Ausgabe 
19.8.1912
 
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Somnikrleutnants.

Roman von Walter Bloenu Copyright 1910 by Orethlein & Co. (Nachdruck verboten.!

(Fortsetzung.)

Am 17. August, am Vorabend des Tages von Grave-- lotte, wurde das Regiment aus der Stimmung der' Fest­vorbereitung durch eine plötzliche Trauerkunde gerissen: Seine Durchlaucht der Erbprinz von Nässau-Dillingen, der 'Kommandeur des rheinischen Armeekorps, war nach kurzer Krankheit in Koblenz gestorben.

Wenige Stunden nach Ankunft der Trauernachricht kam auch bereits die Allerhöchste Kabinettsorder, nach welcher die Offiziere des Armeekorps auf vierzehn Tage Trauer anzulegen Hutten.

In dieser Zeit eine große Feierlichkeit mit Musik und Tanz zu begehen, das wäre nicht schicklich erschienen. Und so mußte das lange vorbereitete Regimentsfest bis zu einem andern großen nationalen Gedenktage, dem Tage von Sedan, aufgeschoben werden. Dieser Tag hätte sonst für das Regiment nur die allgemeine patriotische Bedeutung, nicht die spezielle eines Ruhmestages: denn das rheinische Armeekorps hatte ja bei Sedan nicht mitgefochten.

In anderer Beziehung aber klappte es mit der Ver­legung recht hübsch. Der 2. September siel nämlich' auf einen Sonntag. Und da am Dienstag, den 4. September, die Abfahrt ins Manövergelände im Hunsrück angesetzt war, so blieb Montag, der 3., zum Packen, und das Regiments­fest wurde so, außer einem Begrüßungsfest für die' Kvm-- mandeuse, zugleich ein Abschiedsfest.

Für die aktiven Herren bedeutete das Ausrücken ins Manövergelände einen dreiwöchigen Abschied aus der Gar­nison.

Die Offiziere des Benrlaubtenstandes würden iiberhäupt nicht mehr in die Garnison zurückkehren; sie würden sich am letzten Manövertage nach Schluß der Hebung bei der Kritik ° abmelden können und galten damit als entlassen, um von der nächsten Bahnstation aus auf dem kürzesten Wege in ihre Heimat zurückkehren zu können.

Die letzten Wochen vor dem Feste waren verhältnis- mäßig ruhig verlaufen.

Martin Flamberg hatte das Bild der Frau von Brand­eis vollendet, und damit ivar für ihn die Veranlassung zu seinen regelmäßigen Besuchen in der Villa Brandeis weggefallen, nachdem im Kreise der Intimen des Hauses bei einer SektbowleFirnistag" gefeiert worden war...

Am folgenden Morgen hatte Hauptmann von Brandeis auf dem Rückmarsch von der Felddienstübuug den hinter ihm marschierenden Flamberg an die Seite seines Pferdes gewinkt und hatte mit ihm in schnellerem Tempo einige

Schritte Vorsprung vor der marschierenden Kompagnie ge­wonnen:

Nun sagen Sie mal, lieber Flamberg, wir wollen uns ganz offen darüber aussprechen und ich denke, Sie nehmen mir das wohl nicht übel Sie haben mir da das ersehnte Bild meiner Frau gemalt. Und Sie wissen ja, ich bin in ganz erfreulichen Verhältnissen. Bitte, machen Sie mir jetzt Ihren Preis, und genieren Sie sich durchaus nicht, die Sätze zu berechnen, die Sie auch sonst von Ihren Auf­traggebern beanspruchen."

Martin Flamberg sann einen Augenblick nach. Er fand es sehr richtig und vornehm von. Herrn Brandeis, daß er es seiner, des Malers Entscheidung überließ,' wie er die Angelegenheit auffassen wolle:

Ich bitte ganz gehorsamst, Herr Hauptmann, mir ge­statten zu wollen, meine Arbeit Ihrer Frau Gemahlin als bescheidenen Ausdruck meines Dankes für liebenswürdige Gastfreundschaft zu Füßen zu legen, und Ihnen, Herr Hauptmann, als gleich bescheidenen Dank für die gütige Aufnahme, die ich schon zum zweiten Male bei der König­lichen Ersten gefunden habe!"

Brandeis markierte liebenswürdige Verlegenheit: Aber lieber Flamberg, wie soll ich das nur wieder gut machen?"

Das haben Herr Hauptmann bereits vorher getan! Nur eine Bitte möchte ich mir gestatten auszusprechen, vorausgesetzt selbstverständlich die Zustimmung Ihrer ver­ehrten Frau Gemahlin: ich möchte bitten, mir zu er­lauben, das Bild im nächsten Frühjahr in Berlin auszrxi stellen!"

Na, lieber Flamberg--selbstverständlich werde ich

ja den Fall mit meiner Frau besprechen müssen . . . aber ich zweifle nicht im geringsten daran . . . daß sie stolz sein wird, in solch einer meisterhaften Verkörperung . . . vor der staunenden Mitwelt paradieren zu dürfen. . ."

Fa, was machen wir da, Cäcilie?" fragte Brandeis daheim, nachdem er berichtet hatte.Eigentlich ist mir die Sache ein bißchen fatal. . . das Bild ist ja ein fürstliches, ein unbezahlbares Geschenk. . . das kann ich ja eigentlich gar nicht aunehmen von dem fremden Herrn."

Da wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben!" meinte Frau Cäcilie,jedenfalls müssen wir uns in irgend einer Form revanchieren."

Da fällt mir was ein: Flamberg ist doch verlobt und heiratet unmittelbar nach dem Manöver. Da werden wir ihm also ein schönes Hochzeitsgeschenk machen!"

Aber bitte, nicht etwa einen Wertgegenstand, der auch nur einigermaßen wie eine Bezahlung aussieht!"

Ne, selbstverständlich das nicht!" lachte der Haupt- mann,das möchte uns auch wohl doch ein bißchen schwer fallen! Weißt du, daß er für jedes der Bilder in der Sezession fünfzigtausend Mark bekommen hat?"

Mir fällt noch etwas anderes ein. . . selbstverständ­lich, das mit dem Hochzeitsgeschenk, das wird gemacht . . .