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In meiner Jugend," so Heißt es im Inferno,war ich von anfruHttgem Wanden beseelt; ihr selbst HM mich zum Frei­denker verwandelt. Aus dem Freidenker würde ein Wheist und aus diesem wieder ein religiöser Grübler. Von Humanitären Ideen ungezogen, eiferte ich mit allen Kräften für den Sozialis­mus. Alles, was ich veMndete und prophezeite, habt ihr zu­nichte werden lassen. Und angeiwmmen, daß ich Mein Leben aufS neue der Religion Ku eigen geben werde, so bin ich gewiß, daß ihr nach zehn Jahren auch hier wieder durch euren Widerspruch den Zweifelnden Kn Boden werfen werdet." Das ist Strind- bergs echtes, Porträt: , der Deist kämpft für Religions- und Ge­wissensfreiheit; die ethischen und sozialen Tagesprobleme gewinnen chn; durch Nietzsches falsche Freunde kommt er zNm krassen Natura- usmus, bis ihm die Mystik der römischen Kirche Md das zweite Gesicht Svedenborgs Asylfreiheit gewähren.

Ein leidenschaftlicher Gesellschastskritiker steht in Strindbergs sozialen Romanen vor UNK: dieroten Zimmer" von 1879 ver­raten ebenso viel gründliche Sachkenntnis dessen, was unterhöhlt Und vernichtungsreif war, wie lodernde Anllagekrast.Am offenen Meere" iwit 1890 prägt einen gleich schroffen Pessimis­mus des gereifteren Mannes aus, dessen Satire nicht mehr zu den Hausmitteln burschikoser Verspottung greift, wie sie die Illusion radikaler Reformen abgestreift Hat. ®er gemeinen Welt stellt er die geistig vornehme Welt in einem Elitemenschen gegenüber, der des Dichters, Persönlichkeitsideal verkörpert die Tragödie des Besten.Die Insel der Seligen" ist ein starkes Symbol für Strindbergs Einsicht in das Notwendige, die alle Weltverbesse-, rungsträume abwirst. Die gotischen Zimmer und Schwarze Fahnen wurden bestimmt und bestritten. Ebenso viele Novellen- bände liegen uns vor, den Preis tragen davon: Di« Schweizer Geschichten Und Die Historischen Miniaturen. Emil Schering hat mit seiner liebevollen deutschien Strindbergbibliothek von 4Q Bänden dem Lebenden das unvergängliche Ehrenmal geschichtet. . Die Tragikomödie, der blutige Ernst im Possenspiel war das eigentliche Gebiet des zähen Bühnendichters' Strindberg.Keine

Strindberg hat das Weib ebenso verachtet wie verkannt und mißbraucht, aber mit unheimlichen kriminalistischen Augen hat er jebe Schwäche ausgespäht und mit diabolischem Behagen ihm auch die letzte bergende Hülle vom Leib und von der Seele gezerrt.Fräulein Julie", die verderbte junge Adlige, die während des Festes auf ihrem Schlosse sich in ausbrechender Brunst an ihren breitschultrigen Diener heranwirft und sich dann, zum Be- wufstseul Kurückk'ehrend, dm Hals abschneidet, und das entsetzliche SeitenstückDer Vater", das in die Geheimnisse der Natur hinein- hetzt, in den Zweifel des liebenden Vaters an seinem Recht auf sein Kind, den der Unhold von Gattin planmäßig in den Wahn­sinn treibt, bis sie ihn im Jrrenhause deponiert: das sind die stärksten Belege füt diesen literarischen und erotischen Satanismus des Schweden, der wie ein Alp auf uns gelastet hat.

Strindberg war dem Weibe gegenüber ein Monomane, sie ist tW die Erbsünde. Keine Schuld fällt bei der Verteilung von Licht und Schatten auf den Mann, die Krone der Schöpfung außer der einen, daß er dem Weibe erliegt. Jede Möglichkeit der Entwicklung zum Guten ist abdeschnitten, wenn die Frau auf den Plan tritt. Strindberg hat sich nicht gescheut, die Klage und Anklage zu erheben, daß wir alleBastarde" seien, weil wir vom Manne und vom Weibe abstammen. So viel Haß würde seine Kunst schlechtweg a'usgelöscht haben, wenn dieser Haß gegen die Naturordnung, an der er sich blutig riß, nicht aus­geglichen worden wäre durch dichterische Visionen und durch ein nicht umKubringendes künstlerisches Können. Sein DramaKame­raden" gehört in die Linie desVaters", der.Fräulein Julie" Md desTotentanzes", steht ihnen jedoch nickst vollwertig Kur Seite. Bis zu welcher Stufe der Gemeinheit das Weib herab- sinkt, wenn es die Aussicht auf einen Vorteil nicht mehr zur Maske veranlaßt, will Strindberg an dem Maler Axel!und seinem Erlebnis klarmachen.Kameraden" soll heißen, daß es keine redliche Kameradschaft zwischen Mann und Weib gibt. Aber 'Frau Bertha ist in ihrer Verworfenheit so selbsty«xständlich und über­zeugend als Geschlechtswesen gezeichnet, daß der Agitator »ms auch diesmal fast gefangen nimmt. Fast; denn dieser Maler verachtet die Weiber verzichtet jedoch keineswegs auf sie; Strindberg, hat es ebenso gehalten. Das' ist eine 'Anwendung des Pessimismus, die an den zwiespältigen Schopenhauer, seinen modernen Vater, erinnert.Vor hohem Richterstuhle" nannte Strindberg zusammenfassend seine DramenAdvent" undVer­brecher und Verbrechen": jenes die helldunkle Erzählung von einem verworfenen Menschenpaar, das erst allmählich gebessert wird, ein Musterstück abstoßender Charakteristik; dies ein ein­heitlich gedachtes, ausgereiftes Kunstwerk ein junger Schrift­steller, berauscht vom Erfolg, verläßt seine Geliebte, das Mäd­chen aus bent Volk, von ber er ein Kind hat, und erobert sich die Geliebte, seines besten Freundes. Einen Augenblick wünschte er den Tod seines Kindes, das Kind stirbt, den geistigen Mörder verfolgt fortan das Schuldgefühl. Echter Strindberg! Er zer­gliedert den Heimtückischen Haß. des bösen Willens, durch den wir unserem Mitmenschen das Mark aus den Knochen peinigen.

Ein holder Zug an dem Herben Manne war feine heiße Liebe zur Natur; er wollte erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält, doch in die Naturwissenschaft schlug die Flamme des

sames Kind, und Hat auf der 'Universität'Upsala Vorlesungen ge- Urt- . M wird Volksschullehrer, Telegraphengehilfe, Mediziner, Schauspieler!

Strindbergs Ehegeschichte ist ein bewegtes Kapitel. Seine erste Frau war eine Schauspielerin, bi« bereits geschieben war; Strmbberg Iteft sich gleichfalls von ihr scheiden. Die zweite Gefährtin Mf Zett, mit ber er es wagte, war eine Wiener Schrtttstellerin; mich ihr gab der Jottrnalist und Schriftsteller den Scheibebrief. Eine Landsmännin von den Brettern, die die Welt bedeuten, wurde die dritte Weggenossin, doch auch diese Fessel streifte er wieder ab. Und noch eine vierte starkgeistige Evi cochter hat den. Bund mit dem unberechenbaren Manne ge­wagt; wenn ich recht berichtet bin, so ist diese vierte Ehe bei Strindbergs Tode noch nicht bis zur Scheidung gediehen. Aus der ersten Ehe zwei Töchter und ein Sohn, aus der zweiten eine Tochter, aus der dritten noch eine Tochter; die Ernte Lus' der letzten Ehe ist mir nicht bekannt geworden. Diese Unruhe, die chn trieb zu binden Und zu lösen in seiner Häuslichkeit, jagte den friedlosen Geist wie einen Ahasver durch die Welt. . In den Zähren 18831888 hielt er sich in Paris, ber Schweiz und Deutschland auf, dann blieb er etliche Jahre in Skandinavien; von 1892 an wechselte er zwischen Berlin, Oesterreich, Paris und Lund. Seit 1899 wurde er in Stockholm seßhaft. Arge Menschenscheu hat ihn geplagt, und Ku den Absonderlichkeiten, die ihm in der Tat eigen waren, gesellten sich zahlreiche Anekdoten, die über ihn im Schwange gingen. Ein Selbstzergliederer, Hat er mit der Offenheit Rousseaus, aber ohne die sittliche Reinheit uüd seelische Zartheit Augustins seine Konfessionen abgelegt, ja, sie der inter­nationalen .Lesewelt um die Ohren geschlagen Utch ins Gesicht gespien;, eS [tob bie Schriften autobiographischen JnMts: Der i Sohn einer Magd, Die Entwicklung einer Seele, Die Beichte eines Toren, Inferno, Legenden, Entzweit, Einsam. Er geht den Wegnach Damaskus", er kriecht Ku Kreuze. Di«Mächte" als BorseHung gewinnen die Leitung. Der Okkultismus als der Weisheit letzter Schluß . . .

August Strindberg. I Wieb einmal ein Kritiker nach einem natura-

Von Theodor Kappstein (Berlin). I des Schweden,in jedem Kern ein ekler Wurm".

~. . ... , v ' I Die fchiönsten Farbenbander ferner Stoffe tauchte er in idrarfe

Ui Un M er Ruhe, zum erstenmal seit I Lauge. Er Hatte einen bösen Blick, und wenn er ein tragisches WW! ^«Wefatten. Seine Lreblingsblume war Chklamen, das int I Problem eine Weile angeschaut hatte, so wandelte es sich ihm VoWmund ZÄtenaUge heißt: läßt doch ihre wunderkühne Ara- I ttt eine Reinkultur menschlicher Niedertracht. Wo andere Götter- rhre.schmetterlmgsartig triumphierende Blüte nie- I Wen sprühen sahen, da entdeckte er mit unheimlichem Schars- manden ahnen, wie leer und dunkel das Kelch-innere uns anstarrt, I sinn Sumpfgase; seine Phantasie begehrte die Abgründe zu schauen wenn wir, das Gebilde ans Licht emporheben. Er war sein doch seine Mustletfaust hielt die Phantasieim BannEin Mensch nttpn anmutigster und tapferster Feind; er hat am Leben ge- I der im Fieber lag, der an seinen'eigenen Feuern verschlackte und !aesUlA, indem er vor sich floh. Und alle I deM Kalte «ns Unvermittelt schaudern macht. Ein Zyniker, dem f'würben Sieber... doch die Sehnsucht nach Schönheit und Frieden nicht ftemd bliM

Johann August Strindberg war am 22. Januar 1849 in I fern eigener Henker und wieder weichlich, verliebt in sich, liebe- Stockholm M Sohn eines DaMpferkomMissärs geboren; unter I bedürftig und zugleich das Schwert gezückt gegen jedermann semeii Vorfahren fmbet sich der Major ber Mtgerwcht putz I Da ist die TragikomödieGläubiger", bie das Weib als Teuftl«'- Theaterichrtosteller Zachamas Strindberg, von dem etwas in sein I Mel behandelt. Eine tvilde Heiterkeit schrillt durch das Stück Mut übergegangen ist. Seme Kindheit und Jugend waren ge- bei der es uns. kalt über den Rücken läuft. Ein Ehebruchsdrama' druckt,Familie so rief er spater bitter,du bist das Keim I der betrogene Mann tötet weder die Treulose noch den Neben-

Lastw,, eine Verforgungsanstalt aller bequemen W«, er tttzt es auch nicht auf den Zweikampf ankommen, ruhig &n;< °^Eccschmiebe des Familienvaters und die Holle ber I sieht er nach getrennter Ehe den anderen im Besitz seines Weibes ^suchte b^Schulendcr Vatervabt, ein überempfinv- j Aber er kehrt als Gläubiger zur berechneten Stunde wieder di« Forderung der Rache einzukassieren. Seine Thekla hat den Nachfolger körperlich und geistig fast zerstört; er gibt ihm, einem Weichen und kranken Künstler, herzlos den Rest; öffnet ihm das' Auge Nr sein Ehegespons Und stachelt ihn zum fruchtlosen Kampf. Vier halt der Teufel seine Somitagsandacht; mit lächelndem Behagen saugt er ihm das Leben aus, nachdem ihn das Weib, nach Sermdbergs anziehendem Bilde, bereits völligausgeweidet" hat. Das Weib Hat alles, was ber Künstler an Geist, Nerven und Willen besaß, gierig in sich gesogen nun er bettelarm da steht, da will sie ihn im Stiche lassen. Die Scheinehe bricht zusammen, Thekla und der erste Gatte lassen ihre Sinnlichkeit prasselnd! anemauderschlagen, das arme Opfer stürzt in epileptischen Krämp­fen sterbend zu Boden. Solch ein Stück hält uns fest mit der lto- bedingthett des Schlangenblicks, nmn kann sich dem lähmenden Gift Nicht entwinden.