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Lommerieutnsnts.
Roman von Walter Blo em, Copyright 1910 by Grethlein & Co.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Unter der vordersten Buche des Gehölzes machte der Hauptmann halt. Dicht standen die Manner einander gegenüber ... ihre Gesichter schimmerten nur schwach im Widerschein der Biwaksfeuer...
„Wir wollen nicht viele Worte machen, Flamberg... Sie haben mir sehr... sehr weh getan... wissen Sie das
„Ich weiß es, Herr Hauptmann!"
„Was Sie sich dabei gedacht hüben — Gott mag's wissen! — Ich will zu Ihren Gunsten annehmen, flicht allzuviel! — Ich will Ihnen auch nicht Moral predigen r— ich werte, das haben Sie selber genügend besorgt in den Stunden seit... seit gestern abend... also zur Sache: es ist der Wunsch meiner Frau... daß Sie und ich uns ... friedlich... auseinandersetzen. Ich respektiere diesen Wunsch ... und ... ohne daß Sie erst darum zu bitten brauchen... soll Ihnen verziehen sein."
„Herr Hauptmann!" stammelte Martin.
„Ich versteh das alles ja sehr gut... Sie sind — wie sagt man doch -—• -eine glanzende Erscheinung... ein außer- gewöhnlicher Mensch... -eine Berühmtheit... Ich bin ein einfacher Soldat... Aber ich hab diese Frau sehr lieb... ganz gewiß lieber, als irgendein anderer Mensch sie haben kann... und schließlich- bin ich doch am Ende ihr Mann, nicht wahr?! Also kurz: Meine Frau hat mir erzählt: was zwischen euch beiden geschehen ist, gestern abend... das ist ein Abschied gewesen... Nun — so will ich-'s denn als... Abschied... gelten lassen. RUr eins versprechen Sie mir, Flamberg, nur das eine: halten Sie das Angedenken dieser Frau in Ehren... in -hohen Ehren, Flamberg! wollen Sie mir das versprechen.!. ?"
„Das--versprech ich... Herr Hauptmann!"
„Nun noch, eins — Sie heiraten ja übermorgen... Sie müssen Ihrer jungen Frau -einmal... erzählen... was Sie getan Haben... nicht jetzt... nicht im Flitterwochenrausch ... später einmal, wenn ihr euch- beide kennt... dann sollen Sie's ihr erzählen... das wird euch zwei zusammenketten, das... und Sie 'vor mancherlei bewahren, was vielleicht... noch kommen könnte...! Werden.Sie das tun —"
„Ich werd's tun, Herr Hauptmann!"
„Ich -danke JhUeu — und nun... ich- hab'morgen Dienst beim Herrn General, und wir werden uns vor Ihrer Entlassung wohl kaum mehr sehen... also... leben Sie Wohl...!"
Er streckte dem Kameraden die Rechte hin. Flamberg schlug ein — er konnte nicht reden.
„Soll ich ... Cäcilie... -einen Gruß... von Ihnen bestellen... ?"
„Ich... bitte darum, Herr Hauptmann..-U"
„Ich werd's ausrichten! — Add io, lieber Flamberg!".
Noch einmal drückte der Hauptmann kräftig Martins' Rechte... legte die Hand an die Mütze... schritt rasch von dannen...
Und Flamberg ging langsam zu seiner Kompagnie.
Begnadigt! — Dem Leben... der Heimat... der Braut wiedergeschenkt...
Begnadigt —!
In Martins Herzen hallte der Schluß der Gebetsw-eise wider...
„Ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken...''
*
Die letzten Lagerfeuer erloschen.
Die letzten der Offiziere, die sich noch durch ein paar Glas Feuerbowle für den Schlummer im Stroh, die scharfe Kühle der Frühherbstnacht auf hohem Gebirgsplateau gestärkt hatten, krochen ins Stroh...
Die Unteroffiziere, die Mannschaften schnarchten längst in den langen Zugzelten...
Am verglimmenden Lagerfeuer der zweiten Kompagnie lag bäuchlings hin-gestreckt noch ein -einsamer Unteroffizier.
Beim letzten Glost-en der zuckenden Flämmchen, die den mächtigen Aschenhaufen umschwelten, las er ein Briefchen:
„--Du sollst nicht heut und nicht morgen kommen,
lieber Hans. Du sollst noch ein paar Jährchen warten, bis Du Deinen Assessor gemacht hast. Wenn Du mich dann nicht leid geworden bist, dann komm und hol mich — wenn ich dann noch da bin. Wir sind ja beide Kinder, und ich weiß nicht, ob nicht einem von uns beiden doch mal einer begegnen wird, der ihm lieb-er ist als die Erinnerung an einen heißen Kuß im Garten des Offizier- kasinos — weißt Du noch, mein Hans?! Wenn das kom- men sollte, dann soll keiner von uns sich an den andern gebunden halten. Ich glaub's ja nicht, daß es mir passieren wird, ich sag's auch mehr Deinetwegen als meinet- wegen. —
Aber — man kann nicht wissen —!
Also — leb wohl, mein Süßer, und denk manchmcÄ au mich!
Vielleicht einmal, vielleicht — —!
Molly v. S."- Hans Friesen fuhr sich über die Stirn.
Sie hatte ihm die Freiheit wiedergeben wollen... wie schön das war... und wie klug ...
Und auch in ihm tönte die Choralweise nach...
Jetzt in das dumpfe Zelt kriechen, wo die Kommißunter- offiziere schnarchten —? Nein....!
Lieber hier am behaglich wärmenden, langsam ver- glostenden Feuerrest die paar Nachtstunden verträumen — unterm gleißenden Sternenhimmel... in tiefem Sinnen


