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Warum?"

Weil unsere Leute nicht zögern werden, das Haus von oben bis unten zu durchsuchen und Sie bestimmt in Stücke zerreiben. Nein, nein, es ist wohl ernt besten, ich gehe hinauf und bereite sie vor, wenn ich auch nicht sagen kann, was sie anheben werden, sobald sie diese verhaßte Uniform -erblicken,"

Wenn ich sie nun ablegte?"

Vortrefflich!" rief ich,da hätten wirs ja! sie ziehen Ihre Uniform ans und legen die meinige an, so wird fein: Franzose Hand an Sie legen."

Tie Franzosen fürchte ich weniger als die Polen."

Nun, meine Uniform wird Ihnen ein Schutz gegen beide sein."

Wie kann ich Ihnen genug danken?" rief er erfreut aus. Aber Sie, was werden 'denn Sie tragen?"

©ie wollten der Gefahr Trotz bieten, Ihrem' Edelmut zum Opfer zu fallen?"

Es ist 'meine Pflicht, und Furcht kenne ich nicht," antwortete ich fest.Mit Ihrer Uniform angetan, steige ich hinauf. Hundert Säbelspitzen richten sich gegen mich.Halt!" rufe ich,ich bin der Brigadier Gerard!" Sie betrachten mich, sie erkennen mich, und nun werde ich ihnen Mitteilung über Sie machen. Und dieses mein Gewand wird der Schild sein, hinter welchem Sie geborgen sind."

Mit vor Ungeduld zitternden Fingern riß er seinen Waffen­rock ab. Stiefel nnd Hosen waren bei beiden gleich und brauchten deshalb nicht gewechselt zu werden, hingegen überließ ich ihm Kusarenjacke, Säbeltasche, Tschako und Wehrgehenk und nahm dafür seine hohe Schafpelz-mütz-e mit dem goldenen Abzeichen, feinen pelzbefetzlen Rock und feilt krummes Schwert. Selbstver­ständlich versäumte ich auch nicht, meinen heißgeliebten Brief aus deut alten in den neuen Rock zu stecken.

Jetzt waren wir fertig: ich verbeugte mich höflich gegen ihn und bemerkte dabei:Nun werde ich Sie mit Ihrer Erlaubnis aN ein Faß binden!" (Fortsetzung folgt.)

Allerlei 5tudentenstreik§.

Der Ausstand der Kaller Klinikerschaft, der sich auch die Gießener angeschlossen hat, ist zwar ungewöhnlich, hat aber doch zahlreiche Vorgänger, mehr vielleicht, als man gemeinhin denken mag. Hat in.der neuesten Zeit dieGroß­machtstellung" des Studenten mehr und mehr Einbuße erlitten, so daß Machtentfaltungen, wie die Streiks doch nun einmal dar­stellen, aus dem Gebrauche gekommen sind, so wissen doch die Annalen des Studenteutums von einer ganzen Reihe von Stu­dentenstreiks zu berichten, die fast immer mit einem vollen Siege der Musenföhne geendet haben. Wenn man nicht mit feinen Forde­rungen durchdrang, dann schritt man eben zum Auszüge, der fast durchweg für die Bürger eine schwere wirtschaftliche Schädigung darstellte. Am bekanntesten unter allen studentischenAuszügen" dürste jene denkwürdige Wanderung der Prager deutschen Stu­denten unter Führung Johann Hoffmanns von Schweidnitz sein, dem die Universität Leipzig ihr Dasein verdankt. Aber am be­rühmtesten, nicht zuletzt durch ihre poetische Verherrlichung, sind die Jenenser Studentenstreiks aus den Jahren 1792 und 1822 geworden. Ein Konflikt war int Juli 1792 zwischen bet Weim'a- rifchen Regierung und der Studentenschaft ausgebrochen, die sich die geplante Ueberwachnng der Korporationen keineswegs ge­fallen lassen wollte. Da ihren Forderungen nicht willfahrt wurde, alle Verhandlungen vielmehr im Sande verliefen, so zog am 1.9. Juli 1792 morgens 3 Uhr die Studentenschaft in Stärke von 500 Mann aus dem .Johannistore der Stadt, entschlossen, in Erfurt die Studien fortzufetzen. Man kam auf der Wanderung- nach dem kurmainzischen Dorfe Nohra, wo mit der Regierung zu Erfurt Verhandlungen ange'knüpft wurden. Da, als die Erfurter sich schon zur Aufnahme bereit erklärten, entschloß sich die säch- sische Obrigkeit schweren Herzens, die Unbotmäßigen zu be­friedigen. Auf dem Rückwege zogen dann die Studenten mit fliegender Fahne unbehelligt durch Weimar. In Jena wurden sie von der Bürgerschaft mit herzlichen Ansprachen und unter .Kanonenschüssen eiugehvlt, und auf der weißen Fahne, die dem Zuge vorangetragen wurde, prangten die Worte:Vivat libertas academica!" Als die Behörden Jenas im Jahre 1822 das bis dahin gestattete Nächtliche Singen ans den Straßen verboten, da rüsteten Jenas Musenföhne zum zweitenmal zu einem Auszüge. Diesmal wanderte man . nach Kahla, und auch dieser Streik endete mit einem vollen. Siege der Studentenschaft und einem erneuten triumphierenden Einzüge in die Stadt. Auch in Göttingen scheuten sich die Studenten nicht, gegebenenfalls gehörig mit ihrer Macht auszutrumpfeu. Im Hochsommer 1790 lagerte die ganze Stu­dentenschaft 14 Tage lang schmollend ans dem Kerstlingeroder Felde, nm dann voll einem Bürgerdeputierten und einem Mitgliede der Akademie seierlichst ciugeholt zu werden! Und nach der Rückkehr traten die Anführer der Ausgewanderten zu einem Gericht zu­sammen und zwangen die Bürger, die den verfolgten Studenten ihre Häuser verschlvsseu oder keine Hilfe geleistet hatten, vor ihrem

Richterstuhle zu erscheinen, nut ihr Urteil enchfaugen. Dieses sonst beispiellose Gerichthalten dürfte wohl der Höhepunkt der stu­dentischen Machtentfaltung gewesen sein. Im Jahre 1846 gab es auch in Gieße n höchst ergötzliche Szenen bei einem Studenten- streike. Die Zensur.war damals gewaltig streng: auch dieiSchutz- mannschaft hatte Unfug treibende Studenten stetsauf dem Kieker". So kam es schließlich zu Demonstrationen. Und als dann die Universität Militär herbeirief, um Ausschreitungen zn verhüten, da setzten die studentischen Führer entschlossen einen Auszug ins Werk. In seltener Einmütigkeit zog die gesamte Studentenschaft aus den Staufenberg mit flatternden Fahnen und unter dem ge­meinsamen Sauge ideS Liedes:

Lidjiim, Lidjunt, Lidjnm, lei, Schuftig ist die Polizei."

Auf dem Staufenberg entstand int Handumdrehen ein kleines studentisches Staatswesen mit militärischem Anstrich unter einer provisorischen Regierung". Zwei der verwegensteit Studenten wurden.schließlich -nach Gießen geschickt der eine von ihnen war der damalige Korpsstudent Wilhelm Liebknecht, der spätere Parlamentarier und -der viertägige Auszug endete mit dem 'ge­wünschten Erfolge. Die Strafen werden zurückgcnommeu und die Untersuchungen niedergeschlagen.

In neuester Zeit hat es verschiedentlich Studenteustreiks zum Ausdrnck der Mißbilligung unliebsamer Lehrer oder von Regie rungscrlassen. gegeben. Die 'bekanntesten in Deutschland sind wohl der Streik-in Marburg 1893 nnd der in Hannover vom- Jahre 1905, der mit einem Auszüge der Studenten nach Hildesheim seiuen Höhepunkt erreichte.

vermischtes.

** Küustleris ch er Wand s ch mu ck. Näher und näher rückt die Weihnachtszeit und mit ihr die Qual der Wahl wogen geeigneter Geschenke. Sicher hat jedermann das Bestreben, mit seinen Gaben eine wirkliche, dauernde Freude zu bereiten, aber -wie oft wird da vorbei gewählt und ein Gegenstand -erworben, der alsNeuheit" empfohlen wurde, mit dem aber der Empfänger ganz und gar nichts anfangeu kann. Man wird es uns daher vielleicht Dank wissen, wenn wir auf ein Geschenk Hinweisen, das sicher allseitig gern angenommen wird und das keinerlei Mode unterworfen ist, sondern oft Generationen hindurch Friede, Freude nnd Sonnenschein int Heim verbreitet. Ich meine gute Wandbilder. Nun wird mir gewiß zugerufen:Ja, das ist nichts für uns, das ist für die Reichen. Gute Bilder sind bekanntlich auch teuer!" Verzeihen Sie, das ist ein leider weit verbreiteter Irrtum, der im Mittelstände und Arbeiterkreisen noch immer recht stark verbreitet ist und sie nur selten -an -ein -gutes Kunstwerk als Geschenk denken läßt. Es gibt Hunderte von farbenfrohen Steiukuustgemälden, alles Originale bedeutender zeitgcu,-äffischer Künstler, Bilder von künstlerischem Wert und künstlerischer Wirkung, die zu für jedermann -erschwinglichen Preisen (1 Mk. bis 5 Mk. für das Blatt je nach Größe) zu haben sind und alles das bieten, was man von -einem -guten Waudbild-e für ^>as deutsche Haus verlangen kann. Ein kleines Prachiwerkchen Die farbige Künstlerlithographie und ihre Bedeutung für die künstlerische Kultur" mit interessantem Texte und übtzr 200 farbigen Bildern (R. Voigtläuders Verlag, Leipzig, Preis 40 Psg.) bietet für jeden Kauflustigen leichte Auswahl und macht selbst 'die sonst mühselige Arbeit zu -einem Genuß.

Silbenrätsel.

et, da, borr, eit, frei, frei), gen, har, hi, ir, len, m, wo, net, ui, ui, nf, nöl, o, o, ph, rat, re, sch, si, tat, iho, u, um, wer, vio.

Ans vorstehenden Silben nnd Buchstaben sollen nenn Wörter gebildet nnd derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangs­buchstaben von oben nach unten nnd die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein Sprichwort ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:

1. Eine Unterrichtsanstalt.

2. Geschichtlich bekannten Ort.

3. Stadt in Westfalen.

4. Strom in Borderasten.

5, Nützlichen Gegenstand.

6. Ein Musikinstrument,

7. Nordamerikanischen Freistaat.

8. Mittelhochdeutschen Dichter.

9. Französischen Staatsmann.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Logogriphs in voriger Nummer: Sperber, G erber, Berber, Werber.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen.