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entgegen.Ich hab's ja gesagt," erklärte Karli trium­phierend,daß du zu uns kommst. .Und jetzt erzählst du uns Märchen," rief Magda dazwischen. ...

Frau Neumann lachte:Seh mal emer dre Egoisten an. Lassen Sie sich nicht einfangen, Fräulein Signe. ^Gleich legt ihr euch wieder hin und deckt euch ordentlich Zu. Sre gab jedem einen Kuß.So, und nun müssen wer wieder gehen, Kinder." ,

Sie lagen ganz still und artig. .Aber ihre Augen-leucht teten so sehnsüchtig. ' . 1 0

Kann ich nicht ein wenig bei ihnen bleiben? Nur ein Mertelstündchen?" bat Signe.

Karli hatte sich schon wieder aufgerichtet und stimmte, alle Artigkeit vergessend, ein Triumphgeheul an.

Aber, Fräulein Signe"

Bitte, lassen Sie mich ein paar Minuten hier. Ich finde den Weg allein zurück." _

Diese Krabben! Papa wird kommen! Wartet nur!" Und dann sagte die Mutter doch:Sie sind so heö, gu den Kindern, und die haben Sie so lieb. Wenn Sie wirk­lich wollen..."

Aus dem Märchenerzählen wurde freilich nichts. Signe konnte kaum sprechen. Wer sie ging von dem einen Rettichen zum andern, küßte die Kleinen, rang sich ein paar Worte ab.

Tante Signe, du bist so anders! Tante Signe, du bist so ernst heute."

Man kann doch nicht immer lustig sein, Karli. Wenn ich wiederkomme, bald, erzähl ich euch dafür die schönsten Geschichten..." c

Es wurde stille im Zimmer. Ws ob die Kinder.mit unbewußtem Feingefühl irgend etwas Fremdes in Signe respektieren wollten.

Sie hatte sich einen Stuhl zwischen beide Betten ge­zogen. Hier saß sie, und jedes der Kleinen hatte glücklich eine Hand erwischt und streichelte die, die Hand und all­mählich ein Stückchen Arm, leise und zärtlich.

Einmal sagte Magda:Du hast ganz kalte Hände, Tante. Steck die doch ein bißchen unter mein Bett, ich geb dir gern was ab." Da umfaßte sie Signe und beugte sich tief über fie. Aber gleich rief Karl:Ich will Tante auch warm machen." Der eifersüchtige kleine Kerl!

Eine ganze Weile saß sie wieder still zwischen Leiden Kindern. Dann und wann tat eins eine halblaute Frage irgend etwas kindlich Gleichgültiges. Ob das Essen sehr schön geschmeckt hätte? Ob Anguste wieder ein paar Gläser hingeworfen hätte? Sje antwortete. Aber ihre Gedanken wanderten.

Zurück in die Vergangenheit!

Alles hatte der heutige Abend wieder erweckt und bloß­gerissen.

Aber was war das eigentlich, >vas sie heut so packte und schüttelte, daß sie aller Selbstbeherrschung bar wurde? Liebe? Wiedererwachende Liebe?

Wenn es noch das gewesen wäre! Das hätte Schmerzen gebracht, aber in den Schmerzen das Glück, Glück auch ine Entsagen.

Es war aber nicht Liebe. Und das lvar das De­mütigendste: nichts anderes war's, als tiefverletzte Eitel­keit! Ganz klar erkannte sie das mit ihrem scharfen Ver­stände. Wenn Viktor heut bei ihrem Anblick zusammen­geschauert, wenn das Blut ihm jäh ins Gesicht geschossen wäre, sie hätte triumphierend vor ihm gestanden, hätte ihm mit einem Lächeln die Hand hinstrecken können.

Es wäre auch, dabei wohl ein Rest wärmeren Empfindens gewesen, doch den hätte sie niedergehalten. Rücksichtslos, wie immer sie's selber geschmerzt haben würde.

Aber daß er'sie übersah, daß ihr Anblick nicht in seinem Herzen alle alten Wunden bluten ließ und die alte Sehn­sucht wachrief, daß er in ihrer Gegenwart einer anderen, 'huldigen konnte: das hätte sie so tief getroffen.

unb dessen schämte sie sich und wußte doch:Deine Eitelkeit ist stärker als jede Selbsterkenntnis." Und fühlte zugleich in der tiefsten Unterströmung ihrer Seele:Darum bist du immer arm und armselig. Du hast die Sehnsucht^ jemand lieb zu haben, und wirst immer einsam bleiben."

,Hab mich doch ein bissel lieb." bat die kleine Magda.Mich auch ein bissel lieb haben" echote Karli. Du bist ganz komisch heute. Taute Signe."

Hab mich doch ein bissel lieb . . ."

Ja, ja doch. . . ihr lieben, lieben Kinder.

Und sie umschlang sie. Und küßte sie. doch . . - lieb haben. . ."

*

Als Signe wenige Minuten später in den großen Mittel­salon eintrat, war fie ganz ruchig, hatte sie ihre stolze, kühle Haltung völlig zurückgewonnen. Sie ging zur ^Haus­frau, die in einem großen Kreise älterer Damen saß, und sprach von den Kleinen, daß Frau Neumanns schönes Ge­sicht vor Mutterglück strahlte. Sie sah zu Viktor hinüber und befahl ihrem Herzen, nicht um einen Schlag schneller zu pochen. Und sie sah zu Dodo hin, die mit der jüngsten Jugend irgend ein sehr harmloses, sehr altmodisches Pfänderspiel spielte: Fritz Neumann war eifrig dabei und wahrscheinlich Dodos begeisterter Ritter.

Dann wurde unter großer Umständlichkeit aufgebrochen, mit vielen Danksagungen gegen Wirt und Wirtin, dem üblichenes war reizend bei Ihnen" und ,aus baldiges Wiedersehen". Im Korridor war ein ziemliches Drängen, ein paar Diener standen mi Mäntteln und Pelzen an den Wänden: eine sehr korpulente Dame zog sich die Galoschen an und füllte die halbe Breite des Flurs. Signe eilte ist die Garderobe. Sie war froh, daß Viktor noch in den

Zimmern geblieben war.

Aber gerade, als sie mit Dodo aus dem kleinen Raum, in dem die Damen abgelegt hatten, herauskäm, traf sie auf ihn. Er hatte schon den Paletot an, den Zhlinder auf und war im Begriff, sich eine Zigarette anzuzünden.

Als er sie sah, trat er einen halben Schritt zuruch um ihr Platz zu machen, und zog den Hut. Dann während sie auf das Treppenhaus hinaushuschte, so nah an ihm vorbei, daß ihr Mantel ihn streifen mußte, horte sie, wie er mit heiterer Stimme zu Dodo sagte:Adieu, gnädiges Fräulein. Sonntag mittag auf Wiedersehen. Meine gehorsamste Empfehlung daheim." ,

Signe mußte warten, denn die Schwester zögerte. sprach wohl noch mit ihm, oder Fritz Neumann war noch einmal auf den Flur hinausgekonimen. Fröhliches Lachen klang auf. Eine alte Dame, die neben Signe die Treppe hinunterging, langsam und vorsichtig, mit der Hand am Geländer, meinte:Die liebe Jugend kann wieder einmal

fein Ende finden." ... . ,

Dann kam Dodo wie der Wirbelwind, zwei Stufest auf einmal.Du, ich soll dich von Elly grüßen. Du hast ihr nicht mal Adieu gesagt. Aber sie läßt dir sagen, bös sei sie dir dicht. War das ein reizender Abend!"

Sie stieg wortlos in den Wagen. Aber als Dodo den Schlag geschlossen hatte, brach mit einem Male die Bitter­keit in ihr durch. Sie konnte sich nicht mehr bezwingen. Irgendwie mußte sie sich Luft machen. Und so stieß, sts heraus- , Ein reizender Abend! Es wird allmählich banal, so ost wiederholst du das, jedesmal, wenn wir aus sind! Heut nun du scheinst freilich besonders auf deine Kosten gekommen zu sein. Dieses halbe Kind... ich weiß nicht, was du dir dabei gedacht hast!"

Sie hatte sehr schnell gesprochen und schämte sich, sobald sie abbrach. . , .

Dodo, die sich schon rn ihrer Wagenecke eingekuschey! hatte, fuhr jäh auf. Wie ein gereiztes Kätzchen, mit blitzen­den Äugen. ...

Aber gleich schüttelte sie den Kopf und >aate nur leiser Arme Signe."

(Fortsetzung folgt.)

Georg Büchners Wiederkehr.

(3U seinem 75. Todestage, den 19. Februar.)

Von Dr. Paul Landau.

Das Scherbengericht der Nachwelt ist hart und uuerbMich Und zahllose Dichter, denen ihre Zeit begeistert zujubelte und die sich in stolzen Unsterblichkeitshvffnuugen wiegten, hat es lang- und klanglos im Orkus der Vergessenheit verschwinden las,en. Aber das Urteil der Geschichte ist auch darin unfehlbar gerecht, daß es das, was wirklich groß und bedeutend war, in dem ungeheuren papiernen Blätterwald der Literatur, nicht untergehen läßt, sondern cs immer wieder heraushebt und späteren Geschlechtern KU Genuß Und Wür­digung darbietet.

Als am 19. Februar 1837, bor nun DreivierteliahrhUnderh der 23 jährige Privatdozent in Zürich!, Georg Büchner, von einem schweren Typhus binnen wenigen Tagen hingerafft, in schwärme­rischen Tvdes'phantasien sein junges Leben verhauchte, wer wuM da viel von ihm, Wer hätte geahnt, daß kommende Generativnest in ihm ein großes Genie verehren würden? Alles Gedruckte, daK ihm damals ein schwaches Unterpfand für künftigen Ruhm