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Die Dame im Pelz.

.Roman von G. 23. Appleton.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Damit war unser Glückstag endlich in greifbare Nähe gerückt.

Der ersehnte Mittwoch kam endlich heran. Es war ein klarer, kalter Wintermorgen. Die Sonne schien so hell, tvie sie es um diese Zeit nur kann, und wir waren mit den ersten Bügeln aufgestanden. Zwei Bräute und ein Bräutigam in einem einzigen kleinen Hause war ein Re­kord, auf den wir nicht wenig stolz waren.

Ich hatte ausgemacht, von unseren früheren Plänen nicht abzuweichen. Die Hochzeit sollte nur die Fortsetzung oder vielmehr die Ergänzung der bereits früher begonnenen Trauungsfeier sein. Die einzige Veränderung bestand darin, daß es nun ein Doppelfest war.

Die einzige Frage, die noch zu entscheiden war, bildete die des Trauzeugen für Marcella. Mortimer konnte diese Rolle leider nicht übernehmen, denn wir hatten am Tage vorher ausgeknobelt, wer zuerst zum Altar gehen sollte, und er hatte gewonnen. Als neugebackener Ehemann konnte er aber dann unmöglich seine junge Frau in der Vorhalle der Kirche stehen lassen und an den Altar zurücklaufen, um als Trauzeuge zu fungieren.

Aus dieser Verlegenheit fand Lucy endlich einen Aus- weg. Sie meinte, das Gregory mir das letztemal einen so schlimmen Dienst geleistet habe, so könne er jetzt auch mal eine nützliche Verwendung finden. Das war entschieden ein vernünftiger Gedanke. Warum sollte Gregory dieses Amt nicht übernehmen? Und da ich merkte, lute der Hase mit Lucy lief, suchte ich rasch einen Blick aus ihren schelmi­schen Augen zu erhaschen; aber sie war wie der Blitz aus dem Zimmer; zweifellos, um Gregory die wichtige Nach­richt selbst zu hinterbringen. Mortimer als praktischer Mann nahm Lucys Vorschlag sofort beifällig auf, indem er rief:

Auch ich halte Gregory entschieden für den richtigen Mann.

Bald saßen wir wieder an dein Frühstückstisch, den drei Paar zarte Frauenhände niedlich yergerichtet hatten. Er war wieder ebenso gedeckt wie das letztemal, so daß, mir die dazwischenliegenden ereignisreichen Wochen vor­kamen wie ein bloßer böser Traum, und erst der Ein­tritt der beiden lieblichen Bräute verschaffte mir die Ge­wißheit, daß es kein bloßer Traum, sondern Wirklichkeit gewesen war. Aber die Anwesenheit Amors und Hymens verscheuchte trotzdem uicht nur alle düsteren Erinnerungen an jene schweren Tage, sondern erhöhte sogar unseren Froh­sinn und unser Glücksgefühl.

Die Wagenfrage hatten wir bereits erledigt. Es waren

diesmal zwei Kutschen bestellt worden, denn es war doch uicht mehr als billig, daß jede Maut bei ihrer Rückkehr ebensogut einen Wagen für sich allein hatte,, wie auch jede ihren eigenen Mann hatte. Mortimer und ich wollten zu Fuß zur Kirche gehen wie auch das erstemal, und die anderen sollten uns in passenden Abständen nachfolgen.

Als ich endlich mit Mortimer zur Kirche hinunterwan­derte, fanden wir die Straße so voller Menschen, daß ein erhitzter Schutzmann sie auseinandertreiben und vor dem weiteren Eindringen in das überfüllte Heiligtum des Herrn abhalten mußte. Diese meine Berühmtheit imponierte mir so wenig, daß ich für einen Moment wünschte, wir hätten uns lieber mit einer Trauung daheim im stillen Kämmerlein begnügt. Doch ging dieser Gedanke schnell vorüber, zumal als ich Helen sah, bei deren Anblick ich einen gewissen Stolz empfand, denn sie machte wirklich einen so liebenswürdigen Eindruck, daß ich mich wunderte, ihn vorher nicht besser bemerkt zu haben. Aber so geht es allen Schwestern von feiten ihrer Brüder. __

Dann stieg das stattliche Paar die Altarstufen hinauf, und ehe ich mir's versah, war mein bester Freund mein Schwager geworden. Die Orgel spielte einen kurzen Choral, und nun kam ich an die Reihe. Die Schönheit Marcellas in diesem feierlichen Moment läßt sich ebensowenig in Worten ausdrücken wie der Stolz und die Freude, die ich empfand, als ich ihr ins Auge blickte und mir sagte, dieses liebliche und herrliche Geschöpf wird in ein paar Minuten dir zu eigen sein für alle Zeit, bis der Tod uns trennt. Gregory stand bereit, jeder Nerv seines Körpers verriet seine Spannung. Durch die dichtgedrängte Menge ging ein allgemeines Flüstern, als die sonore Stimme des Geist­lichen rief:

Wer ist Zeuge für die Ehe dieses Weibes mit diesem Manne?"

Gregory tat einen Schritt vorwärts, da rief plötzlich eine tiefe, kräftige Stimme durch den geheiligten Raum: Das bin ich!"

Und durch die staunende Menge mein eigenes Lieb zitterte beim Klang der bekannten Stimme vor freudiger Ueberraschung an nllen Gliedern schritt Emmanuel Garcia dem Altar zu. Marcella mußte sich an mir festhalten, und wie ich selbst mich unter diesen Umständen aufrecht erhalten habe, begreife ich heutigen Tages noch nicht und werde es auch nie fassen können. Ich erinnere mich nur noch, daß der Geistliche fragte:

Auf Grund welcher Vollmacht sind Sie dazu be- iccbtiQt ?"

'Auf Grund meiner Vollmacht als Vater. Die Braut ist mein einziges Kind." In diesen einfachen Worten lag ein solcher Stolz und eine solche Freude, daß ich sie nie­mals vergessen werde.

Die Zeremonie endigte; wie, kann ich nicht sagen. Dre Weise des Hochzeitsliedes ertönte und verklmm wieder, und dann eilte Marcella auf ihren Vater zu, schlang ihre Arme