Ausgabe 
18.4.1912
 
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Von Pillau, 600600 Mann, Tatst von Marburg zstjst Nacht­quartier hier an."

10. Avril.Man bringt viele Bauern auf die Torwache, deren Söhne desertiert sind."

12. Hlp-ril.Abends fuhren 9 kostbar«, bepackte Wagen, die Von Kassel Tanten und in Sicherheit gebracht wurden, hier durch."

14. April.Ein französischer Divisionsgeneral Test kam mit 200 Mann in unsere Stadt. Es sollen noch viele nachkommert und die Division soll in den hiesigen Gegenden formiert werden."

16. April.Heute kam ein Bataillon Polnischer Infanterie in einem forcierten Marsche hier an. Biele waren so müde, daß sie ihr Quartier nicht suchten, sondern aus per Straße liegen blieben!"

21. April.Es kamen viel« Wagen mit Flüchtigen aus Kassel hier durch."

22. April.Die Franzosen zogen mit dem General Test nach Marburg ab. Die Polen ihnen nach."

6. Mai.Heute kam die Nachricht von der Schlacht bei Lützen (2. Mai) hier an, zugleich, daß unsere Leute dabei etliche 100 an Toten und Verwundeten verloren hatten. Die Garde sich aber schlecht benommen habe. Geblieben ist Leutnant Liebknecht Von hier."

12. Mai.Heute kamen die ersten Blessierten vvn der Schlacht bei Lützen hier an."

Inzwischen waren preußischerseits die ersten Schritte getan worden, die bald darauf zur Befreiung Deutschlands von fremdem Joche führen sollten. Zunächst war Bork mit dem oben erwähnten Hilfskorps von Napoleon abgefallen und aus eigene Verant­wortung hin mit den Russen di« Konvention von Tauroggen (30. Dezember 1812) eingegangen. Anfang Februar 1813 hatte König Friedrich Wilhelm III. sein ganzes Volk zn den Waffen gerufen und am 28. Februar mit Rußland den Vertrag von Kalisch abgeschlossen. Di« Schlacht bei Lützen (Groß-Görschen) bedeutete den ersten größeren Zusammenstoß der beiden ver­bündeten Armem mit dm Franzosen, fiel jedoch für die letzteren günstig aus.

14. Mai.Abends 6 Uhr starb Dr. Kohlermann, Arzt an dem nenerrichteten Lazarett in Arnsburg, am Nervenfieber, das die Polacken Ängeschleppt hatten. Ein braver und geschickter Mann, 20 Jahre alt."

16. Mai.Gegen 100 Mann leichürerwundeter Franzosen aus der Schlacht bei Lützen, auch solche, die sich vorsätzlich eine« Finger äbgehauen hatten, kamen unter Bedeckung hier an. Sie wurden auf dem Rathaus pinquartiert. Es sollm 8 solcher Trans­porte nachfolgen."

17. Mai.Es kam ein zweiter Transport leichtverwundeter Franzosen an. Auch dies« fast gefundeir Leute, die gut zu Fuße sind, werden auf Landeskosten gefahren."

18. Mai.Die Schulden, di« unsere Stadt und Provinz für FonraAe der polnischen Pferde machen müssen, sind erstauitlich. Der Stadt kommt die täglich zu reichende Fonrage auf 500 fl."

23. Mai.Noch immer kommen RvmonteAerde aus dem Hannoverschen in großer Menge hier durch. Es werden für das Stück 20 Karolin bezahlt" etwa 200 Mark.

26. Mai.Die polnischen Soldaten haben jetzt in den philo­sophischen Auditorien ihre Niederlage an Waffen, Montur usw."

30. Mai.Es wurde im ganzen Lande ein Siegesfest, oder besser Siegespredigt auf die glücklich gewonnene Schlacht bei Lützen abgehalten."

26. August.Das neugebaute, noch nicht ganz vollendete Entbindungshaus wurde zum Lazarett eingerichtet. Doch wurde zur Sicherheit vor Ansteckung eine Brücke dahin von der Schoor aus gebaut, vor der dis Kranken auf- und abgeladen werden können. Auch auf dem Rathaus Wurdm Zimmer zur Aufnahme Von Kranken und Verwundeten eingerichtet."

18. Sept.Die Zahl der ankommenden Blessierten, Ver­stümmelten und Untauglichen nimmt zu. Heute kamen gegen 500 an."

19. Sept.Es kamen abetMals 500 Blessierte aus Ochsen­wagen und Karren hier an."

Das waren die Folgen der Schlachten bei Großbeeren', an der Katzbach, bei Dresden und Kulm. Diese hatten sich vom 23. bis 30. Aug. mit wechselndem Glück zwischen den Truppen Napoleons und den verbündeten Russen und Preußen, zu denen am 12. Aug. poch die Oesterreicher gestoßen waren, abgespielt.

28. September.Schon zweimal sind Transporte von Kranken Und Blessierten von Franksirrt zurückgeschickt worden, weil von feiten Frankreichs Befehl war, daß keiner derselben über den Rhein gebracht werden sollte. Dadurch fällt die kostspielige Ver­pflegung uns und den primatischen Landen zur Last. In Frank­furt liegen viele tausende. Nach Arnsburg wurden etliche 100 von hier gebracht, sogar nach Lich und Münzenberg. Im hie­sigen Entbindungshause herrscht wegen der vielen eiternden Wun­den, die tagelang nicht verbunden worden waren, der Unrein­lichkeit der Leute selbst Und der Ueberfüllung ein greulicher Gestank. Es sterben viele. Die Oberaussicht hat Medizinalrat Hegar. Man nimmt öfter Operationen, Amputationen und Tre- pationen vor, die für bi« hiesigen Studenten unterrichtens sind, wobei aber biti Operierten selbst meist sterben."

29. Sept.Der König vvn Westfalen kam auf seiner Flucht Por den Russen, welche in Kassel eingerückt sind, mit mehrere«

Chaisen hier durch. Er nahm die Straße nach Wetzlar int5 Weilburg."

30. Sept.Heute früh zogen die westfälischen Gardehusaren mit 4 Kanonen hier durch. Sie Hatten sich in solcher Eile ge­flüchtet, daß manche ohne Sättel. Steigbügel, Säbel waren. Abends entstand in der Stadt ein starker Lärnt, auf die falsche Nachricht hin, daß die Russen in Marburg seien."

1. Oktober.Der Ruffenlärm hatte die gute Folge, daß heute alle Kranken und Blessierten vvn hier nach Arnsburg und Fried­berg eiligst fortgeschafft wurden. Manche warteten den Transport nicht ab, sondern gingen mit ihren Krücken die Straße nach Frankfurt zu."

3. Oktober.Voir Mainz kamen die ersten Franzosen, die nach Kassel zu marschierten. Die Einquartierung in Stadt und Gegend war stark."

4. Okt.Mittags kamen die Kgl. westfäl. Offiziere und Reiter, die vor 14 Tagen nach Wetzlar durchgezogen waren, zurück. Auch ein Bataillon französischer Infanterie traf ein."

5. Oktober.Die westfälischen Offiziere und Reiter ver­ließen un 3, ab-enb'S 5 Uhr, nachdem der General Ulix zuvor sichere Kundschaft eingezogen hatte."

10. Oktober.Morgens rückten 200 Mann Franzosen hier ein. Abends 1200 von Mainz aus, gleichsam eine Musterkarte von allen Korps, wahrscheinlich Rekonvaleszenten aus den La­zaretten."

12. Oktober.Abends kamen mehrere prächtige Wagen auf dem Wege nach Marburg hier durch."

13. Oktober.Der König von Westfalen kam von seiner Flucht an den Rhein wieder zurück, mit Begleitung vvn Kavallerie. Im Posthause nahnr er das Frühstück ein."

14. Oktober.Das französische Hospital im Entbindungs­hause füllt sich wieder durch viele von der Armee ankommende elende Kranke.

15. Oktober.Heute wieder starke Einquartierung von fran­zösischem Militär, das nach Kassel zog."

16. Oktober.Eine Magd des Metzgers Konstanz und ein Mädchen, die Essen in das Hospital im Entbindungshaufe gebracht hatten, sind erkrankt und gestorben."

17. Oktober.Ebenso Fr. Borngässer, Verwalter im Ent- - bindungshause."

22. Oktober.Das ansteckende Lazarettsieber in dem Ent­bindungshause breitete sich so sehr aus, daß Dr. Baruch, ein Jude, davon ergriffen wurde, welcher genas und daß auch Stu­denten, die mit zur Hand gegangen waren, davon befallen wur­den. Einer, stud. med. Bos aus Oberseemen starb, der andere/ Bork von hier, kam davon."

23. Okt.Da es in dem Lazarett für die großh. Truppen an Raunt gebrach, fo wurde der Saal int Riesen gemietet, in welchen 20 Betten kamen."

26. Oktober.Das bisher hier gelegene französische Militär zog nach Wetzlar ab. Abends bekamen wir hier sichere Kunde von dem großen Schlag, der bei Leipzig gefalle« war, und der Retirade der französischen Armee."

27. Okt.Man hörte in der Gegend von Fulda stark kano- nieren (von 'einem Gefecht «.zwischen .Franzosett und jben nach­eilenden Russen und Preußen)."

28. Oktober.Man sah bei uns schon einzelne verspvngts Franzosen antommeit, die! meist um die Schoor gingen. Nach­mittags kamen.etliche vvn unseren Offizieren an, welche der Gefangenschaft entgangen waren. Leutnant Kullmann vvn der Artillerie und Stabsauditeur Schenk."

30. Oktober.Man hörte vvn Frankfurt her stark kanonieren! (Von dem Kampfe be§ Gros der französischen Armee mit den ihnen entgegengexogenen Oesterreichern und Bayern). Die Main- brücke in Frankfurt ist z. T. abgebrochen und dadurch die Kommuni­kation erschwert."

31. Oktober.Es ritten Vormittags' 3 KosackeN hier ein,- welche auf dem Braud wohl traktiert wurden und dattn wegritten, Mait hörte von Frankfurt her wieder Kanonenschüsse."

Die kamen von ber Schlacht vor Hanau, bei der Napoleon auf dem Rückzüge nach der Schlacht bei Leipzig mit 80 000 Fran­zosen nach zweitägigem Kampfe das österreichisch-bayerische Heer unter Wrede durchbrach und infolgedessen über den Rhein ge­langte,

(Fortsetzung folgt.)

Die Zimmerpflanzen und ihre Pflege.

IV.

Wir nennen noch einige Blumen, die auch jetzt verpflanzt werden müssen: die Wolfsmilch (Euphorbia, Weihnachtsstern, Poinsettia); sie wird gleichzeitig gekürzt, wobei man Stecklinge machen kann: Laub- und Misterde, dazu Lehm: Ballen aus- schutteln und alte Erde fort: im Sommer schattig halten; int Herbst mäßig warm. Tie überwinterten alten Geranien werden,- wenn der Trieb ansängt, am besten auf 23 starke Augen geb kürzt und dann nach acht Tagen verpflanzt: Ballen ausschütteln und reinigen; Erde kräftig, nicht zu locker, ohne Lauberde, sonst jederart. Der Hibiseus (Roseneibisch) wird alle paar Jahr verpflanzt; kräftige lehmige Lauberde, geräumige Kübel; kürzen;