Ausgabe 
18.5.1912
 
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Worten hinein seinShlva Sylvämm" wurde ein lyrisches Hohelied! In den späteren verworrenenBlaubüchern" zeigte sich die PhantasieWle ihres eigenen Reichtums nicht mehr mächtig . alles wogt chaotisch durcheinander. ES war Strindberg nicht gegeben, tveise zu werden im Alter ....

Strinddergs vor ihnr dahingegangener Landsmiann Geijerstam hat dem Freunde, der bis zu der teilten Höhe seiner Traum spiele sich emporgeschwungen, den Kran» gewunden:Rätselhaft, reich, wechselvoll, selbstwidersprechend und doch stets derselbe, ungebrochen als Mann und Dichter, hat er zeitweilig den .Strömungen der letzten dreißig Jahre tiefer, heftiger, rückhaltloser Ausdruck ver­liehen als irgend einer. Er hätte sie alle um sich sammeln können: statt dessen kann man jetzt beim Rückblick auf sein Werk sagen, daß in ihm sich alles sammelt."

Von derSirius zurTitanic".

Bei dem Schicksal derTitanic" hat so mancher an den Horazischen Vers erinnert, daß mit dreifachem Erz gepanzert die Brust jenes gewesen sein muß, der als erster den sckpvanken Mel dem feuchten Elemente anvertraute. Tiefer schwanke Kiel ist immer stabiler geworden. Tie größten Fortschritte hat aber der Schiffsbau im vergangenen Jahrhundert gemacht. Es ist gerade heute besonders interessant, zurückzublicken auf die erste Reise, die ein Dampfschiff von England nach Amerika gemacht hat. Das Schiff hieß dieSirius". Es war ein zweimastiger Rad­dampfer, in Leith in Schottland im Jahre 1837 mit einem Kostenaufwand von 27 000 Pfund Sterling gebaut. Am 28. März 1838 verließ er mit voller Ladung und Passagieren London, um in Cork neue Passagiere aufzunehmen. Aber ein Teil derer« die die kurze Fahrt durch den englischen Kanal bis dorthin gemacht, waren so in Angst geraten, daß sie in Cork von Bord gingen. Sie ließen ihr Passagegeld verfallen und zogen das 'sichere Segel­schiff vor. Nur sechs Passagiere erster Klasse blieben an Bord, unter ihnen das Ehepaar Davenport, bekannte Schauspieler, deren Enkelin wohl die jetzt noch in Amerika wirkende berühmte Tra­gödin Fanny Davenport sein mag. Am 8. April verließ die Sirius" Cork und wurde von Tausenden von Zuschauern, die das User entlang standen, mit lauten Hurrarufen und von der Strandbatterie mit Salutschüssen begleitet., Ter Schiffsraum war bis oben heran mit Waren gefüllt: er enthielt 20 Tonnen Wasser, 58 Fässer Harz, eine große Menge Stückgüter. 450 Tonnen Kohlen aber waren, da im Schiffsraum kein Platz mehr war, auf Teck verstaut. Ter Kapitän Roberts, früher Leutnant bei der Königlichen Marine, ein kühner, irischer Seemann, der später als Kommandant beS unglücklichenPräsident" mit diesem Schiff, das im März 1841 Ncuyork verließ und seitdem verschollen blieb, samt Mannschaft und Passagieren umgekommen ist, hatte die größte Mühe, mit seinem Kohlenvorrat zu reichen. Am 11. April schrieb er in fein Logbuch:165 Knoten. Schwere See. Sturm. Nord-Ost. Harz und Koks gebrannt und nur wenig Kohlen." Am 19. April heißt es:145 Knoten. Eine Menge Harz verbrannt. Wind: Süd-Ost." Trotz dieser Schwierigkeiten konnte der tapfere Kapitän bereits am 22. April, 18 Tage nachdem er Cork verlassen hatte, int Logbuche verzeichnen:10 Uhr morgens. 267 Knoten. Leichte Brise und schönes Wetter. Land gesichtet. Um 8 Uhr Maschinen verlangsamt. Um 9 Uhr Signal für den Lotsen ge­geben. Lotse an Bord. Anker geworfen an der Battery um 10 Uhr morgens." Und es erinnert an den traurigen Empfang, den die Uebeblebenden derTitanic" kürzlich in Ncuyork fanden, wenn man hört, was einet der damaligen Passagiere derSi­rius", der heute noch lebende Pfarrer Ransome, der als Kind die Reise mit seinen Eltern gemacht hat, darüber berichtet:Mehrere Tage bevor dieSirius" Neuyork erreicht, hatten sich Tausende von Menschen täglich an der Battery eingefunden, um die Ein­sahr i in den Hafen zu beobachten. Es schien, als ob die ganze Bevölkerung da wäre, um Zeuge unserer Ankunft zu sein. Tte Kirchenglocken läuteten, Kanonen donnerten und das Volk war wild vor Freude, als wir anlangten. Ein neues Verbindungs­glied zwischen der alten und der neuen Heimat war geschmiedet. Nicht länger würden die, welche England zu besuchen wünschten, auf Gnade und Ungnade ben langsamen Segelschiffen ausgeliefert fein, bie den grausigen NamenschwimMenbe Särge" trugen." Ein interessantes Beispiel für die Duplizität der Ereignisse aber ist es, baß wenige Stunden nach der Ankunst derSirius" in Ncuyork ein zweiter Dampfer an der Battery anlegte, bie 7,Great Western". Sie war 5 Tage nach derSirius" von Bristol abgesegelt. So ist diese erste Ozeanfährt eines englischen Dampfers bereits eine Wettfahrt geworden; denn bet Kapitän derGreat Western" hätte gehofft, vor seinem Konkurrenten in Neuyork einzutreffen.

TieSirius" war ein Schiff von 412 Tonnen, 178 Fuß lang, 25 Fuß breit und 18 Fuß. tief, unb bieTitanic" trotzdem die Zahlen bekannt sind, dürfte bet Vergleich interessieren hatte 46 328 Tonnen, war 1000 Fuß läng, 112 Fuß breit. Sie hätte gut bie ganzeSirius" in einen ihrer Packräume aus nehmen können.

vermischtes.

* Ein vom Glück begünstigter Kinofilm. In Paris wird zurzeit ein interessanter Film auS dem TripoliSkriege gezeigt, der zwar nicht Szenen vom Kriegsschauplatz bringt, aber ein Ereignis, das den Franzosen viel wichtiger und interessanter gewesen ist. Es handelt sich, wie dasLichtbildtheater" berichtet, um die Beschlagnahme des französischen DampfersCarthage" durch die Italiener, den Zwischenfall, der jüngst eine so scharfe Zuspitzung in den politischen Beziehungen der beiden Länder ge­bracht hat. Ter Film ist aber nicht etwa künstlich aufgemacht, sondern der Zufall wollte es, daß sich gerade ein Unternehmer für kinematographische Ausnahmen mit seinem Apparat auf einer Geschäftsreise an Bord besand, und dieser beeilte sich selbst­verständlich, als die italienischen Signalschüsse krachten und der sensationelle Zwischenfall sich darauf abspielte, seinen Apparat in Tätigkeit treten zu lassen. Und so ist seine Arbeit nun auch für die Diplomaten und Juristen und das Hafenschiedsgerichtz das mit der Angelegenheit besaßt werden soll, ein wertvolles historisches Dokument geworden. Man sieht aus dem Film deutlich, wie die italienischen Offiziere an Bord des tranzösischen Dampfers kommen und wie der Aeroplan des französischen Fliegers, den sie als zur Unterstützung des Feindes bestimmt ansehen, von ihnen mit Beschlag belegt wird.

* Tierschutzzigarre. Die Pariser Liga zum Schutze der Pferde hat eine neue Zigarre erfunden, die den NamenEaballos" erhalten hat und die den Rosselenkern überreicht werden soll, um sie zu einer milderen und besseren Behandlung ihrer Pferde zu er­mutigen. Die Mitglieder der Liga gehen bei diesem schönen Plan von der psychologischen Erwägung auS, daß der Kutscher nie tn besserer Laune ist, als in dem Augenblick, da er sich eine neue Zigarre anzündet. Die ersten Züge haben aus seine Nerven eine beruhigende Wirkung und machen ihn angeblich milderen Gedavken zugänglicher als sonst. Wir wollen also, so beschloß die Liga, eine Zigarre schaffen, die den Kutscher an sein Pferd erinnert, und so entstand diese neue ,,Caballos"-Zigarre. Sie hat eine rotgoldene Leibbinde, auf der ein Pferdekops austaucht, und die InschriftSei gütig gegen Tiere." Die Zigarre selbst ist dann noch in durch­sichtiges Papier eingehüllt, aus dem aufgedruckt ist:Fort mit den Scheuklappen." Die Zigarren sind im Bureau des Vereins für Pferdeschutz zu einem billigen Preise zu kaufen; gedruckte Formulare verständigen die Kutscher, daß jeder von ihnen, der zehn Leib­binden der Cavallos-Zigarre vorweisen kann, umsonst eine hübsch geschnitzte Zigarrenspitze mit einem Pferdekopfe erhält. Jeder Bürger, der zu der Besserung des Loser der Droschkenpferde beitragen will, kann die Zigarren kaufen, um sie dem Kutscher zu schenken. Ter Roffelenker aber, so hofft man, wird bald merken, was diese Zigarren bedeuten und sich so viele dieser Glimmsteugel als irgend möglich zu verdienen trachten. So beginnt die Liga also damit, zunächst gegen die Droschkenkutscher freundlich zu sein, in der festen Erwartung, daß diese wiederum gegen ihre Pferde ein mitfühlendes Herz zeigen werden.

* In Liegnitz sieht man namentlich am Sonntag zahlreiche Kadetten aus dem nahen Wahlstatt, bie sich dort aus Urlaub befinden. Beim Anblick eines solchen sagt eine ehrsame Bürgers« stau Kn einer anberen:Ich wceß nich, ich bin doch schon 50 Iahte hier in Liegnitz, aber bie kl eenen Saldo aben, die fi eenen Aestet, die wachsen halt nich!"

Kreuj- und Tuer-Rätsel.

I 2

3 4

I 4 ein kleiner Körperteil,

1 3 ein spitzer fester Keil.

2 1 als Stadt nicht unbekannt,

2 3 nimmst manchmal du zur Hand,

4 3 führt jedes Schiff mit sich;

Nun rate, Freund, doch quäl dich nicht, Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Schach-Aufgabe irf voriger Nummer»

Weiß Schwarz

1) Lf3e2 KI718 ober A) unb B)

2) Da2 a8-f-Te6e8

3) D a 8 f 3 4- unb matt.

A)

1)...... K f 7 e 8

8) D a 2 a 8 + K e 8 d 7 oder f 7

3) L e 2 n. b 5, ober Da8-g8 setzt Matt.

B)

1) Kf 7 - g6

2) Da2 n. e6 + Kg6g6

3) D e 6 f 6 + und Matt.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck unb Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- imb Steindruckerei, R. Lang«, Gieße»