Ausgabe 
19.8.1912
 
Einzelbild herunterladen

Kreisen, um die Begehrlichkeit abzuiveisen. Was nützen Bei solchem Ungeheuerlichen Verlangen, ein Kunstwerk der eigenen Nation vor- KNenthalten, unausführbare Kompromißvorschläge? Der eine wünscht, die Theaterdirektoren sollen sich verpflichten, dieses oder jenes nicht zu tun; ein anderer will den Parsifal zwar frei Haben, aLer nur für die Kirche; ein Dritter erlaubt die Ausführungen nach der Saison, aber nur, wenn ganz besonders vorbereitet, usw.

Die angeblichen Gründe, die das Verlangen nach dem Mono­pol hervorgerusen haben, sind ebenso banal, wie abgebraucht. Soweit mir bekannt, sind es nur zwei: Der Meister hat diesen Wunsch geäußert. Und eine wirklich vollendete und weihevolle Ausführung kann nur Bayreuth bieten. Wie oft wurde darauf schon Angewiesen, daß für Wagner, als er den Wunsch aussprach, ganz andere künstlerische Verhältnisse Vorlagen, als zurzeit! Bay­reuth hat Schule gemacht, das bestreitet heute kein rechtlich Den­kender, aber diese Schule hat bereits ihre Früchte getragen. Ganz abgesehen davon, daß der Parsifal durchaus nicht das bedeutendste und vor allen Dingen nicht das am schwersten ausführbare Werk des Meisters ist, was in Musikerkreisen wiederholt betont wurde, wird es nach wie vor keine minderwertige Bühne wagen, ein Wagner-Drama zu verhunzen, da es ihr dazu vor allen Dingen an einem geeigneten Orchester und ausreichendem Personal fehlt. Aber an wirklichen Kimststätten haben wir doch in Deutschland zurzeit tatsächlich keinen Mangel. Sie können den Parsifal nach 1913 ohne jedes Bedenken ihrem Spielplan einverleiben und int ©inne des Meisters, wenn auch nicht immer mit vollem Gelingen, so doch nach dem Höchsten strebend, zu Gehör bringen. In Bay­reuth ist auch nicht alles eitel Gold gewesen, was zutage gefördert worden ist; unabhängige Stimmen haben bei den Festspielen oft recht erhebliche Ausstellungen zu machen gehabt, die sie mit unbestrittenen Beweisen belegten. Selbst in diesem Jahre ist manche Ungleichheit übel bemerkt worden. Das ist eben unvermeid­lich. Weshalb man aber wieder Van Dijk mit der Rolle des Par­sifal betraut hat, ist direkt unverständlich. Der Künstler ist 1861 geboren, also 51 Jahre alt, und seine Stimme erinnert heute nur schwach an den einstigen Glanz. Sein Spiel ist heute noch wie ehemals bedeutend, aber die stark gerundeten Formen seiner Gestalt zeigen zu kraß die Spuren liebevollster Pflege seines eigenen Jchs. Mag er 1886, also vor 26 Jahren, als er zuerst die Rolle des Parsifal übernahm, bezaubernd gewesen sein, in diesem Jahre hat er es nicht mehr vermocht, den jungen reinen Toren auch beit überzeugtesten Bay reu tz Schwärmern glaub­haft zu machen. Mit Ausnahme ganz blinder Verehrer sind alla sehr entzaubert gewesen. Solche Verstöße gegen die elementarstem Regieregeln würde sich niemals eine andere Bühne ungestraft erlauben dürfen. Wir haben jetzt schon Parsifal-Aufführungen in Amerika zu verzeichnen, hie von Sachverständigen höher ein­geschätzt wurden, als die besten Bayreuther. Es kommt dann noch hinzu, daß von durchaus zuverlässiger Seite darauf hin- gewiesen worden ist, Parsifal fei gar nicht das begehrteste Bühneu- werk Wagners; Besteller auf Karten zu dem vier Abende um­fassenden Ring der Nibelungen wurden abgewiesen, ihnen aber Be­willigung zugesagt, wenn sie noch eine Parsifal-Aufführung mit in den Kauf nähmen.

Wenn also die Bayreuther Schutztruppe weiter feine Gründe als die von mir angeführten ins Feld führen kann, dann könnte freilich die Redaktion des Börsenblatts mit ihrem Sturm im Wasserglas recht haben. Dann würde es auch nicht viel nützen, wenn der Vorschlag eines ebenso eifrigen tote naiven Monopol- Vertreters zur Tat würde, die Reichstagsmitglieder mit Frei­billetts (und Reisekosten?) für die Bayreuther Bestrebungen zu gewinnen. Die Herren vom Reichstag gehören in musikalischer Beziehung wohl ausnahmslos, ohne ihre politische Farbe hier ver­wischen zu wollen, zur Fraktion Wilhelm Busch mit dem Leitmotiv:

Musik wird ost nicht schön gefunden. Weil sie stets mit Geräusch verbunden."

Ernst Challier 8su.-Gießen.

i, Börsenbl. f, d. Ttschn. Buchhandel..

Vermischter.

* WaZ ist Beha'ismus? Unter Bern ungewöhnlich klingenden Worte Behäismus verbirgt sich eine neue Reli­gion, die gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts von einem Perser Begründet wurde und über die man in Europa bisher nur wenig erfahren hat, wenngleich dieser Glaube in Asien heute be­reits einige Millionen Anhänger zählt und auch in den Vereinigten Staaten mehrere Tausend. Die American Review gibt einige interessante Angaben über die Entstehung dieser neuen Religion. Ihr Begründer war ber 1892 in Akka verstorbene Perser Mirza Hussein Ali, der auch Beha Ullah genannt mürbe; heute ist das Oberhaupt dieser utertiüürbigen Religionsgemeinschaft der Sohn Beha Ullahs, Abbas Essendi, der kürzlich die Vereinigten Staaten besucht hat. Das Grundöogina des Behäisntus ist die ^llleinheit Gottes: alle Dinge und Wesen gehen aus Gott hervor. Die Menschen verntögen die in ihnen tvohnendeewige göttliche Essenz nicht zu erkennen und daher erscheinen von Zeit zu Zeit immer wieder große Propheten auf der Erde. In diesent Sinne

zählt der Behäismus Abraham, Moses, Jesus und Mohamed zu den großen Propheten, die der Menschheit Gottes Willen offen­baren. Ter Behäismus verwirft die Sklaverei, den Genuß von Wein, Likören und Opium, läßt die Scheidung zu und gestattet auch eine beschränkte Form ber Polygamie: der Behatst darf zwei Frauen haben. Neun Mal am Tage müssen alle Gläubigen beten und sich dabei zu Boden werfen; das Antlitz ist dabei in ber Richtung nach Akka gewanbt, ber heiligen Stadt des BehalsmuS. Die Gläubigen Haden einen eigenen Kalender, der in 19 Monate von je 19 Tagen zerfällt und durch fünf Tage ergänzt wird, die großen religiösen Festlichkeiten geweiht bleiben. Die 19 Tage darf der Behälft fasten: das ist die einzige asketische Regung, die zu­gelassen ist. Der Krieg wird verworfen, der Staat anerkannt, so­weit er Glaubensfreiheit gewährt. Interessant ist die Bestimmung, die gemeinsame Andacht und Gebete verbietet. Tas Betteln gilt als schwere Sünde. Tas heilige Buch des Behäismus ist ber von Beha geschaffene Kitab-i-Akbas.

* Zuviel verlangt. Hausfrau:Liese, ich habe gestern gesehen, daß Sie auch einen Schatz haben. Was ist denn Jhtz Zukünftiger?" Liese:Jotte doch, Madame, bet kann ick doch pich wissen mein Jetziger is Droschkenkutscher!"

Vie Zimmerpflanzen und ihre pflege.

Woche vom 20. bis 26. August.

Mit Beginn der kälteren Jahreszeit fängt man an, nach uni» nach die etwa ausgepflanzt gewesenen Gewächse wieder einzutopfen. Je eher man dies tut, um so besser ertragen sie den späteren Umzug in die Wohnstube. So z. B. die Januar-Stecklinge besü roten Salbei, die im Winter blühen sollen; auch Myrten, Libonien, Ophiopogou usw. Nach dem Einpflanzen hält man sie einige Tage schattig unb geschützt im Freien.

Um bei Azaleen frühe Winterblüte zu erreichen, muß man frühblühende Sorten zum Antreiben wählen, z. B.Helene Tele­mann",Alba magnifica",Deutsche Perle" u. viele andere; sonst gibt es Blattriebe statt der Knospen. Spätere Sorten sind ®. B.Kaiserin von Indien",Pluto",von Kutsinsky" u. a.

Die Zwiebeln der Vogelmilch (Euconius oder Ornitho- galon) pflanzt man jetzt ein: zirka 3 Zentimeter tief unter die Erde in 12 Zentimeter-Töpfe mit lockerer Lehmerde; bis zum Frost ins Freie, ziemlich trocken.

Bei den sommerblühenden Hortensien (Hydrangea opu- lodes) schneidet man die abgeblühten Triebe bis auf 24 Augen zurück; auch verpflanzt man die Hortensien jetzt doch kann man dies auch im Vorfrühling tun und lockert dabei den Wurzel­ballen. Erdmischung: Moorerbe mit Laub- unb Misterbe, dazu Lehm unb reiner Sand; und guter Wasserabzug durch starke Schcr- ben-Einlage!

Lorbeerbäume (Laurus) und Kirschlorbeer (Cera- sus) werden in etwa gewünschte Form geschnitten. Auch macht man von ihnen jetzt Ableger.

T r e i b r o s e n für die Winterblüte werden trocken gehalten unb, gegen Regen geschützt, draußen belassen bis zum Eintritt stärkerer Fröste (Töpfe umlegen).

Tie Aussaat ber Primula obeoniea wirb jetzt aus­geführt (scmbige Heibe- ober Lauberde, dünn sähen, bald ver­stopfen und später einzeln in Töpfe: Heide- ober Lauberbe mit Saub, Misterde und etwas Lehmerbe). Sie blühen, wenn lau­warm, hell unb gleichmäßig feucht überwintert, bas ganze sol- genbe Jahr hindurch. Um sie nicht überwintern zu müssen/ säht man sie auch wohl im Februar. Immer müssen sie halb- schattig und luftig gehalten werden.^ Primula chinensis säht man besser im Frühling; auch bedarf diese letztere nicht eben- sovieler Wärme wie chronica.

Falls man Raum hat, sie zu überwintern (Heller Keller, sehr geschützter Balkon), so säe man noch Stiefmütterchen unb Vergißmeinnicht aus, die die Balkonkästen im Frühling aufs schönste zieren.

Skat-Ausgabe.

Vorhand spielt getrieben Treff-Solo mit folgender Karte»

+ +

*+*

* *

~ Wie müssen die Karten sitzen, damit Vorhand das Spiel mit Schneider ober Schwarz gewinnt unb auch Hinterhand ihr beab­sichtigtes Solo trotz der vielen hohen Trümpfe in ber Hcmb eines Gegners gewonnen hätte?

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer jj Liebe In a ch t blind.

Redaktion : I. V.: E. Heß. Rotationsdruck unb Verlag ber Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen,