaube, Herr Doktor," fügte er hinzu,ich glaube, er sagte, er hätte nen Brief von Ihrem Vater."

* lieber die setzte Bemerkung war ich natürlich höchst er­staunt und sagte demLangen Georg": Führen Sie den Herrn sofort ins IProsektorzimwer. Eine Minute später stand ich ihm pereits gegenüber. Es war ein auffallend schöner Mann jnit gewinnenden Manieren, und er sprach init einem leichten fremdländischen Akzent. Nach den üb­lichen einleitenden Redensarten Aberreichte er mir einen Brief mit meiner Adresse.

Er enthielt tatsächlich eine kurze Mitteilung von meinem Water des Inhalts, daß er von meiner Tante Maria sehr günstige Nachrichten über strich bekommen und daher seinen Freund Emanuel Gareia im mich gewiesen habe, der auf der Durchreise in Londost gerne ein paar Stunden mit mir verbringen würdet .DaS Mr alles; gewiß ein merkwür­diges Schreiben von einem! Vater an seinen Sohn. Ich wußte nicht, was ich davon halten sollte. Wer Herr Dareia hatte ein so vertrauenerweckendes Wesen, daß mein Mißtrauen rasch verscheucht Mr.

Sie müssen heute labend mit mir im Cafö Royal speisen, sagte er endlich, ich werde Ihnen dann auch von Ihrem! Water erzählen. < >

Es mag ja (meinerseits wenig liebevoll, klmgen, aber iH schützte ieine ältere Verabredung mit einem Freunde

Donnerstag, den 19. September

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vor mit Meinem lieben alten Studiengenossen Eharley Mortimer. Wer (er wollte diese Entschuldigung nicht gelten lassen: . v

Bringen Sie Ihren Freund doch mit, sagte er. Jeder Freund von meines Freundes Sohn wird mir herzlich will­kommen fein. ,

Er sagte das so aufrichtig und liebenswürdig, daß ich, obwohl mrr die ganze Sache immer noch sehr merkwürdig vorkam, nicht.anders .konnte, als auf seinen Vorschlag ein­zugehen.

Mortimer und sch stellten uns zu per verabredeten Stunde pünktlich sm Kass Royal ein. . Unser .Gastfreund war reizend. , Er erzählte mir, er habe meinen Vater in Kalifornien gelassen, .fügte jedoch dieser Information wenig oder nichts hinzu, jind ich hatte tatsächlich auch kein be­sonderes Verlangen, mehr davon zu hören.

Das Essen war porzüglich fürstlich, wie man zu sagen pflegt die Weine ausgezeichnet und der Gastgeber, wie gesagt, ein Mann, wie man selten einen findet.

Auf einmal aber verstummte unser liebenswürdiger Unterhalter, er hatte zufällig aufgeschaut und an einem Nebentisch zwei Männer erblickt. Sie waren beide offenbar Ausländer, und ich bemerkte, wie der eilte eine Geste machte, die auf .nichts Mutes deutete.

Herr Gareia wurde kreidebleich. Er bestellte rasch seine Rechnung und ,flüsterte mir zu:

Ich muß gehen. Wollen Sie und Ihr Freund mich ins. Hotel begleiten? .

Nun, Eharley Mortimer und ich selbst waren handfeste Burschen und hatten als Studenten schon manche Probe unserer Körperkraft abgelegt. Wir erklärten uns also, zumal mit so gutem Stoff im Leibe obwohl es, wie ich. zu unserer Rechtfertigung sagen muß, da wir Gefahr witter­ten, eines solchen.Reizmittels gar nicht bedurfte mit Ver­gnügen bereit, .ihn wohlbehalten heim zu geleiten. Als wir draußen waren, merkte sch, daß Herr Gareia furchtbar erregt war. . \

Wollen wir nicht lieber 'ne Droschke nehmen? fragte er, ich muß Ihnen nämlich gestehen, daß mein Leben ganz in ihren Händen liegt.

Wenn das der Fall ist, sagte ich, kommen Sie hier ttt unsere Mitte; worauf wir ihn an beiden Armen unter­faßten. So sind .Sie in sicherer Hut, setzte ich dann hinzm und Sie brauchen sich nicht im geringsten zu beunruhigen. Wo logieren Me denn?

Im Savoy, antwortete er.

Schön, sagte jch. . Hierhin, Eharley. Wir schlagen als» die Richtung .nach hem Pieeadilly-Jirkus ein.

Ich hatte gesehen, daß die beiden Fremden hinter uns. die Treppe heruntergegangen waren, und hatte auch be­merkt, daß .am Eingang noch zivei andere zu ihnen ge­stoßen waren. Jch .erwähnte aber Herrn Gareia von dieser Beobachtung nichts, sondern flüsterte sie nur meinem Freunde Eharley unauffällig zu,- Und wir beide fühlten