hierbei nicht auf das Essen größerer Quantität en derselben Speisen an, es genügt anfangs vollständig das bloße Kosten. Der Satz: 7,3aS Kind soll Men, was auf den Tisch kommt", ist dahin ab- zuändern, „das Kind soll von allen: kosten, was auf den Tusch kommt, aber seinen Hunger nur mit den: stillen, was ilstn schmeckt Und ihm bckonmlt". Wenn man diesen Grundsatz befolgt, wird man viele Kinder zu ihrem eigenen Nutzen dahin bringen, auch solche Speisen, an die sie sich nur wegen des diesen eigenen Geschmackes oder aus Eigensinn nicht gewöhnen konnten, zu genießen.
Vermischtes-
* A k a d e m i s ch e K e l l n e r i n N e w B o r k. In New Vork kann man jetzt in fast jedem Restaurant das Vergnügen genießen, von frisch dreinblickenden akademisch gebildeten Herren flink, gewandt, aufmerksam und höflich bedient zu werden. Alljährlich gegen die Sommerszeit, wenn die Vorlesungen an den großen Universitäten ihrem Ende zuneigen, beginnen regelmäßig die von Haus ans mit Glücksgütern nicht gesegneten Musensöhne eine Sommerarbeit zu suchen, bei der sie sich etwas Geld zur Fortsetzung ihrer Studien erarbeiten können. Die meisten der Studenten wenden sich dann dem Kellnerberufe zu, und diesmal fanden viele von ihnen sofort in 'New Uork günstige Anstellungen. Denn in New Uork herrscht bekanntlich ein Kellnerstreik, viele Restaurants waren noch vor wenigen Tagen von der Gefahr bedroht, ihren Betrieb vollständig einstellen zu müssen. Aber die Wirte wußten, daß nun bald die Hochflut der stellensuchendeir Studenten nahen würde, und sie fanden auch schnell Tausende von Kandidaten, unter denen sie die Geschicktesten und Gewandtesten gemächlich auswählen konnten. In: Breslin-Hotel führen heute 50 Hörer der Columbia- Universität mit Würde und Eifer Serviette und Servierbrett, in: Vanderbildt-Hotel betätigen sich 6 Mediziner, die bereits ihre erste Prüfung bestanden haben, als Ganymeds, aber fast alle großen amerikanischen Universitäten sind gegenwärtig int New Aorker Kellnerbetrieb vertreten, vor allen: die Harvard- Universitäten und die Universitäten von Penusylvanien und Princeton. Nur in dem berühmten Restaurant von Sherry fanden die akademisch gebildeten Kellner-Aspiranten verschlossene Tore, denn der Besitzer hielt es für günstiger, den Sommer über, der so toie, so eine stille Zeit bringt, fein Lokal einfach zu schließen. Insgesamt sind gegen 50 Restaurants vom Streik betroffen, doch in keinem einzigen von ihnen hat nian über schlechte Bedienung zu klagen. Infolgedessen haben die Wirte unter dem Streik so gut wie gar nicht zu leiden.
. * Tötet d i e FliegenI Es gibt noch immer Leute, die
einer Fliege kein Haar krümmen können, und das Tierchen, wenn es ihnen in den Kaffee geiallen ist, sorgfältig herausfiscüen und aus Löschpapier oder aus die Serviette legen, damit es sich trocknen und weiterfliegeii kann. Wahrlich ciire unangebrachte Tierliebe! Dian kann es vielmehr verstehen, daß ein englischer Pädagoge verlangt, jedes Kind solle abends sich die Frage vorlegen: „Wie viel Fliegen habe ich heute getötet?" und die Kinder sollten gewisser- lnaßen in Wettbewerb treten, denn es sei ein verdienstliches Werk, möglichst viele dieser kleinen Tierchen fortzuschaffen. In der Tat muß jetzt bei Beginn J)e§ Sommers, wo auch die Fliegenvlage wieder beginnt, ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß die Fliege eine der gefährlichsten Feinde der Menschheit ist, und zwar nicht bloß die große Stechfliege, sondern gerade die kleine, harmlos aussehende Musea domestica. Schon unsere Vorväter sind mit der Fliegenklatsche gegen sie zu Felde gezogen, aber wenn man bedenkt, daß eine Fliege, die im Juni herausgekommen ist, bis zum Ende des Sommers Mutter und Großmutter von etwa 25 Millionen Fliegen geworden ist, muß man zugeben, daß die Fliegenklatsche allein nicht genügt, und man muß versuchen, an den Fliegen Massenmord zu üben. Dem: diese Fliege ist nicht mehr und nicht weniger, als der tatsächliche Verbreiter aller der Bazillen und Bakterren, d:e nur im Magen des Menschen schädlich wirken. An den klernen, seinen Beinchen der Fliege, die sich aus alles nieder- laßt, aus das Ekelhasteste wie auf das Köstlichste, haften bei jedem Needersetzen desjenigen Bazillen, die die Materie enthält, und auf den nächsten Gegeustaud, also auf Obst, Brot, Zucker usw. überträgt die Flrege d:e an rhren Füßen sitzenden Bazillen, die auf diese Weise m Die Blutbahn des Menschen gelangen. Tie tödlichsten Bakterien können so verbreitet werden, der Eholerabazillus wie der Typhus- bazrllus, die Pest und die Tuberkulose. Es ist daher ein sehr guter Vorschlag, in allen öffentlichen Lokalen, besonders in solchen in denen Nahrungsnuttel verkauft oder verabreicht werden, Plakate anzubringen mit der Inschrift: „Tötet die Fllegen." Jeder, der diesem kategorischen Imperativ folgt, macht sich verdient um die Menschheit"
— Halm-Orakel. „Er liebt mich — nicht — er liebt mich — nicht — er liebt mich!" sagt Goethes Gretchen und zerzupft eine Sternblume. Jetzt im Frühling werden zweifellos tmeder^viele unglückliche Gänseblümchen das Schicksal jener klassischen Sternblume erleiden und mit ihrem zarten Leben aus zarte Fragen Antwort geben müssen. Und darum ist es wohl gerate
,£n. ber Zeit, wieder derartiger Pflanzeu-Orakel zu gedenken. Tg :st der Grashalm, den selbst ein Walter von her Vogelweite als
Liebies-OvaHel benutzte: An des Halmes Knoten zählt et <$, pH «die Geliebte ihm Huld erweisen wette oder nicht: „Lituot, gi entuot si tuot, si entuot, si tuot!“ (Ge tut es — nicht, fie tiut M — nicht — sie tut es!) Wie i»ft der Sänger auch den g)alm befragt, das Ente ist stets ein gutes. Und in der «beglückten Stimmung, in die jene günstige Auskunft den Lietestten versetzt, singt er das Lied, das anhebt mit den Worten:, „Mich hat ein Halm gemattet froh", und das endet: „Glauten, das gehört dazn>" 'Der Gras- oder Strohhalm gab aber auch auf andere als auf Liebesfratzen Antwort. Man verwendete ihn überhaupt zum Losen und zum Entscheiden unklarer Rechtsfragen: Man ließ die beiden Streitenden aus einem Strohdach oder einer Schaube je «inen Halm ziehen. Wer den längeren eMelt, der gewann, wer den Urzeren erwischte, der hatte eben — „den Kürzeren gezogen", welche Redensart wir diesem Halmorakel verdanken. Das Losen mit einer Anzahl hingehaltener, verschieden langer Grashalme nannte man „daz gräfelm ziehen". Mehr als einen Schriftsteller des Mittelalters hat das „Halmziehen" zu dichterischen Vergleichen mit den Memchenschicksalen verlockt. So sagt auch Geiler von Kaisersberg in seinen Predigten über Brants!„Narren- schiss": „Unser Leben ist nüt anders dan das Helme ziehen, einer wont (wähnt), er wel ein vast lang Helmle ziehen, so wärt eint eiwan das allerkurzest." 'Das Halmziehen — Plinius nannte es. „herbam dare“, in Frankreich heißt es „tirer ä la courte paille“ — findet auch einmal bei Shakespeare Anwendung: „We’ll draw cuts for the senior“ — „Wir - wollen halmziehen, wer der Aelteste sei," heißt es in der „Komödie der Irrungen". Ganz von der Welt verschwunden ist das Halmziehen noch nicht. Bei den Kindern chlüht es lustig weiter, um kleine Besitz- und Spielfragen zu entscheiden. Den Stadtkindern allerdings müssen Papier- streifchen gewöhnlich den grünen Halm ersetzen.
- c ? str e r. „Gar nichts gefangen heute?" — Nein, es fehlte der dritte Mann, sonst hätten wir einen Lachs gefangen
Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.
, * Ka u f m a nns d e u t s ch. Kürzlich wurde von der ost spaß,
hasten Sprache der Marktberichte gesprochen, in denen es heißt: Tee wurde gesragt, Guano gewann Haltung, Teer hielt an sich, in Schweinen war viel Lust, in Lumpen war große Beweguilg, Rinder hatten Nachirage, Oel stand sest usw. usw. Gewiß, das Hingt spaßhaft, umreiwillig spaßhast, und doch sind alle diese Wendungen eigentlich gar nickt so übel: sind sie doch alle gut deutsch, gut deutsch w:e so manches in der deutschen Kaufmannssprache. Brechm wir also nickt den Stab darüber; bildliche Wendw:ge>: roota überall und stets zart und behutsan: angesaßt fein, und man kam alles unbildlich doch schlichter und klarer ausdrücken, auch aus deutsch. Aber trotz allen ernsthastei: Bestrebungen einzelner Männer, großer und kleiner Geschäfte im deutschen Kausmaimsstande wuchert noch schier unausrottbar in feiner Fachsprache so manches wirklich entbehrliche Fremdwort, so manche ganz fragwürdige deutsche Wendung, und beide sind oft den: Nichtkausmann, auf den der Kaufmann doch auch einige Rücksicht nehme,: sollte, gänzlich, unverständlich. Wie diese Sprachverderbnis im Handetsdeutsch zu bekäinpsen ist, haben uns August Engels in Bochum und F. W. Eitzen in Hamburg in vortrefflichen Arbeiten gezeigt, die vor einigen Jahren bei einem Wettbewerb des Sprachvereins preisgekrönt worden sind. Sie sind zusannneu als .Kausmannsdeutsch' :,: Buchform erschienen und durch den Verlag des Vereins (Berlin W 30, Motzstraße 78) für 1 Mk. zu beziehen. Kürzlich ist be° retts dre vterte Auflage erschienen. Jeder deutsche Kaufmann, der das Buch noch nicht hat, sollte es erwerben; er wird eine Fülle von Anregung daraus schöpfen und, selbst wenn er nicht ganz d:e darin vertretene Ansicht teilt, sich doch sagen müssen, daß er in gewissen Grenzen auch mitbelfen kam:, ein reines und verständliches Kaufmannsdeutsch zu schaffeu.
Logogriph.
Mit „K" geschieht es alle Tage, Wohl dem, der immer in der Sage» Mit „L" ist's Denen nicht genehm, Die träge sind und sehr bequem. Mit „R" tun's Buben gar nicht selten, Wenn auch die Lehrer darob schelten. Mit „T" tritt man ins Leben ein, Bisweilen braucht man's auch beim Weim Auslösmig in nächster Nummer.
Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummerr
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Redaktton: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Uni^chtäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lang.:,


