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Me Fürstin zog ihren Rundsessel dichter zu Kathinka Und blickte sie forschend an.
„Merkwitz sagte mir eben, heute abend sei großes Feuerwerk und Seebeleuchtung, auch ein historischer Festzug zur Feier des .schweizerischen Buudessestes. Da gibt es noch viel zu sehen."
„Werden wir dann an den Kai gehen?"
„Ich jedenfalls nicht — aber, wenn Hans Jochen Lust hat, dann leistet mix Werkwitz Gesellschaft."
„Und ich?"
»Ja — ich weih nicht, wie Merkwitz über die Sache denkt. Meinetwegen könntest du ruhig den Prinzen begleiten."
Beim Souper fragte der Erbprinz den Kammerherrn Von Merkwitz, wie srch wohl das Hofmarschallamt das Leben m Luzern gedacht habe. Und als dieser antwortete: „Ich habe in dieser Beziehung keinerlei Anweisungen, Hoheit, aber tch denke doch, daß die höchsten Herrschaften ohne Rücksicht aus d-re Etikette sich wie Privatleute bewegen können," da strahlten ihre Augen. Und als Hans Jochen sie daun einlud, mrt an den See zu gehen und die Nationalfestlichkeiten in unmrttelbarer Nahe zu betrachten, da sagte sie schneller Und freudiger zu, als es in ihrer Absicht lag.
Gegen 8 Uhr verließen der Prinz und Kathinka das Hotel.
(Fortsetzung folgt.)
„Derzeit zu schwach."
Humoreske von Carl Laufs f.
Verfasser von „Pension Schöller", „Ein toller Einfall" nsw.
Herr Hammerschmidt war eben aus dem Athletenklub zurück- gekehrt, zu dessen eifrigsten Mitgliedern er zählte. Noch leuchteten seine Augen über das Geschehene.
, Seine Gesellschaft, „Die Kettenbeißer", hatte in einem ehr-- nchen Wettbewerb gegen die rivalisierende Athtetengemeinschast „Die Wagenschieber" einen glänzenden Sieg davongetragen. Er- hobencn Hauptes, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen, ging er mit stolzen Schritten im Zimmer auf und ab.
Nicht immer ist Herr Hammerschmidt Athlet gewesen. So lange er ttoch sein Geschäft hatte und auf sein Bureau ging, Wimmerte er sich nicht im geringsten um die Bewahrung Und Vermehrung seiner Muskelenergie. Als er aber eines Tages, mitten im kräftigsten Schaffen, durch einen Haupttreffer in der Lotterie abberusen wurde, fing er an, seinen Körper,mit größerer Sorgfalt zu überwachen und den Organismus gegen die schädlichen Einflüsse einer Rente von zwanzigtausend Mark abzuhärten.
Zunächst wurde er Hypochonder, dann Vegetarianer, erklet- kerte sämtliche Gipfel der umliegenden Wälder und genoß die Natur mit dem Schrittmesser in der Hand. Als dies alles seine Gesundheit nicht zu uickergraben vermochte, entdeckte er eines Morgens, daß er eigentlich ein „Kraftmensch" sei. Er sagte den Leuten bei jeder Gelegenheck, er sei zwar nicht stark, aber „untersetzt", seine Muskeln seien zwar nicht umfangreich, aber.„sehnig", feine Gesichtsfarbe sei zwar blaß — dafür könne aber jeder an den Adern seines Armes und Halses beurteilen, !vie vollblütig er sei. Dann bewarb er sich um Rufnahnre in den Athletenklub „Die Kettenbeißer".
Anfangs gab es ein lautes Hallo. Sämtliche „Beißer" maßen ihn mit Verachtung von oben herab, doch bald lernte man seine vorttefflichen Eigenschaften derart schätzen, daß er in kurzer Zeit zum „Oberbeißer" ernannt wurde.
Seine Leistungen wurden von keinem Mckgliede auch nur nachzuahmen versucht, viel weniger übertroffen. Wenn beispielsweise einer von ihnen ein Hektoliterfaß mit den Zähnen emporhob, so imponierte das den übrigen sehr wenig, weil sie es auch zustande brachten. Hingegen erdröhnte ein nur Athletenfäusten Möglicher Beifall, wenn Herr Hammerschmidt das Hektolckerfaß mit Bier füllen ließ, zahlte und die anderen aufforderte, es aus- zuttmken.
Es schien ein stillschweigender Vertrag zu sein, daß er bei red er Zusammenkunft irgend eine Wette verlor, deren Betrag gerade hinreichte, die Athletenkehlen den Abend über feucht zu erhalten.
Sein bester Freund und Intimus in dieser prächtigen Gesellschaft war ein Doktor Klchofcr, der im Stemmen von Flüssigkeiten, die er dann nachher in einen hohlen Raum seines Körpers goß, Fabelhaftes leistete. Sein mächtiger Kopf saß auf einem Stiernacken, der mit einem nilpferdartigen Torso zusammenhing. Er führte das größte Wort im Klub, nahm den Mund immer mächtig voll und prahlte bei jeder Gelegenheit mit seinen wahrhaft herku- lischen Kräften. Hammerschmidt gehörte zu seinen begeistertsten Verehrern, pries ihn als das Urbild eines Athleten und tat über» Haupt nichts, ohne sein Ideal um Rat zu fragen.
Herr Hammerschmidt befand sich also, wie gesagt, in angeregtester Stimmung, als seine Frau ihn mit einer höchst wichtigen Mitteilung überraschte.
, Das emsige Töchterchen Cilli hatte die Bekanntschaft eines lungen, hübschen, und was in unserer Zeit gewiß kein Nachteil ist,' sehr vermögenden Mannes gemacht. Er war Doktor der Rechte, bekleidete eine sehr schöne Stellung int Staatsdienste und wurde von allen, die ihn kannten, als höchst ehrenvoller Charatter geschildert. Zudem war er wahnsinnig in die Cilli verliebt und verlangte sie zu seiner Gattin.
Hammerschmidt war selbstverständlich entzückt über diesen Glücksfall und schilderte ihrem Gatten den jungen Mann in den schönsten Farben.
»Hm! Hm! Wir werden sehen," sagte Herr Hammerschmidt/ und seine Miene drückte zum größten Verdrusse seiner Gattin bedenkliche Zweifel aus.
„Wir werden sehen," wiederholte er. „Wie ist der Mann gebaut? Hat er eine gesunde Gesichtsfarbe? Wie alt sind seine Eltern geworden? War sein Großvater erblich belastet? Warum ist er nicht beim Militär? Das muß ich alles wissen — es handelt sich um das Glück meines einzigen Kindes und meines zuMnstigen Geschlechtes bis ins sechzehnte Glied. Mein Schwiegersohn muß vor allem gesund sein. Kein Glück ohne Gesundheit! Und da kann einer in Gold eingewickelt sein, so gebe ich ihm mein Kind doch nicht, wenn er nicht auch einen gesunden „Thorax" hat."
Frau Hammerschmidt erwiderte etwas eingeschüchtert, daß der Bewerber zwar zart und schmächtig sei, jedoch einen durchaus gesunden Eindruck gemacht h!übe.
Indem klopfte es an der Tür, und der Gegenstand des Gesprächs trat ins Zimmer.
Nachdem ihn Frau Hammerschmidt freundlich begrüßt hatte, huschte sie hinaus und ließ die beiden Männer allein.
„Mein Name ist Doktor Erich Steinbrecher," begann der junge Mann mit höflicher Verbeugung.
„Alle Achtung," erwiderte Herr Hammerschmidt, „Wenns nur wahr ist."
„Wie, bitte?" fragte der Brautwerber verwirrt.
„O nichts — ich habe nur gemeint, der Name gefällt mir gut —"
„Mein Herr," fuhr der junge Mann fort, „ich hatte in diesem Winter das Glück, Ihr verehrtes Fräulein Tochter kennen zu lernen — der Geist, die Anmut, Herzensgüte, sowie die liebliche Erscheinung —"
Herr Hammerschmidt, der den Doktor prüfend von oben bis unten betrachtete, ging auf ihn zU, legte ihm die Hände auf die Schultern und sagte feierlich: ,Holen Sie mal tief Atem!"
Der Angeredete blickte erstaunt aus.
„Na, Ihnen, als Verliebten, wird das doch nicht schwer fallen?! Mich hätten Sie hören sollen Atem schöpfen, als ich verliebt war! Eine Windmühle hätte man damit trerßen können!"
„Ja — aber — warum?" stotterte der verblüffte Doktor.
„Ich will nur scheu, lote sich der Thorax dabei ßemmhnt." Doktor Steinbrecher holte tief Atem. Dabei kam ihm zu viel Luft in die Kehle. Die Folge war ein Hustenansall, daß er ganz blaurot int Gesicht wurde.
Hammerschmidt schüttelte bedenklich den Kopf und legte das Ohr an Steinbrechers Brust. Inzwischen hatte sich dieser aus- gchustet und sprach weiter: „Ich glaube mir schmeicheln zu dürfen/ daß meine stille Werbung von feiten Ihres Fräulein Tochter nicht unbemerkt geblieben, ja sogar sympathisch ausgenommen mürbe —"
„Ach, möchten Sie mir den Gefallen tun urrd das Büsfett ein bißchen von der Wand rücken? unterbrach ihn Hammerschmidt.
Ganz im Unklaren über seinen wunderlichen Schwiegervater in spe tat der Doktor wie ihm geheißen oder vielmehr, versuchte! so zu tun, denn trotz aller Anstrengung brachte er den schweren Kasteit nicht von der Stelle. . l
„Sie sind aber sehr schwach!" sagte Vater Hamnterschmidk mißbilligend und schüttelte das HaUpt.
Steinbrecher entschuldigte seine Ungeschicklichkeit mit Mangel an Uebung und fuhr fort: „Ich bin in der glücklichen Lage, meiner zukünftigen Frau eine angenehme soziale Stellung zu bieten —e meine Vermögensverhältnisse gestatten mir ein sorgenfreies, sogar luxuriöses Leben, und ich erlaube mir daher —"
Hammerschmidt brachte in diesem Augenblick ein paar schwarze Ungeheuer herbeigeschleppt.
„Da — probieren Sie einmal! Wenn Sie die zwanzigmal herumschwingen, hören Sie die Engel im Himmel pfeifen," meinte er mit strahlendem Lächeln und drückte dem sprachlos dastehenden Doktor ein Paar mächtiger Hanteln in die Hände.
Der unglückliche Brautwerber, üon der Wucht der Eisenkolben zn Boden gezogen, ließ sie mit mächtigem Gepolter fallen.
Im Herunterfchlagen kollerte ihm ttoch einer der Unholde über seine in eleganten Lackstiefeln steckenden Füße, so daß er, vor Schmerz laut ausschrie und sich ganz blaß ian die Wand lehnte.
„O weh — das geht sehr, sehr schlecht, junger Herr!" rief Hammerschmidt und führte den armen halbohnrnächtigen Doktor zu einem Stuhl.
„Also, meine Cilli möchten Sie gern heiraten? Ja — im Prinzip hätte ich ja nichts dagegen. Wie ich höre, sind Sie ein braver Mensch, haben Verntögen und eine gute Stellung —■ jedoch in Ihrem jetzigen Zustand kann ich Ihnen unmöglich meine Einwilligung geben. Aber wenn Sie meine Ratschläge befolgen,


