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aber ich werde der Braut einen prachtvollen Korb Rosen schicken mit unserer Visitenkarte!" _
Der Hauptmann war einverstanden. Und Fran Cäcilre ließ ein riesiges Arrangement prachtvoller La-France-Rosen zusammenstellen. Dazu sann sie sich noch etwas anderes aus: sie ließ Flambergs Werk photographieren und fügte eines der Bilder ihrer Sendung an M|e 'Braut des Malers bei. Zu dieser Sendung schrieb sie selbst ein paar Begleitzeilen :
„Mein sehr verehrtes gnädiges Fräulein, empfangen Sic hierbei das Abbild des jüngsten Meisterwerkes Ihres Herrn Bräutigams, und erlauben Sie dem Original und deni künftigen Mitbesitzer des herrlichen Werkes, Ihnen die herzlichsten Wünsche zu Ihrer demnächstigen Vereinigung auszusprechen.
Ein Mann, dem wir andern alle nichts sind als der gleichgültige äußere Anstoß für sein Schaffen, nichts als eüt Motiv, ein Modell, das mau festhält mit raschem', unfehlbarem Pinsel, und das dann, ach so schnell, einem neuen Platz machen muß, nichts als ein paar bunte Farbflecke in der Außenwelt--einem solchen Mann dürfen
Sie Lebensgesellin sein — Sie Glückliche. —.
Empfangen Sie unsre aufrichtigsten Empfehlungen.
Fritz und Cäcilie von Brandeis."
Als Agathe van den Bergh diese Zeilen las, gab es ihr einen Ruck am Herzen . . . Lange, lange studierte sie die Züge der Photographie, die klare Schrift mit den festen Grundzügen und dein kapriziösen Schnörkelgerank. . .
So war es nun schon die zwei Jahre hindurch gewesen: jedesmal, wenn sie ein neues Werk des Geliebten sah, hatte sie dies dumpf nagende Wehgefühl ... Es war nicht Eifersucht ... es war der unbegriffene Schmerz der reinen Mädchenseele, die empfand, daß sie dem geliebten Manne nicht alles — nicht alles war — niemals alles werden würde — ach mein, niemals mechr denn ein kleiner, kleiner Ausschnitt aus seiner Welt —
Es war nicht Mißtrauen . . . nur das geheime Grauen war's des ahnenden Mädchenherzens vor den Abgründen im Leben, in der Sehnsucht, in der Vergangenheit und Gegenwart des Mannes . . . des Künstlers.
Am vorletzten Samstag vor dem Ausrücken — es war der 25. August — ging Martin Flamberg auf einen viertägigen Urlaub nach Düsseldorf . . .
Wie im Fluge verstrichen ihm die wenigen Stunden der Heimfahrt...
Welch ein Sturm in ihm . . . welch ein Sturm der Ge- e — der Leidenschaften — der Gedanken — der Grübe- und Träume . . . Agathe hatte ihm den großen Frieden seines Lebens bringen sollen — ihn ausfüllen bis in die Tiefen seiner Seele ... Er hatte gewähnt, in ihr jene große Liehe gefunden zu haben . . . jene große Liebe, von der alle Menschen träumten. . . und die Künstler heißer und sehnsüchtiger denn alle anderen . . . und nun —
Seine Besuche bei Frau Cäcilie hatten nun aufgehört, und seitdem erst war es ihm ganz bewußt geworden, was diese Besuche ihm bedeutet hatten . . . Nein wahrlich, was seitdem in seiner Seele fieberte und stürmte, das hätte wenig Aehnlichkeit mit dem großen Frieden, den er erhofft.
Agathe empfing ihn am Bahnhof. Der Präsident van den Bergh begleitete seine Tochter.
Martin fühlte, wie seine Braut ihn prüfend . . . angstvoll beobachtete... Er fühlte es, ohne daß er den Zusammenhang begriff; denn Agathe hatte es nicht übers Herz bringen können, auch nur ein Wort über die Sendung der fremden Dame und das seltsame Briefchen, das sie begleitet hatte, an ihren Verlobten zu berichten. . .
War es so etwas wie böses Gewissen, was Martin Flamberg hellsichtig machte für die verhohlene Befangenheit seiner Erkorenen . . .? Er gab sich lebhaft. . . heiter . . . ungezwungen . . . mit fast lärmhafter Lustigkeit. . . Und dabei fühlte er doch, daß sie seine Absicht durchschaute . . .
„Nun, Martin," sagte der Präsident bei der Heimfahrt, Sie haben inzwischen auch wieder eine neue Arbeit vollendet?" Der Präsident hatte sich noch heute nicht ent- fchließen können, seinem Schwiegersohn das väterliche Du -entg egenzubring en.
„So, hat Agathe Ihnen erzählt — ja gewiße Papa, ich habe meine Zeit gründlich ausgenutzt,"
.--Eine schöne Frau! — Ich erinnere mich ihrer noch sehr
gut ; . . als Backfisch Mächte sie Furore in unfern Salons' . . . aber sie muß sich inzwischen noch mächtig heraus- gemächt haben, nach Ihrem Bilde schließen."
„Aber — woher wissen Sie, Papa — ?"
Dunkelglühend, mit niedergeschlagenen Äugen sagte Agathe: „Die Dame hat mir einen prachtvollen Rosenstrauß geschickt . . . und eine Photographie ihres Bildes . . ."
„Und davon hast du mir nichts geschrieben!?"
„Ich dachte, sie hätte es dir selber gesagt."
„Nein, das hat sie nicht — ich habe sie auch nicht mehr gesehen, seit das Bild fertig ist . . ."
■--Zu Hause, im ersten Augenblick des Alleinseins!
warf sich Agathe mit einem leisen Stöhnen an seine Brust, sah ihm tief in die Augen: „Ach, Martin, kommst du mir so wieder, wie du gegangen bist —•, —?"
„Aber Kind! — was hast du nur?!"
Stumm zeigte ihm Agathc Cäciliens Bild! und Brief . . -
Tief atmend überflog Martin die seltsamen Zeilen . . .■ Gott, sie sagten ihUt ja ^nichts Neues!. . . er wußte ja doch schon . . . Aber Agathe mußte beruhigt werden. . .>
Wie sie vor ihm stand, da glich sie so gan^. wieder jener Gestalt, die das Faustbuch von Wilhelm F^ob en iusj in seiner Phantasie lebendig gemacht . . . ganz wie Gretchen sah sie aus, die bebenden Herzens den Geliebten fragt, ob er glaube au eine ewige Macht, die den Wandel unseres Schicksals lenkt. . .
Und in einem Wirbel des Gefühls' riß! er die geliebte Gestalt in seine Arme und küßte die schweren Tränen aus seines Mädchens Augen. . .
Aber während er die bebende Braut an seinem Herzen hielt, fühlte er mit Grausen, daß er einer andern denken mußte . . . immerzu . . . immerzu einer andern . . . so, wie sie ihm gegenüber gestanden hatte in der letzten Stunde zweieinsamen Beisammenseins .
Das Bewußtsein, daß diese Stunde niemals wiederkommen werde, hätte beiden mit jähem Griff plötzlich die Kehle . . . das Herz umschnürt . . .
Herrgott, warum' gab es Schranken in der Welt? —? Was half dem Künstler die Phantasie — die allmächtige, allerfassende, die ihn die grenzenlosen Reiche der Schönheit nur darum in all ihrer Herrlichkeit überschauen lehrte, damit das Leben selbst ihn dann immer wieder ausschlösse von denk Besitz alles dessen, was ler viel tiefer dock) als anders empfand . . . viel tiefer berstand . . . viel tiefer hätte genießen können ...
Martin hatte die Zähne zusammengebissen . . . hatte das letzte Aufgebot all seiner Seelenkräfte in sich ausgerufen zu keuchendem Kampfe gegen die Versuchung, dies Weib in seine Arme zu schließen. . . das Weib des vertrauenden Mannes, des Vorgesetzten, des Kameraden . . . Und ep wußte es wohl: die Glut all dieser verschwiegenen Kämpfe hatte er seinem Werke eingehaucht... Er wußte, es war sein bestes geworden.
Und hätte Agathe das nicht herausgefühlt — picht ahnend empfunden — selbst aus dem schattenhaften Abbild seines Werkes, das sie allein erst kannte?!
Und warum Mußte er dieser letzten Sekunde des heißen Kampfes, des schmerzvoll bittern Sieges gedenken. . . in diesem Augenblick ... im Arme des Mädchens, das er sich zur Kameradin seines Lebens, zur Friedenbringerin seines Herzens erkoren?
Sie hatte ihn nicht gebracht. . . den ersehnten Frieden . . . Ob er wohl kommen würde, wenn er sie einmal, ganz sein eigen nennen durfte?
An diese Hoffnung wollte er sich! antlammern.
(Fortsetzung folgt.)
Der Ebrdörser Grund.
(Schluß.)
Kirchliche Verhältnisse.
Vor der Reformation gehörte Hessen zum' Sprengel des Erz-i bischofs von Mainz: Eines der 17 Dekanate im Ärchidiakonat des Oberlahngaues wär das Dekanat Ebsdorf'. Es hatte zwanzig Kirchen und Kapellen: Ebsdorf, Hesken, Mölln, Dreihauserh Roßberg, Leidenhofen, Bortshausen, Hachborn, Wittelsberg, Bel-, tershausen, Hassenhausen, Bellnhausen, Erbenhausen, Cappel, Wer-, mertshausen, Breitenborn, Odenhänsen, Ortenhausen, Ullrichs^ Hausen und Willmersdorf. 1210 fand wegen Ebsdorf als Mutter« kirche von Hachborn mit HÄn! Kontant' St. Stephan zu Mainz M Vergleich statt


