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UM seinen Hass und vergoß Freudentränen an seiner Brust. Gie war eine Zeitlang so erregt, daß es ihr unmöglich war, die Heiratsurkunde zu unterzeichnen. Und wahrhaftig, dieses wunderbare Erscheinen des Vaters war auch zu viel für mich und für uns alle. Wie wir nach Hause gekommen find, weiß deshalb auch keins von uns. Eine solche Trauung war wohl kaum je einem Sterblichen zuteil geworden.

Tas Hochzeitsessen war gleichfalls einzig in feiner Art. All unsere Sorgen waren endlich verschwunden, die Freude ohne Ende. Allmählich erfuhren wir die ganze Geschichte wie Garcia durch List seine Feinde hinters Licht geführt hatte, tote er ans seinem Gefängnis entwichen und nach San Franzisko entkommen war/wo er mein Telegramm gesehen und erfahren hatte, daß Marcella wohlbehalten bei mir eingetroffen war, tote er nach London gereift und merkwürdigerweise auch im Hotel Cecil abgestiegen war, wo er vom Geschäftsführer sonderbare Dinge vernommen hatte.

Int Anschluß ait diese Mitteilungen erzählte ich meinem neuen Schwiegervater nun, welche mannigfache Gefahren ment geliebtes Weib unterdessen durchgemacht hatte, und wie ich vom ersten Blick in ihre entzückenden Augen an entschlossen gewesen war, sie um jeden Preis zu meiner Lebensgefährtin zu machen um sie vor jedem Leid zu bewahren. Ich merkte, daß meine Schilderungen Herrn Garcia stark ergriffen, und seine tiefempfundenen Dcmkes- worte und feine Beileidsbezeigungen für all mein erlittenes Ungemach sagten mir, daß es an der Zeit sei, meine Er­zählung abzubrechen. Aber das half nichts, denn sobald ich anfgehört hatte, ergriff Marcella das Wort uitd erzählte ihrem Vater so wunderbare Dinge von der Großmütigkeit und dem Opfermut ihres Gatten, daß ich errötend die Schultern zuckte und bescheiden bemerkte, das sei zuviel des Lobes, und durch das Glück, Marcella meine Frau nennen zu dürfen, sei ich schon überreichlich für meine Dienste belohnt.

Dann ließen wir in gegenseitigem Einvernehmen das unerquickliche Gesprächsthema fallen und tranken auf die Vernichtung unserer Feinde und auf unser eigenes Wohl­ergehen; darauf hielt Mortimer ttoch eine launige Ansprache, und damit hatte die Fröhlichkeit den Vorsitz an unserer kleinen Tafel.

Als die Zeit zum Aufbruch kam, machte ich den Vor­schlag, einen späteren Zug als bett vorher bestimmten zu benutzen; aber davon wollte Vater Garcia nichts wissen.

Nein, tteitt, sagte er, ich komme mit nach London oder vielmehr wir kommen mit Fräulein Belton und ich (hierüber machte Gregory ein betrübtes Gesicht) und bringen die beiden glücklichen Paare weg. Doch ehe wir vom Tisch aufstehen, muß ich noch eilte kleine Formalität erfüllen. Während er dies sagte, zog er ein kleines Maro- quin-Lederetui aus der Tasche. Ich bekam durch einen Rich­monder, den ich gestern abend zufällig im Hotel traf, Wind von den bevorstehenden Ereignissen und habe deshalb, bevor ich herausfuhr, rasch ein kleines Hochzeitsgeschenk für Ihre Schwester gekauft. Hiermit überreichte er mit einer Ver­beugung Helen das Schächtelchen.

Als sie es öffnete, stieß sie einen Schrei des! Entzückens aus, denn aus dem Etui strahlten ihr so prächtige Edel­steine entgegen, wie sie in unserem bescheidenen Heim noch keine gesehen hatte.

Darauf griff Herr Garcia noch ein zweites Mal in die Tasche. Er brachte ein Scheckbuch hervor und bat um eine Feder. Als er dieses Instrument bekommen hatte, kritzelte er etwas auf ein Blatt, schrieb seinen Namen dar­unter und händigte es Marcella ein.

Hier ist ein kleines Hochzeitsgeschenk für dich, mein Kind.

O, Papa! rief sie! hunderttausend Pfund!

Gareia lachte.

Ist das nicht genug für euch beide,ne Zeitlang! damit auszukommen? Einstweilen müßt ihrs damit versuchen.

Aber, Schwiegervater, stammelte ich, das muß doch für Marcella sestgelegt werden.

Warum? fragte er. lieber derartige Festlegungen können wir ja später reden. Dies ist für euch beide, damit ihr euch für die nächste Zeit über Wasser halten könnt.

Aber, sagte ich, da sind auch noch die zehntausend Pfund.

Garcia lachte wieder.

O, von dem, was davon übrig ist, meinte er scherzend, könnt ihr das Hochzeitsmahl bezahlen. Doch bitte ich, diese

Dinge nicht weiter zu erwähnen. Wenn ihr nun übrigens den Zug noch erreichen wollt, müssen sich die Damen rasch zurechtmachen.

Innerhalb einer Viertelstunde stiegen wir reisefertig in die vor dem Hause wartenden Wagen und fuhren alte vergnügt nach dem Bahnhof.

Auf der Station Waterloo verabschiedeten sich Garcia und Lucy von uns. Mortimer und Hclcn verließen uns erst etwa aus halbem Wege. Sie hatten ein anderes Reiseziel als wir, die wir unseren reizenden Honigmond in Bourne­mouth verbrachten.

*

Zum Schluß bleibt nur noch wenig nachznträgeit. In­spektor Beate hatte unsere Hochzeitsfreude und -sicherheit durch die Nachricht vermehrt, daß er die Führer der Bande bei einer nächtlichen Sitzung überrascht und dingfest ge­macht hatte. Der Marquis de Hauteville war im Haiid- gemenge gefallen, lieber das Schicksal der Gräfin Katinsky und ihrer Mitverschworenen ist wenig bekannt geworden, weil die Verhandlungen gegen sie aus naheliegenden Grün­den unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit stattfanden. Sie wurden alle an ihre verschiedenen Heimatländer abgeschoben, wo sie der schuldigen Strafe nicht entgangen sein werden. Bertholdi wurde int Gefängnis zu Wandsworth, wo ich die schrecklichste Woche meines Lebens zugebracht habe, an den Galgen geknüpft, Hephzibah und die Baronin von Eißen wegen der Ermordung meiner Tante vor Gericht gestellt. Gegen die Baronin wurde auf Todesstrafe erkannt, gegen Hephzibah, die plötzlich geisteskrank und zur Verteidigung unfähig war, auf Internierung in eine Irrenanstalt.

Gregory und Lucy sind glücklich verheiratet Herr Garcia hatte ihnen eine anständige Ausstattung gegeben. Gregory hat fein Examen nach geholt und meine Praxis in Richmond übernommen, wo "es ihm ganz gut geht. Mar­cella und ich und unser dreijähriger Stammhalter haben sie letzte Weihnachten in nnserem alten Heim ausgesucht und einige schöne Tage bei ihnen verlebt.

Mit Inspektor Beale treffe ich noch häufig zusammen und plaudere mit ihm über frühere Zeiten. Ich bin der Meinung, daß er die Arbeit jener Tage gut attsgenntzt hat, denn kurz nachher ließ er sich pensionieren, und er scheint jetzt in recht auskömmlichen Verhältnissen zu leben. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen.

Marcella und ich verbringen den größten Teil des Jahres in unserem niedlichen Landhaus und fühlen uns so glücklich wie nur möglich. Der Vater kommt jeden Sommer aus Amerika zu Besuch zu uns. Augenblicklich ist er gerade wieder da wie auch Helen; und mein alter treuer Freund Mortimer, bereit kleines Mädchen mit un­serem Jungen draußen im Garten spielt. Während ich schreibe, höre ich ihr fröhliches Lachen.

Und während ich noch schreibe, bringt eilte andere liebe Stimme an mein Ohr. Ich blicke auf und sehe meinen lieben Schatz über mein Papier gebeugt.

Hast du die Geschichte jener schrecklichen Zeit, wo ich! als Fremde int Schneesturm zu dir kam und dir so schweres Leid bereitete, bald fertig? fragte sie teilnahmsvoll.

Das waren ja nur wenige Tage, antwortete ich, die müssen wir nun endlich vergessen, zumal ich auch mit meiner Erzählung am Ende bin.

Der Arme und dar Recht.')

Von Amtsrichter Tr. M a h in Osthofen (Rheinhessen). ' ' Die Rechtsstellung der Armen ist heute eilte andere, wie int Mittelalter. Alle Ermahnungen des alten und des neuen Testa­mentes, des Armen nicht zu vergessen, sondern sich seiner zu erbarmen, konnten nicht verhindern, daß der Arme minderen Rechtes war.Des Armen Herberg ist bei Helfdirgolt" in diesem alten Spruch drückte sich seine rechtliche und volksgesell- schaftliche Geltung aus. Erst die neuere Zeit hat mit dem Grund­satz:Gleiches Recht für Alle" und mit der Großtat unserer! Verficherungs- und Unterstützungsgesetze einen Umschwung Gunsten der Armen herbeigeführt.

Gleichheit vor dem Gesetz heißt vor allem: der Arme und Niedrige darf von Recht und Richter nicht deshalb schlechter be­handelt werden, weil er arm und niedrig gestellt ist. Die Binde, die die Gerechtigkeit um die Augen trägt, soll sie davor schützen, die Rechtsuchenden daraufhin anzufchen, ob sie reich oder atm1,

*) Aus der volkstümlichen WochenschriftDeutsches Rechts herausgegeben von Amtsgerichtsrat Karl Kade, Berlin-Waid-. mannslust (Verlag von Rauert u. Pittius, Sorau N.-L.).