Montag den 19. Kebruar
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Glückslasten.
Roman von Hanns von ZobeltiA tNaMruck verboten^
(Fortsetzung.)
' Auch die Hausfrau war ausgestanden. Sie sah heut besonders schön aus in ihrem olivgrünen Samtkleide mit den drei Goldspangen in dem wundervollen Blondhaar. Schön und jung — es hätte ihr niemand den erwachsenen Sohu zugetraut. Und wie sie so stand und gerade zu ihrer Tochter und Viktor hinüberblickte, traten die Grüb- chen im Flaum ihrer Wangen hervor und verjüngten sie noch mehr. So glücklich sah sie aus. 1 >
So eigen glücklich ! Signe wenigstens fühlte das. Sie folgte unwillkürlich dem Blick der Hausfrau und sah, wie Viktor sich zu Ellh neigte und wie sie Leide lächelten.
Sie hätte lachen und weinen mögen zu gleicher Zeit. Lachen und weinen über sich selber. War's denn nicht lächerlich,' daß ihr Herz jäh zuckte? War's denn nicht zum Weinen, daß sie sich nicht freuen konnte über das junge Glück, das dort vielleicht aufblühte?
Dann wurde endlich, endlich die Tafel aufgehoben. Man sagte sich vorn in den Salons wortreich Gesegnete Mahlzeit; die beiden Diener und die beiden Mädchen mit den koketten weißen Häubchen präsentierten den Kaffee; es bildeten sich kleine Gruppen; der Hausherr lud die Herren ziemlich geräuschvoll zu einer Zigarre in sein Arbeitszimmer.
Seine Exzellenz war bei Signe geblieben und schien noch nicht ganz fertig mit seinem Vortrag über die kulturelle Entwicklung Rumäniens. Endliche erlöste Frau Neumann sie: „Ich kann Sie nicht mehr mit dieser Respektsperson sehen, liebes Fräulein von Gudarcza," sagts sie in ihrer herzlichen Art. „Ueberhaupt eine komische Idee von meinem Manne, diese Tischordnung. Aber was er sich einmal in den Kopf gesetzt hat, davon läßt der alte Bär nicht. Und schließlich war's ja auch ein Ausdruck seiner besonderen Verehrung für Sie. Jetzt müssen Sie zur Jugend."
„Bitte — nein!" schrie es in Signe, und zugleich: „Ja! Ja! Ich will doch sehen, ich will doch sehen!"
Dann fügte es sich, daß sie im Eingang zum nächsten Zimmer auf Dodo und den jungen Neumann stießen. Die Mutter blieb stehen und sah ihren großen Sohn zärtlich an: „Nun, Fritz, zu Hause ist's doch am schönsten? Wie macht sich denn mein junger Bär, Fräulein von Gudarcza? Hat er bei den rauchenden Essen und seinen geliebten Maschinen auch nicht verlernt, ein toeittg. die Eour zu schneiden? Als Primaner zeigte er entschiedene Anlage."
Dodo behauptete, das müßte lange her sein; sie hätte beim besten Willen nichts bemerkt. Der Ingenieur sagte
lachend: „Und ich hab mir solche Mühe gegeben." Sie scherzten alle drei noch ein Weilchen weiter, Signe lachte mit und wußte nicht worüber. Sie sah nur Vcktor, der drüben in der Fensternische mit der Tochter des Hauses sprach, warm und angelegentlich. Und sie sah, wie aufmerksam die kleine resolute Ellh lauschte.
Einmal hob Viktor den Blick. Signe fühlte, wie der dem ihren begegnete. Wer gleich «sah Kaltenegg wieder fort und sprach mit Ellh weiter.
Jäh kam ihr der Gedanke, zwingend fast: „Geh zu ihm, gib ihm die Hand, sag ihm etwas . . . irgend etwas Gutes. Was dir der Augenblick eingibt." Aber sofort ries ihr Stolz: „Nein! Nicht betteln! Lieber hungern, als betteln!"
Dabei hatte sie die deutliche Empfindung: „Dort drüben erzählt Viktor jetzt von seinem Leben. Deinen Namen wird er nicht nennen. Aber er wird von dem Mädchen sprechen, das er geliebt und das ihn betrogen hat, und davon, daß sich nun — nun endlich die Wunde schließt."
Es war so unwahrscheinlich. Sie sagte es sich selber: Welcher Mann, der um ein Weib wirbt, spricht von einer Liebe, die er überwunden hat? Aber sie konnte von der Vorstellung nicht frei kommen. Und ihr war's immer, als hörte sie Ellys: „Pfui — wie häßlich !"
Dann sagte Frau Neumann plötzlich: „Woher kennen Sie eigentlich Herrn von Kaltenegg?"
Die Frage lag so nahe, Signe hatte sie längst erwartet. Sie hatte sich die Antwort zurechtgelegt. Nun konnte sie doch die Worte nicht finden. Da fiel Dodo zum Glück schnell ein: „Er stand ja in Körlin in Garnison, gnädige Frau. Wir haben uns vorhin viel von dem lieben kleinen Nest erzählt."
Folterqualen litt Signe. „Nun wird sie weiter fragen? Wird dich hinüberführen. Muß schließlich merken, wie es zwischen euch stand. Und wenn er sich nicht verrät — du bist ja mit deinen Kräften am Ende."
Da bat sie mit einem plötzlichen Entschluß: „Sind Karli und Magdalena eigentlich schon zu Bett, gnädige Frau? Ich hätte sie doch so gern gesehen."
„Wirklich? Die Kleinen liegen schon in den Pofen, aber sie schlafen sicher noch nicht. Wenn Sie wirklich wollen, so kommen Sie nur."
Sie mußten durch das Speisezimmer zurückgehen. Ein- Diener begegnete ihnen mit Erfrischungen. Signe nahm ein Glas Wasser von dem Tablett und trank es in einem Zuge leer; ihr Gaumen war wie verdorrt. Dann ging es dnrch einen langen, halbdunklen Korridor, und endlich öffnete Frau Neumann eine Tür. Die Kinderstimmen schlugen ihr entgegen: „Mama! Mama! Was bringst du uns mit?"
„Da hier! .Seht nur!"
„Tante Signe! Tante Signe!" Sie waren beide in den Bettchen aüsgestanden und streckten Signe die Aermchen


